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Bau von Radwegen im ländlichen Raum

Bürgerinitiative "Alltagsradwege für unsere Region"

Pro Radweg - Die Bürgerinitiative legt los
Pro Radweg - Die Bürgerinitiative legt los © Helga Radziejewski

Einleitung

Mit der Bürgerinitiative "Alltagsradwege für unsere Region" soll die Erschließung eines Mittelzentrums im Weimarer Land für den Alltagsradverkehr gewährleistet werden. Dabei stand nicht der Bau von touristischen Radwegen im Fokus sondern die Schaffung eines Radwegenetzes für die Menschen in den Gemeinden. Berlstedt ist Sitz einer Verwaltungsgemeinschaft mit 13 Ortschaften und ca. 5000 Einwohnern. Für die umliegenden Orte ist Berlstedt ein Zentrum mit vielen Einrichtungen, Schulen und anderen Versorgungs- und Gewerbebetrieben. In Nachbarorten gibt es eine Berufsschule und ein Freibad. Diese mit dem Fahrrad zu erreichen, ist besonders für Kinder gefährlich. Die Bürgerinitiative wollte dies ändern, um jedermann einen sicheren Weg in das dörfliche Zentrum zu ermöglichen.

Durchführung

Auslöser, eine Bürgerinitiative zu gründen, war ein tödlicher Verkehrsunfall eines Radfahrers im nördlichen Weimarer Land. Die Bürgerinitiative gründete sich am 07. Oktober 2008 mit 50 Bürgern, die aktiv mitarbeiten wollten. Ziel war es, in den nächsten Jahren den Grundstein für fünf neue Alltagsradwege entlang der Straßen von und nach Berlstedt zu legen. Der Einladung des Thüringer Landtags zum neuen Thüringer Radwegekonzept mit ausschließlich touristischem Radwegebau, folgten zwei Mitglieder der Bürgerinitiative. Daraufhin wurden die verantwortlichen Minister zu einer Bürgerversammlung nach Berlstedt eingeladen, um auf Fragen zu Alltagsradwegen in der Region einzugehen. Mithilfe einer Unterschriftensammlung für den Radwegebau wurde ein Schreiben an die zuständigen Landespolitiker mit den Zielen der Bürgerinitiative vorgelegt. Nach einer weiteren Bürgerversammlung und der Durchführung einer Großdemonstration mit 600 Beteiligten wurden Menschen aus Politik und Verwaltung von unserer Idee überzeugt und ein Umdenken erreicht, dass es nicht sinnvoll ist, nur touristische Radwege zu bauen. Immer wieder schaffte es die Bürgerinitiative, Politiker an den Tisch zu holen und auch finanziell eine Beteiligung am Bau des Radweges zu erreichen. Öffentlichkeitsarbeit und Transparenz waren und sind immer noch für das Gelingen des Radwegebaus von großer Bedeutung. Schlussendlich wurde ein 5-Punkte-Plan erarbeitet, auf denen die Zusicherungen der Landesbehörden für den schrittweisen Radwegebau formuliert sind. Diese Forderungen wurden auf einem großen Schild am Eingang zum Parkplatz eines Supermarktes aufgestellt. Sobald ein Punkt erfolgreich abgeschlossen werden konnte, wurde ein großes Häkchen gesetzt.

Der offizielle Baubeginn für das erste Teilstück von 800 m, von Berlstedt bis zur ICE-Brücke, war im September 2010. Durch den Bau einer ICE-Stecke fand in der Region ein Flurneuordnungsverfahren statt, so dass auf unbürokratische Weise für einige Kilometer Radweg Planungssicherheit hergestellt und Steuergeld gespart werden konnte. Bis Ende November 2010 gelang somit die Fertigstellung des ersten Radweges von Berlstedt nach Neumark. Im März 2011 wurde der erste Rastplatzes in Eigenregie gebaut. Weitere regelmäßige Aktionen, wie der Frühjahrsputz des Radweges, Familienradwandertage und auch Sternfahrten wurden von der Berlstedter Bürgerinitiative angeschoben und umgesetzt. Im Jahr 2012 traf sich die Bürgerinitiative erneut und beriet darüber, wie finanzielle Mittel eingeworben werden können, um den Rdawegebau weiter erfolgreich voranzutreiben. Die Bürgerinitiative beschloss, verschiedene Politiker und Entscheidungsträger anzuschrieben, um den weiteren Ausbau des Radweges voranzubringen. Das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft und Infrastruktur genehmigte daraufhin den Ausbau der Radwege nach Schwerstedt, nach Stedten, nach Ballstedt, der im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens 2014 gebaut werden sollte und den Radweg nach Ottmannshausen.

Aufgrund einiger Schwierigkeiten beim Bau des Radweges nach Schwerstedt konnte dieser erst Mitte 2014 verwirklicht werden. Der Bau des Radweges nach Ottmannshausen begann Ende 2014 und die Fertigstellung konnte im Juni 2015 mit einem großen Fest gefeiert werden. An diesem Radweg wurde der zweite Rastplatz in Eigeninitiative verwirklicht. Nun stehen noch zwei Radwege aus. Planungsrecht und die Zustimmung des Gemeinderates für die Bereitstellung von Eigenmitteln sind für einen Radweg bereits besiegelt, so dass 2017 der Bau beginnen kann. Der letzte Radweg verzögert sich durch ein Planfeststellungsverfahren voraussichtlich bis 2018.

Fazit

Insgesamt wurden drei Radwege zu den Nachbarschaftsgemeinden geschaffen, ihre Pflege organisiert, zwei Rastplätze gebaut und 260 neue Bäume gepflanzt. Die Förderung von Zusammenhalt und Bürgerfleiß war ein sehr positiver Nebeneffekt ohne den dieses Projekt hätte nicht in dieser Qualität gelingen können. Die Bürgerinitiative hat gezeigt, dass auch ohne behördlichen Anschub, aber mit Willen, Ausdauer und Engagement ein großes Projekt umgesetzt werden kann.

Ein schöner Nebeneffekt ist der seit 2013 organisierte Radwandertag, an dem sich alle Gemeinden im Umland beteiligen können. Diese Veranstaltung und die Pflegemaßnahmen lassen die Gemeinschaft zusammenrücken und es wächst Akzeptanz und Achtung.

Zurzeit sind wir ein Team aus ca. 20 Personen, welches sich alle ein bis zwei Monate trifft, dabei fordern wir nicht nur Radwege, sondern kümmern uns auch um die Pflege und Sauberkeit, z.B. bei halbjährlichen Aktionstagen, an denen sich auch die umliegenden Orte beteiligen. Dabei wird nicht nur der Müll eingesammelt, sondern es werden auch, wenn nötig, Mängel an die zuständigen Behörden weitergeleitet.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Mit Hilfe der "Bürgerinitiative Radwege für unsere Region", die mit Leidenschaft, Engagement und Durchhaltevermögen viele Hindernisse überwunden haben, ist es gelungen, drei alltagstaugliche Radwege um Berlstedt zu schaffen, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, gefahrlos in die Schule, zum Einkaufen, zum Arzt oder ins Verwaltungszentrum der Verwaltungsgemeinschaft zu gelangen.

Die kombinierten Fuß- und Radwege wurden vornehmlich als Alltagsradwege für das Weimarer Land konzipiert, um den umliegenden Gemeinden infrastrukturell neue Möglichkeiten der Mobilität aufzuzeigen, wobei diese natürlich auch touristisch interessant sind. Die Bürgerinitiative kann insgesamt positiv auf viele Jahre erfolgreiche Arbeit zurück blicken und fühlt sich in der Annahme bestätigt, dass Bürger durchaus in der Lage sind, große Dinge ins Rollen zu bringen.

Die Bürgerinitiative "Alltagsradwege für unsere Region" im nördlichen Weimarer Land hat seit ihrer Gründung am 07. September 2008 durch ihre Aktivitäten den Alltagsradwegebau bei den verantwortlichen Landespolitikern ins Blickfeld gerückt. Die Bürgerinitiative hat ca. 20 Mitglieder und wird von Bernd Hegner geleitet.

Finanzierung

Finanzierung: 
Landesmittel
Kommunale Mittel
Erläuterungen: 

Fördermittel vom Land Thüringen, dem Landkreis Weimarer Land und den Kommunen

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Straßenbauamt Mittelthüringen
 

Projektbeteiligte: 

Ehrenamtliche der Bürgerinitiative

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Oktober 2008
Projektende: 
Dezember 2018

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Bernd Hegner
Bürgermeister Gemeinde Berlstedt
Hauptstraße 24
99439 Berlstedt
Telefon: +49157/70488754
E-Mail: buergermeisterberlstedt@outlook.de, hegner.jena@outlook.de

 

 

Meta-Info
Stand der Information
31. Mai 2017
Autor
Bernd Hegner, Bürgermeister Berlstedt
NRVP-Handlungsfelder
Infrastruktur
Organisationsstrukturen
Radverkehrsplanung und -konzeption
Fahrradthemen
Beteiligung/Partizipation
Infrastruktur
Politik/Verwaltung
Schlagworte
Abstimmungsprozess
Arbeitskreis
Außerorts
Bürgerbeteiligung
Fahrradweg
Fahrradwegebau
Interkommunal
Kooperation
Runder Tisch
Land
Thüringen