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Radschulwegplan der Ellental-Gymnasien

Internetbasiertes Tool zur Erfassung der tatsächlich gefahrenen Radschulwege mit Gefahren- und Problemstellen

Ein einzelner Schulweg im Computer-Stadtplan eingetragen
Ein einzelner Schulweg im Computer-Stadtplan eingetragen © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg

Projektziel

Die Arbeitsgemeinschaft Radschulwegplan (AG RSWP) der Ellentalgymnasien hat sich zum Ziel gesetzt, die Akzeptanz des Fahrrads, das bisher schon das von den Kindern und Jugendlichen meistbenutzte Verkehrsmittel auf dem Schulweg ist, nachhaltig noch weiter zu erhöhen.

Projektumsetzung

Information der Eltern

In mehreren Anschreiben wurden die Eltern der Schülerinnen und Schüler über den Ablauf und die geplante Erfassungsmethodik informiert. Die Einbeziehung der Eltern war ein wichtiger Bestandteil des Radschulwegeplan-Projekts.

Mobilitätsumfrage unter den Schülern

Zunächst wurde in einer Mobilitätsumfrage ermittelt, welche Verkehrsmittel die Schüler während der warmen und der kalten Jahreszeit hauptsächlich nutzen. Dabei konnte mit konkreten Zahlen belegt werden, dass im Sommer das Fahrrad bevorzugt wird, während im Winter die Vorteile der in Bietigheim-Bissingen gut ausgebauten Buslinien zum Tragen kommen.

Softwaregestützte Erstellung von Schulwegplänen

Mit dem Rad unterwegs, nutzen Kinder und Jugendliche nicht selten lieber andere Wege, als die von den Erwachsenen gewünschten. Um jene Stellen auf den Schulradwegen ermitteln zu können, die im alltäglichen Verkehrsgeschehen am problematischsten sind, sollten die tatsächlich gefahrenen Wege möglichst vollständig erfasst werden. Darüber hinaus sollten die Schüler diejenigen Abschnitte und Stellen angeben, die von ihnen selbst als schwierig oder gefährlich angesehen werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurde ein Computerprogramm für die Erfassung der Schulwege entwickelt, mit dem die Routen der Schüler in digitale Stadtpläne eingetragen, zusammengefasst und ausgewertet werden können. Die digitalen Karten werden in einem Format erstellt, das auch von den Geo-Informations-Systemen (GIS) professioneller Stadt- und Raumplaner verarbeitet werden kann. Diese so genannte WebGIS-Software zur Erfassung der Radschulwege wurde vom Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung (LGL) in Stuttgart bereitgestellt. Das web-basierte Geoinformationssystem ist einfach bedienbar und ermöglicht eine rasche Datenaufnahme in hoher Genauigkeit.

Die praktische Umsetzung in den Klassen begann damit, dass die Schüler als Hausaufgabe einen Stadtplanausdruck ihres Wohngebiets bekamen, um dort schon mit einem Buntstift ihren persönlichen Schulweg einzutragen, Notizen zu problematischen Stellen festzuhalten und diese eventuell mit Fotoaufnahmen zu dokumentieren. Im Geographie-Unterricht trugen die Schüler dann die auf dem Fahrrad zurückgelegten und handschriftlich notierten Schulwege per Mausklick in einen Computer-Stadtplan ein. Problematische Stellen wurden markiert, mit Texterläuterungen versehen und zusätzlich mit Fotografien illustriert, soweit diese vorlagen.

Jeder einzelne Schulweg ergab so eine farbige Linie auf dem Stadtplan. Die Schulwege mehrerer Schüler übereinander dargestellt sehen aus wie unterschiedlich dicke, sich auffächernde Spaghetti-Bündel. Die so sichtbar gemachten Hauptrouten wurden dann als breite Linien im endgültigen Radschulwegplan der jeweiligen Schule als typische "Schulradwege" markiert.

Weitergabe der Ergebnisse

Die kritischen Stellen wurden nummeriert, die Erläuterungen verschiedener Schüler dazu verglichen und zusammengefasst. Daraus wurde eine datenbankgestütze tabellarische Arbeitsliste erstellt, in der die Mitglieder der AG Radschulwegplan und die Mitarbeiter des Stadtbauamts ihre Verbesserungsvorschläge eintrugen.

Ausblick

In den kommenden Jahren wird es darum gehen, die vorgeschlagenen Verbesserungen zügig umzusetzen und das Bewusstsein dafür zu erhalten, dass bei der Gestaltung des Straßenraums, wie z.B. bei Baumaßnahmen, auch die Schulradwegführung zu berücksichtigen ist. Die Auswirkungen des Projekts sollen nach etwa fünf Jahren mit einer neuen Mobilitätsbefragung überprüft werden.

Das in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Geoinformation und Landesentwicklung Baden-Württemberg (LGL) entstandene Tool kann anderen interessierten Schulen zum Erfassen der von ihren Schülern zurückgelegten Schulwege zur Verfügung gestellt werden.

Mittlerweile hat der Landkreis Ludwigsburg in Zusammenarbeit mit drei weiteren Bietigheimer Schulen ähnliche Projekte durchgeführt.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Es ist erstmals gelungen, ein von Schülern leicht zu benutzendes und gern akzeptiertes Tool zu entwickeln, mit dem Radschulwege und ihre Problemstellen erfasst und einer kontinuierlichen Verbesserung zugeführt werden können. Das Tool ist internetfähig und kann somit von jeder Schule, die über einen Internet-Anschluss verfügt, eingesetzt werden. Einzelheiten sind in Baden-Württemberg mit dem jeweiligen Fachleuten des Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung LGL BW abzuklären und außerhalb Baden-Württembergs mit den Fachleuten der vergleichbaren Landesämter.

Finanzierung

Finanzierung: 
Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Sonstige
Erläuterungen: 

Die Arbeitszeit wurde von den Eltern, Lehrern und Schüler ehrenamtlich oder im Rahmen des Unterrichts erbracht. Sachmittel wurden von den Projektpartnern unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Im Rahmen einer Befragung wurde im Frühjahr 2011 vor der Erstellung des Radschulwegplans eine Mobilitätsbefragung durchgeführt. Diese Befragung soll im Frühjahr 2016 (Plantermin) wiederholt werden.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Arbeitsgemeinschaft Radschulwegplan der Ellentalgymnasien in Bietigheim-Bissingen (AG RSWP)

Projektbeteiligte: 

Etwa 30 Eltern sowie das Lehrerkollegium und die Schülerschaft

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 2011
Info zur Laufzeit: 
  • Der 1. Radschulwegplan wurde am 26. März 2012 veröffentlicht
  • Der Problemstellenkatalog wurde am 8. August 2012 der Stadtverwaltung übergeben
  • Die Pflege des Radschulwegplans und des Maßnahmenkatalogs ist jedoch eine Dauermaßnahme

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Radschulwegplan
Herr Bernhard Krumwiede
Ellental-Gymnasien Bietigheim-Bissingen
Ausschuss des Elternbeirats
Steigstraße 52
74321 Bietigheim-Bissingen
E-mail: BernhardKrumwiede@sichererSchulweg.de
WWW: www.sichererSchulweg.de
 

Kommunale Ansprechpartner: 

Bürgermeister
Herr Joachim Kölz
Stadt Bietigheim-Bissingen
Kirchplatz 5
74321 Bietigheim-Bissingen
E-mail: j.koelz@bietigheim-bissingen.de
WWW: www.bietigheim-bissingen.de
 

Meta-Info
Stand der Information
6. Juli 2013
Autor
Dr. Erwin Weiblen, Mitglied der AG Radschulwegplan
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Baden-Württemberg