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ENTLASTA

Entwurfselemente und Netze für Lastenräder im Stadtverkehr

Lastenrad E-MIL
© Patrick Mayregger

Lastenräder gewinnen im Stadtverkehr, sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr, eine höhere Bedeutung. Bei der Fortschreibung des NRVP beruft sich das BMVI auf Untersuchungen, dass etwa 20 % des städtischen Güterverkehrs durch Lastenräder abgewickelt werden kann. Vielerorts fördert die öffentliche Hand deshalb die Anschaffung von Lastenrädern, sowohl für die private als auch für die gewerbliche Nutzung.

Inzwischen sind viele Lastenradmodelle am Markt verfügbar. Neben Kleinlasträdern (KLR) (bspw. Lastenräder zum Kindertransport und Gütertransporträder mit einer Nutzlast von unter 150 kg) werden Schwerlasträder (SLR) angeboten, die Nutzlasten von über 150 kg und ein Ladevolumen von über 1 m³ zulassen. Für diese Fahrräder ist eine batterieelektrische Unterstützung heute Standard. Die Varianz von Fahrdynamik und Maßen innerhalb der Fahrradflotte nehmen deshalb zu. Verschiedene Fahrräder haben allerdings unterschiedliche Anforderungen an die Radverkehrsinfrastruktur. Fahrradverkehre werden zudem zukünftig vermehrt auch mit Wegzwecken auftreten, für die sie bisher nur selten infrage gekommen sind.

Städte stehen deshalb vor der Herausforderung, ihre Radverkehrsinfrastruktur auf diese Entwicklungen hin zu überprüfen, auszurichten und auszubauen, um für alle Verkehrsteilnehmenden funktionale und verkehrssichere Voraussetzungen zu schaffen.

Um dies zu ermöglichen, werden im Projekt ENTLASTA

  • die Planungsverfahren für das gesamte Radverkehrsnetz überprüft und weiterentwickelt, um eine harmonisierte Netzplanung für alle relevanten Fahrtzwecke des Radverkehrs sicherzustellen und
  • die Radinfrastrukturanlagen auf die Anforderungen von Schwerlasträdern und Kleinlasträdern überprüft, bewertet und Gestaltungsempfehlungen abgegeben.

Ziel ist es, die Nutzung des Lastenrades sowohl im Wirtschaftsverkehr als auch im Alltagsverkehr für alle Verkehrsteilnehmenden verträglich, konfliktfrei und sicher zu gestalten und den Lastenradnutzenden eine funktionale, komfortable und sichere Nutzung zu ermöglichen.

Netzplanung und Infrastruktur beeinflussen sich wechselseitig. Einerseits beeinflussen nicht änderbare Restriktionen aus der bestehenden Radinfrastruktur die Routenbildung in der Netzplanung. Andererseits erfolgt ein strategischer Ausbau der Radinfrastruktur auf der Grundlage dieser Netzplanung, die funktional gegliedert ist und somit eine Priorisierung beim Ausbau ermöglicht.

Güterradverkehre sind vielfältig und die planungsrelevanten Verhaltensparameter abhängig von den eingesetzten Fahrrädern und der räumlichen Verteilung der Quell- und Zielorte. Diese für die relevanten Branchen aufzubereiten ist Aufgabe des Projekts ENTLASTA. Es sollen verbindungsbezogene Qualitätsstandards (Stufen der Angebotsqualität beispielsweise in Bezug auf Umwegfaktoren, Luftliniengeschwindigkeiten und Längsneigungen) erarbeitet werden, die bei der Netzplanung im Radverkehr zu berücksichtigen sind. Das weiterentwickelte Netzplanungsverfahren wird in drei Städten exemplarisch in Kooperation mit den Stadtverwaltungen angewendet, um eine starke Praxisnähe zu gewährleisten.

Planungsvorgaben für Infrastrukturelemente und Führungsformen des Radverkehrs werden im Projekt auf ihre Eignung für Kleinlasträder und Schwerlasträder überprüft und bewertet. Einige Infrastrukturelemente und Führungsformen des Radverkehrs (z. B. Einbahnstraßen mit Freigabe für den gegenläufigen Radverkehr, gemeinsame Geh- und Radwege, Mittelinseln) lassen sich insbesondere mit Schwerlasträdern nur mit Konflikten und Sicherheitsbedenken befahren. Insbesondere bei zu geringen Breiten auch in Kombination mit einem schlechten Oberflächenzustand können einige Infrastrukturelemente Konflikte mit Fußgängern und anderen Radfahrern begünstigen.

Die ermittelten Anforderungen an die Netzkonzeption und die einzelnen Entwurfselemente werden zu konkreten Vorschlägen für die Fortschreibung der einschlägigen technischen Regelwerke der Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen (FGSV) ausgearbeitet.

Zudem werden die gewonnenen Erkenntnisse sowohl hinsichtlich einer für Lastenräder geeigneten Netzplanung als auch in Bezug auf geeignete Infrastrukturelemente und generelle sicherheitsrelevante Empfehlungen in einem praxisgerechten Leitfaden für Kommunen aufbereitet, um eine zeitnahe Hilfestellung für die kommunale Planungspraxis zu liefern und dementsprechend einen unmittelbaren Nutzen zu generieren.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Der bisherige Diskurs zur Verkehrswende umfasst vor allem den Personenverkehr. Für eine umfassende Verkehrswende ist auch der Güterverkehr in den Blick zu nehmen. Wo City-Logistik-Konzepte mit Schwerlasträdern geplant werden, sind die Infrastrukturanforderungen bislang ungeklärt.

Das Vorhaben leistet im Bereich der Förderschwerpunkte „Potenziale des Radverkehrs“ und „Schnittstelle zum Fußverkehr“ einen Beitrag zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse, indem der Lastenradverkehr in der Netzgestaltung und der Entwurfsplanung angemessen verankert wird. Durch die Verträglichkeitsuntersuchung verschiedener Führungsformen von Lastenrädern werden neue Erkenntnisse im Bereich der Gefahrenpotenziale auf der Strecke und im Knotenpunkt gewonnen, sodass hieraus Konzepte zur verträglichen Gestaltung von Fuß- und Radverkehrsführungen erarbeitet werden können.

Eine Berücksichtigung des Lastenrads in den Regelwerken befördert mittelfristig dessen Markthochlauf und leistet so einen Beitrag zu den Zielen, die u.a. im Habitat III-Prozess der UN vereinbart wurden (New Urban Agenda) und aktuell speziell zur gesellschaftlichen Herausforderung der Emissionsminderung. Dieses Potenzial des Radverkehrs in der Planungspraxis zu verankern, stellt den wesentlichen Beitrag des Projekts zur nachhaltigen Mobilität dar.

Eine einfache und reproduzierbare Anwendung der Verfahrensvorschläge zur Netzplanung wird im Rahmen von drei exemplarischen Anwendungen der Planungsverfahren in Rücksprache mit den lokal zuständigen Planungsträgern sichergestellt.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Gesamtvolumen: 
632 063 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP 2020) gefördert.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Es werden Evaluationsberichte der Analysephase und über das gesamte Forschungsprojekt erstellt. Die projektbegleitende Evaluation beinhaltet u.a. folgende Arbeitsschritte:

Bei der Betrachtung der Netzplanung:

  • Durchführung von Pre-Tests bei den Erhebungen (Lastenradtracking und Nutzererhebung)
  • Dokumentation von Problemen und Hemmnissen während der Datenerhebung und der Analyse der Daten und entsprechende Anpassung
  • Durchführung von drei Testplanungen inkl. Ergebnisanalyse

Bei der Betrachtung der Entwurfselemente:

  • Durchführung von Pre-Tests bei den Erhebungen
  • Dokumentation von Problemen und Hemmnissen während der Datenerhebung und der Analyse der Daten und entsprechende Anpassung
  • Erstellung von Online-Feedback-Bögen für die Personen, die an der Datenerfassung, Dateneingabe und Auswertung der Videoaufnahme beteiligt waren (AP 3.3)
  • Erstellung von Online-Feedback-Bögen für die Personen, die an den Befahrungen beteiligt waren (AP 3.4)

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Bert Leerkamp, Lehr- und Forschungsgebiet Güterverkehrsplanung und Technik, Bergische Universität Wuppertal

Projektbeteiligte: 

Bergische Universität Wuppertal mit ihren Lehr- und Forschungsgebieten Güterverkehrsplanung und Transportlogistik sowie Straßenverkehrsplanung und -technik

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
September 2020
Projektende: 
August 2023

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Für die Netzplanung:

Patrick Mayregger
Güterverkehrsplanung und Transportlogistik, Bergische Universität Wuppertal
Pauluskirchstraße 7
42285 Wuppertal
Telefon: 02024394353
E-Mail: mayregger@uni-wuppertal.de

 

Für die Planung von Infrastrukturelementen:

Felix Franke
Straßenverkehrsplanung und –technik, Bergische Universität Wuppertal
Pauluskirchstraße 7
42285 Wuppertal

Meta-Info
Stand der Information
14. September 2020
Autor
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Leerkamp, Patrick Mayregger, Univ.-Prof. Dr.-Ing. Jürgen Gerlach, Felix Franke, Dipl.-Ing. Miriam Schwedler (Bergische Universität Wuppertal )
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Deutschland