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Radverkehrsbeschleunigung an Lichtsignalanlagen - Phase 2

Beschleunigung des Radverkehrs im Zuge lichtsignalisierter Streckenabschnitte auf Radverkehrsrouten hoher Bedeutung - Phase 2

Charakteristischer Querschnitt der Untersuchungsstrecke auf der Uhlandstraße
Charakteristischer Querschnitt der Untersuchungsstrecke auf der Uhlandstraße © TU Berlin, Fachgebiet Straßenplanung und Straßenbetrieb

Ausgangssituation, Darstellung der Projektidee und -ziele

In Deutschland existieren bisher nur wenige gesicherte Erkenntnisse und umfassende Erfahrungen über die Anwendbarkeit beschleunigender Maßnahmen an Lichtsignalanlagen für den Radverkehr und deren Verträglichkeit mit den Belangen des MIV und des ÖPNV. Ebenso ist bisher nicht bekannt, welche konkreten Auswirkungen verschiedene Maßnahmen auf die verkehrsplanerischen Zielgrößen im Radverkehr, wie z. B. Reisegeschwindigkeit, Reisezeit oder Anzahl der Halte haben. Als übergeordnetes Ziel (beider Projektphasen) gilt es daher, die vorhandene Wissenslücke zum Thema lichtsignaltechnische Beschleunigung des Radverkehrs zu schließen und konkrete Maßnahmen zu entwickeln, um den Radverkehr im Zuge wichtiger städtischer Radverkehrsrouten nachhaltig attraktiver zu gestalten.

In der zweiten Projektphase wurde das Ziel verfolgt, die aus der ersten Phase gewonnenen, rein simulationsbasierten Erkenntnisse zu den entwickelten Maßnahmen für die Radverkehrsbeschleunigung an den Knotenpunkten mit Lichtsignalanlage auf einem Streckenzug in Berlin umzusetzen. Anschließend sollten die verkehrlichen Auswirkungen dieser Maßnahmen evaluiert und in einer Wirkungsanalyse bewertet werden.

Projektdurchführung

Als Grundlage für die Projektdurchführung dienten die Simulationsergebnisse aus der ersten Projektphase. In dieser wurden auf sieben untersuchten Streckenabschnitten unterschiedliche lichtsignaltechnische Maßnahmen mit besonderem Fokus auf der grünen Welle für den Radverkehr entwickelt. Ausgehend von diesen Simulationsergebnissen wurde zusammen mit der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz ein konkreter Streckenabschnitt ausgewählt, für den die entwickelten Maßnahmen in einem Pilotbetrieb realisiert und anschließend evaluiert wurden. Dabei handelte es sich um einen Streckenabschnitt auf der Uhlandstraße im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Untersuchungsstrecke befindet sich zwischen den Knotenpunkten Lietzenburger Straße und Berliner Straße, wobei signaltechnische Anpassungen lediglich an den Knotenpunkten zwischen diesen beiden Straßenzügen durchgeführt wurden (siehe Grafik).

Es wurden die Auswirkungen der radverkehrsbeschleunigenden Lichtsignalsteuerung durch verschiedene verkehrsplanerische Kenngrößen der Verkehrsteilnehmergruppen (Radverkehr, ÖPNV, MIV) auf dem Streckenabschnitt bestimmt. Nach detailgenauer Planung der Beschleunigungsmaßnahmen fand zwei Wochen vor Umschaltung der Signalsteuerung eine Vorerhebung der aktuellen Verkehrssituation auf der Pilotstrecke statt. Zwei Wochen nach Aktivierung des neuen Lichtsignalprogramms erfolgte die erste Nacherhebung zur Erfassung relevanter Messwerte (Reisegeschwindigkeit, Reisezeit, Verlustzeiten, Anzahl der Halte für Kfz- und Radverkehr). Zusätzlich wurde eine erneute Messung der Radverkehrsgeschwindigkeiten durchgeführt, um eventuelle Abweichungen zu den Messergebnissen aus Phase 1 festzustellen. Dies ist insofern von Bedeutung, als dass die Streuung der Geschwindigkeiten als Datengrundlage für das Simulationsmodell diente und auch als Basis für die gewählte Progressionsgeschwindigkeit herangezogen wurde. Des Weiteren wurde eine zweite Nacherhebung in einem größeren zeitlichen Abstand durchgeführt.

Im Anschluss an die Erhebungen wurde die Verkehrssituation vor und nach Implementierung der Beschleunigungsmaßnahmen ausgewertet. Auf dieser Basis wurde analysiert, ob die entwickelten Maßnahmen die gewünschten Verbesserungen im Verkehrsablauf des Radverkehrs erzielen können und ob bzw. in welchem Maße es ggf. zu vertretbaren Qualitätseinbußen im MIV oder ÖPNV in der Realität kommt. Ziel war auch die Prüfung, ob Abweichungen zum Simulationsmodell auftreten, die bei der Umsetzung in die Praxis berücksichtigt werden müssen. Auf dieser Grundlage wurden allgemeingültige Empfehlungen für die Beschleunigung des Radverkehrs auf städtischen Streckenabschnitten mit Lichtsignalanlagen ausgearbeitet.

Ausblick

Prinzipiell besteht ein hohes Potential, mit einer konsequenten Umsetzung der radverkehrsbeschleunigenden Maßnahmen den städtischen Radverkehr zu fördern und weiter an Attraktivität gewinnen zu lassen. Mit den in diesem Projekt durchgeführten Untersuchungen konnte gezeigt werden, welche Auswirkungen lichtsignaltechnische Maßnahmen zur Radverkehrsbeschleunigung haben und inwiefern es möglich ist, diese im Einklang mit den weiteren Verkehrsteilnehmenden zu bringen. Die Ergebnisse können Akteuren der kommunalen Verkehrsplanung sowie weiteren relevanten Entscheidungsträgern zur Verfügung gestellt.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Im Rahmen des Projekts wurden konkrete Maßnahmen entwickelt, um den Radverkehr an Lichtsignalanlagen im Zuge wichtiger städtischer Radverkehrsrouten zu beschleunigen. Der städtische Radverkehr gewinnt dadurch an Attraktivität, was einen positiven Verlagerungseffekt bei der Verkehrsmittelwahl zugunsten des Radverkehrs und damit verbundene positive Effekte auf externe Kosten (u.a. Lärm- und Luftschadstoffe, Entlastung der städtischen MIV- und ÖPNV-Netze, Gesundheitsförderung) erwirken kann. Die Ergebnisse des Projekts liefern somit einen wichtigen Beitrag zur Gewährleistung eines stadtverträglichen Verkehrs. Die Ergebnisse sind auf Kommunen unterschiedlicher Größe übertragbar.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Gesamtvolumen: 
74 378 €
Erläuterungen: 

Förderprogramm: BMVI, NRVP 2020
Förderzeitraum: 01.09.2015 bis 30.11.2017

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Nach detailgenauer Planung der Beschleunigungsmaßnahmen fand zwei Wochen vor Umschaltung der Signalsteuerung eine Vorerhebung der aktuellen Verkehrssituation auf der ausgewählten Pilotstrecke statt. Zur Evaluierung der Wirkungen ist zwei Wochen nach Aktivierung des neuen Lichtsignalprogramms die erste Nacherhebung zur Erfassung realer Messwerte (Reisegeschwindigkeit, Reisezeit, Verlustzeiten, Anzahl der Halte für Kfz- und Radverkehr) gemacht worden. Zusätzlich wurde eine erneute Messung der Radverkehrsgeschwindigkeiten durchgeführt. Etwa fünf Monate nach der Aktivierung fand die zweite Nacherhebung statt.  Auf dieser Grundlage wurden Handlungsempfehlungen sowie der zukünftige Handlungsbedarf für die Beschleunigung des Radverkehrs auf städtischen Streckenabschnitten mit Lichtsignalanlagen ausgearbeitet. Die Ergebnisse geben Aufschluss über die tatsächliche Wirksamkeit der Radverkehrsbeschleunigungsmaßnahmen sowie die Auswirkungen auf die weiteren Verkehrsteilnehmenden.

Beide Projektphasen wurden von einem Arbeitskreis aus kommunalen und wissenschaftlichen Stakeholdern begleitet.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

TU Berlin - Institut für Land- und Seeverkehr, Fachgebiet Straßenplanung und Straßenbetrieb

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
September 2015
Projektende: 
November 2017

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Fachgebietsleiter
Prof. Dr.-Ing. Thomas Richter
TU Berlin - Institut für Land- und Seeverkehr
Fachgebiet Straßenplanung und Straßenbetrieb
Gustav-Meyer-Allee 25
13355 Berlin
Telefon: +49 (0)30/314-72604
Telefax: +49 (0)30/314-72884
E-mail: t.richter@spb.tu-berlin.de
WWW: www.strassenplanung.tu-berlin....

Meta-Info
Stand der Information
26. März 2018
Autor
Denise Kramer, M.Sc.,wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Straßenplanung und Straßenbetrieb der TU Berlin
NRVP-Handlungsfelder
Infrastruktur
Radverkehrsplanung und -konzeption
Fahrradthemen
Forschung
Infrastruktur
Schlagworte
Grüne Welle für Radfahrer
Lichtsignalanlage
Modellvorhaben
Land
Berlin