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Local E-Commerce

Kiezkaufhaus – lokal liefern lassen – für eine lebenswerte Stadt

Kiezkaufhausfahrer auf seiner Tour
Kiezkaufhausfahrer auf seiner Tour © pöhlmann – Fabrice Pöhlmann

Das Konzept Kiezkaufhaus

Das Kiezkaufhaus ist eine Online-Plattform, auf der die Waren lokaler, unabhängiger Händler, Hersteller und Produzenten einer Stadt angeboten werden. Die über die Plattform bestellten Waren werden per Fahrrad zum Kunden geliefert. Der Onlinemarkt ist die Boombranche schlechthin. Pro Jahr rechnen Experten mit ca. 11 % Wachstum. Bereits im Jahr 2013 hat jeder Deutsche im Durchschnitt 646 € in Online-Shops umgesetzt. Dieser Trend weitet sich auch auf die Bestellung von Lebensmitteln aus. Große Player wie Amazon starten erste Offensiven. Für Konsumenten ist der häufigste Grund der Online-Bestellung wenig Zeit und Bequemlichkeit. Darauf setzen wir mit unserem Service: ein Online-Shop, in dem lokale Händler und Hersteller ihre Produkte anbieten. Die Einkäufe werden noch am selben Tag mit Cargobikes geliefert - also schneller als Amazon und emissionsfrei. Das verbindet den Komfort des Online-Shoppings mit dem Wunsch, die lokalen, unabhängigen Händler zu unterstützen, also diejenigen, die eine Stadt individuell prägen und deren Ersatz durch anonyme Handelsketten immer mehr bemängelt wird. Ganz nebenbei schützt der Service die Umwelt und fördert den innerstädtischen Radverkehr, im Speziellen den Lastentransport auf dem Fahrrad.

Das Prinzip: Wir nutzen die vorhandene hyperlokale Infrastruktur, also lokale Einzelhändler und Hersteller, verringern dadurch Lieferstrecken von großen Lagern in die Städte, verzichten auf Zwischenlager und vermeiden Verpackungen. Innerstädtisch liefern wir per Cargobikes CO2-neutral aus, entlasten damit die letzte Meile und stärken den Radverkehr in der Stadt, indem wir live alternative Transportmöglichkeit beweisen. Das Kiezkaufhaus ist ein kleiner Schritt, die globale, von multinationalen Konzernen regierte Welt wieder etwas normaler, ruhiger, kleiner und lokaler zu machen – und das bei gleichem Komfort. Eine wunderbare Art, den Menschen ihre Bequemlichkeit zu lassen und trotzdem etwas zu verbessern.

Ziel des Kiezkaufhaus

Das Ziel des Kiezkaufhauses ist die Schaffung eines fahrradbasierten, innerstädtischen Logistiksystems bei gleichzeitiger Erhaltung der innerstädtischen Infrastruktur durch inhabergeführte Geschäfte. Dabei soll das Kiezkaufhaus innerhalb des definierten Liefergebietes einer Stadt eine adäquate Alternative zu bekannten Onlinehändler werden und private Einkaufsfahrten mit dem PKW substituieren. Dies führt nicht nur zu einer Entlastung des CO2-Haushaltes einer Stadt, sondern auch zu einer Stärkung des städtischen Händlernetzwerkes, der Bindung zwischen Händler und Kunden sowie der Stärkung des Radverkehrs. 

Ein Kiezkaufhaus wurde als Prototyp in Wiesbaden aufgebaut, um zu testen, ob das Modell logistisch abbildbar ist und von den Kunden angenommen wird. In den letzten 1,5 Jahren konnte der prototypische Betrieb des Kiezkaufhauses beweisen, dass es sich um ein funktionierendes System handelt, das es wert ist, auch in anderen Städten zum Einsatz zu kommen. Denn mit dem Kiezkaufhaus können wir:

  • die letzte Meile / City-Logistik entlasten (indem Transporte des Distanzhandels und Einzelfahrten zum Einkauf in die Stadt substituiert werden),
  • das Lastenbike als adäquates Transportmittel in der Stadt etablieren und damit den Radverkehr stärken,
  • die lokalen Händler stärken,
  • den lokalen Herstellern einen lokalen Online-Absatzmarkt bieten,
  • Verpackungen des Distanzhandels substituieren.

Eine kurze Zusammenfassung als Video finden Sie hier.

Beitrag des Projekts zur Umsetzung des NRVP

Wir tragen mit dem Kiezkaufhaus zum Leitbild "Radverkehr als System" bei, da der Service täglich beweist, dass Auslieferungen der Waren mit Cargobikes sehr gut funktionieren und zeigt, wie zeitgemäße City-Logistik aussieht. Wie im Nationalen Radverkehrsplan im Kapitel "Transporte mit dem Fahrrad" beschrieben, entlasten wir mit unserem Dienst die letzte Meile gleich mehrfach: Zum einen ersparen wir der Innenstadt einzelne Fahrten mit privaten PKWs in die Stadt. Der Service ersetzt sozusagen den Kofferraum eines Autos, so dass jeder einzelne Bürger anstelle des Autos mit dem Rad in die Stadt fahren kann, da er keine Lasten (also Einkäufe) nach Hause transportieren muss. Zum anderen substituieren wir Auslieferungen der großen Distanzhändler. Außerdem ist denkbar, dass die Kiezkaufhaus-Umpackstationen auch anderen Lieferanten als Hub dienen und Kiezkaufhausfahrer die Auslieferungen der letzten Meile als Dienstleister übernehmen. Wie im Nationalen Radverkehrsplan im Kapitel "Beitrag des Radverkehrs zu gesamtgesellschaftlichen Zielen" beschrieben, bieten wir im Bereich Demografie eine Lösung für ältere Bürger, deren vor-Ort-Einkäufe mit den Cargobikes nach Hause geliefert werden. Das Schöne ist: Die Damen und Herren kommen vor die Tür und haben den sozialen Kontakt mit dem Händler und aber sie brauchen nicht mehr schwer tragen. Sie lassen ihre Einkäufe im Laden stehen und wir bringen sie mit dem Rad bis an ihre Wohnungstür. Und grundsätzlich gilt: Jedes Fahrrad auf der Straße stärkt den Radverkehr. Viel größeren Effekt hat natürlich ein Lastenbike, da es mehr Sichtbarkeit hat. Selbst Nicht-Fahrradfahrer sind beeindruckt vom Fassungsvermögen eines Lastenrades und beginnen, sich mit der Thematik zu beschäftigen, wenn sie es selbst durch die Kiezkaufhaus-Auslieferung erleben durften.

Das positive Image des Kiezkaufhauses dient als Marketinginstrument für das Fahrrad und unterstützt so nebenbei das Image des Fahrrads. Das Kiezkaufhaus gewann einige Preise aus dem Nachhaltigkeitsbereich – im Besonderen zu erwähnen ist hier der Deutsche Fahrradpreis, der "...als Bestandteil des Nationalen Radverkehrsplans der Bundesregierung dazu beiträgt, Good-Practice-Beispiele bei Entscheidungsträgern und Fachleuten bekannt zu machen. So dienen die eingereichten Beiträge bundesweit als Vorbild und Anregung für weitere Projekte und Maßnahmen der Radverkehrsförderung." [1] Der "Deutsche Fahrradpreis" vergab dem Kiezkaufhaus in der Kategorie Service den ersten Platz mit folgender Begründung [2]: " … Mit der Verbindung von komfortablem Online-Handel und umweltbewusster Nahversorgung durch lokale Händler konnte dieser neue Ansatz die Jury begeistern."

Zu guter Letzt sind die Kunden des Kiezkaufhauses echte Fans, die deshalb selbst Werbung für den Transport mit dem Lastenrad machen und sogar soweit gehen, dass sie Partys veranstalten, um ihren Freunden von den Vorteilen des Kiezkaufhauses zu berichten. Und es gibt bekanntlich kein besseres Marketing als gute Mund-zu-Mund-Propaganda. Diese wird stark unterstützt durch die Social-Media-Aktivitäten und den Kundennewsletter. Neben dem Marketing für das Kiezkaufhaus bewerben wir immer wieder Aktionen und Events rund ums Fahrrad, wie zum Beispiel Termine für die Critical Mass, das Fahrrad-Film-Festival, das Stadtradeln und vieles mehr. Damit bringen wir die Kiezkaufhauskunden in direkten Kontakt mit verschiedenen Fahrradaktivitäten.

Bisherige Erfolge

Das Kiezkaufhaus wurde mit einer prototypischen Software für Wiesbaden umgesetzt, um zu testen, ob das Modell angenommen wird. Das hat recht erfolgreich geklappt. Bereits heute wurden für den Prototypen einige Preise gewonnen, sowohl im Nachhaltigkeits-, als auch im E-Commerce-Bereich: Der Deutsche Fahrradpreis, Green Tec Award, Land der Ideen, Innovation by Design Award: City Solution, Bester der Branche: Das Jahr der Werbung, Lovie Award, Annual Multimedia 2016 Gold, Deutscher Designer Club Bronze, UX Design Award Gold, RedDot.

Sat.1, RTL und die Hessenshow haben Fernsehberichterstattungen über das Kiezkaufhaus gebracht. Außerdem gab es einige Berichte in Print- und Online-Medien – sogar in Medien wie dem Greenpeace Magazin – und das Kiezkaufhaus wurde bereits auf einigen Konferenzen vorgestellt. Das Kiezkaufhaus wurde im April 2015 gegründet und wird als Social Business betrieben. So wird verhindert, dass „Investoren-Interessen“ über den lokalen, gesellschaftlichen und politischen Zielen des Projekts stehen. Ziel ist, das Kiezkaufhaus auch für andere Städte bereitzustellen, sodass jede Stadt hyperlokalen E-Commerce betreiben kann und selbst von den Gewinnen profitiert. Dafür soll im Zuge des Projektantrages ein Social-Franchise-Konzept entwickelt werden. Der aktuelle Projektstand ist unter www.kiezkaufhaus.de einzusehen. Das Kiezkaufhaus ist grundsätzlich in zwei Bereiche geteilt: die Online-Plattform und den Lieferservice. Grob finanziert sich der Lieferservice über die Liefergebühren und die Plattform über die Beteiligung an den Margen der Verkäufe.

Im Tagesgeschäft sind folgende Stakeholder involviert:

  1. Bestellungen gehen im Kiezkaufhaus ein
  2. Bestellungen werden gebündelt an die Händler versendet
  3. Kurier sammelt die Bestellungen bei den Händlern ein
  4. Kurier bringt die Bestellungen zum Kunden

Neben dem Tagesgeschäft muss regelmäßig das Sortiment erweitert, Marketing und PR betrieben, Bestellungen und Handling der lokalen Produkte sowie die Buchhaltung gemacht werden. Das Kiezkaufhaus finanziert sich über eine Mischkalkulation zwischen Marge der Bestellungen und einer Liefergebühr. Das Kiezkaufhaus liefert Stand 06/2017 ca. 20 Bestellungen pro Tag aus. Eine Steigerung der Bestellungen im dritten Jahr auf 30 pro Tag wird angenommen. Damit ist der Break-Even erreicht: Das Tagesgeschäft des Kiezkaufhauses trägt sich dann also selbst. Übergreifende Aufwände wie Marketing, Design und Ähnliches sind hier nicht inbegriffen. Sie werden weiterhin vom Kiezkaufhaus Stammpersonal umgesetzt. Finanziert wird das Kiezkaufhaus derzeit privat und durch die Agentur Scholz & Volkmer, die durch Bereitstellung von Räumlichkeiten und inhaltlich durch Marketing und Programmierungs-Know-How unterstützt.

[1] Zitat aus der Website des Deutschen Fahrradpreises

[2] Veröffentlichung auf der Seite des Deutschen Fahrradpreis

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

"Das Kiezkaufhaus ist unsere Investition in eine zukunftsfähige Gesellschaft. Es erspart der Umwelt unnötige CO2-Emissionen durch Transporte, entlastet den Verkehr in Innenstädten, unterstützt lokale und unabhängige Händler und sorgt für korrekte Steuereinnahmen in der Region. Ein Konzept, von dem viele Städte profitieren können." sagt Michael Volkmer, Inhaber vom Kiezkaufhaus.

Finanzierung

Finanzierung: 
Private Mittel
Sponsoring, Spenden
Gesamtvolumen: 
200 000 €
Erläuterungen: 

Die Finanzierung bis zum heutigen Stand haben wir privat gestemmt. Inzwischen haben wir einige sehr ernst gemeinste Anfragen anderer Städte, die das Kiezkaufhaus bei sich aufbauen möchten – sowohl von Städte- als auch von Unternehmerseite. Das Kiezkaufhaus in andere Städte zu bringen, ist ein langfristiges Ziel – und zwar als Social Franchise, das die Techniken des kommerziellen Franchising nutzt, aber angepasst an die Erreichung von Gemeinwohlzwecken.

Um das Kiezkaufhaus in andere Städte zu bringen, muss die prototypische Software durch eine professionelle, ausrollfähige Software ersetzt werden. Die Entwicklung der Software kostet mehr, als wir über die einzelnen Kiezkaufhaus-Unternehmen einspielen können. Deshalb sind wir hier auf Förderung angewiesen. Sobald die Software einmal entwickelt ist, müssen die monatlichen Kosten zur Weiterentwicklung und Pflege der Software über die einzelnen Unternehmer getragen werden.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Nanna Beyer
 

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Mai 2015

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Nanna Beyer
Kiezkaufhaus
Geschäftsleitung
Schwalbacher Str. 72
65183 Wiesbaden
Telefon: 0611-18099180
E-Mail: nanna@kiezkaufhaus.de
Internet: Kiezkaufhaus

Meta-Info
Stand der Information
27. Juni 2017
Autor
Nanna Beyer, Geschäftsleitung Kiezkaufhaus
NRVP-Handlungsfelder
Kommunikation
Fahrradthemen
Ausgewählte Zielgruppen
Logistik und Transport
Nachhaltigkeit
Schlagworte
Aeltere Menschen
Einzelhandel
Emission
Klima
Lastenfahrrad
Zustelldienst
Land
Hessen