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Pedelecnutzung im Alltagsverkehr

Ein Rad für alle Fälle

Bild eines Pedelec
Bild eines Pedelec © Rhein-Sieg-Kreis

Ausgangssituation

Das Projektgebiet umfasst den nord-östlichen Rhein-Sieg-Kreis mit den Kommunen Lohmar, Much, Ruppichteroth und Neunkirchen-Seelscheid. Die Siedlungsstruktur ist dispers, wobei sich der Großteil der Einwohner auf ein bis zwei Hauptorte pro Kommune konzentriert. Der gesamte Untersuchungsraum kann nicht mit einem wirtschaftlich vertretbaren Aufwand flächendeckend mit einem öffentlichen Nahverkehrsangebot versorgt werden. Aufgrund der topografischen Verhältnisse mit zum Teil erheblichen Steigungen ist normaler Radverkehr ebenfalls nur für sportlich orientierte Menschen eine Alternative, so dass der PKW das überwiegende Verkehrsmittel in der Alltagsmobilität ist.

Die vier Kommunen im Projektgebiet bündeln ihre Aktivitäten zur Vermarktung der Region in dem gemeinsam getragenen Touristikverein Bergischer Rhein-Sieg-Kreis e.V. Seit 2011 bietet der Verein in Kooperation mit dem privaten Fahrradhändler LiebeBike aus Köln-Porz einen E-Bike-Verleih an. An derzeit sechs Standorten stehen insgesamt 16 Pedelecs zur Verfügung. Diese Räder werden in der Regel am Wochenende gebucht. Im laufenden Kalenderjahr waren die Buchungszahlen allerdings auffällig rückläufig, so dass seitens des Anbieters erste Überlegungen angestellt wurden, sich mittelfristig aus dem Angebot zurückzuziehen. Ein öffentliches Fahrradverleihsystem (z.B. Call a Bike, nextbike), wie es derzeit in einigen Großstädten existiert, ist aufgrund der geringeren Bevölkerungsdichte im ländlichen Raum nicht realistisch. Daher sollen die bestehenden Pedelecs des touristischen Verleihsystems unter der Woche Pendlern direkt zur Verfügung gestellt werden, die damit ihren Weg zur Arbeit oder zumindest einen Teil davon zurücklegen.

Ziele

Ziel des Vorhabens ist die Etablierung des Pedelecs als Verkehrsmittel im Alltagsverkehr entweder als Zubringer zu zentralen ÖPNV-Haltestellen mit regelmäßigem ÖPNV-Angebot oder als alleiniges Verkehrsmittel im Alltagsverkehr unter Nutzung von Fahrrädern einer Tourismusorganisation im topografisch bewegten nord-östlichen Kreisgebiet.

Mit dem Projekt soll der Radverkehr in ländlichen Räumen mit gleichzeitig schwierigen topografischen Verhältnissen gefördert werden. Als gleichzeitiger Aufgabenträger für den ÖPNV möchte der Rhein-Sieg-Kreis im Sinne der Ziele des NRVP 2020 aktiv ein Konzept der kombinierten Mobilität erproben, indem eine ganz spezielle Lösung umgesetzt wird, die sich aufgrund der Gegebenheiten vor Ort (Vorhandensein eines Pedelec-Verleihs im nord-östlichen Kreisgebiet mit mehreren Standorten) anbietet.

Durch die Kombination aus Pedelec und ÖPNV oder auch der ausschließlichen Pedelec-Nutzung gibt es eine praxistaugliche Alternative zum Autoverkehr. Durch die Bereitstellung der Leihpedelecs fallen für die Nutzer keine Investitionskosten an. Zudem kann durch diese Doppelnutzung das touristische Angebot gesichert werden. Möglich ist auch, dass sich Teilnehmer finden, die das Pedelec als Zubringer zum ÖPNV nutzen möchten.

Durch das Projekt soll eine Möglichkeit bzw. ein Anreiz für Pendler geschaffen werden, diese Alternative einfach mal auszuprobieren. Zudem soll so der Antrittswiderstand, der durch den hohen Kaufpreis eines Pedelecs besteht, durchbrochen werden. Die Einstellung zum Radfahren insgesamt soll an dieser Stelle durch gezielte Kommunikation und Ansprache aber eben auch durch die Möglichkeit des Ausprobierens beeinflusst werden.

Das Projekt soll einen Beitrag zur Etablierung des Radverkehrs als Bestandteil einer integrierten Verkehrs- und Mobilitätspolitik auf Ebene des Kreises leisten. Ziel ist es daher auch, einen Beitrag zur Stärkung des Umweltverbundes zu leisten.

Der Untersuchungsraum steht exemplarisch für ländlich geprägte Gebiete an der Mittelgebirgsschwelle im Einzugsbereich eines Mittel- sowie Oberzentrums und verfügt über einen hohen Freizeit- und Erholungswert für die Einwohner sowie Tagestouristen aus den umliegenden Zentren. Das Mittel- und Oberzentrum liegen dabei in einer Ebene mit - zumindest topographisch gesehen – guten Voraussetzungen für eine Radverkehrsnutzung. Da sich die Arbeitsplätze in den Zentren konzentrieren, wird davon ausgegangen, dass die Arbeitswege der Teilnehmer in diese Richtung verlaufen. Dabei sind Höhenunterschiede zu bewältigen, die zwischen 100 und maximal 200 Metern pro Fahrtstrecke liegen. In der Regel sind die Anstiege kurz und steil, so dass ein normales Fahrrad selten genutzt wird. Die Pendelstrecken sind gut mit dem Pedelec oder in der Kombination Pedelec/ÖPNV zu bewältigen. Sollte das Projekt erfolgreich verlaufen, kann das Modell problemlos auf vergleichbare Regionen in Deutschland übertragen werden, zumal Höhenunterschiede in Stadt-Umland-Beziehungen häufig anzutreffen sind. Positive Ergebnisse können auch deshalb gut auf vergleichbare Regionen in Deutschland übertragen werden, weil viele Tourismusregionen E-Bikes oder Pedelecs für die überwiegende Wochenendnutzung vorhalten.

Projektdurchführung (Planung)

In den Jahren 2017 und 2018 sollen mindestens jeweils 50 Pendler gewonnen werden, die mindestens einen Monat bzw. maximal drei Monate lang vom Auto auf das Pedelec umsteigen, je nach Länge der Pendelstrecke auch in Kombination mit dem ÖPNV. Das Pedelec wird ihnen dabei gegen eine symbolische Leihgebühr zur Verfügung gestellt. Die Teilnehmer werden vor und nach der Projektphase zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Derzeit haben die Pedelecs, die in der Region zum Verleih angeboten werden, lediglich eine Klimaentlastungswirkung, indem die umweltverträgliche Naherholung gefördert wird. Dies bedeutet, dass die Bewohner der Region bzw. die Gäste, die überwiegend aus den umliegenden Großstädten kommen, nicht noch größere Wege zurücklegen, um Rad zu fahren. In geringem Umfang werden zudem PKW- und Motorradwege (Ausflugsfahrten) substituiert. Ansonsten ist die bisherige Pedelecnutzung intrinsisch motiviert und würde ohne das Angebot gar nicht erst anfallen. Indem diese Räder aber von Montag bis Freitag einer weiteren Nutzung zugeführt werden, können sie einen deutlich größeren Beitrag zur CO2-Reduktion leisten.

Mit dem Forschungsvorhaben soll die Doppelnutzung von Leihfahrrädern (Tourismus und Alltag) bzw. Leihmodelle für den Alltagsradverkehr auch hinsichtlich der Kostenstruktur getestet werden. Im Ergebnis wird dargestellt, unter welchen Rahmenbedingungen eine Doppelnutzung praktikabel ist und welche Hindernisse bestehen. Damit werden interessierten Anbietern in diesem Segment Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung gestellt.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Gesamtvolumen: 
104 000 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020 gefördert.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Mindestens 10% der Teilnehmer sollen nach Abschluss der Testphase angeben, für den Arbeitsweg weiterhin das Fahrrad/Pedelec nutzen zu wollen. Mittelfristig soll die Auslastung der Leihfahrräder während der Woche von derzeit 20% auf 40% gesteigert und damit der Bestand des Leihfahrradangebotes in der Region gesichert werden.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Rhein-Sieg-Kreis, Amt für Kreisentwicklung und Mobilität
 

Projektbeteiligte: 
  • Rhein-Sieg-Kreis, Amt für Kreisentwicklung und Mobilität
  • Touristikverein Bergischer Rhein-Sieg-Kreis e.V.
  • LiebeBike, Köln
  • VIA Köln e.G.
  • tippingspoints GmbH, Bonn

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Mai 2016
Projektende: 
April 2019

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Informationen zum Projekt finden sich unter der www.rhein-sieg-kreis.de/ebikependeln

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Petra Gloge
Rhein-Sieg-Kreis
Kaiser-Wilhelm-Platz 1, 53721 Siegburg
Telefon: 02241 - 133257
Telefax:  02241 - 132430
E-Mail: petra.gloge@rhein-sieg-kreis.de
www.rhein-sieg-kreis.de/ebikependeln

Sven Habedank
Rhein-Sieg-Kreis
Kaiser-Wilhelm-Platz 1, 53721 Siegburg
Telefon: 02241 - 132332
Telefax:  02241 - 132430
E-Mail: sven.habedank@rhein-sieg-kreis.de
www.rhein-sieg-kreis.de/ebikependeln

Meta-Info
Stand der Information
31. August 2016
Autor
Petra Gloge, Amt für Kreisentwicklung und Mobilität, Abteilung Verkehr & Mobilität
NRVP-Handlungsfelder
Elektromobilität
Fahrradthemen
Mobilitätsmanagement
Pedelecs
Schlagworte
Geographische Aspekte
Pendeln
Land
Nordrhein-Westfalen