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Umgestaltung der Osttangente in Oldenburg

Integration einer innerstädtischen Straßentangente aus den 1960er Jahren

Luftbild Osttangente
Luftbild Osttangente © Stadt Oldenburg

1. Ausgangssituation

In Oldenburgs von Kriegszerstörungen weitgehend verschonter Altstadt mit ihren engen Straßen und Gassen wurde am 1. August 1967 die erste flächenhafte Fußgängerzone Deutschlands eingerichtet. Dafür wurden 15 Innenstadtstraßen und damit eine Fläche von 20 ha für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt. Im Zusammenhang mit der Entscheidung für einen solch weitreichenden Fußgängerbereich wurde der Ausbau der innerstädtischenTangenten um das Stadtzentrum herum, insbesondere des Wallrings, und der Bau von daran angeschlossenen Parkhäusern verfolgt, um den vorher durch die Innenstadt führenden Verkehr abzuleiten und die für die Einzelhandelszentralität entscheidende regionale Erreichbarkeit zu sichern. Der Wallring ist gleichzeitig Verteiler für den Radverkehr, der auf den Radialstraßen in das Zentrum führt. An den Schnittpunkten dieser Straßen mit dem Wallring als Tore zum Fußgängerbereich der Altstadt liegen die großen Abstellanlagen mit insgesamt ca. 1.700 Stellplätzen, die ebenfalls in den vergangenen Jahren sukzessive umgestaltet und mit neuen Abstellbügeln versehen worden sind.

2. Projektdurchführung

Während der südwestliche und nordwestliche Abschnitt des Wallrings überwiegend auf vorhandener Trasse und im vorhandenen Querschnitt zu Hauptverkehrsstraßen umgestaltet wurde, ist der nördliche und östliche Abschnitt, die so genannte "Osttangente", mit einer abschnittsweisen Neutrassierung und Schaffung neuer, großzügig dimensionierter Knotenpunkte sowie auf vier Fahrspuren aufgeweiteren Querschnitten verbunden gewesen. Die Osttangente, gleichzeitig Standort der von allen Buslinien angefahrenen zentralen Innenstadt-Bushaltestelle Lappan, hat sich kaum in den Stadtraum integriert und stellte bislang aufgrund der überwiegend kraftfahrzeugverkehrsorientierten Gestaltung eine erhebliche innerstädtische Barriere für den Fuß- und Radverkehr und damit ein trennendes Element für die angrenzenden Innenstadtbereiche dar.
Inbesondere die Elemente "mehrspuriger Kreisverkehrsplatz" (Pferdemarkt, Stautor) und Knotenpunkt mit "freien Rechtsabbiegern" (Lappan) in Kombination mit Unterführungen für Fußgängern betonten die Ausrichtung auf den Kraftfahrzeugverkehr und das Verdrängen der Fußgänger und Radfahrer in Randbereiche. Die drei Tunnelanlagen waren für Mobilitätseingeschränkte nicht nutzbar und verursachten zuletzt hohe Unterhaltungskosten, da sie bereits seit ca. 40 Jahren bestehen. Die Verkehrsbelastung der Osttangente erreicht in Abschnitten bis über 35.000 Kfz/Tag und verlangt für den gesamten Straßenzug benutzungspflichtige Nebenanlagen für den Radverkehr, die sich aufgrund ihres Alters zuletzt ebenfalls in schlechtem baulichen Zustand befinden.
In Hinblick auf den hohen Radverkehrsanteil in Oldenburg, der inbesondere im innerstädtischen Verkehr bei ca. 30 Prozent liegt, wurde 2005 das Ziel einer fußgänger- und fahrradfreundlichen Umgestaltung formuliert. Gleichzeitig wurde die Vorplanung einer umfassenden Neugestaltung der zentralen Innenstadthaltestelle "Lappan" mit ca. 15.000 Fahrgastwechseln pro Tag begonnen.

Mit der Umgestaltung der Osttangente werden die folgenden Ziele verfolgt:

  • Einrichten niveaugleicher Fußgängerquerungen
  • Schließen der Fußgängertunnelsysteme Pferdemarkt, Stadtmuseum und Lappan
  • Verkürzen der Querungsbreiten durch kompakte Knotengestaltung
  • Einrichten gegenläufiger Radverkehrsführung an den Kreisverkehrsplätzen
  • Umsetzen fahrradfreundlicher Ampel-Schaltungen
  • Trennen von Fuß- und Radverkehrssignalisierung an Knoten
  • Neubau von Geh- und Radwegen
  • Schaffen moderner Abstellanlagen für den Radverkehr
  • Behinderten- und niederflurgerechter Umbau der zentralen Innenstadthaltestelle für den Stadt- und Regionalbusverkehr
  • Erhöhen der Aufenthaltsqualität

Für die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen stehen folgende Mittel zur Verfügung:

  • Umbau der zentralen Haltestelle einschließlich Straßenkreuzung und Nebenanlagen: Landesmittel für den ÖPNV, Mittel des ÖPNV-Förderfonds des Zweckverbands Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen, Landesmittel für den Straßenbau, kommunale Mittel
  • Umbau Staulinie einschl. Nebenanlagen: Landesmittel für den Straßenbau, kommunale Mittel
  • Umbau der Nebenanlagen im Abschnitt Poststraße/Paradewall: Private Investitionsmittel nach Durchführungsvertrag mit dem Vorhabenträger Einzelhandelsprojekt Schlosshöfe, kommunale Mittel des Rad- und Fußwegeprogramms
  • Umbau der Nebenanlagen übrige Abschnitte: Kommunale Mittel des Rad- und Fußwegeprogramms

In Verbindung mit den Einzelvorhaben Lappan, Staulinie und Schlosshöfe sowie der Mittelverfügbarkeit des kommunalen Rad- und Fußwegeprogramms wurde die Umgestaltung in Einzelschritten über mehrere Jahre vorgesehen. Begonnen wurde mit den Maßnahmen im Norden des Straßenzugs, bis 2012 wird das südliche Ende erreicht werden. Bis heute wurden die folgenden Maßnahmen umgesetzt (vgl. Abbildungen):

  • Umbau Gabelung Alexanderstraße/Nadorster Straße mit beidseitiger gegenläufiger Radverkehrführung zwischen Kreuzung und Pferdemarkt und Verbreiterung der Querungsfurten
  • Einrichten von "Rundumgrün" am Knoten Alexanderstraße/Nadorster Straße: Gleichzeitige Freigabe aller Richtungen für den Fuß- und Radverkehr
  • Schließen des Fußgängertunnels Pferdemarkt; Ausbau der ebenerdigen Querungsfurten
  • Einrichten gegenläufiger Führung für den Radverkehr um den gesamten Kreisverkehrsplatz mit Freigabe aller Furten für Radverkehr in beiden Richtungen
  • Umbau der anschließenden Fahrradwege
  • Ersatz der Abstellanlagen am Pferdemarkt durch Anlehnbügel
  • Schließen des Fußgängertunnels Am Stadtmuseum
  • Rückbau der Kreuzung Lappan
  • Schließen des Fußgängertunnels Lappan
  • Einrichten ebenerdiger Querungsfurten für den Fußverkehr und für den Radverkehr an der Lappan-Kreuzung
  • Trennung der Signalisierung von Fuß- und Radverkehr
  • Markieren von Aufstellflächen für linksabbiegenden Radverkehr auf der Fahrbahn
  • Einrichten neuer Abstellanlagen im Bereich der zentralen Innenstadthaltestelle
  • Behinderten- und niederflurgerechter Neubau der zentralen Innenstadthaltestelle Lappan (2008-2009)

Im Jahr 2009 wird mit dem Umbau der Straße Staulinie begonnen und an den Umbau Lappan angeschlossen. Durch eine Reduzierung der Fahrbahnbreite wird ein Flächengewinn für den Fuß- und Radverkehr erzielt. Der Radweg erhält einen neuen Belag und begleitende Abstellanlagen. Im Bereich der stark frequentierten Haltestelle Staustraße wird durch die verbesserte Flächensituation eine Entzerrung des Radverkehrs und der Fahrgastwechsel bewirkt.
Im anschließenden Bereich des Kreisverkehrsplatzes (KVP) Stautorkreisel wird 2009/2010 vergleichbar zum bereits umgesetzten Maßnahmenpaket am KVP Pferdemarkt verfahren: der Radverkehr erhält eine Freigabe in beide Richtungen und über alle Querungsfurten rund um den Kreisverkehrsplatz. Gleichzeitig wird nach Möglichkeit eine getrennte Signalisierung vom Fußverkehr vorgenommen (wird geprüft). Für den anschließenden Abschnitt der Tangente (Poststraße) bis zur Mühlenstraße mit dem Einzelhandelsvorhaben Schlosshöfe wird eine gegenläufige Führung des Radverkehrs eingerichtet, um die direkte Erreichbarkeit des zukünftigen neuen Zielpunkts aus den nördlichen und nordöstlichen Stadtbereichen sicherzustellen. Diese Umgestaltung wird unter Einbeziehung des Knotens Post-/Amalien-/Mühlenstraße bis zum Oldenburger Schloss fortgeführt, so dass auch der Schlossplatz mit seinen vorgesehenen neuen Abstellanlagen direkt an das System angebunden sein wird. In diesem Zusammenhang wird auch die Mühlenstraße neue Abstellanlagen erhalten und als Einbahnstraße in beiden Richtungen mit dem Fahrrad befahrbar sein.
Den Abschluss der Umgestaltung bildet der Knoten Damm/Paradewall/Elisabethstraße. Hier wurde bereits die Querungslänge der Furten für den Fuß- und Radverkehr im Zusammenhang mit einer neuen Signalisierung der Kreuzung im Rahmen des Busbeschleunigungsprogramms Oldenburg reduziert. Das Ziel einer weitgehend fußgänger- und fahrradfreundlichen Signalisierung soll weiter verfolgt werden. Die Radverkehrsfurt zwischen Kreuzung und Schlossplatz wurde 2008 verbreitert, um dem hohen Radverkehrsaufkommen von mehr als 10.000 Fahrrädern/Tag im Verlauf der Verbindung Cäcilienbrücke - Innenstadt zu entsprechen.

3. Ausblick

Mit Abschluss der Arbeiten im Jahr 2012 wird die ursprüngliche Barrierewirkung des Straßenzugs der Osttangente für Fußgänger und Fahrradfahrer deutlich reduziert und die Nutzung als auch die Querung der Trasse für diese Verkehrsteilnehmer spürbar verbessert sein. Dabei wurde die erforderliche Leistungsfähigkeit für den Busverkehr (ca. 700 Linienbusse/Tag) und für den Kfz-Verkehr erhalten. Der Radverkehr und der Fußverkehr werden als gleichberechtigte Verkehrsarten gestärkt und im System entsprechend berücksichtigt.
Die Umgestaltung ist für die Stadt Oldenburg eine beispielhafte Strategie in kleinen (und finanzierbaren) Schritten, um eine kraftfahrzeugverkehrsorientierte Straßentrasse der 1960er Jahre in den Stadtraum und verkehrlich besser zu intergrieren und die vorher erheblich trennende Wirkung abzubauen.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Verkehrliche und städtebauliche Integration einer vorher stadtunverträglichen Straße in kleinen Schritten: Fußgänger- und Fahrradfreundlichkeit ohne Totalumbau

Finanzierung

Finanzierung: 
Landesmittel
Kommunale Mittel
Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Sonstige
Erläuterungen: 
ÖPNV-Förderfonds des Zweckverbands Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
Stadt Oldenburg, Amt für Verkehr und Straßenbau, Fachdienst Verkehrsplanung
Projektbeteiligte: 
Verkehr und Wasser GmbH, Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen, Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Januar 2005
Projektende: 
Dezember 2012

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Fachdienstleiter
Herr Dr. Norbert Korallus
Stadt Oldenburg (Oldb)
Fachdienst Verkehrsplanung
26105 Oldenburg
Telefon: +49(0)0441/235-2351
Telefax: +49(0)0441/235-2879
E-mail: norbert.korallus@stadt-oldenburg.de
WWW: www.oldenburg.de

Meta-Info
Stand der Information
1. Mai 2009
Autor
Norbert Klostermann, Stadt Oldenburg
NRVP-Handlungsfelder
Infrastruktur
Fahrradthemen
Infrastruktur
Schlagworte
Lückenschluss
Straßenraum
Barrierefreiheit
Land
Niedersachsen