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Gemeinsam für mehr Fahrrad- und Nahmobilitätsfreundlichkeit

Erfahrungsaustausch von AGFK Baden-Württemberg, AGFK Bayern und der AGFS NRW zur Entwicklung einer Kommunikationsstrategie

Aus dem Titelblatt des Endberichts: Gemeinsam für mehr Fahrradund Nahmobilitätsfreundlichkeit
Aus dem Titelblatt des Endberichts: Gemeinsam für mehr Fahrradund Nahmobilitätsfreundlichkeit © AGFK BW

Arbeitsgemeinschaften von fahrrad- bzw. nahmobilitätsfreundlichen Kommunen wie die AGFS NRW oder die AGFKs aus Baden-Württemberg und Bayern (im Folgenden kurz „Arbeitsgemeinschaften“ genannt) haben sich als wichtige Struktur der Radverkehrsförderung und zur Etablierung einer kommunalen Zusammenarbeit bewährt. Sie

  • bieten ihren Mitgliedskommunen eine Plattform zum Austausch und zur Bündelung von Wissen.
  • ermöglichen eine kostengünstige Öffentlichkeitsarbeit für mehr Radverkehr („Zentral entwickeln – Lokal einsetzen“).
  • dienen den Landesregierungen als Multiplikatoren bei der Radverkehrsförderung. transportieren Konzepte zur Radverkehrsförderung von der Bundes- und Landesebene in die Kommunen.
  • geben im Gegenstromprinzip gleichzeitig wichtige Impulse zur Ausgestaltung der Radverkehrsförderung aus den Kommunen an die Länder und den Bund.

Das Beispiel Nordrhein-Westfalen zeigt, dass die Existenz einer erfolgreichen Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Nahmobilität (AGFS) sich auch in den kommunalen Modal Splits zugunsten des Radverkehrs niederschlägt. Ähnliche Befunde lassen sich in den Mitgliedskommunen der beiden anderen Projektpartnerinnen auch schon ablesen.

Um den Radverkehr weiter zu fördern, sind Initiativen zur Gründung von Arbeitsgemeinschaften in weiteren Bundesländern notwendig. Gleichzeitig müssen die etablierten Arbeitsgemeinschaften über steigende Mitgliederzahlen und aktive Mitgliedskommunen gestärkt werden. Ein wichtiges Hilfsmittel dazu ist eine effektive und kostengünstige Kommunikationsarbeit.

Vor diesem Hintergrund haben die drei Projektpartnerinnen ihre Erfahrungen zu einer gemeinsamen Beratungs- und Kommunikationsstrategie gebündelt, die

  • sowohl radaffinen Kommunen als auch „Einsteiger-Kommunen“ Wissen über die Vorteile des Radverkehrs und der Nahmobilität vermittelt.
  • Begeisterung für deren Förderung und die Mitgliedschaft in einer Arbeitsgemeinschaft erzeugt.
  • auf die aktuellen Problemlagen der Kommunen bei der Radverkehrsförderung kommunikativ und beratend eingeht.

Das Projekt wurde in mehreren Workshops bearbeitet. Zuerst diskutierten und bewerteten die Projektpartnerinnen ihre bisherige Kommunikationsarbeit. Das Ergebnis ist eine umfassende Sammlung von fast 100 Maßnahmen.

Auf Basis dessen wurden Erfolgsfaktoren für die Kommunikationsarbeit und relevante Zielgruppen herausgearbeitet sowie Themenkomplexe und Probleme identifiziert, bei denen Kommunen Unterstützung benötigen.

Es wurde deutlich, dass der Entwicklungsstand einer Arbeitsgemeinschaft großen Einfluss auf die Auswahl bzw. den Einsatz von Kommunikationsmaßnahmen hat. Der Aufbau und die Entwicklung von Arbeitsgemeinschaften lässt sich in drei unterschiedliche Phasen einteilen.

In der Gründungsphase sollten Grundlagen der Arbeitsgemeinschaft erarbeitet werden, wie z. B. Finanzierung, Satzung, Aufnahmekriterien und Strukturen. Um die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen zu stärken, ist es sinnvoll, bereits konkrete Ideen für gemeinsame Projekte zu entwickeln oder mit der Umsetzung zu beginnen. Die Gründungsphase endet spätestens mit der Vereinsgründung.

Nach der Vereinsgründung nimmt das Netzwerk in der konstituierenden Phase seine Arbeit voll auf. Arbeitsgruppen werden eingerichtet, der Erfahrungsaustausch wird professionalisiert und erste Projekte umgesetzt.

Ausbau- und Weiterentwicklungsphase: Erste Erfolge haben sich eingestellt, die Mitgliedskommunen ziehen einen konkreten Nutzen aus der Arbeit des Netzwerks, und weitere Kommunen schließen sich der Arbeitsgemeinschaft an.

Es gibt zwei zentrale Säulen für den Erfolg von Arbeitsgemeinschaften: die Schaffung interner Strukturen für die Vereinsarbeit und die Kommunikationsarbeit selbst. Beide Aspekte sollten so früh wie möglich, idealerweise schon ab der Gründung einer Arbeitsgemeinschaft, bedacht werden.

Im weiteren Verlauf des Projekts wurde gemeinsam mit Multiplikatoren die Rolle der Zielgruppen auch als Stakeholder für den Erfolg einer Arbeitsgemeinschaft, ihre Bedürfnisse und ihr Aktivierungspotenzial charakterisiert.

Alle Resultate wurden mit den Erkenntnissen des Erfahrungsaustauschs übereingebracht und verdichtet. Zusammen mit der Maßnahmensammlung ist daraus eine übertragbare Strategie zur Förderung des Radverkehrs und der Nahmobilität allgemein sowie zur Aktivierung und Neugewinnung von Mitgliedskommunen entstanden.

Insbesondere die Maßnahmensammlung liefert erstmals eine vollständige Übersicht über die bisherigen Kommunikationsmaßnahmen und Erfahrungen der Projektpartnerinnen. Die Dokumentation der Kommunikationsmaßnahmen hat drei Schwerpunkte gezeigt, die für die Rad- und Nahmobilitätsförderung von Arbeitsgemeinschaften und Kommunen als besonders zentral bezeichnet werden können: Öffentlichkeitsarbeit, Lobbyarbeit und Wissensvermittlung.

Neben den drei zentralen Handlungsfeldern und den ausgewählten guten Beispielen hat die Dokumentation auch gezeigt, dass es Themenfelder und Zielgruppen gibt, die bisher nicht oder kaum bearbeitet wurden.

Die beteiligten Arbeitsgemeinschaften haben im Verlauf des Projekts bereits vom Erfahrungsaustausch profitiert und sehen für andere Arbeitsgemeinschaften in den verschiedenen Entwicklungsphasen die Möglichkeit, das Maßnahmenpaket als Ideenfundus und Basis für die Erstellung einer eigenen Kommunikationsstrategie zu nutzen. Die Projektpartnerinnen haben konkrete Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung ihrer eigenen Arbeit gewonnen. Es gibt bestimmte Basisthemen, die von allen drei Arbeitsgemeinschaften bearbeitet wurden. Hier werden Synergien und Potenziale für eine künftige Zusammenarbeit zwischen Arbeitsgemeinschaften bzw. einen Austausch von Materialien gesehen. Eine Abstimmung geplanter Themen und Maßnahmen im Vorfeld ist sinnvoll, um zukünftig Doppelarbeiten zu vermeiden. Durch diesen Austausch haben sich Ansätze für weitere gemeinsame Projekte ergeben.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Während die Projektpartnerinnen einzelne Projekte oder Kampagnen regelmäßig evaluieren, ist eine systematische Evaluation der vollständigen Kommunikationsarbeit bisher in keiner Arbeitsgemeinschaft erfolgt.

Der durchgeführte Erfahrungsaustausch der Projektpartnerinnen ist der erste Schritt zu einem länderübergreifenden, systematischen Erfahrungsaustausch mit allen Arbeitsgemeinschaften in Deutschland. In einer Verstetigung dieses Austauschs durch eine Fortsetzung der 2015 in Rostock begonnenen Netzwerktreffen sowie der Nutzung von vorhandenem Wissen und Erfahrungen sehen die Projektpartnerinnen einer Chance für die Weiterentwicklung der bundesweiten Strukturen der Radverkehrsförderung. Ab 2017/2018 wird die Strategie von den Projektpartnerinnen bei ihrer Mitglieder-Akquisition umgesetzt.

Arbeitsgemeinschaften aus anderen Bundesländern können aus dem Ideenfundus ihre eigene Kommunikationsstrategie ableiten. Es werden Empfehlungen gegeben welche Ziele man zu welchem Zeitpunkt verfolgen sollte.

Finanzierung

Finanzierung: 
Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Gesamtvolumen: 
29 188 €
Erläuterungen: 
Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020 gefördert.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Eine klassische Evaluation im Sinne eines Vorher-Nachher-Vergleichs war für dieses Projekt nicht möglich. Der Eintritt in eine Arbeitsgemeinschaft ist für die interessierten Kommunen ein Prozess, der nicht selten ein Jahr oder länger dauert. Hinzukommt der Vorlauf bis sich eine Kommune überhaupt dazu entschließt, Radverkehr und Nahmobilität stärker zu fördern. Die Evaluation eines so langen Prozesses übersteigt den zeitlichen und finanziellen Horizont dieses Projekts.

Daher wurde eine Prozessevaluation durchgeführt. Jeder Workshop wird protokolliert und in Meilensteinberichten alle Ergebnisse des jeweiligen Arbeitspakets gesichert.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW e.V. (AGFS)

Projektbeteiligte: 
  • Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg e. V. (AGFK-BW)
  • Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern e.V. (AGFK Bayern)
  • Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW e.V. (AGFS)

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
September 2015
Projektende: 
Dezember 2017

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Die Ergebnisse des Projekts werden in Form einer Broschüre kostenfrei zum Download zur Verfügung gestellt. Die Nutzenden erhalten darüber hinaus eine Übersicht auf die bisher erfolgte Kommunikationsarbeit der Projektpartnerinnen. Daraus können sie für ihre Arbeit vor Ort oder in ihrer Arbeitsgemeinschaft wichtige Informationen über bereits bestehende Kommunikationsmaßnahmen erhalten. Die Broschüre steht auf den Websites der Projektpartnerinnen zur Verfügung:

sowie über das Fahrradportal:

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Christine Fuchs
Vorstand der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen (AGFS)
Von-der-Leyen-Platz 1
47798 Krefeld
Telefon: +49 (0)2151/86-4283
Telefax: +49 (0)2151/86-4365
E-mail: christine.fuchs@agfs-nrw.de
WWW: www.agfs-nrw.de

Meta-Info
Stand der Information
29. Januar 2018
Autor
Benjamin Wührl, Planerbüro Südstadt / P3 Agentur für Kommunikationund Mobilität, im Auftrag der AGFS
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Deutschland