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Erstwohnsitzkampagne, Begrüßungspaket und Fahrradverlosung

Draisler-Fahrräder für Studierende

600 Draisler-Fahrräder auf einen Blick
600 Draisler-Fahrräder auf einen Blick © Monika Müller-Gmelin

Ausgangssituation

Karlsruhe verfügt über acht Hochschulen mit mehr als 37.000 Studierenden und gehört damit zu den am breitesten aufgestellten Hochschulstädten Deutschlands. Wie an vielen anderen Universitätsstandorten auch, tendieren die Studierenden dazu, ihren Studienort nur als Zweitwohnsitz zu wählen. Die Stadt hat daher infrastrukturelle Leistungen zu erbringen, ohne dass diese im kommunalen Finanzausgleich Berücksichtigung finden. Nicht nur aus diesem Grund ist Karlsruhe bestrebt, eine stärkere Vernetzung zwischen der Stadt und den Hochschulen herzustellen und zu erreichen, dass die Studierenden ihre Stadt als Lebensmittelpunkt betrachten und ihren Erstwohnsitz in ihr haben - Karlsruhe ist auch stolz auf seine exzellente Forschungs- und Hochschullandschaft und seine Studierenden.
Um das studentische Umfeld weiter auszubauen, wurde die "Studentenstadt Karlsruhe" als Leitprojekt im "Karlsruher Masterplan 2015" verankert und Ende 2008 vom Gemeinderat der Stadt Karlsruhe einstimmig beschlossen. Das Projekt soll Karlsruhe im Wettbewerb mit anderen Hochschulstandorten profilieren und damit den Karlsruher Hochschulen die Möglichkeit geben, ihre hohe und international bekannte Qualität zu sichern. Konkret soll dies erreicht werden durch die engere Verzahnung von Studierenden, Hochschulen und der Stadt sowie durch die Stärkung der Wahrnehmung der Studierenden im Stadtleben.

Das Projekt

Projektziel

Die Studierenden der Karlsruher Hochschulen sollen sich in Karlsruhe mit Erstwohnsitz anmelden und sich damit zur Studentenstadt Karlsruhe bekennen.

Die Erstwohnsitzkampagne

Der Karlsruher Gemeinderat hat deshalb ein stattliches Budget für die sogenannte "Erstwohnsitzkampagne Karlsruhe" beschlossen. Jeder mit Erstwohnsitz gemeldete Studierende bringt der Stadt über den kommunalen Finanzausgleich einen klaren finanziellen Vorteil. Diese Einnahmen sollen teilweise in die Verwirklichung des Masterplan-Leitprojekts "Studentenstadt" fließen, der u.a. Maßnahmen für ein studierendenfreundliches Umfeld umfasst.

Allen Studierenden, die ihren Erstwohnsitz nach Karlsruhe verlegen, überreicht die Stadt ein attraktives Begrüßungspaket. Dieses wurde vom Karlsruher Stadtmarketing in Abstimmung mit den Hochschulen, dem Studentenwerk, den Studierendenvertreterinnen und -vertretern, der City-Initiative Karlsruhe, dem Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) und der Polizeibehörde zusammengestellt. Es enthält ein kostenloses Semesterticket KVV – gültig für ein ganzes Semester –, fünf Einkaufsgutscheine à zehn Euro und ein Buch über Karlsruhe mit vielen Infos, Tipps und Adressen. Außerdem liegt dem Paket auch ein Los bei, mit dem die Studierenden ein "Draisler-Fahrrad" gewinnen können. Der Name "Draisler" ist das Ergebnis eines Ideen-Wettbewerbs unter den Studierenden. Das ferrari-rote Draisler ist eigens für die Karlsruher Studierenden gestaltet und nicht im Handel erhältlich. Es verfügt über eine hochwertige Ausstattung: Nabendynamo und Beleuchtung mit Standlichtfunktion sowie qualitativ hochwertige Bremsen sorgen für ein Höchstmaß an Sicherheit, die individuell einstellbare Federgabel und der stabile Gepäckträger für ein Höchstmaß an Komfort. Der "Draisler-Schriftzug" - entwickelt von kreativen Partnern des Karlsruher Stadtmarketing - ziert das Unterrohr. Mit den Fahrrädern soll auch bewusst gemacht werden, dass in Karlsruhe Freiherr von Drais geboren wurde, der die Laufmaschine, also den Vorläufer des heutigen Fahrrades, erfunden hat.

Die Verlosung der Draisler-Fahrräder

Um den Studierenden die Formalitäten der Anmeldung zu erleichtern, richten die Stadtmarketing Karlsruhe GmbH, das städtische Amt für Bürgerservice und Sicherheit und das Studentenwerk jeweils zu Beginn des Wintersemesters ein mobiles Bürgerbüro in der Uni-Mensa ein. Hier können Studierende sich direkt in ihrem Studienumfeld ummelden und u.a. ihr Los für das Draisler-Fahrrad in Empfang nehmen.
Bei der Anmeldung wird die Gewinn-Nummer des Loses der bzw. dem jeweiligen Studierenden zugeordnet. Nach Abschluss der Ummeldungs-Aktivitäten werden die Gewinnlose gezogen, zurzeit sind dies noch regelmäßig 10% der Ummeldezahl. Es gewinnt also jedes 10. Los.
Mit der Benachrichtigung über den Losgewinn werden Geschlecht und Größe abgefragt, damit das Fahrrad individuell auf die Gewinnerin oder den Gewinner zugeschnitten werden kann. Erst dann erfolgt die Bestellung der Rahmen durch den beauftragten Fahrradhersteller. Wenn einige Monate später die Rahmen und die Ausstattungskomponenten geliefert und montiert sind, erfolgt eine öffentliche Übergabe der verlosten Fahrräder an die Studierenden. Vor allem die Ausgabe der Räder an die Gewinner aus den Wintersemestern stellt eine große logistische Herausforderung dar. Große Lagerflächen für bis zu 600 endmontierte Räder und eine riesige Fläche für die Ausgabe sind nötig und konnten mit Unterstützung durch die Karlsruher Messe- und Kongress GmbH gefunden werden. Auch wenn ein ausgeklügeltes Ausgabeverfahren entwickelt wurde, ist doch Zeit und Geduld der Studierenden gefragt. Musik und gastronomische Versorgung machen die Ausgabe zu einem kleinen Event.

Was wurde bisher erreicht?

Die Erstwohnsitzkampagne startete im Oktober 2007 und findet Semester für Semester begeisterte Resonanz. Inzwischen wurden bereits 2500 Draisler verlost und zieren mehr und mehr das Stadtbild. Jeder Studierende, der in Karlsruhe seinen Hauptwohnsitz anmeldet, erhöht die Bevölkerungszahl der Stadt. Auf der Grundlage von Daten des Amtes für Stadtentwicklung ließ sich der Zuwachs an Erstwohnsitzanmeldungen in der relevanten Altersgruppe während den ersten beiden Jahren der Kampagne messen. Nach diesen Ergebnissen bringt die Erstwohnsitzkampagne jährlich rund 3750 zusätzliche Einwohner für Karlsruhe.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Mit der Fahrradverlosung im Zusammenhang mit der Erstwohnsitzkampagne wird für die Studierenden an den Karlsruher Hochschulen ein weiterer Anreiz geschaffen, sich an ihrem Studienort Karlsruhe mit Erstwohnsitz anzumelden. Damit steigt der Zuschuss des Landes Baden-Württemberg, das den Kommunen über den Kommunalen Finanzausgleich pro Erstwohnsitzerin oder Erstwohnsitzer einen bestimmten Betrag überweist.
Gleichzeitig werden die Studierenden noch stärker motiviert, das Fahrrad als selbstverständliches Verkehrsmittel in Karlsruhe zu nutzen und leisten damit einen Beitrag zum Umweltschutz und der eigenen Gesundheit.
Die hohe Qualität des "Draislers" erhöht das Qualitätsbewusstsein allgemein und erhöht die Sicherheit im Fahrradverkehr. Gleichzeitig werden damit Maßstäbe an die Qualitätsanforderungen gesetzt, die den Fachhandel langfristig profitieren lassen.
Mit steigender Zahl der "Draisler"-Fahrräder (pro Jahr etwa 800 Räder) werden die Studierenden im Stadtbild sichtbarer und tragen dazu bei, Karlsruhe stärker als Studentenstadt zu positionieren.

Finanzierung

Finanzierung: 
Landesmittel
Kommunale Mittel
Erläuterungen: 
Die laufenden jährlichen Kosten sind abhängig von der Anzahl der Studierenden, die sich mit Erstwohnsitz umgemeldet haben und können somit nicht beziffert werden.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
Feststellung der Zahl der zusätzlichen Erstwohnsitz-Anmeldungen

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
Stadt Karlsruhe
Projektbeteiligte: 
Stadtmarketing Karlsruhe GmbH als Entwickler und Umsetzer der Kampagne

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Oktober 2007

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Projektleitung
Herr Clas Meyer
Stadtmarketing Karlsruhe GmbH
Kaiserstraße 142-144
76133 Karlsruhe
Telefon: 0721 / 35236-26
Telefax: 0721 / 35236-20
E-mail: clas.meyer@stadtmarketing-karlsruhe.de
WWW: www.karlsruhe.de/stadtmarketin...

Meta-Info
Stand der Information
1. Februar 2012
Autor
Angela Hartmann-Eckstein, Projektleiterin für das Thema Fahrradstadt beim Stadtmarketing Karlsruhe
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Baden-Württemberg