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metropolradruhr

Fahrradverleihsystem für das Ruhrgebiet

metropolradruhr an der Zeche Zollverein
metropolradruhr an der Zeche Zollverein © Regionalverband Ruhr

Projektziel und Konzept

Das Fahrradverleihsystem metropolradruhr wird vom Regionalverband Ruhr gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und zehn Kommunen der Metropole Ruhr getragen. Als Betreiber fungiert die nextbike Gmbh. Ziel ist es, im Rahmen eines regionalen Ansatzes den ÖPNV zu ergänzen, zur signifikanten Erhöhung der Fahrradnutzung in den beteiligten Städten beizutragen und die Innenstädte zu entlasten. Das Projektgebiet umfasst die zehn Städte Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hamm, Herne, Mülheim a.d.R. sowie Oberhausen und ist rund 1.520 Quadratkilometer groß. Es hat somit die größte Flächenausdehnung unter den Modellprojekten des Bundeswettbewerbs "Innovative öffentliche Fahrradverleihsysteme".

Ausgangssituation und Projektumsetzung

Im Zuge des im Frühjahr 2009 initiierten Bundeswettbewerbs "Innovative öffentliche Fahrradverleihsystem - Neue Mobilität in Städten" wurde gemeinsam mit dem Regionalverband Ruhr, dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und zehn Kommunen der Metropole Ruhr ein Konzept entwickelt, welches im Juli 2009 durch eine unabhängige Fachjury als Siegerprojekt wurde. Der Förderantrag mit detaillierten Planungen wurde schließlich im Oktober 2009 beim Bundesverkehrsministerium eingereicht. Zum Herbst 2009 startete gleichfalls der Förderzeitraum von drei Jahren für die Umsetzung der Projektidee. Daran anknüpfend wurde damit begonnen, ein Projektteam zusammenzustellen, welches die Konzeption eines ganzjährigen, stationsgebundenen Fahrradvermietsystems mit rund 300 Stationen und ca. 2.300 Fahrrädern, betrieben durch nextbike bis 2012 auf die Straße bringen sollte.
Das Fahrradverleihsystem metropolradruhr wurde im Rahmen der Kulturhauptstadt RUHR.2010 am 18. Juni 2010 in Dortmund feierlich eröffnet und sukzessive weiter ausgebaut. Im November 2011 waren bereits 1.200 Leihfahrräder und 150 Stationen in Betrieb.
Bis zum Auslaufen der Förderung durch den Bund am Ende des Jahres 2012 konnte die zweite Ausbauphase abgeschlossen werden. Mit 2.300 Leihrädern an 300 Stationen stellt metropolradruhr seit Ende 2012 das größte Fahrradverleihsystem Deutschlands dar.
Die Integration des Systems in den ÖV erfolgt tariflich (Freiminuten für ÖV-Kunden), räumlich (Lage an ÖV-Stationen) und informationell (in den Auskunftssystemen). Die metropolradruhr-Stationen wurden in den VRR-Linienplan Schnellverkehr sowie in die elektronische Fahrplanauskunft (EFA) des VRR integriert. Zudem erfolgte eine Integration des Systems im VRR-Internetauftritt und im Radroutenplaner NRW (www.radroutenplaner.nrw.de).
Eine Besonderheit stellt die Kooperation mit den Stadtverwaltungen der Städte Gelsenkirchen, Dortmund, Duisburg und dem Regionalverband Ruhr dar, die deren Mitarbeitern die kostenfreie Nutzung der Leihräder des Fahrradverleihsystems als Dienstfahrräder ermöglicht ("Mitarbeiterrad").

Startphase

Hilfreich für die Realisierung des Systems war, dass die zehn beteiligten Städte Mitglied des Regionalverbands Ruhr sind, über jahrelange Erfahrung und Disziplin in der interkommunalen Kooperation verfügen und somit das Zusammenspiel sämtlicher Akteure trotz komplexer Strukturen - teils mit hohem persönlichen Einsatz - gewährleistet wurde. Die Implementation des Systems trotz der politisch-administrativen und logistisch komplizierten Strukturen zeigt, dass im Verkehr komplexe Verbundprojekte möglich sind. Die Innovation - neben technischen Komponenten - liegt vor allem in der Organisation und Interaktion der verschiedenen Einzelakteure mit unterschiedlichen Zuständigkeiten und Tätigkeiten sowie in der Koordination der Einzelinteressen.
Die Nutzung des Verleihsystems metropolradruhr entwickelte sich in der ersten Saison 2010 zögerlich - monatlich wurden jeweils weniger als 1.000 Räder ausgeliehen. Gründe dafür könnten in der anfangs geringen Stationszahl, den begrenzten Marketingaktivitäten sowie den noch nicht mit Terminals ausgestatteten Stationen liegen. Im Jahr 2011 steigerte sich die Nutzung deutlich - auf bis zu etwa 2.500 Ausleihen im August 2011. Besonders oft wurde das System am Wochenende genutzt - hier gibt es rund 50 Prozent mehr Ausleihen als an Werktagen. Nach Angaben der Nutzer wurde das System häufig für Wege von oder zur Wohnung sowie in der Freizeit genutzt. Die Option, mit dem Leihrad von einer Stadt in die nächste zu fahren, wurde kaum genutzt.
Bei Stationsbefragungen von zufällig ausgesuchten Passanten zeigte sich, dass die Kenntnis von Zweck und Nutzung des Fahrradverleihsystems noch gering ausgeprägt waren. Erforderlich erschien deshalb ein zielgruppenspezifisches Marketingkonzept, um das System auch für den Alltagsverkehr zu etablieren. Darüber hinaus sollte eine verstärkte Einbindung aller lokalen und regionalen Medien erfolgen, um das Fahrradverleihsystem weiter bekannt zu machen und diesbezügliche Defizite zu überwinden: So wurde beispielsweise in der Vergangenheit in einem Zeitraum von acht Monaten nur vier Mal in der Presse über metropolradruhr berichtet.

Nutzungsabläufe, Registrierung und Tarife

Der Verleihvorgang kann nach zuvor erfolgter einmaliger Registrierung entweder telefonisch, über das Terminal oder über die Smartphone-Applikation, die auch die aktuelle Verfügbarkeit der Leihräder je Station anzeigt, durchgeführt werden. Alternativ lässt sich der Ausleihvorgang auch starten, indem der am Fahrrad angebrachte QR-Code gescannt wird. Kunden des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr können sich mit ihrem elektronischen Ticket (Chipkarte) an den Terminals anmelden und so die vergünstigten Tarife für ÖV-Zeitkarteninhaber nutzen.
Nach der Anmeldung geben die Nutzer das Kennzeichen des von ihnen ausgewählten Fahrrads an. Daraufhin wird ihnen ein Code übermittelt, mit dem sich das Zahlenschloss öffnen lässt.
Nach der Nutzung kann das Fahrrad an jeder offiziellen Station im metropolradruhr-Gebiet abgestellt werden. Der Kunde schließt es ab und bestätigt die Rückgabe über die App, die Hotline oder am Terminal.

Erfahrungen und bisherige Bilanz

Technische Infrastrukturen

Die eingesetzte Technik des Fahrradverleihsystems funktioniert weitgehend reibungslos. Allerdings führten administrative Schwierigkeiten sowie Lieferverzögerungen bei Stationen und Fahrrädern zu einer verzögerten Umsetzung in der Startphase. Dazu kamen rechtliche Auseinandersetzungen mit der Metro AG, die aufgrund des ursprünglich gewählten Namens Metroradruhr mit einer Klage drohte.
Die Ausprägungen der Netzstruktur sind in den einzelnen Städten sehr unterschiedlich. In Dortmund deckt das Bedienungsgebiet (63 Stationen) von metropolradruhr zwar nur einen relativ kleinen Teil des Stadtgebietes (11%) um das Zentrum herum ab. Die Stationsdichte im Bedienungsgebiet stellt jedoch mit zwei Stationen pro Quadratkilometer den höchsten Wert aller im Rahmen des Bundeswettbewerbs geförderten Modellprojekte dar; im Zentrum ist das Netz mit 10,4 Stationen pro Quadratkilometer nochmals stark verdichtet. In Essen (51 Stationen) dagegen erstreckt sich das Bedienungsgebiet neben dem dichten Angebot im Kerngebiet über ein Drittel des Stadtgebiets. Dabei gibt es auch Stationen an Freizeitattraktionen weit außerhalb des Zentrums. Da sich auf dem Stadtgebiet von Essen aber insgesamt nur 51 Stationen befinden liegt die vergleichsweise geringe Stationsdichte bei 0,7 und im Kerngebiet bei 4,7 Stationen pro Quadratkilometer. Insgesamt weist das Modellprojekt auf einer gesamten Bedienfläche von 783 Quadratkilometern eine Stationsdichte von 0,4 Stationen pro Quadratkilometer auf.
Da metropolradruhr das älteste Fahrradverleihsystem aller im Rahmen des Bundeswettbewerbs "Innovative öffentliche Fahrradverleihsysteme“ geförderten Modellprojekte darstellt, konnte zu Beginn noch nicht auf bestehende Systemkomponenten wie Stelen, Fahrradständer und Kommunikationseinheiten zurückgegriffen werden. Diese mussten zuerst entwickelt und erprobt werden. Durch den erfolgreichen Praxiseinsatz der Komponenten im Ruhrgebiet konnten jüngere Fahrradverleihsysteme ein komplettes Systemmodell übernehmen, wie es u.a. beim Modellprojekt Nürnberg zum Einsatz kam. Wie auch in vergleichbaren Projekten treten trotz der langjährigen Anwendung immer noch Stabilitätsprobleme mit der Hintergrundsoftware auf.

Tarifsystem

Nach dem Ende der Förderung durch den Bund mussten alle Tarife erhöht und mit jenen der anderen von nextbike betriebenen Fahrradverleihsystemen in Einklang gebracht werden. Dementsprechend erhöhte sich der Normaltarif von 50 Cent auf einen Euro pro 30 Minuten Ausleihzeit. Die Grundgebühr des "Radcard-Tarifs", mit dem die ersten 30 Minuten jeder Fahrt kostenfrei sind und für jede weiteren 30 Minuten nur 50 Cent anfallen, stieg von acht Euro pro Jahr auf 3 Euro pro Monat. Damit entspricht das Tarifsystem denen der meisten anderen nextbike-Systeme.
Als Besonderheit bestehen vergünstigte Tarife für alle Kunden (pro Tag 30 Minuten kostenlose Ausleihe) und Zeitkarteninhaber (Rad-Card-Tarif für 1,50 Euro monatlich) des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr sowie für Studenten der Ruhr-Universität Bochum, für die die ersten 60 Minuten jeder Fahrt kostenfrei sind.

Nachfrage und Nutzungsdetails

Bislang kann metropolradruhr (Stand November 2013) durchschnittlich etwa 7.200 Ausleihen pro Monat verzeichnen. Das entspricht 0,13 Ausleihen pro Rad und Tag. Obwohl dieser Wert weit unter den durchschnittlichen Werten für große Städte (1,27 Ausleihen pro Tag/Rad) und mittleren Städten (1,04 Ausleihen pro Tag/Rad) liegt, sind diese Zahlen nicht zwangsläufig als negativ anzusehen. Zum einen sind die geringen Nutzerzahlen auf die erst Ende 2012 vollendete zweite Ausbaustufe zurückzuführen. Zum anderen sind die Nutzerzahlen in jedem Jahr nach der Inbetriebnahme kontinuierlich angestiegen. Wurden im ersten Betriebsjahr noch monatlich weniger als 1.000 Ausleihen getätigt, stiegen die monatlichen Ausleihzahlen auf fast 2.000 im darauffolgenden Jahr und 4.700 im Jahr 2012. 2013 konnten im Zeitraum zwischen Anfang Januar und Ende September sogar mehr als 8.500 monatliche Ausleihen verzeichnet werden.

Steckbrief

  • Name: metropolradruhr
  • Betreibermodell: nextbike GmbH im Auftrag der Metropolregion Ruhr
  • Aufgabenträger: Regionalverband Ruhr
  • Starttermin: 18.06.2010 in Dortmund
  • Anzahl Fahrräder: 2.300 Fahrräder
  • Anzahl Stationen: 300 Stationen
  • Fahrzeug: Nextbike mit Werbefläche
  • Merkmale/Typ: Ziel ist eine ÖPNV-Ergänzung und -Entlastung sowie die Vernetzung der Städte
  • Schließsystem: Zahlenschloss
  • Bedienungsgebiet: Die Städte Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen Gelsenkirchen, Hamm, Herne, Mülheim a.d.R. und Oberhausen; das Bedienungsgebiet umfasst ca. 1.520 km2.
  • Medienkampagne: bisher nicht; Integration des Systems im VRR-Internetauftritt und im Radroutenplaner.NRW (www.radroutenplaner.nrw.de)
  • Zielgruppe: ÖV-Nutzer, Touristen
  • Kundenkarten: nicht erforderlich
  • Registrierung: per Internet, per Telefon/ Mobiltelefon, in einer Tourist-Information
  • Anzahl monatlicher Ausleihvorgänge: 7.168 (Durschnitt 4/2012-09/2013)
  • Letzter Stand: 11/2013

Tarife

  • Normaltarif: 1 Euro pro halber Stunde
  • Aufpreistarif: erste 30 Minuten frei, danach 50 Cent/30 Minuten (+3 Euro monatliche Grundgebühr)
  • Tarif Zeitkarteninhaber: erste 30 Minuten frei, danach 50 Cent/30 Minuten (+1,50 Euro monatliche Grundgebühr)
  • Studententarif: erste 30 Minuten frei, danach 50 Cent/30 Minuten (+2 Euro monatliche Grundgebühr)

Finanzierung

Erläuterungen: 
Modellvorhaben "Innovative öffentliche Fahrradverleihsysteme – Neue Mobilität in Städten", gefördert durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS).

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
  • In 2011, gefördert durch das Bundesinstitut für Bau- Stadt- und Raumforschung (BBSR)
  • In 2013, gefördert durch das Bundesinstitut für Bau- Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
Regionalverband Ruhr
Projektbeteiligte: 
nextbike GmbH

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Juni 2010
Info zur Laufzeit: 
Am 18.06.2010 in Dortmund gestartet

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Meta-Info
Stand der Information
30. November 2013
NRVP-Handlungsfelder
Radverkehrsplanung und -konzeption
Fahrradthemen
Fahrradverleihsysteme
Schlagworte
Fahrradverleih
Modellvorhaben
Land
Nordrhein-Westfalen