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Ruhrtal-Radweg-Ranger

Gemeinnütziges Projekt zur Integration Langzeitarbeitsloser

Die Ruhrtal-Radweg-Ranger
Die Ruhrtal-Radweg-Ranger © Neue Arbeit Arnsberg gGmbH

Der RuhrtalRadweg

Der RuhrtalRadweg verläuft auf 230 Kilometern entlang der Ruhr, von der Quelle im Sauerland bis zur Mündung in Duisburg. Die 2006 offiziell eröffnete Route bietet den Freizeitradlern besondere Erlebnisse und Serviceangebote: eine neue, durchgehende Ausschilderung, Fahrradvermietung, Vermietung von GPS-Navigationssystemen, Gepäcktransport und spezielle Angebote für Menschen mit Behinderungen. Der Radweg erfreut sich großer Beliebtheit, insbesondere bei den Radlern aus dem Ballungsraum Ruhrgebiet. An den Wochenenden werden z.B. ab Dortmund neben den fahrplanmäßigen DB-Zügen mit jeweils vier Fahrradabteilen auch zusätzliche Busse mit Fahrradanhängern eingesetzt. Nur so gelingt es, all die Fahrradausflügler zum Ruhtalradweg zu bringen. 2007 wurde der RuhrtalRadweg zur "Radroute des Jahres in NRW" ernannt.

Der RuhrtalRadweg soll hohen Qualitätsstandards gerecht werden und dementsprechend immer in einem guten Zustand sein. Hierfür sind regelmäßige Kontrollen und Wartungsarbeiten notwendig. Das Projekt "RuhrtalRadweg-Ranger" soll diesen Anspruch erfüllen und zugleich einen Beitrag zur Integration von arbeitssuchenden Menschen aus der Region leisten.

Die Projektidee

Vor diesem Hintergrund enstand die Projektidee, Langzeitarbeitslose mit der Wartung und Instandhaltung des Radwegs sowie mit der Betreuung der Besucher zu beauftragen und ihnen so bei der Wiedereingliederung in den regulären Arbeitsmarkt zu helfen. Als so genannte Ein-Euro-Jobber erhalten die Ranger zum Arbeitslosengeld II eine Aufwandsentschädigung von 1,20 bis 1,50 Euro pro Stunde dazu. Jeder von ihnen darf maximal 30 Stunden pro Woche arbeiten.

Das Projekt startete im Herbst 2007. Derzeit befindet es sich somit in seiner 6. Saison. Waren es anfangs drei, so sind mittlerweile schon acht Ranger auf dem 34 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Haus Füchte und Glösingen, rund um Arnsberg im Einsatz. Schwerpunktmäßig fallen die Einsätze auf die Wochenenden, da dann die meisten Besucher auf dem Radweg unterwegs sind. Organisiert und betreut wird das Projekt durch die Beschäftigungsinitiative "Neue Arbeit Arnsberg gGmbH". Parallel dazu wird ein ähnliches Projekt durch die Wittener Gesellschaft für Arbeits- und Beschäftigungsförderung (WABE) durchgeführt. Deren sechs Ranger sind ruhrabwärts und rund um Witten anzutreffen.

Aufgaben der Radweg-Ranger

Hauptaufgaben der Ranger sind es, den Zustand des Radwegs zu kontrollieren und den Fahrradfahrern mit Ratschlägen und kleinen Hilfen direkt vor Ort zur Verfügung zu stehen. Dabei entstehen immer wieder neue und sehr unterschiedliche Situationen, in denen die Ranger gefragt sind. Im Bereich der Infrastruktur werden neben den ständigen Streckenkontrollen zum Beispiel beschädigte Schilder ausgetauscht, in den Weg ragende Büsche zurückgeschnitten, an der Strecke liegender Müll beseitigt und vor allem Scherben zusammengekehrt und entsorgt. Darüber hinaus können sich die Besucher des Radwegs mit ihren Problemen und Fragen an die Ranger wenden. Oft wird nach dem Weg gefragt, manche Radler sind aber darüber hinaus an weiteren Informationen interessiert. Deshalb können die Ranger auch Auskunft zu nahegelegenen Hotels oder zu den Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke geben. Natürlich haben die Ranger zudem das nötige Know-How und Werkzeug, um kleinere Reifenpannen zu beheben, eine Gangschaltung neu eizustellen oder Sattel und Lenker in der Höhe anzupassen.

Ausrüstung der Radweg-Ranger

Entsprechend ihren vielfältigen Aufgaben sind die Ranger und ihre Diensträder ausgerüstet. Sie führen ein Pannenset, eine Gartenschere, Müllbeutel, Reinigungsmittel, aber auch Informationsmaterial, Gepäcktaschen und ein Mobiltelefon mit sich. Die von einem großen Energieunternehmen gesponsorte Dienstkleidung ist wasserfest, in deutlich sichtbarer knallblauer Farbe gehalten und mit dem Logo des RuhrtalRadwegs versehen, so dass die Ranger von weitem erkannt werden können. Die Ranger haben eine touristische Broschüre des Verkehrsvereins dabei, die eigens für das Projekt erstellt wurde und umfassende Tipps für Besucher der Region enthält. Darüber hinaus sind alle Ranger mit einem Erste-Hilfe-Kasten ausgerüstet und im Vorfeld in einem Erste-Hilfe-Kurs geschult worden.

Da es schwierig ist, diese umfassende Ausrüstung mit dem Fahrrad zu transportieren und Satteltaschen nur eine begrenzte Kapazität haben, wurden in der, auch durch die Neue Arbeit Arnsberg betriebenen, Neheimer Metallwerkstatt zwei Fahrradanhänger konstruiert und gebaut, die speziell auf die Bedürfnisse der Ranger zugeschnitten sind.

Anforderungen an die Radweg-Ranger

An jedem Arbeitstag legt ein Radweg-Ranger etwa 50 Kilometer auf dem Fahrrad zurück. Pro Saison kommt er damit auf etwa 7000 gefahrene Kilometer. Eine gewisse körperliche Fitness ist deshalb eine Grundvoraussetzung, um als Ranger tätig sein zu können. Darüber hinaus müssen die Ranger offen und kommunikativ gegenüber den Radwegbesuchern und ihren Fragen und Problemen sein. Außerdem ist Zuverlässigkeit ein wichtiges Kriterium für die erfolgreiche Mitarbeit im Projekt. Entscheidend ist außerdem die Bereitschaft, an den Wochenenden zu arbeiten. Schließlich sind dann die meisten Radler unterwegs.

Bisherige Erfahrungen und Erfolge

Seit seinem Beginn im Herbst 2007 hat sich das Projekt erfolgreich weiterentwickelt. Die Zahl der Ranger konnte erhöht und mehrere Sponsoren gewonnen werden. In den regionalen und überregionalen Medien wurde vielfach positiv über die Radweg-Ranger berichtet. Doch die wichtigsten Rückmeldungen kommen von den vielen Radlern, die den RuhrtalRadweg nutzen. Von ihnen haben die Ranger vor Ort und wir viel Lob und Dank für ihre Arbeit erfahren. Zahlreiche Besucher schrieben sogar Dankesbriefe. Dass von Jahr zu Jahr immer mehr Besucher auf dem RuhrtalRadweg unterwegs sind – was u.a. in den Buchungszahlen für geführte Radtouren zum Ausdruck kommt – ist sicherlich auch ein Verdienst der Radweg-Ranger und der von ihnen angebotenen Services.

Es ist gelungen, ein gutes Informationssystem zwischen den radelnden Helfern der Neuen Arbeit Arnsberg, der Stadtverwaltung, den technischen Diensten und dem Verkehrsverein aufzubauen. So können Schwachstellen des RuhrtalRadweges möglichst rasch erkannt und behoben werden. Während ihrer Streckenkontrollen, schneiden die Ranger im 14-tägigen Rhythmus routinemäßig am Wegesrand befindliche Hecken und Sträucher, die ansonsten aufgrund ihres Wuchses die Radtouristen behindern. Weiterhin wurde in der Saison 2011 bei rund 15 Unfällen Erste Hilfe geleistet. Häufig waren leere Flaschen und Scherben auf den Strecken die Ursache für Verletzungen und Pannen der Radtouristen. Im Rahmen der Pannenhilfe (die Ranger führen stets eine kleine Ausstattung an Werkzeug bei sich) leisteten die Ranger im Durchschnitt zwischen fünf und acht Mal pro Woche Hilfe. Ferner zählen die Beseitigung von Ästen, Laub und sonstigen Fremdkörpern (speziell nach Unwettern) zur Aufgabe der Ranger. 2011 kam es in zwei Fällen an Wochenenden zu Einbrüchen in Gartenlokale, welche die Ranger als erste im Rahmen ihrer Wochenendfahrten bemerkten. Sie sicherten die Einbruchsstelle und meldeten die Einbrüche der Polizei sowie den Betreibern.

Service-Station als zusätzliches Angebot

Die RuhtalRadweg-Ranger der Neuen Arbeit Arnsberg gGmbH bieten seit Sommer 2011 neben den oben beschriebenen Angeboten an den Wochenenden eine Service-Station an. Sie dient dazu, Radtouristen Notfall-Pannenhilfe zu leisten, damit diese so schnell wie möglich wieder unbeschwert die Stadt und die Region erkunden können. Für die Arnsberger Fachhändler stellt der Service keinerlei Konkurrenz dar, da sie ein solches Angebot am Wochenende nicht bieten können. Zudem werden auf dem Betriebshof der Neuen Arbeit Arnsberg vornehmlich kleinere Reparaturen durchgeführt. Sollten größere Schäden vorliegen, wird weiterhin der Fachhandel die Instandsetzung übernehmen.

Bereits im Februar 2011 wurde die Idee der Service-Rad-Station durch Informationen und Hinweise der hiesigen Gastronomie und Hotellerie geboren. Ein kleiner Arbeitskreis entwickelte Möglichkeiten der Umsetzung sowie eine Rentabilitätsberechnung und wendete sich im Anschluss an die Geschäftsführung sowie den Vorstand der Neuen Arbeit Arnsberg. Mit im Boot ist ebenfalls der Arnsberger Verkehrsverein, da die Radtouristen für Arnsberg ein großes, touristisches Potenzial darstellen.

Neben den kleinen Reparaturen können die Gäste eine Radwäsche bekommen, Ersatzteile und Zubehör erwerben oder die Akkus ihrer E-Bikes gegen eine kleine Aufwandsentschädigung aufladen. Aufbewahrungsmöglichkeiten für Räder, Ausrüstung etc. runden das Angebot ab.

Ausblick

Die Finanzierung des Projekts "RuhrtalRadweg-Ranger" ist durch den Hochsauerlandkreis für die Saison 2013 gesichert.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Die Arbeit der Ranger findet immer wieder Anklang in den örtlichen Medien sowie der Presse. Die Touristen fühlen sich durch sie auf dem RuhrtalRadweg sicherer, loben immer wieder den guten Zustand des Streckenabschnitts, den die Ranger der Neuen Arbeit Arnsberg betreuen.

Weiterhin ist es uns gelungen, viele Teilnehmer dieser Maßnahme dabei zu unterstützen, ihre Vermittlungshemmnisse selbst zu erkennen und abzubauen. Mit dem Aufbau eines sozialen Netzwerks von Fachdiensten und Beratungsstellen wie z.B. der Suchtberatung "Wendepunkt" oder der Schuldnerberatung konnten einige Probleme reduziert, beseitigt oder in eine langfristige Bearbeitung überführt werden. Zudem stand den Teilnehmern jederzeit Unterstützung in konkreten Bewerbungsverfahren zur Verfügung.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
Neue Arbeit Arnsberg gGmbH

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 2007
Projektende: 
November 2013
Info zur Laufzeit: 
Das Projekt muss jedes Jahr für die Zeit vom 1. März - 30. November neu beantragt werden.

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Herr Thomas Pietz
Neue Arbeit Arnsberg gGmbH
Ruhrstraße 26
59821 Arnsberg
Telefon: 02931-3856
Telefax: 02931-3856
E-mail: thomas.pietz@neuearbeitarnsberg.de
WWW: www.neuearbeitarnsberg.de/

Meta-Info
Stand der Information
22. Februar 2013
Autor
Birgit Kroh, Neue Arbeit Arnsberg gGmbH
NRVP-Handlungsfelder
Radverkehrsplanung und -konzeption
Fahrradtourismus
Fahrradthemen
Fahrradservice
Tourismus
Wirtschaft
Schlagworte
Arbeitsmarkt
Beschäftigungsmaßnahme
Fahrradreparatur
Servicestation
Instandhaltung
Land
Nordrhein-Westfalen