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Mit Lastenrädern zu den Baustellen

Der radelnde Installateur

Die radelnden Installateure auf dem Weg zur Arbeit
Die radelnden Installateure auf dem Weg zur Arbeit © Theodor Röhm

Einleitung

Die Firma Dipl.-Ing. Theodor Röhm wurde im Frühjahr 1998 als Gas- und Wasserinstallationsbetrieb in Bremen-Peterswerder gegründet. Der Unternehmenszweck des Betriebes besteht hauptsächlich in der Neuerstellung, dem Austausch, der Reparatur sowie der Wartung von Heizungs- und Sanitäranlagen für Kunden in Bremen. Thermische Solaranlagen gehören ebenso zum Portfolio des Betriebes. Von 1998 bis Ende 2000 widmete sich Theodor Röhm nahezu ausschließlich den Installationsarbeiten im Ökozentrum Verden (Aller). Danach zog es ihn nach Bremen zurück, um dort seinen Betrieb weiterzuführen und auf das Fahrrad umzusteigen.

Durchführung

Nach Abschluss des Studiums arbeitete Theodor Rhöm in einem Betrieb, bei dem er sich erstmalig Gedanken zum Thema Fahrrad machte. Er stellte fest, dass große Objekte, wie Sanitäranlagen und Heizkessel zuverlässig von Großhändlern zur Baustelle geliefert werden. Die Lieferbedingungen der Großhändler sind so gestaltet, dass es durchaus möglich ist, als Installateur die Wege zu den Kunden mit dem Fahrrad zu erledigen. Da diese Art der Lieferung umweltfreundlich und zugleich auch gesundheitsfördernd ist und zudem auch noch Spaß macht, entschloss er sich, in Bremen seinen Betrieb als "Der radelnde Installateur" weiterzuführen. Anfang 2001 entschied er sich für ein Dreirad mit Anhänger und erledigte fast ausnahmslos alle Aufträge mit dem Rad. Das fast vollständige Fehlen von Treibstoffverbrauch und Herstellungsaufwand für Autos verändert die Umweltbilanz des Betriebes "Der radelnde Installateur" in Richtung Umweltfreundlichkeit. Im Jahr 2004 wurde der Betrieb durch einen fest angestellten Gas- und Wasserinstallateur personell vergrößert. Aus gesundheitlichen Gründen konnte er seinen Beruf als Installateur nicht mehr mit dem Auto ausüben. Fahrradfahren konnte und durfte er noch, so dass er fahrradfahrend wieder seinem Beruf nachgehen konnte.

In den folgenden Jahren versuchte Theodor Röhm immer wieder neue Mitarbeiter, ob Heizungsbauer oder Gas-/Wasserinstallateure, in den Betrieb zu integrieren. Das gelang allerdings nicht zufriedenstellend und auch nicht dauerhaft. Es war nicht möglich, auf dem Arbeitsmarkt gute Handwerker von den anderen Betrieben abzuwerben, die sich auf das umweltfreundliche Transportrad als Dienstfahrzeug einlassen wollten. Mit dem Lastenrad zu den Kunden zu fahren, war und ist immer noch kein attraktives Fortbewegungs- und Transportmittel für Installateure. Hingegen jungen Menschen, die noch keine Erfahrung mit dem Auto als "unersetzliches Transportmittel" gemacht haben, fällt es wesentlich leichter, sich auf das Fahrradfahren einzulassen. Aus diesen Gründen entschloss sich Theodor Röhm im Jahr 2008 schließlich, selbst auszubilden. Im September 2008 begann der erste Lehrling seine Ausbildung im Betrieb. Nach erfolgreicher Ausbildung und Übernahme in den Betrieb folgten im September 2011 der zweite Lehrling und 2014 der dritte Lehrling. Ende 2014 wurde das Team des "Radelnden Installateurs" durch einen erfahrenen SHK-Meister (Sanitär-Heizung-Klempner-Meister) erweitert, so dass die Auftragsannahme erhöht werden konnte und ein weiterer Lehrling mit Affinität zum Fahrradfahren im Sommer 2016 eingestellt werden konnte.

Inzwischen ist "Der radelnde Installateur" in Bremen ein bekanntes Unternehmen. Auszubildende lassen sich inzwischen problemlos finden und die Kunden der Firma sind häufig Stammkunden, denn sie schätzen u.a. das radelnde Konzept. Darüber hinaus sind die Kosten, die dem Kunden entstehen, häufig geringer, weil der Betrieb seine Anfahrten mit den Fahrrädern nicht so teuer verkaufen muss, wie andere Betriebe, die nach wie vor mit dem Auto zu ihren Kunden fahren.

Die Kundengewinnung beschränkt sich selbstverständlich auf Kunden, die vom Betriebsstandort aus per Fahrrad erreichbar sind. Ausnahmen sind einige wenige Bestandskunden und Kunden, die über die Empfehlung von Heizkesselherstellern an den Betrieb herantreten und deren Wohn- oder Geschäftsobjekt sich in Bremen oder nahebei befindet. Zu diesen wenigen Kunden fahren die Mitarbeiter bei Bedarf mit privaten oder geliehenen PKWs.

Fazit

Derzeit (2017) beschäftigt die Firma insgesamt sieben Arbeitnehmer, die sich mit dem Fahrrad als Dienstfahrzeug identifizieren. Derzeit sind vier verschiedene Fahrradtypen im Einsatz:

1. das Dreirad aus der Anfangszeit (inzwischen mit Pedelec-Motor nachgerüstet)

2. fünf Lastenräder eines schwedischen Herstellers, davon eines mit speziellem Pedelec-Antrieb nachgerüstet für einen Mitarbeiter als Elektro-Unterstützung

3. zwei Lastenräder eines deutschen Herstellers und

4. ein Fahrrad für schnelle Einsätze mit stabilem Heckgepäckträger, aber ohne Frontträger sowie zwei große Fahrradanhänger, mit denen relativ große, schwere und sperrige Teile transportiert werden können.

Das Material für die Installationen, wie Badewannen, Heizkessel, Heizkörper, Rohrleitungen u.a. wird meistens durch diverse Großhändler direkt zur Baustelle gebracht und muss nicht per Fahrrad transportiert werden. Mit einem Lastenfahrrad in einem Installateurbetrieb unterwegs zu sein, ist im Moment noch ein Alleinstellungsmerkmal.

Das Fahrradfahren ist für die Gesundheit der Mitarbeiter sehr wertvoll. Es steigert ihre körperliche Fitness und bringt einen Ausgleich für die zum Teil einseitigen Bewegungen bei der Arbeit. Ebenso wichtig ist die zeitliche Ersparnis. Mit dem Fahrrad kommt man in der Innenstadt schnell voran, die Parkplatzsuche entfällt, da das Parken in fast allen Fällen direkt vor der Haustür der Kunden möglich ist. Insgesamt werden in hohem Maße Fahrzeug- und Treibstoffkosten eingespart, der Straßenverkehr sowie die Umwelt entlastet. Des Weiteren fördert das Fahrradfahren das selbstständige Arbeiten aller Mitarbeiter, niemand sitzt auf dem Beifahrersitz und blickt unbeteiligt nach draußen.

Die Entfernung zu den Kunden von der Werkstatt bzw. dem Firmenstandort aus, ist begrenzt auf eine Entfernung, die per Fahrrad gut zu erreichen ist. Das ist eine einfache Strecke von unter 7km, meistens weniger und sehr häufig im Umkreis von lediglich 1000m. Die Kunden des Betriebes sind hauptsächlich Privatkunden, häufig auch Vermieter, Wohnungsverwaltungen, Architekten und andere Gewerbetreibende. Auch sie profitieren von geringeren Anfahrtskosten und häufig kurzen Anfahrtszeiten. Umweltbewusste Kunden haben zu Recht ein gutes Gefühl beim "Radelnden Installateur".

Ausblick

Der Firmeninhaber kann sich vorstellen, ein Netzwerk von radelnden Installateuren mitaufzubauen, über das z.B. Erfahrungen, Vorgehensweisen, Werkzeug- und Fahrzeugbeschaffung koordiniert werden könnten. Das radelnde Konzept stellt sicherlich auch für andere Installateurbetriebe und Handwerker eine gute Alternative zum Firmenwagen dar.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Durch die Einsparung des Autokaufs und der Unterhaltung der Autos entsteht kein Treibstoffverbrauch. Für diverse andere Handwerksdienstleistungen ist denkbar, diese auch per Rad zu erledigen, z.B. Elektroinstallationen, Hausmeisterservice, aber auch Pflegedienstleistungen für pflegebedürftige Menschen.

Finanzierung

Finanzierung: 
Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Erläuterungen: 

Die Anschaffung des ersten Lastenrades bei der Betriebsgründung betrug ca. 6000 DM (Dreirad-Liegerad mit Anhänger). Die Anschaffung der zweirädrigen Lastenräder war kostengünstiger (ca. 1000 € pro Lastenrad). Seit 2010 gibt es für das Liegerad und für den Obermonteur eine zusätzliche elektrische Unterstützung. Die Kosten dafür betrugen 1400 € für das Liegerad und 1050 € für das vorhandene Lastenrad incl. eines Akkus für beide Räder (das Liegerad wird selten genutzt). Der Akku musste 2015 ersetzt werden (800 €). Pro Mitarbeiter wird mit ca. 4000 € Investitionskosten (Lastenrad, Werkzeug, Büroorganisation) kalkuliert.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Theodor Röhm

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 2001

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Dipl.-Ing. Theodor Röhm
Der radelnde Installateur
Verdener Str. 39
28205 Bremen
Telefon: 0421-8960159
Telefax: 0421-4312884
E-Mail: info@radinstall.de
Internet: www.radinstall.de

Meta-Info
Stand der Information
29. September 2016
Autor
Theodor Röhm, Inhaber der Firma Dipl.-Ing. Theodor Röhm, der radelnde Installateur
Fahrradthemen
Ausgewählte Zielgruppen
Gesundheit
Logistik und Transport
Nachhaltigkeit
Schlagworte
Arbeitgeber
Bewegungsförderung
Einzelhandel
Emission
Fahrradanhänger
Klima
Lastenfahrrad
Land
Bremen