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Entwicklung eines Gamification-Ansatzes zur Attraktivitätssteigerung der Infrastruktur

Illustration/Fotomontage: TU Dresden
© Illustration/Fotomontage: TU Dresden

1. Ausgangsituation, Projektidee und -ziele

Wie im vorhergehenden NRVP-Projekt „RadVerS - Mit Smartphones generierte Verhaltensdaten im Verkehr“ festgestellt werden konnte, setzt sich die Gruppe der Radfahrenden aus unterschiedlichen Typen zusammen, die sich in Verhalten und Bedürfnissen unterscheiden. Sie alle stehen im Alltag ähnlichen Herausforderungen gegenüber, denen nicht immer durch klassische infrastrukturelle Maßnahmen begegnet werden kann. Langgezogene Steigungen oder eine Häufung von Signalanlagen sind hier nur Beispiele. Praktische Fragestellungen, wie „Wohin mit der Bewegungsenergie beim Anhalten an roten Ampeln?“ oder „Wie kann eine Steigung Spaß machen?“ können Anregungen bieten.

An dieser Stelle setzen Gamification-Projekte an, die versuchen, durch eine Erhöhung der Nutzermotivation auch die Radnutzung zu steigern. Gamification kann dabei als „die Verwendung von Spieldesign-Elementen in anderen Kontexten“ verstanden werden. Das Projekt wird nicht auf eine Smartphone-App ausgerichtet sein, um den Ausschluss von Menschen ohne die Möglichkeit oder Bereitschaft der Nutzung von Smartphone-Apps zu vermeiden. Es lassen sich kleinere infrastrukturell integrierte Maßnahmen vornehmen, die lokal und direkt durch die Radfahrenden bespielbar sind. Die einfache, lokale, robuste Installation erspart eine betreuungsintensive Pflege von Daten und IT-Infrastruktur. Sie steht als Endprodukt für den Einsatz auch in kleineren Kommunen sofort zur Verfügung und kann zielgerichtet an unattraktiven Streckenabschnitten platziert werden.

Durch die Integration von verkehrspsychologischen Modellen und Ansätzen der nutzerzentrierten Produktentwicklung wie User Experience Design wird ein praktisch anwendbarer Gamification-Ansatz für den Radverkehr entwickelt. Dabei werden in einem ersten Schritt Verkehrszählungen und Befragungen vor Ort durchgeführt, um Daten zu Nutzungshäufigkeit, Nutzungszeitpunkt und zu Nutzereigenschaften zu gewinnen. Auf Basis dieser Daten und der bekannten Radfahrtypenstruktur (RadVerS) werden prototypische NutzerInnen (Personas) für die Problemsituation erstellt. Die grundlegenden Fragestellungen für diese Arbeitsschritte lauten: Wie kann die Situation beschrieben werden? Warum werden bestimmte RadfahrerInnen von der Nutzung abgehalten? Was sind die psychologischen Hintergründe? Welche Radfahrtypen müssen besonders angesprochen/ motiviert werden? Was sind deren Bedürfnisse und wie können diese spielerisch angesprochen werden?

Darauf aufbauend werden den Personas verschiedene Gamification-Mechaniken zugeordnet, die in einem technischen Prototyp umgesetzt werden. Dieser wird nach der Testung im Labor an der Stelle der Vor-Ort-Erhebung in die Infrastruktur implementiert. Zur Evaluation der Wirksamkeit der Gamification-Anwendung erfolgen erneut Verkehrszählungen und Befragungen der Nutzer vor Ort.

Der praktische Anwendungsfall wird für Kommunen als Anwendungskonzept für Gamification im Radverkehr aufbereitet und mit klaren Erfolgs- und Misserfolgskriterien verknüpft. Die Übertragbarkeit wird durch den Ansatz des User Experience Design gewährleistet, da je nach Anwendungsfall Maßnahmen zu spezifischen Personas abgeleitet werden können.

2. Projektdurchführung

Das Projekt wird aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP) 2020 vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gefördert. Projektstart war September 2019. Die Bearbeitung erfolgt an der TU Dresden gemeinschaftlich durch die Professuren für Verkehrspsychologie und Technisches Design.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Im Ergebnis des Projekts werden Handlungsempfehlungen zum Einsatz von Gamification im Radver-kehr als Handreichung für Kommunen mit Anwendungsleitfaden am Beispiel der implementierten Maßnahme für die Umsetzung in der eignen Kommune aufbereitet und verbreitet.

Ausgangspunkt sind bereits vorhandene Daten aus dem NRVP-Projekt „RadVerS“.

Das Projekt schließt zusätzlich mehrere Forschungslücken:

  • es liefert eine Analyse (typenspezifischer) Motivatoren zur Überwindung unattraktiver Streckenabschnitte
  • es liefert eine Systematisierung bzw. Aufarbeitung von Radfahrtypen in Personas zur zielgruppenspezifischen Entwicklung von Maßnahmen der Radverkehrsförderung
  • es erforscht die Übertragung von Ansätzen und Methoden des User Experience Design zur Entwicklung von Gamification-Lösungen für öffentliche Bereiche auf Basis von Nutzerdaten

Für die Pilotstadt steht am Ende des Projekts ein fertig entwickelter, implementierter und evaluierter Prototyp für die weitere Verwendung zur Verfügung. Die Stadt kann so auch nach Projektabschluss auf dem Untersuchungsabschnitt oder einem Abschnitt mit ähnlicher Problemlage direkt eine Maßnahme zur Attraktivitätssteigerung und Förderung des Radverkehrs umsetzen.

Durch die Dokumentation der Entwicklung, Genehmigung und Implementierung eines Gamification-Prototyps erlangen relevante Akteure über die Handreichung auch eine „Anleitung“ zur konkreten Umsetzung, den notwendigen Schritten und möglichen Stolpersteinen bei der Umsetzung einer eigenen Maßnahme. So können aufzuwendende Zeit und Ressourcen von der Planung bis zur Umsetzung erheblich effektiver gestaltet werden, da nicht „von Null“ begonnen werden muss.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Gesamtvolumen: 
184 358 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP) 2020 gefördert.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Das Projekt besteht aus unterschiedlichen Arbeitspaketen, die alle auf eine erfolgreiche Gamification-Anwendung und deren Evaluation ausgerichtet sind. Bereits im Projektverlauf werden daher regelmäßig die Teilergebnisse überprüft. Zu diesem Zweck wurde zu Beginn des Projektes eine laufende Projektevaluation geplant und „SMART“-Zwischenziele definiert. Diese werden im Projektverlauf anhand von Meilensteinen geprüft, so dass bei Abweichungen gegebenenfalls Arbeitsprozesse angepasst werden können. Zusätzlich sind für jeden Meilenstein ein Abbruchkriterium und ein Abbruchzeitpunkt festgelegt.

Die Evaluation erfolgt darüber hinaus projektbegleitend innerhalb der Forschungsbeiratstreffen, zu denen aktuelle Projektergebnisse und nächste Schritte vorgestellt und diskutiert werden.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

TU Dresden, Professur für Verkehrspsychologie

Projektbeteiligte: 

TU Dresden, Professur für Technisches Design

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
September 2019
Projektende: 
August 2021

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Prof. Tibor Petzoldt
TU Dresden, Professur für Verkehrspsychologie
01069 Dresden, Hettnerstr. 1
Telefon: +49 351 463 36520
Telefax: +49 351 463 36513
E-Mail: juliane.anke@tu-dresden.de

Juliane Anke
TU Dresden, Professur für Verkehrspsychologie
01069 Dresden, Hettnerstr. 1
Telefon: +49 351 463 36703
Telefax: +49 351 463 36513
E-Mail: juliane.anke@tu-dresden.de

Christian Wölfel
TU Dresden, Professur für Technisches Design
01219 Dresden, August-Bebel-Str. 20
Telefon: +49 351 463 35798
Telefax: +49 351 463 35753
E-Mail: christian.woelfel@tu-dresden.de

Felix Schmitt
TU Dresden, Professur für Technisches Design
01219 Dresden, August-Bebel-Str. 20
Telefon: +49 351 463 43745
Telefax: +49 351 463 35753
E-Mail: felix.schmitt_1@tu-dresden.de

Meta-Info
Stand der Information
30. September 2019
Autor
Juliane Anke, TU Dresden, Professur für Verkehrspsychologie, Christian Wölfel, TU Dresden, Professur für Technisches Design
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Land
Deutschland