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Radfahren – aber sicher!

Erste Oldenburger Verkehrssicherheitstage 2014

Städtischer Radverkehr (Foto: www.peterduddek.de)
Städtischer Radverkehr (Foto: www.peterduddek.de) © Stadt Oldenburg

Die Verbesserung der Verkehrssicherheit ist eine Herausforderung, der sich alle relevanten Akteure gemeinsam zu stellen haben. So ist das Thema zunächst bei der Planung und Organisation des Straßenverkehrs zu berücksichtigen, ganz wichtig ist jedoch auch das Verhalten der Verkehrsteilnehmer. Hier muss ein gutes und rücksichtsvolles "Miteinander" Ansatz und Ziel der Verkehrssicherheitsarbeit sein. Kampagnen zur Verkehrssicherheit tragen dazu bei, die öffentliche Wahrnehmung des Themas zu stärken und die erforderlichen Informationen zu vermitteln. Die Veranstaltungsreihe der "Oldenburger Verkehrssicherheitstage" widmet sich diesen Aspekten und strebt mittelfristig positive Wirkungen an. Seit 2014 wird alle zwei Jahre ein spezielles Thema aus dem Bereich Verkehrssicherheit aufgegriffen. Im ersten Jahr der Veranstaltung stand das Thema der Radverkehrssicherheit im Mittelpunkt.

Die Projektidee

Die Idee zu den Verkehrssicherheitstagen ergab sich einerseits aus dem Wunsch, entscheidende Akteure, wie etwa die Polizei, stärker und konstruktiver in die städtische Radverkehrsplanung einzubeziehen. Andererseits zeigten das Unfallgeschehen und das entsprechende Presseecho Handlungsbedarf. Dabei war vor allem auffällig, dass die Verantwortung der Kfz-Fahrer als Verursacher eines überwiegenden Anteils der schweren Unfälle mit Fahrradbeteiligung gar nicht thematisiert und infolgedessen Verhaltensänderungen zumeist von den Radfahrenden gefordert wurden. Die Verkehrssicherheitstage richten sich daher bewusst an alle Verkehrsteilnehmer. Die Idee wurde im Fachdienst Verkehrsplanung der Stadt Oldenburg entwickelt und im zuständigen Fachausschuss vorgestellt, der seine Zustimmung zu einer zweijährlichen Veranstaltungsfolge gab. Im Rahmen der Vorbereitung der ersten Verkehrssicherheitstage wurden mögliche Mitwirkende frühzeitig angesprochen und einbezogen.

Verkehrsverhalten als Ausgangspunkt

Im Mittelpunkt der Veranstaltungen steht das Verkehrsverhalten: "Die Forschung zeigt, dass der Mensch bei rund 95% aller Verkehrsunfälle Anteil am Entstehen des Unfalls hat. Die jeweiligen Ursachen sind vielfältig – vom Verlust der Kontrolle über das Fahrzeug bis zur bewussten Missachtung einer Regel. Das menschliche Verhalten im Straßenverkehr ist deswegen der zentrale Ansatzpunkt der Verkehrssicherheitsarbeit." (DIFU: Forschung Radverkehr – Service S-6/2012). Das Verhalten wird dabei unter anderem durch die Infrastruktur sowie durch organisatorische (lenkende) oder rechtliche Bedingungen beeinflusst; Aspekte, die folglich in die Verkehrssicherheitsarbeit einzubeziehen sind.

Vorbereitung und Ablauf der Veranstaltungen

Eine für den Erfolg erforderliche Kontinuität soll in Form einer zweijährlichen Veranstaltungsfolge erreicht werden, die gleichzeitig den organisatorischen Aufwand auf Seiten des veranstaltenden Fachdienstes Verkehrsplanung der Stadt Oldenburg und die benötigten finanziellen Mittel auf den leistbaren Umfang begrenzt. Die Organisation erfolgt durch drei Personen im Team des Fachdienstes mit einem Vorlauf von sechs Monaten. Konzipiert ist eine jeweils zweitägige Veranstaltung. Der erste Tag dient der öffentlichen Information, der zweite dem fachöffentlichen Wissensaustausch, der Vernetzung und Formulierung von Lösungsansätzen und Handlungspaketen. Damit werden die beiden zentralen Aspekte der Verkehrssicherheitstage aufgegriffen:

  • Aspekt "Information": Information in politischen Gremien, vorbereitende Pressearbeit, Austausch von Informationsmaterialien. Entsprechender Schwerpunkt an Tag 1: Infostände in der Innenstadt mit Partnern, gemeinsame Aktionen, Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger
  • Aspekt "Austausch, Vernetzung, Lösungen": Formulierung von Aufgabenstellungen. Entsprechender Schwerpunkt an Tag 2: Fachinformationsveranstaltung und Workshop, Dokumentation und Veröffentlichung der Ergebnisse, Reflektion und Einbeziehung ins Verwaltungshandeln

Thema 2014: Radverkehrssicherheit

In ihrem ersten Jahr 2014 widmeten sich die Oldenburger Verkehrssicherheitstage dem Thema der Radverkehrssicherheit. Auf der einen Seite weist das Fahrrad einen mit ca. 40% hohen Anteil am Wege-modal split im Oldenburger Binnenverkehr auf, auf der anderen Seite verläuft die Entwicklung der Unfallzahlen im Radverkehr nicht so positiv wie beim Kfz-Verkehr. Von großer Bedeutung ist auch die Frage der subjektiven Sicherheit: Nur wer sich sicher fühlt, fährt Fahrrad. Gleichzeitig sind zu etwa 50% Autofahrer Verursacher von Unfällen mit Radfahrerbeteiligung, zur anderen Hälfte die Radfahrer selbst. Somit ist bei diesem Thema besonders entscheidend, die übrigen Verkehrsteilnehmer, insbesondere die Kfz-Fahrer, einzubeziehen.

Die Zielgruppe setzt sich damit aus den Radfahrenden und Fußgängern, überwiegend aus Oldenburg, und den Kfz-Fahrern, sowohl aus Oldenburg als auch aus der Region, zusammen. Autofahrer von außerhalb treffen in Oldenburg oft auf eine für sie ungewohnte Verkehrssituation mit starkem Radverkehr, die eine gesteigerte Aufmerksamkeit und ein entsprechendes Verhalten (z.B. den Schulterblick beim Abbiegen) verlangt. Hier ist unter anderem die Vermittlung von Kenntnissen zum Thema der Radfahrerrechte erforderlich, z.B. in Bezug auf die Benutzungspflicht von Radverkehrsanlagen und die Fahrbahnnutzung durch Fahrräder. Die Veranstaltung kann hier Informationen bieten, die Aufmerksamkeit für das Thema erhöhen und zu einer Sensibilisierung der beteiligten Akteure beitragen.

Erster Veranstaltungstag: Informationstag

Am Informationstag stellen sich die mit dem Schwerpunktthema befassten Akteure, die als Partner der jeweiligen Verkehrssicherheitstage gewonnen werden können, der Öffentlichkeit. Ziel ist es, mit Bürgerinnen und Bürgern "ins Gespräch zu kommen". Ihnen soll Gelegenheit gegeben werden, die eigene Sicht der Dinge darzulegen, wodurch die Veranstalter und verantwortlichen Akteure Eindrücke aus der alltäglichen Verkehrspraxis gewinnen. Im Gegenzug sollen fachliche Grundlagen und Perspektiven vermittelt werden, um bei den Bürgern das Verständnis für verkehrliche Zusammenhänge und die Akzeptanz von Regeln zu verbessern.

Am Samstag, 14.06.2014, wurde an Infoständen in der Oldenburger Innenstadt der direkte Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern aufgenommen. Neben der Stadt waren die Verkehrswacht, der Gemeinde-Unfallversicherungsverband (GUV), der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) und die Öffentlichen Versicherungen mit Ständen vertreten. Im Rahmen einer "Baustelle Radverkehrssicherheit" konnten die Bürgerinnen und Bürger ihre Hinweise mithilfe von Karten, Klebepunkten und Wäscheklammern an einem Baustellenzaun anbringen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachdienstes Verkehrsplanung standen für den persönlichen Kontakt bereit. Am Stand waren Informationsmaterialien der Stadt, der weiteren teilnehmenden Akteure und der Kampagne „Rücksicht im Straßenverkehr“ erhältlich, ergänzt durch entsprechende Plakate und Filmbeiträge. Im Zeitraum von 10:00 bis 17:30 Uhr erfolgte eine lebhafte Diskussion mit zahlreichen Beteiligten an den Infoständen.

Zweiter Veranstaltungstag: Fachtag

Der zweite Veranstaltungstag dient dem fachöffentlichen Wissensaustausch, der Vernetzung und Formulierung von Lösungsansätzen und Handlungspaketen. Er richtet sich an die Akteure aus der weiteren Region, die fachlich mit dem im Fokus stehenden Thema befasst sind. Dies können Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Verbänden, Vereinen und Firmen sein. Der Integrations- oder Mitnahmeeffekt der Mitwirkenden soll durch das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen erreicht werden. Dafür bietet sich die Workshop-Arbeit an, für die im Vorfeld geeignete Fragestellungen formuliert werden.

Am diesjährigen Fachtag, dem 17.06.2014, haben verschiedene Referentinnen und Referenten vor ca. 60 Teilnehmenden zunächst Input-Vorträge gehalten. Hier standen Themen der Verkehrspsychologie, des Unfallgeschehens sowie der kommunalen und polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit im Mittelpunkt. Im anschließenden Workshop wurden unterschiedliche Fragestellungen in Gruppen gemeinsam bearbeitet. Im Fokus standen hier die vier Themen Verkehrsverhalten, Rechtsabbiegeunfälle, Senioren und Infrastruktur. Die Ergebnisse wurden von den Teilnehmenden gemeinsam gewichtet und der Oldenburger Stadtbaurätin zur weiteren Bearbeitung presseöffentlich übergeben.

Integration vorhandener Grundlagen

Die unter anderem vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur und vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geförderte Kampagne "Rücksicht im Straßenverkehr" (rücksicht-im-straßenverkehr.de), 2012 zunächst in Berlin und Freiburg (Breisgau) gestartet, steht inzwischen allen interessierten Städten zur eigenen Nutzung zur Verfügung. Kennzeichnend für die Kampagne ist neben dem lebensnahen Stil vor allem die verkehrsmittelübergreifende Botschaft. Damit passt sie ideal zum diesjährigen Thema der Oldenburger Verkehrssicherheitstage. Aus diesem Anlass wurden Motive der Kampagne "Oldenburg-spezifisch" verwendet. In der Innenstadt wurden darüber hinaus zwei Banner mit einem entsprechenden Kampagnen-Motiv hoch über den Straßen angebracht.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Die Stadt Oldenburg hat die Verantwortung für ein Thema mit Handlungsbedarf übernommen und mit begrenztem Aufwand eine öffentliche und politische Diskussion in Gang gesetzt, die die Planung und Umsetzung geeigneter Maßnahmen unterstützt.

Finanzierung

Finanzierung: 
Kommunale Mittel
Sponsoring, Spenden
Erläuterungen: 

Sponsoring durch Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN), Verkehrsunternehmen Verkehr und Wasser GmbH Oldenburg (VWG), Gemeinde-Unfallversicherungsverband Oldenburg (GUV OL)

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Stadt Oldenburg

Projektbeteiligte: 
  • Verkehrswacht
  • Polizei
  • Presse

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 2014
Projektende: 
Juli 2014
Info zur Laufzeit: 

Zweijährlicher Veranstaltungsturnus

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Fachdienstleiter
Herr Dr. Norbert Korallus
Stadt Oldenburg (Oldb)
Fachdienst Verkehrsplanung
26105 Oldenburg
Telefon: +49(0)0441/235-2351
Telefax: +49(0)0441/235-2879
E-mail: norbert.korallus@stadt-oldenburg.de
WWW: www.oldenburg.de
 

Kommunale Ansprechpartner: 

Sachbearbeiterin
Frau Florence Morel-Hemme
Stadt Oldenburg (Oldb)
Fachdienst Verkehrsplanung
26105 Oldenburg
Telefon: +49(0)0441/235-3689
E-mail: florence.morel-hemme@stadt-oldenburg.de
WWW: www.oldenburg.de
 

Meta-Info
Stand der Information
31. Juli 2014
Autor
Dr. Norbert Korallus, Stadt Oldenburg, Fachdienst Verkehrsplanung
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Niedersachsen