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Kinder- und Schülerverkehr

Fietspoolen - Fahrradpooling

Fahrradpooling
Fahrradpooling © Mobiel21 vzw

1. Projektidee und Entwicklung

In Flandern wie in vielen anderen Ländern auch werden die Kinder aus verschiedensten Gründen (wie zum Beispiel Sicherheit, Kombination mehrere Wegstrecken, das Wetter, ...) mit dem Auto zur Schule gefahren. Da die Kinder aber so keine Übung im Umgang mit dem täglichen Verkehrsgeschehen bekommen, verlieren sie einen Teil ihrer Unabhängigkeit und Bewegungsfreiheit. Die Organisation Mobiel 21 (früher "Langzaam Verkeer") fand, dass Kindern wieder die Möglichkeit gegeben werden muss, zu lernen, sich mehr oder weniger selbständig im Verkehrsgeschehen bewegen zu können. Als Lösung wurden so genannte "Fietspoolen" (die Fahrradschlange bzw. das Fahrradpooling) organisiert, damit die Kinder sicher mit dem Rad zur Schule fahren können.

Unter Fahrradpooling versteht man eine Gruppe von Kindern, die entlang einer bekannten Strecke unter Aufsicht eines Erwachsenen zur Schule fahren. Die Kinder sind mit leuchtenden Jacken und Helmen ausgestattet, so dass sie gut zu sehen sind. Kinder eines Wohngebiets treffen sich zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort und fahren dann zusammen los.

Das Fahrradpooling bietet den Kindern die Möglichkeit, mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren, indem durch die Gruppe und die Beaufsichtigung eines Erwachsenen die Sicherheit erhöht wird. So kann eine selbstständige Mobilität für die Kinder nachhaltig garantiert werden. Das Ziel ist, dass Kinder Erfahrungen und Selbstständigkeit im Straßenverkehr machen und erlernen.

Im Jahr 1998 konnten in einem kleinen Pilotprojekt die Idee des Fahrradpoolings in einigen Schulen, Gemeinden, Regionen in Flandern getestet werden. Im Jahr 2001 konnte dann ein umfassendes Projekt gestartet werden. Mobiel 21 stellt in diesem Rahmen die Betreuung des Projekts und organisiert die Treffen der Elternvertretungen. So konnten bei weiteren Kommunalverwaltungen und Regionen das Interesse geweckt werden, eigene Fahrradpooling-Projekte zu initiieren. Zu Beginn startete Mobiel 21 mit der Organisation konkreter Aktionen an einigen Schulen. Mittlerweile organisieren die Schulen und die lokalen Schulämter die Aktionen selbst und Mobiel 21 übernimmt nur noch die Beratung.

2. Projektumsetzung

2.1 Ablauf an einer Schule

Zuallererst muss bei den Eltern und Kindern das Interesse geweckt werden. Wenn die Eltern nicht hinter der Initiative stehen und mitmachen, kann es nicht funktionieren. Meistens werden von den Elternvertretungen Informationsabende organisiert, bei denen die Eltern direkt angesprochen und überzeugt werden. Manchmal unterstützen die Lehrer die Initiative und sprechen sich dafür aus. Dann müssen an einer Schule genügend Betreuer gefunden werden, die die Aufgabe der Beaufsichtigung übernehmen. Dies sollten grundsätzlich die Eltern übernehmen, denn Lehrer sollen nicht noch mit extra Aufgaben belastet werden. Wenn sie dennoch Interesse daran haben oder ihre eigenen Kinder ebenfalls in die gleiche Schule gehen, ist es natürlich kein Problem, wenn auch die Lehrer "Fietspoolen"-Betreuer werden möchten. Die Informationen, wo die Kinder wohnen, müssen auf einer Karte grafisch dargestellt werden und daraufhin muss eine Streckenführung festgelegt werden. Zusätzlich müssen Versicherungsfragen geklärt, unterschiedlichste Vereinbarungen getroffen sowie ein Betreuungsplan erstellt werden.

Nach dem Start des Fahrradpoolings muss das Verhalten der Kinder weiter beobachtet werden. In Folge sollte weiterhin das Bewusstsein der Kinder in Bezug auf umweltfreundliche Mobilität weiter geschärft werden.

2.2 Regionale Umsetzung

Die Projekte finden in ganz Flandern statt, allerdings heben sich die beiden Provinzen Westflandern und Ostflandern durch ein besonderes Engagement ab. Sie investieren mehr Geld, indem sie zum einen die Beratung durch Mobiel 21 bezahlen und Materialien den Schülern zur Verfügung stellen, die an der Aktion teilnehmen.
In Westflandern hat es provinzweit einen Aufruf gegeben, am Fahrradpooling teilzunehmen. Den Schulen wird die Unterstützung durch Mobiel 21 gesichert, um das Projekt zu starten und eine individuelle Beratung zu erhalten.
In Ostflandern wird versucht, an allen Grundschulen Fahrradpooling-Projekte zu initiieren. Auch hierbei hat Mobiel 21 eine beratende Funktion an den Schulen und den lokalen Verwaltungen. Außerdem erhalten die Schulen von der Provinzregierung Materialien für das Projekt, z.B. Helme und fluoreszierende Jacken.

3. Bestandaufnahme und Evaluation 2005

Nach vier Jahren wurde der Effekt des Fahrradpoolings in Flandern gemessen: Mit einem schriftlichen Fragebogen und einer stichprobenartigen, telefonischen Befragung wurden 190 Schulen befragt.

Der Anteil von aktiven Schulen, die Fahrradpooling anbieten, liegt zwischen 4,9% und 11,6%. Die Befragung am Telefon ergab, dass mehr als 80% der flämischen Schulen das Konzept des Fahrradpoolings kennen. Fahrradpooling ist dabei eine dynamische Angelegenheit: Während 11,6% der Schulen angaben, zu der befragten Zeit Fahrradpooling anzubieten, antworteten 6,3%, dass sie es zu einem bestimmten Zeitpunkt aufgegeben haben. Als Gründe für die Nichtteilnahme am Fahrradpooling werden meistens das nicht vorhandene Interesse der Eltern und der Schulgremien genannt. Die Telefonbefragung ergab außerdem, dass 2,6% der Schulen konkrete Pläne haben, in der Zukunft Fahrradpooling zu organisieren. 7,4% der Schulen erwägen, das Projekt (wieder) aufzunehmen.

Etwas mehr als die Hälfte der Schulen (51%) organisieren Fahrradpooling das ganze Jahr über. 28,5% berichten, dass sie an spezifischen Zeiten im Jahr Fahrradpooling durchführen. Diese Schulen sind meistens im Herbst (September und Oktober) sowie im Frühling (April bis Juni) außerhalb der Winterpause aktiv. Die Schulgremien (81,9%) und der Elternbeirat (71,4%) sind oft in das Projekt einbezogen, ebenso ein städtische Berater (30,5%) und die Polizei (38,1%).

Während des Schuljahres 2001/2002 waren 172 Fahrradpooling-Gruppen aktiv. Im Schuljahr 2004/2005 war es eine Gesamtmenge von 317 Gruppen, die sich registriert haben lassen, mit durchschnittlich vier Gruppen pro Schule (siehe Grafik 1).

Eine typische Gruppe besteht aus ungefähr sieben Kindern. Im Schuljahr 2001/2002 kamen 1432 Schüler mit Fahrradpooling zur Schule und die Anzahl stieg im Schuljahr 2004/2005 an bis auf 2390 Schüler (siehe Grafik 2). Jede Schule hat 20 bis 25 Kinder, die Fahrradpooling nutzen und fünf bis sieben Betreuer.

Die meisten Schüler tragen reflektierende Kleidung (77%) und Helme (64%). Andere Accessoires wie Bänder oder Flaggen werden nur selten genutzt. Durch die Dynamik des Fahrradpoolings ist es für die Fortführung des Projekts besonders wichtig, dass motivierte Betreuer gefunden werden, die die Kinder unabhängig von ihren Familien zur Schule begleiten. Einige Eltern wollen nicht die Verantwortung wegen der Gefahren im alltäglichen Straßenverkehr auf sich nehmen. Auf der anderen Seite bemerken die Betreuer, dass die Kinder schnell selbstständig beim Radfahren werden. Einigen Schulen fielen positive Erfahrungen bei den teilnehmenden Schülern untereinander auf.

Die Tatsache, dass 80% der flämischen Schulen das Fahrradpooling kennen und 10% Pläne haben, es (wieder) aufzunehmen, ist befriedigend. Es bedeutet, dass das Projekt große Chancen hat, weiter ausgedehnt zu werden.
Eine ausführlichere Version ist auf flämisch und englisch erhältlich unter: www.mobiel21.be.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Durch den Einsatz von Fahrradpooling lernen Kinder nicht nur mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren, sondern bekommen Sicherheit im Straßenverkehr und haben zudem noch Freude daran, in einer Gruppe Gleichaltriger mit dem Fahrrad unterwegs zu sein.
Es handelt sich um ein nachahmenswertes Beispiel, das mit ein wenig Engagement von Eltern und Schulen auch in anderen Regionen und Ländern praktiziert werden kann.

Finanzierung

Finanzierung: 
Sonstige
Erläuterungen: 
Erforderliche Investitionen in:
  • Versicherung für den Beaufsichtigten des Fahrradpoolings (ca. 25 Euro pro Person pro Jahr)
  • Fahrradhelme
  • Radbekleidung (reflektierende Jacken)

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
Schriftliche und telefonische Befragung von 190 Schulen

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • Mobiel 21
Projektbeteiligte: 
  • Kommunen
  • Schulen und lokale Schulämter
  • Eltern
  • Polizei

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 1998
Info zur Laufzeit: 
1998 Pilotprojekt, richtig laufend seit 2001

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Frau Elke Bossaert
Mobiel 21 vzw
Vital Decosterstraat 67A/0101
3000 Leuven (Belgiun)
Telefon: +32(0)16/317706
Telefax: +32(0)16/290210
E-mail: elke.bossaert@mobiel21.be
WWW: www.mobiel21.be/