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Zwischenfazit beim Lastenradtest

"Ich entlaste Städte" – das Lastenrad als clevere gewerbliche Transportalternative

Das Projekt unterhält mit 150 Rädern Europas größte Lastenrad-Flotte
Das Projekt unterhält mit 150 Rädern Europas größte Lastenrad-Flotte © DLR

Einleitung

Eine Autoschlange bis zum Horizont und dicke Luft: Das Verkehrsaufkommen im städtischen Güterverkehr wächst. Um die ehrgeizigen Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen, ist daher die Entwicklung und der Test neuer Belieferungskonzepte auf der "letzten Meile" notwendig.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat sich genau dieser Aufgabe angenommen und Anfang 2017 das Projekt "Ich entlaste Städte" ins Leben gerufen. Hier kommt das Trendfahrzeug Lastenrad ins Spiel: Mit ihnen lässt sich ein beträchtlicher Teil des innerstädtischen Wirtschaftsverkehrs leise und umweltschonend abwickeln. Die Elektrifizierung dieser Transportfahrzeuge eröffnet weitere Potenziale. Dies beweisen die Ergebnisse des Vorgängerprojekts "Ich ersetze ein Auto", bei dem das DLR von 2012 bis 2014 Kurierdienstleistern deutschlandweit Elektro-Lastenräder zum Test anbot. Hier konnten rund 42 % der von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor durchgeführten Aufträge mit Elektro-Lastenrädern realisiert werden.

Durchführung

"Ich entlaste Städte" stellt seit September 2017 Firmen und öffentlichen Einrichtungen bundesweit für eine Nutzungspauschale von 1Euro pro Rad pro Tag Lastenräder zur Verfügung, damit Teilnehmer die pedalbetriebenen Vorteile ohne große Investitionen in einem 3-monatigen Praxistest selbst entdecken können. Das Ziel dahinter: Lastenräder als Transportalternative der Zukunft etablieren und konkrete Anstöße für eine umweltgerechte und sozialverträgliche Verlagerung des Verkehrs liefern. "Ich entlaste Städte" wird im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) bis Ende 2019 gefördert.

Vorteilhafter Sattelaufstieg

Das Lastenrad ist nicht nur für den Klimaschutz und die Entlastung der Innenstädte ein Gewinn. Auch die Testpiloten profitieren von der Nutzung: Neben dem Imagegewinn, ein innovatives und nachhaltiges Transportmittel im sichtbaren Außeneinsatz zu haben, entfällt für teilnehmende Einrichtungen beispielsweise die zeitraubende Parkplatzsuche und es entstehen langfristige Gesundheits- und Kostenvorteile. Die Teilnehmer im Projekt "Ich entlaste Städte" zeichnen ganz praktisch einen Weg vor, der eine Reduktion von Schadstoff- und Lärmemissionen im Wirtschaftsverkehr gleichermaßen ermöglicht wie eine Steigerung der Lebensqualität und Verkehrssicherheit für Anwohner an belasteten Straßen.

Interessierte können bis Mitte 2019 auf www.lastenradtest.de/teilnehmen/ einen Fragebogen ausfüllen, um so eine Bewerbung ins Rennen zu schicken. Erfolgreiche Bewerber können dann von fünf Lastenrad-Grundtypen mit insgesamt 23 Modellen ihr Wunschmodell angeben, das ihren individuellen Transportanforderungen entspricht, darunter auch besonders einsteigerfreundliche Versionen. Das breite Sortiment umfasst Dreiräder, einspurige Long Johns bis hin zu Schwertransportern mit einer Nutzlast von 300 Kilogramm. Die meisten Modelle haben einen Pedelec-Antrieb mit elektrischer Tretunterstützung bis 25 km/h und abschließbare Transportboxen. Der Vertragsabschluss zur Nutzung des Rads sowie die Übergabe erfolgt durch den Servicepartner messenger Transport + Logistik GmbH.

Das Lastenrad auf der Überholspur – erste Zwischenergebnisse

Ende 2018 haben schon über 400 Unternehmen und Institutionen rund 140.000 Kilometer auf dem Lastenradsattel zurückgelegt. Der "Ich entlaste Städte"-Fuhrpark ist auf 150 Lastenräder gewachsen und damit die größte Testflotte Europas. Die beiden bisherigen Topnutzer stammen aus Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg; sie sind in drei Monaten jeweils über 3.000 Kilometer gefahren. Insgesamt nehmen Unternehmen und Einrichtungen aller Wirtschaftszweige und aus allen Bundesländern teil, das größte Teilnahmeinteresse wurde bislang in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen und Berlin bekundet.

Als Teil ihres Forschungsauftrags begleitet das DLR das Projekt wissenschaftlich. Für die Testpilotinnen und Testpiloten bedeutet das unter anderem, während des Praxistests die kostenlose Projekt-App zu nutzen. Aus den Nutzererfahrungen wird dann das Team aus Verkehrsforschern im DLR am Projektende Schlüsse ziehen, inwiefern das Lastenrad für Betriebe und im städtischen Verkehr eine tragende Rolle spielen kann. Die ersten Einblicke in die erhobenen Statistiken zeigen eine positive Resonanz für das Projekt. Hinsichtlich der Branchenvielfalt geben die Testpiloten ein buntes Bild ab. Dank der verschiedenen Bauformen werden die Lastenräder in ganz Deutschland vielseitig eingesetzt, beispielsweise in Gastronomie, Handwerk, Gesundheits- und Sozialwesen, Kunst und kommunalen Verwaltungen. Bisherige Branchen-Spitzenreiter, gemessen an den Bewerberzahlen, ist das verarbeitende Gewerbe (Herstellung von Waren). Testpiloten wertschätzen vor allem die Flexibilität beim Parken und der Warenausladung, die ihnen das Lastenrad ermöglicht. Als größte Hemmschwelle geben Teilnehmer die Abhängigkeit vom Wetter an, da sie die potentiellen Nutzungseinschränkungen skeptisch betrachten. Mit der richtigen Kleiderwahl steht aber der Fahrt mit dem Lastenrad auch bei Regen und Schnee nichts im Weg, aufgrund der abschließbaren Transportbox ist auch die Ware wetterfest gesichert.

Ausblick

Anfang 2020 wird das DLR mithilfe der Nutzererfahrungen eine fundierte Einschätzung abgeben, wie das Lastenrad als gewerbliches Fahrzeug von der Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen angenommen wird, welche Branchen vom Lastenradeinsatz besonders profitieren können und wie weit sich dadurch der Verkehr und Städte entlasten lassen. Das Forschungsinteresse gilt vor allem diesen Themen:

  1. Wo genau sehen die Teilnehmer in der Lastenradnutzung praktische Vorteile, aber auch Hemmnisse im Einsatz?
  2. Bei welchen Transportaufgaben bieten Lastenräder Kostenvorteile?
  3. Inwieweit lässt sich durch Lastenräder die Planbarkeit von Sendungen und damit die Zuverlässigkeit verbessern?
  4. Stellen Lastenräder einen Baustein für eine ökologische Ausrichtung des teilnehmenden Unternehmens oder Einrichtung dar?

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Mit der Steigerung des Bekanntheitsgrads des Lastenrads und dem Aufzeigen der vielseitigen Einsatzmöglichkeiten leistet das Projekt einen innovativen Beitrag, den Wirtschaftsverkehr geräuscharmer, emissionsarmer und nachhaltiger zu gestalten. Das Projekt sensibilisiert anhand von greifbaren "Best Practice"-Beispielen und der begleitenden Kommunikationsarbeit weitere potenzielle Nutzer von gewerblichen Lastenrädern. Außerdem etabliert das Projekt das Lastenrad als wirtschaftlich ökonomische und ökologisch sinnvolle Transportalternative. Der verstärkte Einsatz des Lastenrads im Wirtschaftsverkehr unterstützt die ehrgeizigen Klimaschutzziele der Bundesregierung und entlastet die Innenstädte, um dort die Luft- und Lebensqualität zu steigern. 

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Gesamtvolumen: 
1 800 000 €
Erläuterungen: 

Das Projekt "Ich entlaste Städte" wird gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI), Förderkennzeichen 03KF0066. Der Bewilligungszeitraum ist 1. Januar 2017 bis 31. Dezember 2019.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Eine Evaluation des Vorhabens findet im Rahmen des Schlussberichts statt, der im Frühjahr 2020 an das BMU überreicht wird.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Projektbeteiligte: 
  • Servicepartner: messenger Transport & Logistik GmbH
  • Beratung: Arne Behrensen, cargobike.jetzt

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Januar 2017
Projektende: 
Dezember 2019

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

  • Schicken Sie Ihre Bewerbung auf www.lastenradtest.de/ ins Rennen. Hier finden Sie auch weitere Informationen, Pressespiegel, Nutzer-Erfahrungen und Material zum Download.
  • Knapp 6-minütiger Imagefilm zum Projekt
  • Twitter-Kanal des Projekts

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Johannes Gruber
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Institut für Verkehrsforschung
Rutherfordstraße 2
12489 Berlin
Telefon: +49(0)30/67055-200
Telefax: +49(0)30/67055-283
E-Mail: Johannes.Gruber@dlr.de
Internet: www.lastenradtest.de; www.dlr.de/vf

Meta-Info
Stand der Information
29. November 2018
Autor
Johannes Gruber, Projektleiter von "Ich entlaste Städte" am Institut für Verkehrsforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
NRVP-Handlungsfelder
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Schlagworte
Land
Deutschland