Sie sind hier

Integration auf zwei Rädern

IntegRADtion – Evaluation und Weiterentwicklung integrativer Radverkehrsmaßnahmen für Menschen mit Migrationserfahrung

Dreistufiges Projektvorgehen. Schematische Darstellung
Dreistufiges Projektvorgehen. Schematische Darstellung © TU Dresden

Mobilität bedeutet gesellschaftliche Teilhabe im Alltag. Das Fahrrad bietet eine gute Möglichkeit, kostengünstig, aktiv und selbstbestimmt Wege im Alltag zurückzulegen. Barrieren sind dabei meist Entfernungs- und Bequemlichkeitsfaktoren, wobei erste Untersuchungen zeigen, dass besonders für Menschen mit Migrationshintergrund auch kulturell und sozialisationsbedingte Überlegungen eine Rolle spielen. Aus Mobilitätserhebungen ist bekannt, dass Migrantinnen und Migranten das Fahrrad seltener als Verkehrsmittel in Erwägung ziehen, als Menschen ohne Migrationshintergrund.

In drei Schritten wird eine umfangreiche Analyse der aktuellen Umstände der Fahrradnutzung von Menschen mit Migrationserfahrung durchgeführt. Eine schematische Darstellung ist in Bild 1 zu sehen. Das Projekt verfolgt das Ziel, Mobilitäts- und damit Teilhabechancen bei der Zielgruppe der Menschen mit Migrationserfahrung zu verbessern und Hindernisse der Fahrradnutzung direkt zu adressieren. Dafür sollen Ansätze der partizipativen Forschung die Zielgruppe bereits in der explorativen Phase des Projekts in die Hypothesenerstellung mit einbeziehen.

Im ersten Schritt werden dafür alle Akteure herangezogen, um die aktuelle Situation und Bedürfnislage explorativ zu erfassen. Dazu werden bereits vorhandene Initiativen zur Radverkehrsförderung bei Migrantinnen und Migranten analysiert, Expertinnen und Experten interviewt, Menschen mit Migrationserfahrung selbst befragt und gemeinsam Leitfragen und Forschungsschwerpunkte entwickelt. Zu diesem Zweck sind die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter in der ganzen Bundesrepublik unterwegs.

Im zweiten Schritt werden die Forschungsfragen konfirmativ untersucht und dafür in einer bundesweiten Onlinebefragung von Menschen mit Migrationserfahrung die Gewichtung der identifizierten Aspekte quantifiziert.

Im letzten Schritt werden die qualitativen und quantitativen Ergebnisse synthetisiert, reflektiert und in einer Informationsbroschüre an die Akteur*innen zurückgespielt. Ergebnisse zu individuellen Mobilitätsvoraussetzungen in Hinblick auf unterschiedliche Herkunftsländer, raumstrukturelle Rahmenbedingungen und Wirkmechanismen bereits bestehender Angebote bilden die Basis für Empfehlungen zu wirksamen Radfahrmaßnahmen speziell für Menschen unterschiedlicher Herkunft in Deutschland.

Schritt 1 (Januar - Juli 2019)

  • Zusammenführende Analyse ausgewählter bundesweiter Radfahrprojekte für Menschen mit Migrationserfahrung
  • Umfangreiche qualitative Befragung von Organisator*innen der Projekte, Expertinnen und Experten sowie Menschen mit Migrationserfahrung selbst

Schritt 2 (August - Dezember 2019)

  • Quantitative Onlinebefragung von Menschen mit Migrationserfahrung

Schritt 3 (Januar - August 2020)

  • Auswertung der Ergebnisse und Zusammenführung zu einer praxisorientierten Handreichung

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Das Projekt schließt mehrere Forschungslücken:

  • Bislang fehlt bislang eine bundesweite wissenschaftliche Analyse der Bandbreite von Faktoren, die bei Radfahrmobilität und -trainings speziell Migrantinnen und Migranten ansprechen.
  • Mobilitätsverhalten, -bedürfnisse und -kultur von Menschen mit Migrationserfahrung auf verschiedenen Integrationsstufen und aus verschiedenen Herkunftskulturräumen und die Bedeutung, die das Fahrradfahren für die Alltagsbewältigung hat, sind noch kaum erforscht
  • Es fehlt an kultur- und sprachsensiblem Grundlagenwissen zur Verkehrsedukation.

Der gravierende Umbruch durch Migration – ein so genanntes „window of opportunity“ – kann zusätzlich genutzt werden, um die Vorteile des Umweltverbunds einschließlich des Fahrrads herauszustellen. Damit besteht das verkehrsplanerische Potential, langfristig nachhaltigeres Verkehrsverhalten zu festigen und eine bisher unbekannte Teilzielgruppe für die Fahrradmobilität zu motivieren. Während in der Hauptankunftsphase von Flüchtlingen im Jahr 2015 das Potential für edukative Maßnahmen bei Neuankommenden erkannt und viel improvisiert aber auch dazugelernt wurde, ist es jetzt wichtig, die Strukturen zu festigen, um ein langfristiges Angebot zu gewährleisten. Nicht jede Initiative soll „das Rad neu erfinden müssen“. 

Mit dem Forschungsvorhaben werden Beiträge und Erkenntnisse geliefert:

  • zur Sicherung der Mobilität von Migrantinnen und Migranten mit dem Fahrrad und für einen verbesserten Zugang zu Bildungs- und sozial-integrativen Angeboten und dem Arbeitsmarkt;
  • zur Verbesserung der Verkehrssicherheit von Zugewanderten;
  • zur Wirkung und Erfolg von Fahrradprojekten für Flüchtlinge, die übertragen werden können;
  • zu praxisrelevanten Möglichkeiten der Beeinflussung des Verkehrsverhaltens in einer biografischen Umbruchsituation.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Gesamtvolumen: 
174 457 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Das Projekt besteht aus unterschiedlichen Elementen, die alle auf ein umfangreiches Endprodukt ausgerichtet sind. Um eine hohe Qualität zu gewährleisten, ist es wichtig, bereits im Projektverlauf regelmäßig die Arbeitsprozesse und Teilergebnisse zu reflektieren und deren Außenwirkung zu überprüfen. Hierfür wird zu Beginn des Projekts eine Projektevaluation geplant und im gesamten Projektverlauf begleitend durchgeführt. Zu Projektbeginn wurden „SMART“-Zwischenziele definiert, entsprechend dem Projektfortschritt fortlaufend überprüft und gegebenenfalls wird über die Projektsteuerung der Arbeitsprozess angepasst.

Im Projektverlauf werden an verschiedenen Meilensteinen Reflektionen über die vorangegangenen Arbeitsprozesse und deren Zielerreichung durchgeführt und somit Fortschritte auf einer Metaebene dokumentiert. Die verschiedenen Projektmodule können so bereits während des Prozesses optimiert werden und auf sich möglicherweise ändernde Anforderungen an die Informationsbroschüre frühzeitig reagiert werden.

Regelmäßig stattfindende Forschungsbeiratstreffen werden zusätzlich dazu genutzt, den Projektablauf zu reflektieren und, wenn nötig, zu modifizieren. In diesen Treffen wird auch der aktuelle Projektfortschritt konstant evaluiert.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Technische Universität Dresden, Fakultät Verkehrswissenschaften „Friedrich List“, Professur für Verkehrspsychologie

Projektbeteiligte: 

Technische Universität Dresden, Fakultät Verkehrswissenschaften „Friedrich List“, Professur für Verkehrsökologie

Laufzeit

Projektstart: 
September 2018
Projektende: 
August 2020

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Prof. Tibor Petzoldt
TU Dresden, Professur für Verkehrspsychologie
01069 Dresden, Hettnerstr. 1
Telefon: +49 351 463-42699
Telefax: +49 351 463-36513
E-Mail: tibor.petzoldt@tu-dresden.de

Angela Francke
TU Dresden, Professur für Verkehrspsychologie
01069 Dresden, Hettnerstr. 1
Telefon: +49 351 463-36647
Telefax: +49 351 463-36513
E-Mail: angela.francke@tu-dresden.de

Lisa-Marie Schaefer
TU Dresden, Professur für Verkehrspsychologie
01069 Dresden, Hettnerstr. 1
Telefon: +49 351 463-36510
Telefax: +49 351 463-36513
lisa-marie.schaefer@tu-dresden.de

Sven Lißner
Institution: TU Dresden, Professur für Verkehrsökologie
01069 Dresden, Hettnerstr. 1
Telefon: +49 351 463-36929
Telefax: +49 351 463-37718
E-Mail: sven.lißner@tu-dresden.de

Meta-Info
Stand der Information
15. Oktober 2018
Autor
Lisa-Marie Schaefer, Angela Francke, Sven Lißner, Prof. Dr. rer. nat. habil. Tibor Petzoldt (TU Dresden)
NRVP-Handlungsfelder
Mobilitäts- und Verkehrserziehung
Fahrradthemen
Ausgewählte Zielgruppen
Mobilitätserziehung
Schlagworte
Leitfaden
Menschen mit Migrationshintergrund
Land
Deutschland