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InfRad

Infrastruktur als Einflussfaktor auf den Radverkehr

Urbane Radrouten in Berlin
Urbane Radrouten in Berlin © OpenCycleMap

Einleitung und Hintergrund

Das individuelle Mobilitätsverhalten wird durch viele unterschiedliche Faktoren beeinflusst. Vor dem Hintergrund vielfältiger Ansprüche an den öffentlichen Raum, knapper Flächenressourcen und steigender Radverkehrsanteile wird im Projekt InfRad die Infrastruktur als Einflussfaktor auf den Radverkehr beleuchtet. Hierbei werden strukturelle Zusammenhänge auf Basis quantitativer Daten und spezifische Infrastrukturpräferenzen der Radnutzer auf Basis einer Online-Erhebung untersucht.

Projektziele und Fragestellung

Gesamtziel des Projektes ist es, die Bedeutung der Infrastruktur für die Fahrradnutzung zu bestimmen, Infrastrukturpräferenzen der Fahrradnutzer zu synthetisieren und die Ergebnisse für die Praxis nutzbar zu machen. Mit dem angestrebten Erkenntnisgewinn soll eine effiziente Mittelverwendung in der investiven Radverkehrsförderung unterstützt werden. Hieraus ergeben sich folgende Teilziele des Vorhabens:

  • Die Ausstattung der Untersuchungsgebiete in Berlin und Bremen im Hinblick auf die Fahrradtauglichkeit der lokalen Straßeninfrastruktur soll auf Basis quantitativer Geodaten in kleinräumiger Differenzierung (quartiersbezogen) beschrieben werden.
  • Ein möglicher Zusammenhang zwischen der Ausgestaltung der lokalen Infrastruktur und der Fahrradnutzung soll analysiert und beschrieben werden.
  • Spezifische Infrastrukturpräferenzen von Radnutzern, differenziert beispielsweise nach Mobilitätsverhalten oder genutztem Fahrradtyp, sollen synthetisiert werden.
  • Die Projektergebnisse sollen zusammengefasst, für die Praxis nutzbar gemacht und in einem Leitfadenformat veröffentlicht und verbreitet werden.

Inhalt und Methoden

Die Grobstruktur des Projekts ist in der Abbildung 2 dargestellt. Die wissenschaftlichen Arbeiten des Projekts sind in die drei empirischen Arbeitspakete Sekundärdatenanalysen; Erhebung; Interpretation und Synthese sowie den Praxistransfer gegliedert.

Sekundärdatenanalysen

Zunächst wird ein räumlicher Datenpool zur Beschreibung der infrastrukturellen Ausgestaltung des öffentlichen Straßenraums geschaffen. Die Datenbasis wird beispielsweise Daten wie Straßentypen (nach Bedeutung bzw. Ausbaustand), besondere Regelungen wie verkehrsberuhigte Bereiche, Straßenoberflächen, vorhandene Radverkehrsanlagen und deren Spezifizierung (Radfahrstreifen oder baulicher Radweg) enthalten.

Diese infrastrukturellen Daten werden in einem nächsten Schritt mit empirischen Mobilitätsdaten des Systems repräsentativer Verkehrsbefragungen (SrV) durch räumliche Verortung der beiden thematischen Datenquellen in ein einheitliches Bezugssystem verknüpft. Anschließend werden Zusammenhänge zwischen infrastrukturellen Parametern und der Fahrradnutzung mittels multivariater statistischer Methoden ermittelt und bewertet.

Weiterhin werden die Präferenzen der Nutzer der Fahrradnavigationsangebote von BBBike.de und BBBike.org analysiert. Hierfür werden die Log-Daten der Routenvorschläge für die Untersuchungsräume hinsichtlich beispielsweise Wegetypen, Oberflächen oder Geschwindigkeiten ausgewertet.

Erhebung

Aufbauend auf den Ergebnissen der Sekundärdatenanalysen wird eine Online-Befragung konzipiert, durchgeführt und ausgewertet, welche die Infrastrukturpräferenzen unterschiedlicher Radnutzer erhebt. Durch die Bewertung von alternativen Infrastrukturlösungen werden unterschiedliche Präferenzen, beispielsweise hinsichtlich Radfahrstreifen oder baulichem Radweg, erfasst. Die Ergebnisse sollen nach Nutzergruppen, beispielsweise unterschieden nach Mobilitätsverhalten, Soziodemographie oder genutztem Fahrradtyp, differenziert werden.

Interpretation und Synthese

Anschließend werden die Ergebnisse der einzelnen Module verknüpft, analysiert, wechselseitig validiert und interpretiert. Durch die Verknüpfung von Mobilitätsdaten, BBBike-Daten und Daten der Erhebung wird angestrebt, die Ergebnisse zu verallgemeinern.

Praxistransfer

Im Praxistransfer werden die Ergebnisse in Zusammenarbeit mit dem Praxispartner PGV-Alrutz zusammengefasst, aufbereitet und Folgerungen gezogen. Als Projektergebnis wird ein Praxisleitfaden bzw. Factsheet erstellt, der die Erkenntnisse des Projekts darstellt.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Infrastrukturelle Einflussfaktoren auf die Fahrradnutzung und entsprechende Präferenzen der Fahrradnutzer sind bislang nur wenig erforscht. Das Projekt liefert hinsichtlich Neuheitsgrad und Innovation auf zwei Ebenen neue Erkenntnisse und trägt zur praxisorientierten Weiterentwicklung des Standes der Forschung bei:

Fahrradtauglichkeit der Infrastruktur operationalisieren

Mit einem umfangreichen Datensatz zur infrastrukturellen Raumbeschreibung der Quartiere wird die Ausstattung des Raumes mit Fahrradinfrastruktur und die potenzielle Eignung der Straßeninfrastruktur für den Radverkehr erhoben. Dies stellt eine übertragbare Operationalisierung der Fahrradtauglichkeit dar, die gegenüber manueller Erfassung einerseits und großräumiger, aggregierter Analyse andererseits Vorteile bietet. Die darauf aufbauende Analyse von Zusammenhängen zwischen Infrastruktur und Fahrradnutzung nutzt diese umfassende Datenbasis.

Infrastrukturpräferenzen der Nutzer systematisieren

Gegenüber der Analyse von Unfallrisiken und der ingenieurstechnischen Betrachtung von Radverkehrsanlagen wird in diesem Vorhaben die Nutzerperspektive eingenommen. Dies ermöglicht die Bewertung verschiedener Infrastrukturelemente aus Nutzersicht und die Differenzierung von Infrastrukturpräferenzen nach Nutzungsmustern oder genutzten Fahrradtypen.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Erläuterungen: 

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur aus Mitteln des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP) 2020 gefördert.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Eine projektbegleitende Prozessevaluation durch einen Projektbeirat aus fünf Experten über die gesamte Laufzeit ist Bestandteil des Projekts. Darüber hinaus nimmt das Projekt an einem jährlich tagenden Forschungskreis inhaltlich verwandter Projekte des NRVP teil.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • DLR - Institut für Verkehrsforschung, Mobilität und urbane Entwicklung
Projektbeteiligte: 
  • DLR - Institut für Verkehrsforschung; Mobilität und urbane Entwicklung
  • PGV-Alrutz

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
September 2015
Projektende: 
April 2019

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Michael Hardinghaus
DLR - Institut für Verkehrsforschung
Rutherfordstraße 2
12489 Berlin
Telefon: +49 (0)30/670557970
Telefax: +49 (0)30/67055283
E-mail: Michael.Hardinghaus@dlr.de
WWW: www.dlr.de/vf/
 

Meta-Info
Stand der Information
31. Oktober 2015
Autor
Michael Hardinghaus, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Institut für Verkehrsforschung, Mobilität und Urbane Entwicklung
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Deutschland