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Radverkehr in der verkehrsabhängigen Signalsteuerung

Detektion des Radverkehrs durch Wärmebildkameras

Erfassung von Radfahrenden mittels Wärmebildkamera
Erfassung von Radfahrenden mittels Wärmebildkamera © Maurischat/Brandt, Stadt Oldenburg

Einleitung

Der Radverkehr wird seit langem über verschiedene Maßnahmen in Oldenburg als umweltfreundliches und raumsparendes Verkehrsmittel gefördert. Dazu tragen neben dem weiteren Ausbau guter Radverkehrsanlagen auch komfortable Verkehrssteuerungen bei.

Alte Signalsteuerungen an Ampeln sind häufig nur auf den Kfz-Verkehr ausgelegt, so dass in der verkehrsabhängigen Signalsteuerung häufig auch nur dieser berücksichtigt wird. Dafür werden in der Regel in einer Entfernung von 30m vor dem Knotenpunkt Kontaktschleifen in die Fahrbahn eingebaut. Sobald ein Fahrzeug diese Schleife passiert, wird die Grünzeit der Ampel - innerhalb bestimmter Grenzen - um 3 Sekunden verlängert. Diese Kontaktschleifen in der Fahrbahn können den Radverkehr auf den Nebenanlagen nicht erfassen. Dies führt häufig dazu, dass Radfahrer in den Signalsteuerungen unberücksichtigt bleiben, während dem Kfz-Verkehr auf der Fahrbahn möglicherweise noch eine Grünzeitverlängerung gewährt wird.

Auf der Fahrbahn dagegen können die Kontaktschleifen auch den Radfahrer erfassen. In der Regel sind diese Kontaktschleifen aber auf den Kfz-Verkehr ausgelegt und rechnen mit einer Geschwindigkeit von mindestens 36 km/h (10 m/s), so dass die Grünzeitverlängerung bei einer Schleife in einer Entfernung von 30m etwa 3 Sekunden beträgt. Der Radfahrer kann diese Geschwindigkeit von mindestens 36 km/h in der Regel nicht erreichen, so dass trotz möglicher Erfassung und einer daraus resultierenden Grünzeitverlängerung dennoch die Ampel vorher auf Rot springt.

Berücksichtigung des Radverkehrs in der verkehrsabhängigen Steuerung

Daraus ergibt sich, dass der Radverkehr an den Knotenpunkten besser berücksichtigt werden muss, um seine Attraktivität zu steigern. Eine Maßnahme ist eine an den Radverkehr angepasste Detektion des Radverkehrs auf den Nebenanlagen und der Fahrbahn. Diese Detektionspunkte sollten – analog zum Autoverkehr – von einer Fahrzeit von 3 Sekunden ausgehen, liegen aber bei einer Mindestgeschwindigkeit des Radfahrers von 15 km/h bei etwa 12m vor dem Knotenpunkt.

Das ermöglicht dem Radverkehr, die Grünzeiten an den Signalanlagen in gleichem Umfang zu verlängern wie der Kfz-Verkehr. Damit wird eine Gleichbehandlung zum Kfz-Verkehr und eine dem Radverkehr angepasste Berücksichtigung in der verkehrsabhängigen Signalsteuerung einschließlich Grünzeitverlängerung geschaffen. Dies erhöht den Komfort des Radverkehrs deutlich. Er ist nicht mehr darauf angewiesen, dass zufällig ein parallel fahrendes Fahrzeug die Ampel beeinflusst.

Detektionsarten

Die klassischen Induktionsschleifen, wie sie für den Kfz-Verkehr genutzt werden, sind für den Radverkehr häufig nicht optimal geeignet. Zum einen ist der Aufwand zum Verlegen der Schleifen relativ hoch und zum anderen ist die Detektion durch die zu geringe Metallmenge an Fahrrädern teilweise nicht gegeben. Daher bieten sich insbesondere für den Radverkehr optische Erfassungssysteme an, die mit geringem Aufwand montiert werden können. Somit ist eine Erfassung des Radfahrers sowohl auf der Fahrbahn als auch auf dem Radweg auch in größeren Bereichen möglich. Als Detektionssysteme bieten sich einfache Infrarotkameras, Radardetektoren oder spezielle Kamerasysteme, wie z.B. Wärmebildkameras, an.

Wärmebildkameras

Neben den klassischen Kamerasystemen sind seit einigen Jahren auch Wärmebildkameras verfügbar. Diese kann die typische Silhouette eines Radfahrers noch besser erkennen, so dass eine zuverlässige Erkennung des Radverkehrs auch bei Regen, Dunkelheit oder Gegenlicht möglich ist. Ebenso wird eine deutliche Unterscheidung zum Kfz-Verkehr erreicht. Weiterhin können über diese Systeme auch großflächige Felder, wie zum Beispiel bei aufgeweiteten Radaufstellstreifen (ARAS), abgedeckt werden. Durch die reine Darstellung des Wärmebildes gibt es auch keine Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes, weil Gesichter und Kennzeichen nicht erkennbar sind. In Oldenburg sind bereits an verschiedenen Stellen Detektionssysteme für den Radverkehr mit einfachen Radardetektoren oder Wärmebildkameras erfolgreich im Einsatz.

Anhand des Detekionsbildes der Wärmebildkamera ist erkennbar, dass beim Passieren des blauen Balkens bei etwa 12 Metern eine Grünzeitverlängerung von 3 Sekunden ausgelöst wird. Beim Passieren des grünen Balkens kommt es bei einer Kontaktauslösung zu einer Grünzeitverlängerung von 1 bis 2 Sekunden.

Projektdurchführung

Mit der laufenden Erneuerung von Signalanlagen in Oldenburg wird sukzessive auch eine Erfassung des Radverkehrs flächendeckend eingerichtet. Diese Erfassung des Radverkehrs erfolgt sowohl auf den Nebenanlagen sowie auf der Fahrbahn. Je nach Radverkehrsaufkommen werden hierfür einfache Radardetektoren oder an Kreuzungen mit hohem Radverkehrsaufkommen die präziseren Wärmebildkameras eingesetzt.

Für den Radverkehr ergibt sich somit eine komfortablere und fahrradfreundliche Verkehrsabwicklung an den Signalanlagen. In der Regel kann der Radfahrer aber nicht erkennen, dass seine Grünphase aufgrund dieser Detektion für ihn verlängert wurde. Daher dient eine solche Maßnahme eher der allgemeinen Akzeptanz des Radverkehrs als gleichberechtigter Teil des Verkehrsgeschehens und wird unbewusst wahrgenommen. Insofern ist keine Evaluierung der Maßnahme erfolgt.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Bisher werden Radfahrer in der Ampelsteuerung nicht berücksichtigt oder auf der Fahrbahn mit den (unpassenden) Parametern des Kfz-Verkehrs. Die Wärmebildkameras ermöglichen eine bedarfsgerechte Erfassung speziell für den Radverkehr.

Finanzierung

Erläuterungen: 

Die Wärmebildkameras werden an den geeigneten Standorten im Rahmen der laufenden Erneuerung von Signalanlagen eingerichtet. Ein eigenes Förderprogramm für dieses Programm wurde nicht beantragt.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Stadt Oldenburg

Projektbeteiligte: 

Stadt Oldenburg

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Mai 2016

Kontakt

Kommunale Ansprechpartner: 

Stefan Brandt
Verkehrsingenieur
Stadt Oldenburg
Industriestraße 1
26121 Oldenburg
Telefon: 0441/235-2056
Telefax: 0441/235-2054
E-Mail: stefan.brandt@stadt-oldenburg.de

Meta-Info
Stand der Information
28. Februar 2019
Autor
Stefan Brandt, Stadt Oldenburg
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Niedersachsen