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Frankenwald mobil - Bus- und Bahnfreizeitnetz mit kostenloser Fahrradmitnahme

Schematischer Liniennetzplan
Schematischer Liniennetzplan © Landratsamt Hof

1. Ausgangssituation und Entstehung

Ein Problem für eine nachhaltige touristische Entwicklung des Naturparks Frankenwald im Norden des Bundeslandes Bayern stellte das fehlende Netz öffentlicher Verkehrsmittel dar. Es gab keine Freizeitverkehrslinien, die die touristischen Angebote in den Landkreisen Coburg, Hof, Kronach und Kulmbach miteinander verknüpften.

In Bezug auf den Fahrradtourismus bietet der Naturpark Frankenwald aufgrund seiner abwechslungsreichen Mittelgebirgslandschaft ein Streckennetz für unterschiedlichste Leistungsklassen und ist besonders als Mountainbikeregion Franken bekannt. Entsprechend der zu bewältigenden Höhenunterschiede können von den Touristen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade gewählt werden, von Rennrad- über Mountainbike- bis hin zu Familien-Touren. Das Radroutennetz deckt das gesamte Gebiet des Naturparks vom Rennsteig bis hin zum Maintal ab. Zusätzlich durchqueren vielen überregionale Radfernwege den Frankenwald und erschließen dem Radfahrer auch bayerische, sächsische und thüringische Nachbargebiete sowie die Euregio Ergensis bis nach Tschechien.

Eine Vernetzung der Landkreise in Bezug auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) war zunächst von den Verwaltungen nicht gewünscht, da jeder Landkreis sein eigener und separater Aufgabenträger für den ÖPNV war. Dies wurde zunehmend problematisch, da die Region besonders um die Ködetalsperre, dem größten Trinkwasserreservoir Bayerns, immer mehr als Naherholungsgebiet genutzt wurde. Da es keine attraktiven Verbindungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gab, stieg die Belastung in Bezug auf Lärm und Luftverschmutzung erheblich durch den zunehmenden motorisierten Individualverkehr.

Dieser Zustand stimmte nicht mit den Zielen des Tourismuskonzepts des Naturparks Frankenwald überein, der eine nachhaltige Tourismusstrategie vorsieht und die Region als Radtourismusregion voran bringen will. Somit wurde im Jahr 1999 im Rahmen des "Forums für nachhaltigen Tourismus im Naturpark Frankenwald" ein zweijähriger Prozess in Gang gesetzt, der zu dem Konzept "Frankenwald mobil" führte. In diesem Prozess waren alle relevanten Gruppen und Institutionen, die private Wirtschaft sowie Jugendgruppen maßgeblich beteiligt. Ziel war es eine Verzahnung von nachhaltigem Tourismus, insbesondere dem Fahrradtourismus, und ÖPNV im Naturpark Frankenwald zu erreichen und damit ein Freizeitverkehrsnetz anzubieten, um den Anteil des ÖPNV am Verkehrsaufkommen zu erhöhen. Es war den Beteiligten des "Forums für nachhaltigen Tourismus" klar, dass nur eine Region mit minimiertem motorisiertem Individualverkehr langfristig attraktiv ist und somit auch touristisch vermarktbar ist. Diese Meinung wurde aktiv an die Bürger und Vertreter der Wirtschaft herangetragen.

Ein wesentliches Ziel des Projekts "Frankenwald mobil" war es demnach, ein ÖPNV-Freizeitstreckennetz mit so genannten Fahrradbussen und -bahnen zu entwickeln, in das der Fahrradtourismus vorrangig integriert werden sollte.

2. Frankenwald-mobil-Netz mit kostenloser Fahrradmitnahme

Mit "Frankenwald mobil" wurde ein dichtes Netz von 200km Fahrradbuslinien und 200km Bahnlinien geschaffen, die aufeinander abgestimmt und vertaktet verkehren. Außergewöhnlich ist, dass in Bus und Bahn Fahrräder kostenlos mitgenommen werden können. Die Fahrradanhänger an den Bussen bieten Platz für 20 Fahrräder, allerdings können die Fahrräder aus Zeitgründen nicht an allen Haltestellen zu- bzw. entladen werden. Durch die Kombination ÖPNV und Fahrrad kann eine größere Vielfalt von verschieden Radtouren gefahren werden. Außerdem nehmen die Busse eine "Schlepplift-Funktion" ein, indem sie die Radler auf die Höhen des Frankenwaldes transportieren, die dann bequem bergab fahren können.

Die drei Buslinien verkehren in der Hauptfahrradsaison zwischen dem 01. Mai und dem 03. Oktober an Samstagen, Sonn- und Feiertagen. Mit den neuen Linien können jetzt Freizeitgebiete und Städte, wie die Ködeltalsperre, die Mountainbikezentren Rennsteig und Döbraberg, das Staatsbad Bad Steben, das Höllental, die Städte Coburg und Kronach sowie viele andere Ziele mit dem ÖPNV/SPNV sicher, bequem und umweltfreundlich sowie unter Mitnahme des eigenen Fahrrads erreicht werden.
Die Busse fahren mit Erdgas, um die Luftverschmutzungen so gering wie möglich zu halten. Der Bau der Erdgastankstelle wurde von der Privatwirtschaft unterstützt.

3. Öffentlichkeitsarbeit

Für "Frankenwald mobil" wird kontinuierlich Öffentlichkeitsarbeit geleistet. So wurde z.B. während der überregionalen Bayerischen Landesgartenschau 2002 ca. sechs Monate für das Projekt intensiv geworben. Jedes Jahr wird ein neuer kostenloser Werbeflyer aufgelegt, der die Neuerungen und Erweiterungen des Systems an die Fahrgäste transportiert.

Das Projekt "Frankenwald mobil" erscheint mit seinen Neuerungen turnusmäßig in den regionalen und überregionalen Medien im Naturpark Frankenwald. Für "Frankenwald mobil" gibt es umfangreiches Informationsmaterial (z.B.: Info-Flyer, Poster, Werbefilm). Gerade wegen der Möglichkeit mit "Frankenwald mobil" Mountainbike-Zentren und Skater-Reviere im Naturpark Frankenwald problemlos mit dem ÖPNV erreichen zu können, nehmen bevorzugt junge Menschen das Freizeitverkehrsnetz an. Deswegen werden die Jugendlichen als Zielgruppe verstärkt beworben.

4. Ergebnisse

Am bedeutendsten Freizeitrevier im Naturpark Frankenwald – der Ködeltalsperre - konnte der motorisierte Individualverkehr gesenkt werden. Erholungssuchende steigen auf den ÖPNV um. Die Fahrgastzahlen im ÖPNV sind durch das Angebot an Freizeitverkehrslinien an den Wochenenden deutlich gestiegen. Beispielsweise sind zwischen den Jahren 2000 und 2003 die Fahrgastzahlen des "Frankenwald mobil" von 1015 auf 5229 und die beförderten Fahrräder von 281 auf 1726 gestiegen. (VCD Bayern)

Eine Befragung von 440 Fahrgästen der Universität Paderborn auf der Landesgartenschau 2002 in Kronach, im Staatsbad Bad Steben haben ergeben, dass besonders ältere Bürger (überwiegend Kurgäste) und junge Menschen durch vorherige schlechte und nicht vernetzte Angebote nicht uneingeschränkt mobil sein konnten.

  • 15,2 Prozent der Fahrgäste sind Urlauber
  • Angebot spricht "Junge" ebenso wie "Ältere" an
  • 26 Prozent der Fahrgäste sind Familien
  • 13 Prozent der Fahrgäste nutzen ansonsten nie den ÖPNV

Durch die Vernetzung attraktiver Destinationen durch den ÖPNV ist der ÖPNV eine Alternative und "Frankenwald mobil" wird immer mehr genutzt. Auch Gastronomie, Kurverwaltungen, Radverleihe und ähnliche Beteiligte im Tourismusgebiet sind vom Freizeitverkehrsnetz und dem dadurch verbesserten und ausgeweiteten ÖPNV überzeugt.

Durch die flächendeckende Einführung von Erdgasbussen im Naturpark Frankenwald und durch die starke Inanspruchnahme des ÖPNV im Freizeitverkehr an den Wochenenden wurden die Luftverschmutzung und die Unfallrisiken gesenkt. Die Erdgastechnologie wurde im Busbereich konsequent vorangetrieben. Moderne, neue Busse werden eingesetzt.
Durch "Frankenwald mobil" wurde besonders auch eine Verbindung der verschiedenen Mountainbike-Zentren im Naturpark Frankenwald ermöglicht. Mountainbiker sind somit nicht mehr auf das Auto als Zubringer zu den einzelnen Trials angewiesen. Für jugendliche Inline-Skater ist die Ködeltalsperre im Naturpark Frankenwald zu einem Skater-Paradies geworden. Durch die Zubringerfunktion des ÖPNV zu diesen Zentren (mit Bussen mit Radanhängern) steigen die jugendlichen Sportler zunehmend auf den Bus um. Die zielgerichtete Ausrichtung des ÖPNV steigert das Image bei den jungen Leuten.

Es wird versucht, das Freizeitverkehrsnetz ständig zu erweitern. Mittelfristig soll das Netz auch in den Freistaat Thüringen erweitert werden. Dazu gibt es jedoch bisher keine weiteren Pläne.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Die Besonderheit des Frankenwald-mobil-Netzes ist die landkreisübergreifende Kooperation und Umsetzung. Darüber hinaus ermöglicht das Bus- und Bahnnetz eine fahrrad- und familienfreundliche Mobilität in der Urlaubsregion, die neben wirtschaftlichen Effekten durch erdgasbetriebene Busse sehr umweltschonend ist. Eine Ausweitung des Netzes beispielsweise nach Thüringen ist möglich.

Finanzierung

Finanzierung: 
Landesmittel
Kommunale Mittel

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
Untersuchung der Universität Paderborn, LSt. Geographie

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
Landkreise Hof, Kulmbach, Kronach im Naturpark Frankenwald
Projektbeteiligte: 
Jeweilige Landräte, Nahverkehrsbeauftragte und Regionalmanager

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 2000

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Regionalmanager
Herr Willi Fehn
Landkreis Kronach
Wirtschaft, Struktur Entwicklung GmbH
Klosterstraße 13
96317 Kronach
Telefon: +49(0)9261/626312
E-mail: w.fehn@wse-kronach.de
WWW: www.wse-kronach.de/

Kommunale Ansprechpartner: 
ÖPNV-Beauftragter
Herr Michael Stumpf
Landkreis Hof
Nahverkehrsplanung
Schaumbergstr. 14
95032 Hof
Telefon: +49(0)9281/57425
E-mail: michael.stumpf@landkreis-hof.de

Meta-Info
Stand der Information
4. Februar 2008
Autor
Willi Fehn (Wirtschaft, Struktur Entwicklung GmbH)
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Bayern