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"Radhaus" in Bamberg

Fahrradparkhaus am Bahnhof mit 24h Betrieb

Ein- und Ausfahrt der Parkhauses, Straßenseite
Ein- und Ausfahrt der Parkhauses, Straßenseite © Stadtplanungsamt Bamberg

Verkehr in Bamberg

Die kreisfreie Stadt Bamberg ist Oberzentrum innerhalb der Europäischen Metropolregion Nürnberg.
Obwohl Bamberg nur 70.000 Einwohnern hat, verfügt die Stadt unter anderem über eine Universität, den Sitz eines Erzbistums, ein Oberlandesgericht, acht Gymnasien und 48.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Hinzu kommen 15.000 Beamte, Richter, Staatsanwälte und Selbständige, 12.400 Studierende, 19.000 Schüler/innen und 500.000 Gästeübernachtungen. Hieraus ergibt sich ein sehr hohes Zielverkehrsaufkommen in Richtung Bamberg. Dem gegenüber steht der historische und seit 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden denkmalgeschützte Kern Bambergs, das so genannte Stadtdenkmal von 4,7 km2 Größe, in welchem eine Zunahme des motorisierten Individualverkehrs weder realisierbar noch gewollt ist.
Bamberg setzt daher bereits seit vierzig Jahren auf die Verkehrsmittel des Umweltverbundes, auf die Stadt der kurzen Wege, auf Innenentwicklung vor Außenentwicklung. Der Umweltverbund hat im Bamberger Binnenverkehr seit Jahren einen Anteil von über 60%. Gerade der Radverkehr hat, u.a. durch die erfolgreiche Teilnahme als Pilotstadt am Programm "Kopf an – Motor aus", nochmals an Bedeutung gewonnen. Eine stetige Herausforderung aber bleibt es, den Umweltverbund auch im regionalen Verkehr zu stärken. Um hier attraktive Wegeketten zu ermöglichen, kommt der Verknüpfung der unterschiedlichen Verkehrsmittel besondere Bedeutung zu.

Der Bahnhof Bamberg

Der Bamberger Bahnhof ging bereits 1844 - als einer der ersten in Deutschland - in Betrieb. Deshalb liegt der Bahnhof – bezogen auf die Einwohnerverteilung – optimal zentral. Bis zum Jahr 2001 konnte der Bamberger Bahnhof vollständig mit Aufzügen zu allen Bahnsteige ausgestattet werden. Der Beitritt Bambergs zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg zog sich jedoch bis zum Jahr 2010 hin, weil der Stadtbusverkehr in Bamberg traditionell besonders preiswert war und eine Verschlechterung der Attraktivität des Umweltverbundes vermieden werden musste. Seitdem aber hat die Bedeutung des Bambergers Bahnhofs nochmals deutlich zugenommen (4,5 Mio. Ein- und Aussteigende pro Jahr).

Die qualitativ und quantitativ unzureichenden Fahrradabstellmöglichkeiten rund um den Bahnhof waren seit Jahren offenkundig. Zwar vermietet die Bahn bis heute Fahrradboxen, aber dieses Angebot wurde nicht weiter ausgebaut, weil mit der Privatisierung der Bahn die Zuständigkeit für das Fahrradparken an die Gemeinden übergegangen ist. Den Gemeinden wiederum fehlt der Flächenzugriff auf dem Bahnhofsareal. In Bamberg kommt hinzu, dass die bahnsteig-erschließende Unterführung, obschon sie 2001 vollkommen neu hergestellt worden ist, zunächst nicht bis zur Rückseite des Bahnhofs durchgebaut wurde, so dass die gesamte Bahnhofserschließung von einer Seite aus erfolgen musste.

Die Stadt Bamberg stand daher über Jahre hinweg in intensiven Verhandlungen mit der Bahn als Grundeigentümerin und als Eigentümerin von betrieblichen Einrichtungen einerseits und mit den Fördergebern andererseits. Wie in anderen Städten war die Lage komplex, die Verhandlungen langwierig und das Gesamtpaket aller sinnvollen Maßnahmen teuer.

Am Ende hat die Stadt erhebliche Flächen auf der Bahnhofsrückseite erwerben können. Dort hat die Bahn betriebliche Einrichtungen umfangreich rückgebaut. Die Stadtwerke Bamberg Verkehrs- und Park GmbH hat daraufhin die Bahnhofsunterführung zur Rückseite hin durchgebunden, einen Park-and-Ride-Parkplatz, eine Straßenquerung,zwei Bushaltestellen und das im Folgenden beschriebene Fahrradparkhaus auf die erworbenen Flächen gebaut.

Das finanzielle Gesamtvolumen all dieser Maßnahmen beläuft sich auf rund sieben Millionen Euro. Gefördert wurde die Verwirklichung mit rund 2, 3 Mio. Euro aus GVFG- und FAG-Mitteln des Freistaates Bayern für die Verbesserung der Verknüpfung der Verkehrsmittel. Zudem flossen im Rahmen der Bund-Länder-Städtebauförderung weitere 1,1 Mio. Euro an Mitteln des Bundes, des Freistaates und der Stadt Bamberg in das Projekt, insbesondere in die Umnutzung des Bestandsgebäudes „Brennerstraße 9“ zum Fahrradparkhaus sowie in die Neugestaltung der Freiflächen. Die Oberfrankenstiftung beteiligte sich mit rund 330.000 Euro und die Bayerische Landesstiftung mit 80.000 Euro an der Sanierung des Baudenkmals "Brennerstraße 9". Die Restkosten müssen die Stadtwerke selbst aufbringen. Im April 2012 wurden sämtliche Maßnahmen fertig gestellt.

Fahrradparken am Bahnhof Bamberg

Im Rahmen der Vorbereitenden Untersuchungen nach Baugesetzbuch für das Sanierungsgebiet "Aktive Kettenbrücke-Königstraße-Bahnhof" wurden detaillierte Zählungen des ruhenden Radverkehrs rund um den Bamberger Bahnhof vorgenommen. Dabei wurde festgestellt, dass einem Angebot von 513 Fahrradabstellplätzen eine Spitzenauslastung von 850 abgestellten Fahrrädern gegenüber steht.

Die Ziele und Maßnahmen in diesem Sanierungsgebiet sehen eine langfristige umfassende Neuordnung der gesamten Erschließung des Bahnhofs vor. Für den ruhenden Radverkehr wird aus den Ist-Zahlen zuzüglich allgemeiner Radverkehrszunahme und einererheblichen Steigerung der Abstellattraktivität ein Zielangebot von 960 Stellplätzen auf der Bahnhofsvorderseiten und 350 Stellplätzen auf der Rückseite formuliert.

Weil im Bahnhofsbereich viele Flächen erst mittelfristig verfügbar sind, werden diese neuen Fahrradabstellangebote in drei Schritten verwirklicht: Im April 2012 eröffnet das "Radhaus" mit 330 Abstellplätzen auf der Rückseite, ebenfalls noch 2012 ein weiteres Fahrradparkhaus mit 190 Plätzen auf der Vorderseite. Die Realisierung der größten Anlage mit 770 Plätzen wird noch ein paar Jahre auf sich warten lassen müssen.

Radhaus Bamberg

Bei dem attraktiven Sandsteingebäude "Brennerstraße 9" handelt es sich um das letzte bestehende Betriebsgebäude der Erstausstattung des Bamberger Bahnhofs aus den 1840er Jahren. Deshalb steht der Bau unter Denkmalschutz. Zugleich steht das Haus auf der Bahnhofsrückseite zwischen der öffentlichen Straße und der verlängerten Bahnsteigunterführung. Im Grunde genommen steht das Gebäude also "im Weg".

Aus diesem Nachteil haben die Stadt und die Stadtwerke eine Tugend gemacht und den Bau als neues Eingangsgebäude zum Bahnhof ausgestaltet und zugleich ein Fahrradparkhaus integriert. Angeboten werden 330 Abstellplätze im Doppelstocksystem. Zusätzlich werden 52 Schließfächer, 25 Stromanschlüsse für Elektrofahrräder und eine manuelle Lufttankstation angeboten.

Die Gesamtanlage ist tageslichtdurchflutet und auch nachts hervorragend ausgeleuchtet. Zusätzlich ist sie videoüberwacht. Das Parkhaus funktioniert ohne permanent anwesendes Personal mit elektronischen Schleusenanlagen. Dadurch besteht das Angebot rund um die Uhr, 24 Stunden an 365 Tagen. Die Tageskarte kostet 50 Cent, die Monatskarte 8 Euro, die Jahreskarte 70 Euro.

Entworfen wurde das Fahrradparkhaus durch das Büro KJS+Architekten aus Erlangen, die Freianlagen durch das Büro Adler & Olesch aus Nürnberg. Beide Büros wurden dabei intensiv durch das Stadtplanungsamt und den ADFC Bamberg beraten. So wurde eine Konzeption verwirklicht, welche die Fahrraderschließung von der Fußgängererschließung konsequent trennt und zugleich zu einer gleichmäßigen Verteilung der Stellplatzbelegung beiträgt.
Bereits in den ersten Tagen nach Inbetriebnahme ist die Anlage aufgrund der gleisnahen Lage, der attraktiven Preise und der hellen Gestaltung sehr gut angenommen worden. Zum Erfolge beigetragen hat auch die exzellente und umfangreiche Werbekampagne der Stadtwerke Bamberg Verkehrs- und Park GmbH.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Die Attraktivität des Radverkehrs steht und fällt immer mit der Attraktivität des Angebots.
Bei der Fahrradabstellung an Bahnhöfen sind

  • Einbindung in das städtische Radverkehrsnetz
  • Gleisnähe
  • Witterungsschutz
  • Diebstahlschutz
  • Soziale Sicherheit
  • Unkomplizierte Nutzbarkeit
  • flankierende Dienstleistungen
  • Professionalität des Gesamtangebots
  • Preis-Leistungs-Verhältnis des Gesamtangebots
  • Image

allesamt wichtige Kriterien, die über Erfolg oder Misserfolg einer Anlage entscheiden.
Das "Radhaus" in Bamberg zeichnet sich in besonderem Maße dadurch aus, dass alle diese Anforderungen gleichermaßen hoch gewichtet wurden und keine Anforderung vernachlässigt worden ist. Ganz nebenbei wurde auch noch ein Einzelbaudenkmal saniert.
Das Projekt lässt sich daher sehr gut auf alle Standorte von nutzungsintensiven zentralen Fahrradabstellanlagen übertragen.
Besonders vorbildlich ist auch Qualität und Aufwand der Werbekampagne.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Landesmittel
Kommunale Mittel
Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Gesamtvolumen: 
1 360 000 €
Erläuterungen: 

Bauherr und Betreiber ist die Stadtwerke Bamberg Verkehrs- und Park GmbH. Die Fördersumme der Investition teilt sich wie folgt auf:

  • Stadtwerke Bamberg Verkehrs- und Park GmbH 245.000
  • BMVBS Städtebauförderung 198.000
  • Freistaat Bayern Städtebauförderung 198.000
  • Freistaat Bayern GVFG-Förderung 146.000
  • Freistaat Bayern FAG-Förderung 29.000
  • Stadt Bamberg Städtebauförderung 132.000
  • Oberfrankenstiftung 330.000
  • Bayerische Landesstiftung 80.000

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Die Auslastungszahlen werden permanent elektronisch erfasst. Darüber hinaus werden möglicherweise Befragungen durchgeführt werden.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Stadtwerke Bamberg Verkehrs- und Park GmbH

Projektbeteiligte: 

Stadt Bamberg - Immobilienmanagement – Liegenschaftsverwaltung
Stadt Bamberg - Kämmereiamt
Stadt Bamberg - Stadtplanungsamt – Verkehrsplanung
Stadt Bamberg - Stadtplanungsamt – Stadtsanierung
KJS+Architekten
Adler und Olesch Landschaftsarchitekten

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Oktober 2010
Projektende: 
März 2012
Info zur Laufzeit: 

Die Angaben beziehen sich auf das "Radhaus" im engeren Sinne. Die Daten beziehen sich auf die Bauphase. Planung und Grunderwerb haben ein weiteres Jahrzehnt Vorlauf erfordert.

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Frau Nadine Schieber
Stadtwerke Bamberg Verkehrs- und Park GmbH
Abteilung Service und Verkehr - Parkraumbewirtschaftung
Margaretendamm 28
96052 Bamberg
Telefon: 0951777500
Telefax: 0951777090
E-mail: nadine.schieber@stadtwerke-bamberg.de
WWW: www.stadtwerke-bamberg.de

Kommunale Ansprechpartner: 

Herr Thomas Beese
Stadtplanungsamt der Stadt Bamberg
Abteilung Stadtsanierung/Stadtgestaltung
Untere Sandstr. 34-40
96049 Bamberg
Telefon: +49 (0)951/ 871641
Telefax: +49 (0)951/871966
E-mail: thomas.beese@stadt.bamberg.de

Meta-Info
Stand der Information
1. April 2012
Autor
Thomas Beese, Stadtplanungsamt Bamberg
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Bayern