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Erhöhung der Fahrradnutzung an Schulen

Bike It-Kampagne

Eine Schülerin, die am Fahrradfrühstück von "Bike It" teilnimmt
Eine Schülerin, die am Fahrradfrühstück von "Bike It" teilnimmt © Sustrans

1. "Bike It" – Das Projekt

Mit dem Projekt "Bike It" soll erreicht werden, dass eine große Zahl von Schülern wieder das Fahrrad als Verkehrmittel benutzt, um damit zur Schule zu kommen. Das Projekt wird durch Sustrans, der größten Stiftung zur Förderung des Nachhaltigen Verkehrs in Großbritannien durchgeführt.

Ausgangsidee war, dass ein Weg gefunden werden sollte, wie mit den gewöhnlichen Gründen (und Ausreden) umzugehen sei, die junge Menschen davon abhalten, das Fahrrad auf Ihrem Weg zur Schule zu benutzen. Fast die Hälfte der Kinder zwischen acht und zwölf geben regelmäßig an, dass sie gerne Rad fahren würden, aber nur 1% nutzt das Fahrrad wirklich.

Mit "Bike It" soll deutlich gemacht werden, dass Fahrradfahren Teil der Alltagsnormalität ist und dass damit Kindheitsträume Realität werden. Die Projektmitarbeiter arbeiten u.a. daran, die Hindernisse zu mehr Radverkehrssicherheit für Kinder aus dem Weg zu räumen. So wird z.B. darauf geachtet, dass es sichere Schulwege gibt, wobei Strecken abseits der großen Straßen als die besten Verbindungen angesehen werden. Außerdem werden professionelle Radfahrtrainings auf nationalem Standard angeboten und dafür gesorgt, dass sichere Abstellmöglichkeiten an den Schulen zu Verfügung gestellt werden.

Die genannten Tätigkeitsfelder stellen oft die Hinderungsgründe dar, aufgrund derer es die Eltern ihren Kindern nicht erlauben, Fahrrad zu fahren. "Bike It"-Mitarbeiter arbeiten direkt in den Schulen und nehmen sich für eben diese Fragen Zeit. Nebenbei geben sie praktische Hilfestellung und Ratschläge für die Lehrer, Eltern und Kinder und stellen den Mittelpunkt und Ideengeber für Aktionen rund um das Radfahren dar.

Die Erhöhung der Fahrradnutzung bei Schulkindern soll durch eine Mischung von Aktionen und Beratungsangeboten erreicht werden. Dazu gehört zum Beispiel die Erarbeitung von Fallstudien zur Erstellung von Schulwegeplänen mit dem Schwerpunkt Radfahren, die Unterstützung von Schulwettbewerben zur Förderung des Radverkehrs sowie die Verdeutlichung, dass Schüler gerne mit dem Rad zur Schule kommen. Die Einbeziehung der Schüler, Lehrer und Eltern ist eine Ergänzung zu den lokalen Investitionen in Fahrradrouten und Fahrradabstellmöglichkeiten, denn auch kleine Schritte und Veränderungen können große Auswirkungen auf die Fahrradnutzung haben.

Die Mitarbeiter von "Bike It" arbeiten mit den Schulen und Schülern, indem sie:

  • die Vorteile des Radfahrens erläutern
  • Beiträge im Unterricht anbieten
  • in Zusammenarbeit mit der lokalen Verwaltung und anderen Partnern Vorträge über Sicherheit und Verantwortung halten
  • praktische Hinweise für die schulischen Organisationsteams zur Verfügung stellen
  • Veranstaltungen (z.B. "Mit dem Rad zur Schule"-Tage) organisieren
  • Bonussysteme, die einen Anreiz schaffen, mit dem Rad zu fahren, einrichten
  • eine positive Öffentlichkeit erzeugen

Die Mitarbeiter von "Bike It" arbeiten während eines Schuljahres mit bis zu zwölf Schulen zusammen. In dieser Zeit versuchen sie Strukturen zu schaffen, damit der Radverkehr in den Schulen auch langfristig eine Rolle spielt. Außerdem wollen sie eine grundlegende Begeisterung für das Radfahren wecken, um den Schwung von "Bike It" an der Schule zu erhalten, auch wenn sie an dieser Schule nicht mehr tätig sind. Da die meisten "Bike It"-Mitarbeiter in relativ kleinen Regionen arbeiten, können Sie jedoch auch dann weiterhelfen und mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn sie bereits an einer anderen Schule tätig sind. Ist am Ende eines Schuljahres abzusehen, dass eine Schule es nicht ohne die Unterstützung vom "Bike It"-Team schaffen wird, die Nutzung des Fahrrads auf dem Weg zur Schule nachhaltig zu erhöhen, bleibt der zuständige Mitarbeiter auch noch länger an dieser Schule.

2. Die Entwicklung des Projekts

"Bike It" begann im Schuljahr 2004/2005 und ist seitdem beständig ausgeweitet worden. Von Beginn an hat die Fahrradindustrie, geführt von der Bicycle Association, das Projekt begeistert unterstützt. Sie stellte die Mittel zur Verfügung, mit denen das Projekt gestartet werden konnte.

Das Projekt begann mit nur vier Mitarbeitern, die jeder im ersten Jahr in zehn Schulen gearbeitet haben. Die Veränderungen in der Fahrradnutzung waren beeindruckend, da im Vergleich zum Vorjahr (2004) viermal so viele Kinder das Rad auf dem Weg zur Schule benutzten. Dieser Erfolg konnte seitdem weiter ausgebaut werden: Mit einer zusätzlichen finanziellen Unterstützung durch "Cycling England" wurde "Bike It" im Schuljahr 2005/2006 an 40 weiteren Schulen durchgeführt. Außerdem wurde die Idee auch von "Transport for London" für den Londoner Raum übernommen. Zurzeit wird angestrebt, landesweit 20 Personen in Vollzeit zu beschäftigen, die Schüler an den Schulen zur Benutzung des Fahrrads ermutigen.

3. Ergebnisse

Während des Schuljahrs 2005/2006 konnte "Bike It" auf den Erfolg des Pilotprojekts im Vorjahr bauen: Jede "Bike It"-Schule verzeichnete einen Anstieg der Schüleranzahl, die mit dem Rad zur Schule kam und dies sogar in Schulen, in denen vorher vom Radfahren bewusst abgeraten wurde. Im Juni 2006 wurde erreicht, dass durchschnittlich 10% der Schüler der "Bike It" Schulen regelmäßig mit dem Rad zur Schule kommen. Die nationale Wegestatistik zeigt, dass der nationale Durchschnitt bei nur 1% liegt. Zählungen der abgestellten Fahrräder während des Jahres ergeben, dass fast eine Verdreifachung der Rad fahrenden Schüler stattgefunden hat (Basis waren 3,7% der Schüler, die im September 2005 Rad gefahren sind).
Zusätzlich wurde die Frequenz der Fahrradnutzung in einigen Schulen durch die Durchführung von sog. "Hands up surveys" mit Schülern ermittelt. Damit wurden auch die Kinder erfasst, die nicht jeden das Fahrrad benutzen, aber einen signifikanten Anteil an den gesamten Wegen haben.

Wie man bei der typischen "Bike It"-Schule in Diagramm 1 sehen kann, zeigt das "Hand up survey" deutlich, dass auch die Anzahl der Schüler, die einmal oder weniger als einmal in der Woche Rad fahren, nach "Bike It" deutlich ansteigt.

4. Auf lokaler Ebene

Die "Bike It"-Projekte verlaufen an jeder Schule anders, da je nach den lokalen Bedingungen die Barrieren, die Kinder vom Radfahren abhalten unterschiedlich sind. Es ist die Aufgabe der Mitarbeiter von "Bike It" diese Barrieren zu identifizieren, um dann innovative und einfallsreiche Lösungsansätze zu entwickeln. Dieser individuell auf die lokalen Bedingungen zugeschnittene Ansatz macht das "Bike It" Projekt so einzigartig und erfolgreich in seiner Fähigkeit das Radfahren zur Schule zu erhöhen.

Drei Beispiele für Projekte und Projektbausteine von "Bike It"

4.1. "Beauty and the bike" – "Die Schöne und das Fahrrad" (Exeter, Devon)

An vielen weiterführenden Schulen in Großbritannien ist der große Unterschied zwischen der Anzahl der Mädchen und der Jungs, die mit dem Rad zur Schule kommen, auffällig. Emma Osborne ist eine Mitarbeiterin an einer Schule in Exeter, an der sie das Projekt "Beauty and the Bike" initiiert hat. Mit dem Projekt werden Mädchen motiviert, mit dem Rad zur Schule zu fahren. Das Ziel von "Beauty and the bike" ist es, eine Reihe von coolen und spaßigen Aktionen für die Mädchen der Klassenstufen sieben bis neun anzubieten. Damit soll das negative Image, das viele vom Radfahren haben, überwunden werden. Die Veranstaltungen "Beauty and the bike" bieten den Teilnehmerinnen Gesundheits- und Schönheitsratschläge und praktische Lösungsansätze wie man gut aussieht und sich gut fühlt, wenn man mit dem Rad ankommt. Zusätzlich beinhalten die Aktionen Information über Gesundheit und Fitness, die man durch das Radfahren erhält und wie man die Selbstachtung durch Radfahren erhöht.

Die Kosmetik Kette "The Body Shop" unterstützt die Aktivitäten in Exeter, indem Sachspenden in Form Geschenkpackungen als Anreize und Belohnung für die Teilnehmerinnen zur Verfügung gestellt werden. Außerdem werden Schönheits- Schminktipps von Kosmetikerinnen gegeben. Das Projekt wurde mit dem Shimano Cycling Concept Award 2007 ausgezeichnet und konnte mit dem Preisgeld ausgeweitet werden.

Die Aktionen wurden mit großer Begeisterung aufgenommen und die Nachfrage hat das Angebot weit übertroffen. An einer Schule wurde berichtet, dass die zur Verfügung stehenden 54 Plätze hätten doppelt besetzt werden können. Die Workshops laufen sehr erfolgreich ab und bekommen positive Rückmeldungen der beteiligten Mädchen. Viele der Workshopteilnehmerinnen haben bereits begonnen, mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren oder wollen das Fahrrad öfter nutzen. Sie haben dann ganz praktische Fragen zum täglichen Radfahren. Die Mädchen zeigten sich sehr interessiert an dem Thema Radfahren allgemein und besonders daran die lokalen Radrouten im Detail zu diskutieren. Fragen und Ängste, die in den einführenden Workshops diskutiert werden, betreffen ein breites Themenspektrum:

  • Angestarrt werden, vor den anderen vom Fahrrad fallen, ausgelacht werden, "albern/affig" aussehen
  • Make up zerläuft
  • Helm tragen: dann werden die Haare unmöglich aussehen
  • Keinen sicheren Schulweg haben bzw. nicht kennen
  • Heiß und verschwitzt sein/aussehen
  • Bücher und anderes Zeugs zur Schule transportieren
  • Niemanden zum Mitradeln haben
  • Fahrrad ist kaputt
  • Es gibt keinen Platz, um sich um zu ziehen, um sich für die Schule zu recht zu machen
  • Benötigen einer besonderen Gangschaltung
  • Kein Vertrauen in das eigene Fahrrad
  • Kein Fahrrad besitzen

In der zweiten Phase der Workshops werden diese Themen, wenn immer möglich aufgegrifen um den Teilnehmerinnen den Einstieg in das Radeln zur Schule zu erleichtern.

4.2. "Virtuelle Fahrradrennen" (verschiedene "Bike It"-Orte)

Virtuelle Fahrradrennen sind sehr einfach: Zwei "Bike It" Schulen in verschiedenen Teilen des Landes werden zu "Zwillingsschulen" und fahren virtuell mit dem Rad um die Wette, wer bei der anderen Schule als erster sein wird. Diese virtuellen Schulrennen werden i.d.R. während einer Schulwoche durchgeführt. Jede Schule legt fest, wie lang eine durchschnittliche Schulwegstrecke ihrer Schüler ist (i.d.R. fünf Meilen). Diese wird dann mit der Anzahl der mit dem Fahrrad zur Schule fahrenden Schüler multipliziert, um die Anzahl der virtuellen Meilen zu errechnen, die beim "Fahrradrennen" zurückzulegen ist.

Die Schulen bewerben die Entwicklung des Wettrennens auf jeweils ihre eigene Weise, z.B. mit einem großen Foto auf dem ein Radfahrer am Schulzaun entlang fährt. Nach dem Rennen entscheidet die Schule über ein passendes Geschenk, welches dann zur anderen Schule geschickt wird; das Geschenk wird durch das "Bike It"-Projekt finanziert.
So haben im April 2007 zwischen den "Bike It"-Schulen von Brighton und Doncaster und Brighton und Exeter virtuelle Radrennen stattgefunden. Durch das virtuelle Wettrennen wurden viele Schüler ermutigt, das Rad für den Schulweg zu benutzen, so dass viele hunderte Fahrradstrecken zurückgelegt wurden. Außerdem konnte eine Begeisterung und eine Aufmerksamkeit dem Radfahren gegenüber in der Schulgemeinschaft ausgelöst werden.

4.3. Ticket to Ride (Bristol, Bath, South Gloucestershire)

Hierbei handelt es sich um eine weitere ganz einfache Idee: Jeder Schüler, der an einem festgelegten Tag in der Woche mit dem Rad zur Schule fährt (z.B. an einem Mittwoch oder einem Freitag), bekommt ein Los. Am Ende des Schuljahrs werden die Lose gezogen und der Gewinner bekommt einen tollen Preis.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Das Projekt ist einzigartig in England, da bisher kein anderes Projekt so intensiv mit den Schulen zusammen gearbeitet hat. Hervorstechend ist, dass es nicht auf kurzfristige Effekte ausgerichtet ist, sondern versucht das langfristige Verhalten der Schulkinder zu verändern. Obwohl es einerseits viele Gemeinsamkeiten zwischen den Schulen und den Kommunen gibt, sind andererseits doch immer wieder spezifische lokale Probleme vorhanden, die die Fahrradnutzung verhindern. "Bike It" versucht durch die Mitarbeiter vor Ort lokale Lösungsansätze zu finden. Die Projekte vor Ort erhalten aber jederzeit Unterstützung durch das nationale Büro, wodurch immer wieder ein Austausch der möglichen Aktionsideen gewährleistet ist.

Finanzierung

Erläuterungen: 
Investitionen:
  • Bike Hub levy – verwaltet durch die "Bicycle Association"
  • Cycling England

Laufende Kosten:
  • Bike Hub levy – verwaltet durch die "Bicycle Association"

Die "Bike it" Mitarbeiter sind zur Hälfte durch die Gemeinden finanziert, in denen die Projekte stattfinden. In London übernimmt diese Finanzierung "Transport for London".

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
Das Projekt wird derzeit durch die Abteilung für "Straßen und Monitoring" von Sustrans in Newcastle, England evaluiert.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • Sustrans (Großbritanniens größte Stiftung für nachhaltigen Verkehr)
Projektbeteiligte: 
  • Cycling England (Vereinigung zur Förderung des Radverkehrs im Auftrag der nationalen Regierung)
  • Bicycle Association (Verband der britischen Fahrradindustrie)
  • Vereinigung der Fahrradhändler
  • 18 Partnerkommunen im gesamten Land

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
März 2004
Info zur Laufzeit: 
Das Projekt hat 2004 mit vier "Bike it" Mitarbeitern angefangen und konnte die Zahl der Mitarbeiter bis Mai 2007 auf 18 Mitarbeiter erhöhen.

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Mr Mike Madin
Sustrans
Bike It National Manager
11 Moorledge
Derby, DE1 2AW
Telefon: +44(0)1332/242864
E-mail: mike.madin@sustrans.org.uk

Meta-Info
Stand der Information
1. Juni 2007
Autor
Katherine Rooney, "Bike It" Leiterin, Sustrans
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte