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Fahrradparken im Hauptbahnhof

Fürstentunnel in Gera

Zufahrt zum Fahrradtunnel, links der Fahrradladen mit Service, rechts das angrenzende Empfangsgebäude des Hbf
Zufahrt zum Fahrradtunnel, links der Fahrradladen mit Service, rechts das angrenzende Empfangsgebäude des Hbf © Sven Gruner

Hintergrund

Der am Rand des Zentrums der Stadt Gera gelegene Hauptbahnhof (Gera Hbf) besaß in der Vergangenheit 15 Fahrradabstellplätze, die mittels einer Überdachung auf dem Bahnhofsvorplatz (unmittelbar vor dem Empfangsgebäude) angeordnet waren. Insbesondere in der Zeit ab 1995 stieg das Bedürfnis zum Abstellen von Fahrrädern im Bereich des Hauptbahnhofes an, so dass Fahrräder an Lampenmasten, Verkehrszeichenträgern, Bäumen usw. angeschlossen wurden.
Die Planung, den Hauptbahnhof Gera bis zur Bundesgartenschau 2007 zu einem modernen Verknüpfungspunkt des öffentlichen Verkehrs zu entwickeln und dafür den Hauptbahnhof an das Stadtbahnnetz optimal anzuschließen sowie unmittelbar zwischen dem historischen Empfangsgebäude und dem neuen Stadtbahnzugang zu den Bahnsteigen einen modernen Regionalbusbahnhof zu entwickeln, führte aufgrund der beabsichtigten Veränderungen auch zum Erfordernis, die Abstellung von Fahrrädern neu zu ordnen und damit diese quantitativ zu erweitern und qualitativ zu verbessern.

In der Umsetzung dieser Forderungen rückte der sogenannte "Fürstentunnel" (im Sprachgebrauch der Deutschen Bahn: Südzugang) in den Fokus, der neben dem Zugang durch das Portal des Empfangsgebäudes eine zweite Verbindung zwischen Bahnhofsplatz und den einzelnen Bahnsteigen schafft. Mit dem südlich davon neu zu schaffenden Stadtbahntunnel mit direktem Zugang zu den Bahnsteigen (einschließlich Aufzügen) wurde bereits in der Planung erkannt, dass der zwischen dem Hauptportal und dem Stadtbahntunnel gelegene "Fürstentunnel" an Bedeutung verliert. Damit war der planerische Weg frei, diesen Tunnel für die Fahrradabstellanlage zu nutzen.

Der volkstümliche Name "Fürstentunnel" rührt daher, dass bis zum Jahr 1918 Mitglieder des in Gera residierenden Fürstenhauses Reuss jüngerer Linie diesen Bahnsteigzugang bei Reisen nutzten.

Umbaumaßnahmen

Als bauliche Voraussetzungen musste der in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts längs durch eine tunnelhohe nichttragende Wand geteilte 6,0 m breite Tunnel wieder in die historische Breite gebracht werden. Ehemalige Einbauten für Postaufzüge waren auszubauen und eine neue Beleuchtung war zu installieren. Schließlich war eine malermäßige Herrichtung vorgesehen. Die bestehenden direkten Aufgänge zu den einzelnen Bahnsteigen konnten nachgenutzt werden.

Die geplante Realisierung des Projekts - als Folgemaßnahme der durch den Stadtbahnbau und die beabsichtigte ÖPNV-Verknüpfung bedingten Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes - konnte zunächst nicht umgesetzt werden, da der "Fürstentunnel" auf dem Grundstück der Deutschen Bahn (DB) Station & Service liegt. Nachdem der Freistaat Thüringen eine alternative Förderung vorgeschlagen hatte, verständigten sich die Stadt Gera und die DB Station & Service darauf, jeweils zur Hälfte den Eigenmittelanteil zu übernehmen. Die DB Station & Service trat aufgrund des Grundstückseigentums als Projektträger auf.

Die eigentliche Bauzeit konnte auf vier Wochen begrenzt werden. Am 15.02.2008 war die Übergabe der neuen Fahrradabstellanlage im "Fürstentunnel".

Neben den oben genannten baulichen Leistungen waren für die Ausrüstung und den Betrieb folgende Voraussetzungen zu erfüllen:

  • Aufstellung von 25 Anlehnbügeln für 50 Fahrräder (Beschaffung mittels Sponsoring)
  • Aufstellung von zwei Fahrradboxen (durch DB Station & Service)
  • Installation einer Videokamera zur Überwachung der Fahrradabstellanlage mit Anschluss an die 3-S-Zentrale im Gera Hbf (Zentrale für Service, Sicherheit und Sauberkeit der Deutschen Bahn)
  • Aufnahme der Fahrradabstellanlage in die Wegweisung des Bahnhofs
  • Abschluss einer Vereinbarung zwischen DB Station & Service und dem am Eingang zum "Fürstentunnel" befindlichen Fahrradladen zur Übernahme von Service- und Reparaturleistungen an Fahrrädern sowie zur Betreibung der Fahrradboxen.

Projektbeteiligte und Finanzierung

Der die gesamte Umgestaltung des Bahnknotens Gera begleitende "Steuerkreis Bahnprojekte Gera" schuf die Grundlagen für die Erstellung einer vertraglichen Vereinbarung zwischen DB Station & Service sowie der Stadt Gera zur Aufteilung der Eigenmittel. Die bei der Stadtverwaltung angesiedelte Arbeitsgruppe Radverkehr mit Vertretern des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs e.V. (ADFC), dem Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD), dem Radclub Solidarität, dem Grünen Haus Gera e.V. und der Polizeiinspektion Gera begleitete insbesondere die planerische Vorbereitung des Vorhabens.
Die Gesamtkosten beliefen sich auf 40.000 Euro, wovon 30.000 Euro als Fördermittel durch den Freistaat Thüringen zur Verfügung gestellt wurden. Den Eigenmittelanteil von 10.000 Euro teilten sich die DB Station & Service und die Stadt Gera auf der Basis einer vertraglichen Vereinbarung jeweils zur Hälfte. Die Anlehnbügel wurden mittels Sponsoring beschafft.

Die Pflege und Wartung des Tunnels (Reinigung, Beleuchtung, Sicherheit) übernimmt der Hausherr, die DB Station & Service. Der Fahrradladen hat den Service an den Fahrrädern übernommen.

Ergebnis

Sofort nach Inbetriebnahme wurde die neu geschaffene Fahrradabstellanlage angenommen. Die 50 Abstellplätze sind tagsüber weitestgehend ausgelastet, so dass in absehbarer Zeit die begrenzten Flächenreserven genutzt werden müssen, um weitere Anlehnbügel aufzustellen.

Der Erfolg des Projekts lässt sich auch daran erkennen, dass die ehemals über den Bahnhofsplatz verstreut abgestellten Fahrräder dort nicht mehr zu finden sind. Für das Radfahrer-Klientel, welches die Fahrräder in den Zügen transportieren will, konnten mit dem oben bereits erwähnten Stadtbahntunnel zusätzlich optimale Zu- und Abgangsbedingungen zwischen dem städtischen Radnetz und den einzelnen Bahnsteigen geschaffen werden.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Das Beispiel "Fürstentunnel" Gera Hbf hat aus Sicht der mit der Planung und Umsetzung des Projekts Befassten gezeigt, dass auch mit einem relativ bescheidenen finanziellen Mitteleinsatz wesentliche Verbesserungen für den Radverkehr erzielt werden können. Voraussetzung hierfür ist allerdings eine möglichst detaillierte Analyse der Defizite und der daraus abzuleitenden Kriterien für die Umgestaltung sowie eine möglichst enge Zusammenarbeit der potenziellen Projektpartner.

Finanzierung

Finanzierung: 
Landesmittel
Kommunale Mittel
Sponsoring, Spenden
Sonstige
Gesamtvolumen: 
40 000 €
Erläuterungen: 
  • 30.000 Euro wurden als Fördermittel durch den Freistaat Thüringen zur Verfügung gestellt.
  • Den Eigenmittelanteil von 10.000 Euro teilten sich die DB Station & Service und die Stadt Gera.
  • Die Anlehnbügel wurden mittels Sponsoring beschafft.
  • Die laufenden Folgekosten übernimmt die DB Station & Service.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
Deutsche Bahn, DB Station & Service
Projektbeteiligte: 
  • Stadt Gera, Fachdienst Verkehr
  • Thüringer Landesamt für Verkehr

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Januar 2007
Projektende: 
Februar 2008

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Leiter des Bahnhofsmanagements Gera
Herr Gerd Tucholka
Deutsche Bahn Station&Service Regionalbereich Südost
Bahnhofsplatz
07545 Gera
Telefon: +49(0)160/9746-8471
Telefax: +49(0)365/8554-1055
E-mail: gerd.tucholka@bahn.de
WWW: www.bahn.de

Kommunale Ansprechpartner: 
Radverkehrsbeauftragter
Herr Stefan Prüger
Stadtverwaltung Gera
Fachdienst Verkehr
Ernst-Toller-Straße 15
07545 Gera
Telefon: +49(0)365/838-4100
Telefax: +49(0)365/838-4105
E-mail: radverkehrsbeauftragter@gera.de
WWW: www.gera.de

Meta-Info
Stand der Information
31. Juli 2008
Autor
Stefan Prüger, Stadtverwaltung Gera
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Thüringen