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Effizienter Winterdienst auf Radverkehrsanlagen in deutschen Städten am Beispiel der Stadt Hamburg

Nationaler Radverkehrsplan 2020
Nationaler Radverkehrsplan 2020 © Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur

Die Wirksamkeit des heute eingesetzten Kieses als abstumpfendes Streumittel zur Minderung der Sturzgefahr von Radfahrenden bei Schnee und Glätte stößt vielfältig an Grenzen und führt häufig nicht zu optimalen Ergebnissen. Im Gegenteil, sowohl bei Eisglätte, als auch nach dem Tauen des Schnees wird Kies oder Split von vielen Radfahrenden eher als ein zusätzliches Sicherheitsrisiko wahrgenommen, zumal dessen Beseitigung zum Teil recht viel Zeit in Anspruch nimmt. Abhilfe könnten andere Streu- bzw. Taumittel liefern. In Hamburg und vielen weiteren deutschen Kommunen ist der Einsatz von Tausalz oder tausalzhaltigen Streumitteln jedoch gemäß den Wegegesetzen auf Geh- und Radwegen aus ökologischen Gründen untersagt und nur auf Fahrbahnen oder an besonders unfallträchtigen Stellen zulässig. Es soll daher im Rahmen des geplanten Forschungsvorhabens erstmals die Nutzung alternativer Taumittel sowie abstumpfender Mittel für den radverkehrsspezifischen Winterdienst in Hamburg getestet werden. Diese alternativen Streumittel sollen sowohl ökologischen als auch funktionalen Anforderungen der Betreiber und der Radfahrenden genügen.

Das Projekt wird durch die Stadtreinigung Hamburg (SRH) durchgeführt und von der Technischen Universität Dresden wissenschaftlich begleitet. Zunächst werden geeignete Streustoffe und Mischverhältnisse bzw. Zusammensetzungen anhand einer Literaturrecherche identifiziert und in verschiedenen Laboren auf ihre Wirksamkeit und Umweltverträglichkeit hin untersucht. Daraus ergibt sich eine Auswahl von circa vier bis sechs Streustoffen/-gemischen. Diese sollen im Winter 2020/2021 zuerst auf einem Betriebsgelände (voraussichtlich im Gebiet des Hamburger Hafens) getestet und Radfahrende direkt nach Befahren der Teststrecke zur Praxistauglichkeit befragt werden.

Nur die Streustoffe, die diesen ersten Praxistest bestanden haben, werden im Winter 2021/2022 auf ausgewählten Radwegen im öffentlichen Raum getestet. Auch für diese Teststrecken ist eine Vor-Ort-Befragung von Radfahrenden in Bezug auf die Tauglichkeit für den Nutzer vorgesehen. Um die Untersuchungsergebnisse nach Projektende unmittelbar anwenden zu können und um die Übertragbarkeit auf andere Kommunen sicherzustellen, ist die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit der alternativen Streustoffe von hoher Bedeutung. Die zuständigen Hamburger Behörden werden daher intensiv in das Forschungsvorhaben eingebunden und der Prozess dokumentiert. Außerdem werden operative Aspekte (u.a. Wirtschaftlichkeit und technische Umsetzbarkeit) des Einsatzes der alternativen Streustoffe von der Stadtreinigung Hamburg bewertet und dokumentiert.

Während der Praxiserprobung im öffentlichen Raum wird das Projekt zudem von einer Kampagne für das Radfahren im Winter begleitet. Es soll dabei gezielt zu einer intensiveren Nutzung des Fahrrads auch im Winter motiviert werden. Zusätzlich soll auch der Sicherheitsaspekt stark im Fokus der Kampagne stehen.

Sollte der Praxisversuch aufgrund ausbleibender Schneefälle in Hamburg nicht gelingen, wird nach aktuellem Planstand die Stadt Dresden einspringen.

Die wissenschaftliche Begleitung des Projektes übernimmt die Technische Universität Dresden. Neben einer bundesweiten Befragung der kommunalen Radverkehrsbeauftragten, um aktuelle Verfahren und deren Grenzen zu erforschen, werden auch Radfahrende online und vor Ort befragt, um Erfordernisse aus Nutzersicht abzudecken. Zusätzlich werden die verwendeten Streumittel im Zuge einer Lebenszyklusanalyse auf ihre Umwelteinflüsse hin untersucht.

Als Projektergebnis soll ein Überblick möglicher Alternativen zu Splitt sowie die zu erwartenden Umweltwirkungen und Kosten stehen. Hierbei bieten die Verhältnisse von (Umwelt-)Kosten zum Nutzen wichtige Anhaltspunkte für die Praxis. Aus der Befragung von Radfahrenden gehen zudem Erkenntnisse zu Hemmnissen und Gründen der Nicht-Nutzung des Fahrrades im Winter hervor.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Das Projekt vereint den Versuch, die Potenziale des Radverkehrs als klimafreundliches Verkehrsmittel auch im Winter zu stärken mit dem Ansatz, möglichst umweltverträglich für die größtmögliche Sicherheit der Radfahrenden zu sorgen.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Gesamtvolumen: 
561 742 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020 gefördert.

Evaluation

Evaluation: 
ja

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Stadtreinigung Hamburg

Projektbeteiligte: 
  • Technische Universität Dresden, Professur für Verkehrsökologie,
  • Technische Universität Dresden, Professur für Verkehrspsychologie
  • Technische Universität Dresden, Professur für Diagnostik und Intervention

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
August 2019
Projektende: 
Juli 2022

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Sven Lißner
Technische Universität Dresden, Professur für Verkehrsökologie
01062 Dresden
Telefon: 035146336929
E-Mail: sven.lissner@tu-dresden.de

Kommunale Ansprechpartner: 

Britta Peters
Stadtreinigung Hamburg
Bullerdeich 19, 20537 Hamburg
Telefon: 040 25761752
E-Mail: britta.peters@stadtreinigung.hamburg

Meta-Info
Stand der Information
2. September 2019
Autor
Sven Lißner (Technische Universität Dresden)
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Hamburg