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Parkflächen für Lastenfahrräder im öffentlichen Straßenraum schaffen!

Erstellung eines Regelplans zum Lastenfahrradparken

Lastenfahrradparkplatz mit Verkehrszeichen
Lastenfahrradparkplatz mit Verkehrszeichen © Bezirksamt Neukölln von Berlin

Problemstellung

Lastenfahrräder sind in Berlin schon lange keine neumodische Erscheinung mehr, sondern ein fester Bestandteil des alltäglichen innerstädtischen Verkehrs. Doch zum Parken fehlt die entsprechende Infrastruktur. Deshalb werden Lastenfahrräder häufig auf den Gehwegen abgestellt und behindern den Fußverkehr. Zudem reduziert die fehlende Infrastruktur für Lastenfahrräder die Nutzer/innenfreundlichkeit, da ein sicheres Abstellen von Lastenfahrrädern an den Zielorten wie beispielsweise Spielplätzen, Schwimmbädern, etc. nicht gegeben ist.

Projektidee und Zielstellung

Der Bezirk Neukölln hat sich das Ziel gesetzt, einen Lastenfahrradparkplatz für den öffentlichen Raum zu entwickeln. Dieser Lastenfahrradparkplatz soll den nachhaltigen Verkehr fördern und nicht zu Lasten der Fußverkehrsflächen gehen. Deshalb wurde die Idee verfolgt, dass der Lastenfahrradparkplatz einen gängigen Kfz-Stellplatz ersetzt. Diese Stellplatzfläche soll effizienter genutzt werden, indem mehrere Lastenfahrräder anstelle eines Kfz dort Platz haben.

Projektdurchführung

Das Projekt wurde von den Radverkehrsplaner/innen des Bezirks Neukölln initiert. Als Grundlage dienten eine ausführliche Recherche über deutschlandweite und internationale Praxisbeispiele (Straßburg, Osnabrück, Malmö) sowie über relevante fahrdynamische Aspekte (Länge, Breite, Wendekreis) von Lastenfahrrädern.

In der Anfangsphase des Projekts bestand eine wesentliche Aufgabe darin, bei unterschiedlichen Akteur/innen ein Bewusstsein für die bestehende Problematik und die Notwendigkeit von Stellplätzen für Lastenfahrräder im öffentlichen Raum zu schaffen. Deshalb wurde ein gesonderter Präsentations- und Diskussionstermin mit behördlichen Akteur/innen organisiert. In der anschließenden Praxisphase des Projekts wurden zwei Ortstermine durchgeführt. Zu beiden Ortsterminen wurden unterschiedliche Lastenfahrradtypen betrachtet, die von dem Neuköllner Lastenfahrradladen Mogool-Bikes zur Verfügung gestellt wurden.

Beim ersten Ortstermin wurde geprüft, inwiefern die gängigen Fahrradstellplätze für Lastenfahrräder ausreichend sind und in welcher Ausrichtung ein Lastenfahrrad auf einen Kfz-Parkplatz in Längsaufstellung passt. Dabei stellte sich heraus, dass ein gängiger Anlehnbügel für das Rangieren des Lastenfahrrads nachteilig ist, da dieser erforderliche Bereiche für die Wende- und Rangiermanöver blockiert. Zudem sollte der Abstand zwischen den einzelnen Bügeln großzügiger bemessen werden als bei Fahrrädern, da Lastenfahrräder insbesondere beim Be- und Entladen mehr Fläche benötigen. Es zeigt sich, dass ein Lastenfahrrad aufgrund seiner Länge nicht senkrecht auf einem gängigen Längsparkplatz (Tiefe von 2,00 m bis 2,50 m) aufgestellt werden kann, da es in diesem Fall in den Fahrbahnbereich hinein ragt. Davon ausgehend konnten erste Varianten erstellt werden, die es in einem weiteren Praxisversuch zu detaillieren und zu verifizieren galt.

Beim zweiten Ortstermin erfolgte die konkrete Entwicklung der Lastenfahrradparkplätze. Es wurden ausgewählte Bürger/innen, die praktische Erfahrungen im Umgang mit Lastenfahrrädern besitzen, sowie Mitarbeiter/innen aus mehreren bezirklichen Straßenverkehrsbehörden, der obersten Straßenverkehrsbehörde, dem Ordnungsamt, der Polizei, der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und bezirkliche Radverkehrsplaner/innen eingeladen. Mit Hilfe von Holzkonstruktionen, die als bewegliche Platzhalter für die Fahrradbügel dienten, konnten während des Termins Lastenfahrradparkplätze für Längs- und Senkrechtparkplätze entwickelt werden. Die ausgewählten Fahrradbügel sind mit 35 cm deutlich kürzer, somit bieten diese für die Lastenfahrräder einen größeren Freiraum zum Rangieren. Als Ergebnis dieses Termins konnten die Abmessungen für den erforderlichen Detaillierungsgrad vorgenommen werden, um die praxisorientierten Versuchsaufbauten in einen Regelplan überführen zu können.

Im letzten Projektschritt wurden die entwickelten Lastenfahrradparkplätze in technische Zeichnungen übertragen und mit dem Symbol Lastenfahrrad, welches als Zusatzzeichen und als Piktogramm dienen kann, ergänzt. Es zeigt sich, dass ein gängiger Kfz-Stellplatz in Längsrichtung in drei Lastenradstellplätze umgewandelt werden kann. Auf einen senkrecht angeordneten Parkplatz passen aus Gründen der Erreichbarkeit lediglich zwei Lastenfahrradstellplätze.

Projekterfolge

Die vom Bezirk Neukölln entwickelten Lastenfahrradparkplätze konnten in einen Regelplan überführt werden und stehen somit berlinweit als Vorlage zur Verfügung. Dies ermöglicht allen Berliner Bezirken das Einrichten von gesonderten Stellplätzen für Lastenfahrräder im öffentlichen Straßenraum.

Ein erster Lastenfahrradparkplatz konnte bereits auf dem Böhmischen Platz im Bezirk Neukölln errichtet werden. In den kommenden Monaten sollen im Bezirk Neukölln vier weitere Standorte für das Lastenfahrradparken geschaffen werden. Diese Standorte sind in direkter Umgebung von Orten des öffentlichen Interesses positioniert.

Der Bezirk Neukölln ist für dieses Radverkehrsprojekt im Rahmen des Nationalen Radverkehrskongersses in Dresden mit dem Deutschen Fahrradpreis 2019 ausgezeichnet worden und belegte den dritten Platz in der Kategorie Infrastruktur.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Mit dem Regelplan Lastenfahrradparkplatz lässt sich ein Kfz-Stellplatz in bis zu drei Lastenfahrradstellplätzen umwandeln. Somit bietet der Regelplan die Chance für eine effizientere Flächennutzung. Zusätzlich wird die Möglichkeit zum sicheren Abstellen des Lastenfahrrads im öffentlichen Raum geboten und macht die Nutzung von Lastenfahrrädern als nachhaltiges Verkehrs- und Transportmittel attraktiver. 

Finanzierung

Gesamtvolumen: 
0 €
Erläuterungen: 

Die Entwicklung des Lastenfahrradparkplatzes wurde initiativ von den Radverkehrsplaner/innen des Bezirks Neukölln erarbeitet. Es sind hierzu keine externen Projektkosten angefallen, sodass keine Finanzierung besteht.

Für die dauerhafte Umsetzung des Regelplans können sowohl Finanzen der Berliner Bezirke, wie auch Finanzmittel aus dem Radverkehrsprogramm der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz zur Verfügung stehen.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

In einer ersten Pilotphase sollen an fünf Standorten in Berlin Neukölln Lastfahrradparkplätze nach dem Regelplan eingerichtet werden. Diese sollen hinsichtlich der Auslastung, der Nutzer/innenfreundlichkeit sowie einer möglichen Fehlnutzung durch Fahrräder und Motorräder analysiert werden.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Straßen- und Grünflächenamt Bezirk Berlin-Neukölln

Projektbeteiligte: 

Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja

Kontakt

Kommunale Ansprechpartner: 

Christian Göttsche
Straßen- und Grünflächenamt Bezirk Neukölln
Radverkehrsplaner
Gradestraße 36
12347 Berlin
Telefon: 030/90239-2548
E-Mail: christian.goettsche@bezirksamt-neukoelln.de

Denise Schröter
Straßen- und Grünflächenamt Bezirk Neukölln
Radverkehrsplanerin
Gradestraße 36
12347 Berlin
Telefon: 030/90239-2825
E-Mail: denise.schroeter@bezirksamt-neukoelln.de

Meta-Info
Stand der Information
16. September 2019
Autor
Christian Göttsche – Radverkehrsplaner des Straßen- und Grünflächenamts Berlin Neukölln
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Berlin