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Mitmach-Aktion und Wettbewerb

"Bike the track" - Einsparung von Energie im Freizeitverkehr

Siegerehrung von Münsters "Leezenklassen" 2014
Siegerehrung von Münsters "Leezenklassen" 2014 © Stadt Münster

Ausgangssituation

Die Universitätsstadt Münster mit ihren 300.000 Einwohnern ist als Fahrradhochburg über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die Münsteranerinnen und Münsteraner legen aktuell 39,1% ihrer Wege mit dem Rad zurück. Das Fahrrad prägt Münsters Stadtbild. Die kurzen Wege in der Innenstadt, die günstige Topographie sowie insbesondere die gewachsene, flächendeckende Radverkehrsinfrastruktur auf Basis einer nachhaltigen Radverkehrsförderung haben die Entwicklung in den vergangenen Dekaden beeinflusst.

Projektbeschreibung

Die Idee von "Bike the track"

Vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Stellenwerts des Pkw im Freizeitverkehr und der prognostizierten verkehrlichen Entwicklung beabsichtigt die Europäische Union mithilfe des Fahrradprojektes "Bike the track" eine Substituierung von Kfz-Wegen durch Radfahrten. Zur nachhaltigen Einsparung von Energie wird ein 10%iger Zuwachs von Radfahrten im Freizeitverkehr angestrebt. Neben den ökologischen Aspekten ist gleichzeitig die mobile Unabhängigkeit von Kindern und Jugendlichen intendiert. Das häufig beanspruchte "Elterntaxi" soll langfristig durch die verkehrliche Eigenständigkeit des Nachwuchses abgelöst werden. Insbesondere auf kurzen Fahrten, wie beispielsweise zum Brötchenholen, zum Fußballtraining, zum Ballett, zur Musikschule oder ins Kino, ist das Fahrrad eine günstige Alternative zum Auto. Vor diesem Hintergrund versucht das Projekt auf spielerische Art und Weise die Vorzüge des Radfahrens herauszustellen.

Teilnehmerstädte und Projektkoordination

Münster beteiligt sich seit 2012 als einzige deutsche Stadt an "Bike the track", und verfolgt damit das Ziel, den Radverkehrsanteil nachhaltig zu steigern. Insgesamt kooperieren mit Münster, Fredericia (DK), Espoo (FIN), Venedig (I), Ljubljana (SLO), Helmond (NL) und der Algarve-Region (POR) Städte aus sieben europäischen Nationen in diesem weitgehend von der Europäischen Kommission finanzierten Projekt. Die Projektkoordinatoren stehen in einem regelmäßigen, begleitenden Kontakt, um sich über die jeweils unterschiedlichen nationalen Projektumsetzungen auszutauschen und inhaltlich voneinander zu profitieren.

Die Umsetzung in Münster

In Münster wurde das Projekt vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Verkehrsplanung in Kooperation mit dem Amt für Bürger- und Ratsservice, Büro für Internationales, durchgeführt.

Eine erste Zielgruppe waren Familien mit Kindern. Mit einer Mitmach-Aktion wurden sie dazu motiviert, noch öfter aufs Rad zu steigen. Sie konnten sich im Internet registrieren und ihre Radfahrten online eintragen. Es zählten sowohl die Anzahl der Fahrten als auch die gefahrenen Kilometer. Monatlich wurden Einzelsieger ausgezeichnet, im September fand eine Gesamtwertung - ebenfalls mit attraktiven Preisen - statt.

Um den Teilnehmern einen zusätzlichen Anreiz zu geben, wurden neben der Gesamtwertung monatlich die aktivsten Radler mit zahlreichen attraktiven Gewinnen (Kino- und Eisgutscheine, Fahrradklingeln) ausgezeichnet.

Eine zweite Zielgruppe waren Schülerinnen und Schüler. So fand in der zweiten Projektsaison 2014 neben der Mitmach-Aktion für Familien auch ein Schulklassenwettbewerb statt. Die Gewinnerklasse erhielt einen Geldpreis in Höhe von 500 Euro und den Titel "Münsters Leezenklasse 2014" (als "Leezen" werden hier Fahrräder bezeichnet).

Um eine möglichst große Projektbeteiligung zu erreichen, hat die Stadt Münster 19 weiterführende Schulen aufgesucht und "Bike the track" dort offensiv in den Klassen beworben. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Aufforderung zur Teilnahme am EU-Projekt am erfolgreichsten auf persönlich-direktem Wege und nicht über Plakate, Broschüren oder Flyer adressiert werden kann. Dies erforderte allerdings einen großen personellen Aufwand.

Registrierung und Teilnahme am Wettbewerb

Die teilnehmenden Schülerinnen, Schüler und Familien konnten sich im Rahmen der Münsteraner Umsetzung von "Bike the track" auf der Projekthomepage www.muenster-faehrt-rad.de registrieren und so am Wettbewerb teilnehmen. Damit keiner mogeln konnte, standen Kilometerzähler von der Stadt Münster oder wahlweise eine App für das Smartphone zur Verfügung.

An 46 virtuellen Checkpoints, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt waren, konnten sich Smartphone-Nutzer einloggen und sich so direkt Punkte gutschreiben lassen. Alternativ dazu wurden kostenlos Fahrradcomputer zur Verfügung gestellt, mit deren Hilfe die Teilnehmenden die Kilometer der zurückgelegten Fahrten ermitteln und auf der Projekthomepage eintragen konnten.

Insgesamt wurden 550 dieser Fahrradcomputer an die Teilnehmenden ausgehändigt. Die aus Projektmitteln angeschafften Geräte waren somit in ausreichender Stückzahl vorhanden. Nachdem die ersten 400 Fahrradcomputer vergriffen waren, wurden 150 nachbestellt. Jeder Wunsch seitens der Teilnehmer konnte somit erfüllt werden.

Auch wenn die absolvierten Kilometer und systematisch registriert wurden, basierte das Projekt letztlich auf Vertrauensbasis. Damit wurden sehr gute Erfahrungen gemacht. Indem jede Fahrt, egal wie lang sie war, je einen Punkt einbrachte, war dafür gesorgt, dass der "Mogel-Faktor" von Beginn an sehr unlukrativ war. Für den Fall, dass dennoch unrealistische Kilometer-Angaben (bspw. 6 Fahrten pro Tag à 98 Kilometer) im Portal vorgenommen wurden, wurden die Teilnehmer kontaktiert und auf die Ernsthaftigkeit des Projekts hingewiesen.

Begleitende Aktivitäten

Neben dem Wettbewerb fanden im Rahmen des Projekts noch eine Vielzahl weiterer Aktionen statt. Dies war dank der Kooperation mit verschiedenen Partnern möglich. Neben dem Haus der Familie (Nähkurse für Fahrradkleidung), Naviki – Fachhochschule Münster (Radwegenavigation), der Polizei und der Kinderneurologie-Hilfe Münster e.V. (Fahrradhelm) beteiligte sich insbesondere der ADFC Kreisverband Münster/Münsterland e.V., unter anderem in Form geführter Radtouren, an der Projektausgestaltung. Gemeinsam mit den Projektpartnern wurden im April 2013 und im September 2014 zudem zwei Fahrradaktionstage in Münsters Zentrum mit umfangreichen Programmbestandteilen durchgeführt.

Projektergebnisse

Bereits 2013 wurden im Rahmen des ersten Projekt-Aktionszeitraums (Mai-Juli) in Münster 22.532 Kilometer von 142 Teilnehmern mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Anfang April 2014 startete der zweite Projekt-Aktionszeitraum. Es beteiligen sich – allein in Münster! – 136 Schulklassen mit 1029 Schülerinnen und Schülern. Insgesamt nahmen 1.229 Personen (darunter 200 Erwachsene, die durch ihre Kinder zur Teilnahme motiviert wurden) an "Bike the track" teil. Zwischen April und September 2014 wurden von den Projektteilnehmern 21.694 Fahrten und 103.713 Gesamtkilometer registriert.

Am 13. September 2014 fand "Bike the track" im Rahmen des Fahrradaktionstages – inklusive Siegerehrung – in Münsters Innenstadt seinen Abschluss. Dazu wurde ein vielseitiges Rahmenprogramm angeboten, das Jung und Alt in gleicher Art ansprach und das Thema Radverkehr verstärkt in den allgemeinen Fokus rückte.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

"Bike the track" bietet Kommunen die Möglichkeit, den Radverkehr öffentlichkeitswirksam und im direkten Zielgruppenkontakt in den Fokus zu rücken. Mit begleitender Pressearbeit lassen sich die Projektergebnisse kommunizieren. Durch innovative Technologie und ein begleitendes Gewinnspiel lassen sich Kindern und Jugendlichen die Vorzüge des Radverkehrs auf spielerische Art und Weise vermitteln. Der Wettbewerbscharakter von "Bike the track" stellt eine Zusatzmotivation dar.

"Bike the track" ist für alle Kommunen empfehlenswert, die den Radverkehr steigern möchten.

Finanzierung

Finanzierung: 
EU-Mittel
Kommunale Mittel

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Evluation sowhl auf kommunaler als auch auf EU-Ebene. Überprüfung der Akzeptanz, Nutzung, Erreichbarkeit der Zielgruppen, u.ä.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Leadpartner in dem europäischen Projekt ist die niederländische Agentur DTV Consultants.

Projektträger in Münster ist die Stadt Münster.

Projektbeteiligte: 

Europäische Partner

  • Fredericia Kommune/Dänemark
  • European Cyclists Federation/Belgien
  • TIS/Portugal
  • Commune di Venezia/Italien
  • Pisarna Ljubljana/Slowenien
  • Rotterdam/Niederlande
  • AREAL/Portugal


Partner in Münster

  • Haus der Familie
  • Naviki -– Fachhochschule Münster
  • Kinderneurologie-Hilfe Münster e.V.
  • ADFC Kreisverband Münster/Münsterland e.V.

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
April 2012
Projektende: 
März 2015
Info zur Laufzeit: 

Momentan wird überlegt, wie und ob einzelne Maßnahmen des Projekts in Münster fortgeführt werden können.

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Herr Patrick van Egmond
DTV Consultants BV
Markendaalseweg 44
4811 KC Breda
Telefon: +352 27 289 896
E-mail: p.v.egmond@dtvconsultants.nl
WWW: www.dtvconsultants.eu
 

Kommunale Ansprechpartner: 

Herr Stephan Böhme
Stadt Münster
Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung
Albersloher Weg 33
48127 Münster
Telefon: +49 251 492-6156
E-mail: boehme@stadt-muenster.de
WWW: www.muenster.de

Herr Phillip Oeinck
Stadt Münster
Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung
Albersloher Weg 33
48127 Münster
Telefon: +49 251 492-6162
E-mail: oeinckp@stadt-muenster.de
WWW: www.muenster.de
 

Meta-Info
Stand der Information
7. Januar 2015
Autor
Stephan Böhme und Phillip Oeinck, Stadt Münster
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Nordrhein-Westfalen