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Deutschlands erstes Fahrradquartier in Bremen

Fahrradmodellquartier – Alte Neustadt

Übersicht Gesamtplan
Übersicht Gesamtplan © SUBV

Ausgangssituation und Gebietsbeschreibung

Das Modellquartier liegt innerhalb der im 17. Jahrhundert erweiterten Wallanlagen Bremens, die die damalige Erweiterung der Stadt sichern sollten. Die Alte Neustadt hat sich später zu einem bedeutenden Produktionsstandort und Arbeiterwohnquartier entwickelt. Heute ist das Gebiet zwischen Weser und Neustädter Wallanlagen durch große Verwaltungs- und Produktionsstandorte der Brauerei Beck & Co, der Firmen Mondelez, Azul Kaffee und Hachez Schokolade geprägt. Die Bevölkerungszahl im ausgewählten Modellquartier ist – ohne zusätzliche Wohnungsbauten - mit gut 2.900 Einwohnern um etwa 9 % höher als vor 20 Jahren, wobei sich die Anzahl der 18 bis 25jährigen Bewohner im selben Zeitraum fast verdoppelt hat. Die Bevölkerungsmobilität ist mit knapp 26 % sehr hoch, da sich innerhalb von vier Jahren die Bevölkerung im Quartier statistisch betrachtet komplett austauscht. Charakteristisch für das heterogene Erscheinungsbild der Alten Neustadt ist die Koexistenz von Wohnen und Arbeiten. Mehr als 3.500 Erwerbstätige strömen in das Kerngebiet sowie in die angrenzenden Produktionsstandorte. Allein die Hochschule mit über 9.000 Studierenden an drei Standorten ist ein starker Verkehrserzeuger mit regelmäßiger Belastung im Tagesgang. Andere Kultureinrichtungen wie das Südbad, die Shakespeare Company und der Veranstaltungsort "Modernes" erzeugen mit jährlich über 500.000 Besuchern in den Tagesrandzeiten in das Quartier einströmenden Verkehr. Städtebaulich nachteilig wirken sich die großen Verkehrsachsen von Langemarckstraße, Friedrich- Ebert-Straße und Westerstraße als räumliche Barrieren aus. Im Quartier selbst zeigt sich unstrukturiert wirkendes Nebeneinander von asphaltierten Straßen und altem Kopfsteinpflaster. Gehwege werden sowohl von parkenden Pkw als auch angeschlossenen Fahrrädern belegt.

Bremen ist es bisher nicht gelungen, den für eine Großstadt von mehr als 500.000 Einwohnern bereits hohen Radverkehrsanteil von 25 % signifikant zu erhöhen. Im Klimaschutz- und Energieprogramm 2020 (KEP) verpflichtet sind Zielgrößen verankert, die eine Erhöhung des Radverkehrsanteils am Modal Split auf 30 % oder mehr notwendig machen. Daher hat die Stadt Bremen beschlossen, dieses Ziel mit der Errichtung eines Fahrradmodellquartiers zu erreichen, in dem in konzentrierter Form vorhandene Instrumente verkehrsrechtlicher und allgemeiner Fahrradförderung gebündelt und umgesetzt werden sollen. Als Übernahme der Ziele des KEP sieht der Verkehrsentwicklungsplan 2025 (VEP) vor, mit konkreten Maßnahmen zur Schaffung eines übergeordneten Premiumroutennetzes eine starke Aufwertung des Radwegenetzes zu schaffen. Die Anbindung des Modellquartiers an das sich am Weserdeich im Rahmen einer Deichschutzmaßnahme zeitnah realisierende Premiumradnetz ist daher ein zentraler Aspekt im Projekt "Fahrradmodellquartier". Das Innenstadtkonzept 2025 sieht mit dem Güldenhausquartier und der Neugestaltung des Neustadtbahnhofs zwei Schlüsselprojekte in unmittelbarer Nähe zum Modellquartier vor. Die Maßnahmen im Modellquartier bilden somit den Kern einer verbesserten Erreichbarkeit zwischen der City und den Schlüsselprojekten aus dem Innenstadtkonzept. Das Projekt "Fahrradmodellquartier (FMQ) Alte Neustadt" wurde aus den Klimaschutzmaßnahmen der Hochschule Bremen initiiert.

Projektdurchführung

Das Fahrradmodellquartier wird durch den Senator für Umwelt, Bau und Verkehr (SUBV) der Stadt Bremen und der Hochschule Bremen durchgeführt (HSB). Ersterer ist dabei als Projektkoordinator tätig. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit hauptfinanziert. Aufgrund der Bremer Haushaltslage wird das Fahrradmodellquartier zu 90 % vom BMU finanziert, die Fördermaßnahme ist Teil der Nationalen Klimaschutz Initiative.

Die Maßnahmen umfassen in erster Linie Baumaßnahmen. Der Großteil des Quartiers besteht aus kopfsteingepflasterten, für Fahrradfahrer ungeeigneten Straßenbelägen. Diese sollen entweder komplett oder zumindest teilweise ersetzt werden. In die Fahrbahnmitte wird ein asphaltierter Fahrstreifen eingelassen, um dadurch einerseits den Komfort für Radfahrer deutlich zu erhöhen, andererseits aber auch die Lärmbelastung für Anwohner zu verringern. Hiermit können neue, attraktive Verbindungen nicht nur innerhalb des Quartiers, sondern auch quartiersübergreifend geschaffen werden. Die Straßen des Quartiers werden alle in Fahrradstraßen umgewandelt, um so eine durchgängige "Fahrradzone" zu schaffen. Das Parken der Pkw wird besser geordnet, um Sichtbeziehungen, aber auch das Vorbeifahren zu verbessen. Hierzu dienen auch Gehwegnasen an den zahlreichen Einmündungen.

Ein Aushängeschild des FMQs wird das im Quartier angesiedelte Fahrrad-Repair-Café. Der Standort liegt zentral auf dem Campus, direkt an der Fahrradroute, die die Bremer Altstadt mit der Neustadt verbindet. In diesem kann man unter anderem sein Fahrrad zum einem kostengünstig und fachmännisch reparieren lassen, eine Selbsthilfe-Werkstatt oder das Lastenrad-Verleih-System nutzen. An den drei Standorten der Hochschule werden zudem E-Bike-Ladestationen eingerichtet. Für Studierende und Beschäftigte wird ein Leihradsystem eingerichtet – mit Pilotcharakter für den Stadtteil und die gesamte Stadt.

Das Projekt entstand in enger Kooperation mit dem ADFC, dem BUND, den verorteten Gewerbetreibenden und dem Ortsbeirat. Es wurde von Anfang an durch Öffentlichkeitsarbeit begleitet, so gibt es immer wieder Infostände auf den verschiedenen Stadtteilfesten, eine Website und umfangreiche Informationen der Quartiersanlieger.

Projekterfolge

Die Hauptbaumaßnahmen starteten im Sommer 2018, bis Mitte 2019 muss das Projekt beendet werden. Bereits Mitte 2018 begannen die Planungen und Umsetzungen ähnliche Projekte in Bremen. Gemeinsam mit der Bremer Heimstiftung und dem Senator für Umwelt, Bau und Verkehr wurde ein an die Maßnahmen des FMQs angelehntes Projekt zur Verbesserung der Fahrradinfrastruktur begonnen. Das Projekt trägt den Titel "Fahrradquartier Ellener Hof".

Das Fahrradmodellquartier Alte Neustadt gewann den Deutschen Fahrradpreis 2018 in der Kategorie "Infrastruktur",.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Die Umsetzung aller baulichen und öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen des Projekts "Fahrradmodellquartier" unterstützt die im Verkehrsentwicklungsplan (VEP 2025) beschlossenen Ziele, wodurch Fahrradverkehr dazu beitragen soll, die CO2 Emissionen des Straßenverkehrs zu mindern und den Fahrradanteil im Modal Split in Bremen zu erhöhen. Dadurch werden umweltfreundliche Fortbewegungsalternativen gefördert und durch nicht-motorisierten Verkehr die Lebensqualität in der Stadt gesteigert. Im Fahrradmodellquartier soll in konzentrierter Form verkehrliche und allgemeine Radverkehrsförderung synergetisch umgesetzt werden. Die Modellhaftigkeit des Projekts schafft innovative und übertragbare Maßnahmen.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Sonstige
Gesamtvolumen: 
2 680 000 €
Erläuterungen: 

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) unterstützt das Projekt mit einer 90% Förderung durch die Nationale Klimaschutzinitiative (NKI): Klimaschutz durch Radverkehr. Den jeweiligen Eigenanteil von 10% tragen die Projektpartner selbst.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, Hochschule Bremen

Projektbeteiligte: 
  • Hochschule Bremen
  • ADFC

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
März 2017
Projektende: 
Oktober 2019

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Über die Projektwebsite www.radquartier-bremen.de lassen sich weitere Informationen zu den einzelnen Maßnahmen finden, sowie aktuelle Tätigkeiten. Die Öffentlichkeitsarbeit umfasst regelmäßige Informationsstände im Projektgebiet, die Teilnahme an (Fach)Konferenzen und (Fach)Messen.

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Freie Hansestadt Bremen
Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr
Referat 50/Nachhaltige Mobilität
Projektleiter
Michael Glotz-Richter
Contrescarpe 72
28195 Bremen
 
Freie Hansestadt Bremen
Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr
Referat 50/Nachhaltige Mobilität
Projektleitassistenz
Lisa Tschink
Contrescarpe 72
28195 Bremen
Tel.: +49(0)421361-31077
Meta-Info
Stand der Information
8. Januar 2019
Autor
Lisa Tschink, Senator für Umwelt, Bau und Verkehr der freien Hansestadt Bremen
NRVP-Handlungsfelder
Infrastruktur
Fahrradthemen
Fahrradparken
Forschung
Infrastruktur
Schlagworte
Fahrbahnaufteilung
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