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Fahrradparken in Wohnquartieren

Das Fahrradparkhaus vor der Haustür

Fahrradhäuschen Arneckestraße
Fahrradhäuschen Arneckestraße © M. Krüger-Sandkamp

1. Ausgangssituation

In Innenstadtvierteln finden Radfahrer oft vor oder im eigenen Haus keinen sicheren Abstellplatz. Die Lösung: Private, überdachte und abschließbare Fahrradhäuser. Mit Platz für bis zu zwölf Räder stehen sie im Hof, auf breiten Bürgersteigen oder an anderen geeigneten Stellen. Ein Häuschen wird erst beantragt und errichtet, wenn genug Interessenten dafür gefunden sind.
Fahrradhäuser mit zwölf Plätzen sind seit Ende der 1980er Jahre in Hamburger Wohnvierteln aufgestellt worden, um den Innenstadtbewohnern das Fahrradparken zu erleichtern. Das Projekt ist dort mehr als ein Jahrzehnt lang gut gelaufen und heute stehen dort etwa 350 Häuschen. In Dortmund hat der VCD die Idee des Hamburger Fahrradhaus-Projekts aufgegriffen und – um solche Projekte auch bundesweit zu etablieren – dabei gleichzeitig die Strategie und die Voraussetzungen für die Durchführung dokumentiert.
Die bequeme und sichere Unterbringung des Fahrrades soll die Nutzung des Fahrrades, zu der auch das Fahrradabstellen gehört, erleichtern und dadurch die Motivation fördern, häufiger mit dem Fahrrad zu fahren. Dies korrespondiert mit dem Ziel der Stadt Dortmund, die in ihrem "Masterplan Mobilität" von 2004 das Ziel formuliert hat, den Radverkehrsanteil bis 2015 von 6 auf 15 Prozent steigern zu wollen.

2. Projektdurchführung

Im Jahr 2000 reiste der VCD nach Hamburg und erstellte die Broschüre "Wohin mit dem Fahrrad". Die Bezirksvertretung (BV) Innenstadt-West wurde vom VCD vor ihrem Förderbeschluss umfassend -unter anderem durch diese Broschüre- über das Hamburger Fahrradhäuschen-Projekt informiert. Nach einer Idee von Bündnis 90/Die Grünen hat die BV Dortmund Innenstadt-West im Mai 2001 beschlossen, zunächst drei Fahrradhäuser finanziell zu fördern und den VCD Dortmund mit der Durchführung des Projektes beauftragt. Die BV hat seit 2001 in mehreren Beschlüssen gut 40.000 Euro zur Förderung von sieben Fahrradhäusern bereitgestellt. Die BV ist das erste politische Gremium außerhalb Hamburgs, welches das Fahrradhaus-Projekt aus den späten achtziger Jahren neu belebt hat. 2005 ist die Bezirksvertretung Dortmund-Innenstadt-Ost dem Beispiel gefolgt und hat ein erstes Fahrradhaus finanziell gefördert. Die dritte Dortmunder Innenstadt-Bezirksvertretung Nord hat ebenfalls finanzielle Unterstützung zugesagt, sobald sich eine Nutzergruppe für ein Fahrradhaus gefunden hat.
Der VCD übernahm die Suche nach Interessenten, verhandelte mit der Stadt Dortmund über die Genehmigung, organisierte den Kauf und die Aufstellung der Fahrradhäuser. Die Suche nach Interessenten für ein Fahrradhaus erwies sich anfangs als sehr schwierig, da es offenbar schwer vorstellbar war, wie diese organisatorisch und ökonomisch funktionieren sollten. Daher wurden Flugblätter entwickelt, mit denen man in seiner Nachbarschaft Mitnutzer für die zwölf Plätze im Fahrradhaus werben kann. Der Gestattungsantrag für ein Fahrradhaus muss anschließend durch den VCD gestellt werden, um der Stadt Dortmund Verhandlungen mit den einzelnen Nutzergruppen und Folgekosten zu ersparen. Für einen Gestattungsantrag waren zunächst sechs Interessenten notwendig, heute sind es zehn. Im Jahr 2005 wurden die Verträge mit den Nutzergruppen erstellt, in denen Unterhalt, Abrschreibung, Nutzungsrechte und –pflichten geregelt sind. Seither ist der VCD Dortmund-Unna der Träger der bis April 2009 errichteten acht privaten Fahrradhäuser. In der Broschüre "Ihr Fahrrad unter Dach und Fach" wird beschrieben, wie interessierte Dortmunder einen Stellplatz im Fahrradhaus nutzen können. Die Nutzer zahlen einen einmaligen Investionskostenzuschuss von 180 Euro pro Platz und haben jährlich Versicherungsbeiträge zu leisten. Die Mitglieder einer Nutzergruppe müssen untereinander einen Gesellschaftsvertrag abschließen und die Verantwortung für das Fahrradhaus vom VCD übernehmen.
Die Stadt Dortmund hat sich bei der Genehmigung von Fahrradhäusern im öffentlichen Raum äußerst unbürokratisch und kooperativ verhalten. Bereits der Antrag einer (kostenlosen) Sondernutzung des Straßenraums für das erste Fahrradhaus im Jahr 2002 wurde vom Tiefbauamt in kurzer Zeit genehmigt und durch einen Gestattungsvertrag für den Antragsteller rechtssicher gemacht. Die Parkplatznot der Fahrradfahrer wird ernst genommen und in zwei Fällen wurden PKW-Parkplätze umgewidmet. Heute ist das Genehmigungsverfahren Routine und dauert mit Ortstermin selten länger als drei Wochen.

3. Ergebnis

Für die Durchführung eines Fahrradhaus-Projekts ist ein Träger erforderlich, der die organisatorischen Vorbereitungen durchführt und die Verhandlungen mit der Stadtverwaltung bündelt. Diese Rolle wird in Dortmund vom VCD übernommen.
In Dortmund gibt es acht Fahrradhäuser mit ca. 90 Nutzern (das neunte wird im Juni 2009 fertiggestellt sein). Die Stadt hat das Projekt mit dem Agenda-Siegel gewürdigt und es ist in die "Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Städte NRW" aufgenommen werden. 2006 hat das Projekt den 2. Preis beim bundesweiten Wettbewerb "best for bike" errungen. Die Projekt-Förderung wurde von zwei anderen (Innen-) Stadtbezirken übernommen.
Mit Berichten und Hinweisen in zahlreichen Fachpublikationen und der 2003 erschienenen Broschüre "Das Fahrradparkhaus vor der Haustür" hat der VCD das Fahrradhaus-Projekt bundesweit bekannt gemacht.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Nachhaltigkeit


Die Häuser halten mindestens 20 Jahre. Sie werden in Zukunft auch in Dortmund gebaut. Mit der Gestattung und dem einmaligen Zuschuss ist die Angelegenheit für die Bezirksvertretung und die Stadt Dortmund abgeschlossen. Für die Kommune entstehen durch die privaten Fahrradhäuser keine Folgekosten.

Übertragbarkeit


Das Projekt kann im Prinzip in jede Großstadt übertragen werden, wenn
  • der politische Wille zur Förderung des Radverkehrs eine Mehrheit hat,
  • sich ein freier Träger für die Betreuung des Projekts und
  • interessierte Bürger finden, die bereit sind, Geld und Engagement einzusetzen, damit sie öfter und bequemer Radfahren können.

Finanzierung

Finanzierung: 
Kommunale Mittel
Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Erläuterungen: 
Das Projekt wird zu zwei Dritteln (5.500 Euro pro Haus) von Bezirksvertretungen und einem Drittel (2.200 Euro) von den Nutzern finanziert. Die Stadt Dortmund hat keine Folgekosten; an lfd. Kosten fallen 14 Euro pro Platz und Jahr für Gebäude und Gebäudehaftpflichtversicherung an.
Das Risiko für leere Plätze trägt anfangs der VCD. Unterhalt und Versicherung zahlen und organisieren dann die Nutzer.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
Durch Verwaltung der Nutzer und Befragung der Geschäftsführer.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
Die drei Hauptakteure, die zum Gelingen des Projekts beigetragen haben:
  • Die Bezirksvertretung Innenstadt-West als Beschlussorgan und Zuschussgeber
  • Den Verkehrsclub Deutschland, Kreisverband Dortmund-Unna als Ideengeber Gestalter und Organisator des Projekts,
  • Das Tiefbauamt der Stadt Dortmund als Genehmigungsbehörde.
Projektbeteiligte: 
Hersteller der Häuser: OAI Sachsen

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 2001
Info zur Laufzeit: 
Das Projekt ist jetzt zwar durchorganisiert, kann aber im Prinzip laufen, solange eine Nachfrage besteht und politische Unterstützung da ist. Die Verwaltung hat durch die Gestattungen Recht gesetzt. Anträge auf Errichtung von Fahrradhäusern können nur begründet abgelehnt werden.

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Verkehrsclub Deutschland
Kreisverband Dortmund-Unna
Liebigstr. 48
44145 Dortmund
Telefon: +49(0)231/7214037
E-mail: vcd-dortmund@gmx.de
WWW: www.vcd-dortmund.de

Kommunale Ansprechpartner: 
Fahrradbeauftragter der Stadt Dortmund
Herr Rüdiger Hartmann
Stadt Dortmund
Telefon: +49(0)231/5022522
E-mail: rhartmann@stadtdo.de

Meta-Info
Stand der Information
21. April 2009
Autor
Manfred Krüger-Sandkamp
NRVP-Handlungsfelder
Infrastruktur
Fahrradthemen
Fahrradparken
Schlagworte
Fahrradabstellanlage
Fahrradhäuschen
Land
Nordrhein-Westfalen