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Inspiration zur Fahrrad- statt Autonutzung

Frieda & Friedrich – Freie Lastenräder für Dresden

Lastenräder von Frieda & Friedrich an der Elbe in Dresden
Lastenräder von Frieda & Friedrich an der Elbe in Dresden © Daniel Rentzsch / ADFC Dresden

Einleitung

Lastenräder sind eine clevere Alternative, um auch mit schwerer Beladung den Stau auf der Straße umweltfreundlich zu umgehen. Bislang wurden in Dresden Gegenstände und Kinder überwiegend mit dem Pkw transportiert. Dass auch Fahrräder und insbesondere Lastenfahrräder zu diesem Zweck genutzt wurden, war selten, unter anderem mangels Bekanntheit. Zu den Folgen der verbreiteten Nutzung von Pkw in Dresden zählen unentspanntes Verkehrsklima, Staus, Lärm- und Geruchsbelästigung, Zeitverlust bei der Parkplatzsuche, eine hohe Umweltbelastung und schwere Unfälle.

Das Lastenradprojekt soll ein Baustein zur Bewältigung dieser Probleme sein. Der ADFC Dresden strebt damit an, das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger für Alternativen zum Pkw und hier speziell für die Mobilität mit Lastenrädern zu schärfen. Es soll Einzelpersonen, Firmen und Institutionen inspirieren, eigene Lastenräder anzuschaffen und / oder zu nutzen. Zudem soll das Projekt für eine effektive Nutzung von Ressourcen und wertvollem Platz in der Stadt werben, indem es zeigt, dass Lastenräder von vielen Nutzerinnen und Nutzern geteilt werden können. Die Idee der sogenannten "Freien Lastenräder" blüht seit dem Anfang von "Kasimir Köln" im Jahr 2013 in Deutschland auf und zählt inzwischen über 60 eigenständige Initiativen (Stand Mitte 2018).

Durchführung

2016 engagierten sich einige Mitglieder des ADFC ehrenamtlich dafür, ein Freies Lastenrad nach Dresden zu bringen. Eine große Herausforderung war die Finanzierung des ersten Leihlastenrades. Institutionelle oder kommunale Förderung schien damals nicht erfolgsversprechend und die Projektarbeitsgruppe entschied, einen Spendenaufruf, gerichtet an künftige Nutzerinnen und Nutzer, zu starten. Der Spendenaufruf wurde mit Fotos, Pressemitteilungen und Meldungen im Newsletter des ADFC Dresden begleitet und war überraschend erfolgreich. Circa 100 Einzelspenden sind in wenigen Wochen zusammengekommen, mit denen daraufhin das erste Lastenrad erworben werden konnte.

Durch die gute Annahme des Lastenrads von den Nutzerinnen und Nutzern und die Resonanz in der Presse war die erste große Hürde genommen. Die Mittel für das zweite Lastenrad wurden von der Stadt Dresden bereitgestellt und zwei weitere Lastenräder konnten mit stadtteilbezogenen Fördermitteln erworben werden. Die Erfahrungsberichte vom ersten Lastenrad haben wahrscheinlich zur positiven Entscheidung der Fördermittelgeber beigetragen.

Seit dem Projektanfang treffen häufig Anfragen von interessierten Firmen und Institutionen ein, die vom Wissen des Projekts profitieren möchten oder direkt zum Projekt beitragen wollen. So wurden inzwischen drei weitere Lastenräder von drei anderen Akteuren ins Verleihsystem aufgenommen (Stand Mitte 2018). Es gibt zudem einige Berichte, dass das Projekt eine Lastenrad-Kaufentscheidung positiv begünstigt hat. Es werden enge Kontakte u.a. mit einer Wohnungsbaugenossenschaft und zwei regionalen Lebensmittelhändlern mit jeweils mehreren Filialen gepflegt.

Zum Erhalt des Projekts ist der ADFC Dresden e.V. als Träger vollständig auf ehrenamtliche Organisation angewiesen und aktiviert die Nutzerinnen und Nutzer so weit wie möglich als aktive Gemeinschaft. Bei anstehendem Unterstützungsbedarf – seien es praktische Tätigkeiten oder finanzielle Unterstützung – wird die Gemeinschaft per E-Mail aufgerufen, sich einzusetzen. Das geschieht zum Teil über den sporadischen Projekt-Newsletter, Umfragen zum Projekt selbst oder Spendenaufrufe für den Erwerb von neuer Ausrüstung oder Ersatzteilen. Nach jeder Nutzung wird außerdem auf die Möglichkeit einer freiwilligen Geldspende hingewiesen. Aktuell können sieben Lastenräder geliehen werden.

Fazit

Mit unserem Projekt wollen wir ein Umdenken bei der urbanen Mobilität anregen und hoffen, dass sich durch das Ausprobieren die Nutzung von Lastenrädern in Städten erhöht.

Erreicht wurde bisher eine Steigerung der Bekanntheit von Lastenfahrrädern in Dresden. So hat es in Summe circa 25 Erwähnungen des Projekts in der lokalen Presse sowie eine im "MDR Sachsenspiegel" gegeben. Circa 350 Nutzerinnen und Nutzer haben ein Lastenrad ein oder mehrmals gebucht. Laut einer Umfrage, die Teil einer großen Studie von Becker und Rudolph* und Ende 2016 unter den Lastenradnutzern durchgeführt wurde, ist die Hälfte der Nutzer zum ersten Mal mit einem Lastenrad gefahren. Insgesamt sind die Lastenräder ca. 10.000 km (Stand Mitte 2018) gefahren und wurden von sehr vielen Menschen beobachtet. Diese Beobachter haben im besten Fall gesehen, wie leicht Dinge auch ohne Auto transportiert werden können und möglicherweise in Erwägung gezogen, selbst einmal ein Lastenrad für Transportzwecke zu nutzen. Nach neuester Forschung (Becker & Rudolph 2018*) hätten 46 % der Nutzerinnen und Nutzer ein Auto genutzt, wenn es keinen Lastenrad-Verleih gegeben hätte.

Was das Projekt nicht erreicht hat, ist die flächendeckende Versorgung mit leicht zugänglichen Leihlastenrädern in der gesamten Stadt. In Rahmen des Projekts wird das auch nicht angestrebt, es soll bei der erwähnten Inspirationswirkung - "Multiplikatoreffekt" - bleiben. Dennoch ist noch nicht absehbar, dass Firmen oder Institutionen (mit oder ohne der Absicht, Gewinne zu erzielen) aufspringen und eine stadtweite Versorgung schaffen, wie es sich bei Carsharing in vielen Städten etabliert hat. Es bleibt also bis auf Weiteres die größte Herausforderung für das ADFC-Projekt, das Lastenrad vom Nischen- zum Massenphänomen zu machen.

* Becker & Rudolph 2018: "Exploring the Potential of Free Cargo-Bikesharing for Sustainable Mobility", GAIA - Ecological Perspectives for Science and Society, Volume 27, Number 1, 2018, pp. 156-164(9), https://doi.org/10.14512/gaia.27.1.11

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Das Projekt zeigt auf, wie mit relativ begrenzten Mitteln durch Nachahmungseffekte eine große positive Wirkung (hier verkehrlich, umwelttechnisch, städtebaulich etc.) erzielt werden kann. Übertragen lässt es sich auf Bereiche, wo bestimmte Ressourcen (hier Lastenräder) in einer aktiven Gemeinschaft geteilt werden können.

Finanzierung

Finanzierung: 
Kommunale Mittel
Sponsoring, Spenden
Gesamtvolumen: 
24 000 €
Erläuterungen: 

Das Projekt kann grob in drei Phasen eingeteilt werden:

  • Projektphase 1 (erstes Lastenrad)
  • Projektphase 2 (Ausbau auf 4 eigene Lastenräder)
  • Projektphase 3 (Erhalt mit 4 eigenen Lastenrädern)

Die Investitionskosten belaufen sich auf ca. 5.000 Euro pro Lastenfahrrad und die Betriebskosten auf ca. 500 Euro pro Jahr pro Lastenfahrrad. Die angegebenen Spenden-Einnahmen sind zweckgebundene Spenden (gezielte Spendenaufrufe) und Beträge aus den Spendendosen der Lastenrad-Verleihstationen. Die kommunalen Mittel kommen aus dem Verfügungsfonds Westlicher Innenstadtrand (Dresden) und aus einer Kooperation mit der Stadt Dresden.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

ADFC Dresden e.V.

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Juli 2016

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Nils Larsen
Vorstandsmitglied im ADFC Dresden e.V.
Bischofsweg 38
01099 Dresden
Telefon: +49 (351) 501 39 15
E-Mail: info@adfc-dresden.de
Internet: www.adfc-dresden.de

Meta-Info
Stand der Information
28. Juli 2018
Autor
Nils Larsen, Vorstandsmitglied im ADFC Dresden e.V.
NRVP-Handlungsfelder
Radverkehrsplanung und -konzeption
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Logistik und Transport
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Schlagworte
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Lastenfahrrad
Land
Sachsen