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Sicheres Fahrradparken

Fahrradgarderobe für Veranstaltungsbesucher

FahrradGarderobe auf dem MSDockville-Festival
FahrradGarderobe auf dem MSDockville-Festival © Hinrich Carstensen

Ausgangssituation, Darstellung der Projektidee und –ziele

Die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder bei Großveranstaltungen sind - insbesondere bei gutem Wetter - häufig unzureichend, und die Abstellsituationen sind oft chaotisch: Räder werden an Bauzäunen, Straßenschildern oder anderen sich zum gegenlehnen und anschließen bietenden Stellen geparkt. Zuwege werden dabei verstellt, und die vielfach genutzen Bauzäune werden teilweise beschädigt. Darüber hinaus besteht aufgrund der Vielzahl unbewachter Räder ein erhöhtes Diebstahlrisiko. Auf dem MS Dockville-Festival in Hamburg wurden z.B. bis 2011 etwa 10% aller Fahrräder geklaut. Daraufhin beschlossen die Veranstalter, diese Situation zu ändern: Durch bewachte Abstellmöglichkeiten sowie einen Fahrradverleih und einen Pannendienst sollten für die Besucher des Festes Anreize geschaffen werden, mit dem Fahrrad und nicht mit dem PKW anzureisen. Darüber hinaus sollte die Anzahl der "Wildparker", die Fluchtwege mit ihren Fahrrädern zustellen, reduziert werden.

Projektdurchführung

So wurde die erste FahrradGarderobe auf dem MS Dockville, einem dreitägigen Musikfestival in Hamburg-Wilhelmsburg mit inzwischen 25.000 Besuchern, im August 2012 realisiert. An den drei Tagen wurde den Besuchern des Hamburger Festivals ein versicherter und bewachter Abstellplatz angeboten. Das System funktioniert wie eine Jackengarderobe: Bei Abgabe seines Rades erhält jeder Nutzer einen festen Abstellplatz und eine dazugehörige Garderobenmarke. 2012 wurden etwa 300 Räder pro Tag zu einem Preis von 2 Euro pro Person abgegeben, was etwa der Hälfte aller mitgebrachten Fahrräder entsprach. Laut Polizeiangaben konnte dadurch die Diebstahlrate auf nahezu 0% reduziert werden, denn auch die unbewachten Abstellflächen befanden in der Nähe der FahrradGarderobe.

Um den Bedarf bei ähnlichen Veranstaltungen zu eruieren, wurde die FahrradGarderobe auf weiteren Events unterschiedlicher Größenordnung erprobt, wobei der angebotene Service durch das Feedback der Besucher und Veranstalter fortwährend verbessert wurde. Ziel war es, auf möglichst kompakten Abstellflächen ein mobiles Abstellsystem zu etablieren, dessen Einsatz durch Veranstalter und Sponsoren finanziert wird. Insbesondere urbane Veranstaltungsgelände mit wenig Parkraum oder schlechter Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz bieten sich dabei an. Eingesetzt wird ein materialschonendes und platzsparendes Aufhängesystem, bei dem die Fahrräder am Sattel (Triathlon-Ständer) festgehalten werden.

Die Finanzierung erfolgt unterschiedlich: Häufig sind es Veranstalter sowie Sponsoren, die sich an den Bauzäunen durch Bannerwerbung präsentieren können, die sich an den Kosten der mobilen FahrradGarderobe beteiligen. Manchmal wurde die FahrradGarderobe jedoch auch durch die Endnutzer finanziert (2 Euro für 24 Stunden).

Was wurde erreicht?

Das Projekt FahrradGarderobe der KonzertKultour GbR Hamburg hat nach 15 Monaten zum 1. Oktober 2013 die Bedarfsanalyse auf Veranstaltungen von 5.000 bis 75.000 Besuchern erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde festgestellt, dass bei einer Garderobengebühr von maximal 2 Euro pro 24 Stunden und nahen freien, aber unbewachten, Abstellplätzen rund 60% der Nutzer die kostenpflichtige FahrradGarderobe nutzen. Die Rückmeldungen der Gäste waren dabei zu 100% positiv. Ziel des Projektes ist es jedoch, eine Kostenübernahme durch Veranstalter und Sponsoren zu erreichen, so dass die Fahrradfahrenden ihre Räder kostenfrei bewacht abstellen können, um den Anreiz, eine Veranstaltung mit dem Fahrrad zu besuchen, zu erhöhen.

Für die Idee der FahrradGarderobe wurde KonzertKultour mit dem deutschen Fahrradpreis 2014 in der Kategorie "Freizeit/Tourismus" ausgezeichnet. Bereits 2013 wurde das Projekt als "Kultur- und Kreativpilot" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und des RKW-Kompetenzzentrums ausgezeichnet und wird von der Sounds For Nature Foundation Bonn als Best Practice-Beispiel im Veranstalterleitfaden geführt. Zudem sind die beiden Gründer von KonzertKultour, Helen Schepers und Michael Kellenbenz, Stipendiaten des "Social Impact Lab", einer Initiative zur Unterstützung von Sozialunternehmern, die durch die Firma SAP und das Bundesministerium für Familie, Senioren und Jugend gefördert wird.

2014 wurden Fahrradgarderoben auf den folgenden Veranstaltungen angeboten: Alle Marathons der BMS Sportveranstaltungs GbR im Großraum Hamburg, Hafenfest Hamburg Harburg, Umweltfestival Berlin, Hurricane Festival, Altonale (Stadteilfest in Hamburg), Bremerhavener Festwoche und MS Dockville.

Weitere Ziele

Weitere Möglichkeiten, mit denen die Parksituation für Fahrräder verbessert werden kann, liegen in langfristig angebotenen FahrradGarderoben im öffentlichen Raum. Für eine derartige Lösung auf der Reeperbahn in Hamburg gab es 2014 bereits Gespräche, denn dort, auf St. Pauli, sind die Diebstahlraten an den Wochenenden besonders hoch. Dort würde es sich anbieten, FahrradGarderoben an Partymeilen oder Veranstaltungsflächen fest zu installieren. Die Bewachung kann dabei flexibel zu den Stoßzeiten am Wochenende oder zu bestimmten Veranstaltungen erfolgen. Zu anderen Zeiten könnten die Fahrradparkräume öffentlich zugänglich sein. Die flexiblen und mobilen Fahrradständer der FahrradGarderobe können aber auch für die Eruierung des Bedarfs an Fahrradstellplätzen eingesetzt werden. Dann würde man an neuen Standorten zunächst mobile Lösungen einsetzen, um den Bedarf an Stellplätzen in einem Gebiet festzustellen, bevor man fest installierte Abstellplätze einrichtet.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Großveranstaltungen und insbesondere Musikfestivals stehen immer wieder auf Grund ihrer Umweltbilanz in den Medien: Müllberge, hoher Stromverbrauch, Lärm und Verkehrsstaus setzen die Veranstaltungen insbesondere in der (regionalen) Presse in ein schlechtes Licht. Das Ziel dieser Unternehmung ist es, die Nachhaltigkeit auf Großveranstaltungen zu erhöhen, insbesondere durch die Förderung von Radverkehr.

Darüber hinaus ist das Fahrradparken vielerorts ein noch zu wenig beachtetes Thema. Doch mit steigenden Radverkehrsanteilen macht sich der Bedarf an Parkplätzen für Fahrräder insbesondere an stark frequentierten Orten bald bemerkbar. Insbesondere bei Großveranstaltungen und an Bahnhöfen herrscht immer wieder eine chaotische Parksituation, wenn die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder nur unzureichend sind. An Bahnhöfen sind häufig bereits Fahrradparkhäuser eingerichtet worden; für Großveranstaltungen existieren jedoch nur unbewachte Lösungen, die in Anzahl und Qualität häufig unzureichend sind, zu vermehrten Fahrraddiebstählen führen oder Sicherheitserfordernissen (Freihalten von Fluchtwegen) nicht genügen. Als Lösung bietet die FahrradGarderobe bei Großveranstaltungen flexibel einsetzbare und sichere Stellflächen an. Auch an Partymeilen oder Veranstaltungsflächen können FahrradGarderoben fest installiert werden. Eine weitere Einsatzmöglichkeit der flexiblen und mobilen Fahrradständer ist die Erprobung des Bedarfs an neuen Standorten von Fahrradstellplätzen.

Finanzierung

Finanzierung: 
Kommunale Mittel
Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Sponsoring, Spenden
Gesamtvolumen: 
700 €
Erläuterungen: 
Investition: ab 700 Euro pro Tag
Es ist kein Projekt der öffentlichen Hand, sondern wird durch ein Privatunternehmen bestritten. Außerdem ist es auf Langfristigkeit angelegt. Die Kosten werden je nach Veranstaltung aus unterschiedlichen Töpfen gedeckt. Teilweise arbeiten die Veranstalter mit Stiftungen zusammen.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
Das Projekt wurde zunächst im Nebenerwerb betrieben, so dass eine Bedarfsanalyse für die FahrradGarderobe zeitgleich mit der Umsetzung stattfand. Während des Betriebs wurden Besucher und Veranstalter befragt und Räder innerhalb und außerhalb der FahrradGarderobe wurden quantitativ erfasst.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
KonzertKultour GbR
Projektbeteiligte: 
die jeweiligen Veranstalter

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Januar 2012
Info zur Laufzeit: 
Das Projekt soll in Zukunft noch weiter ausgebaut werden.

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Frau Helen Helen Schepers
KonzertKultour GbR
Gründerin, Nachhaltigkeitsmanagement, operatives Geschäft
Beerenweg 2
22761 Hamburg
Telefon: 0176/78764104
E-mail: hs@konzertkultour.de
WWW: www.fahrradgarderobe.de

Herr Michael Kellenbenz
KonzertKultour GbR
Gründer, Projektleitung, Marketing
Beerenweg 2
22761 Hamburg
Telefon: 0175/5663573
E-mail: mk@fahrradgarderobe.de
WWW: www.fahrradgarderobe.de

Meta-Info
Stand der Information
31. März 2014
Autor
Helen Schepers, KonzertKultour GbR
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Hamburg