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Grüne Welle

Beschleunigung des Radverkehrs

Das 'Grüne Welle' Straßenschild
Das 'Grüne Welle' Straßenschild © Arne Koerdt

In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen hat der Radverkehr eine lange Tradition. Seitdem im Jahr 1860 die ersten Vorläufer des heutigen Fahrrads im Straßenbild auftauchten, hat das Rad kontinuierlich an Bedeutung gewonnen und ist zu einem weit verbreiteten Transportmittel im Kopenhagener Stadtverkehr geworden. Erleichtert wurde diese Entwicklung durch die relativ kurzen Distanzen innerhalb des Stadtgebiets und das flache Terrain. Heute nutzen 36% der Bevölkerung das Fahrrad, um auf ihren alltäglichen Wegen zur Schule, zum Arbeitsplatz oder zum Einkaufen zu gelangen. 1,1 Millionen Kilometer werden jeden Tag in Kopenhagen auf dem Fahrrad zurückgelegt. Damit weist die dänische Hauptstadt unter allen Großstädten weltweit einen der höchsten Radverkehrsanteile auf. Das Potenzial des Radverkehrs ist jedoch noch lange nicht ausgeschöpft: Ein Ziel der lokalen Umwelt- und Klimaschutzstrategie ECO-METROPOLE, OUR VISION 2015 ist es, bis zum Jahr 2015 den Radverkehrsanteil am Stadtverkehr auf 50% zu erhöhen. Um dies zu erreichen, werden zahlreiche Fördermaßnahmen finanziert, wie etwa Abstellanlagen und Parkmöglichkeiten, grüne Fahrradrouten, zusätzliche Fahrradspuren und Strategien zur Erhöhung der Verkehrssicherheit. Teil dieses umfassenden Maßnahmenpaketes sind auch die so genannten "Grünen Wellen" für den Radverkehr.

Sogenannte Grüne Wellen dienen dazu, den Verkehr in einer Straße flüssig zu halten. Hierfür werden die aufeinander folgenden Ampelanlagen in dieser Straße so eingestellt, dass sie bei einer bestimmten konstanten Fahrtgeschwindigkeit allesamt in einer Grünphase erreicht werden können. In den meisten Fällen sind die Grünen Wellen an den Durchschnittsgeschwindigkeiten des Automobilverkehrs ausgerichtet und bringen dem langsameren Radverkehr nur wenig Nutzen. In Kopenhagen wurde dieses Prinzip aber geändert: es wurden in drei Straßen Grüne Wellen für den Radverkehr eingerichtet: in der Norrebrogade, der Osterbrogade und der Farimasgade.

Die Norrebrogade war die erste Straße, in der eine Grüne Welle eingerichtet wurde. Die Grüne Welle ist 2,2 Kilometer lang und erstreckt sich über 12 Ampelkreuzungen. Zu Beginn des Projekts wurde der Straßenabschnitt in der Nähe des Stadtzentrums täglich von 30.000 Radfahrern (die Zahl ist bis heute auf etwa 37.000 angestiegen) und 17.000 Autos befahren. Auf dem anderen, vom Stadtzentrum weiter entfernten Abschnitt der Straße, fuhren zum Zeitpunkt der Erhebung jeden Tag 16.000 Autos und 15.000 Radfahrer entlang. Zudem verkehrten die Linienbusse dort in einem sehr dichten Takt: Fast jede Minute fuhr ein Bus durch die Straße.

Alle drei genannten Straßen sind wichtige Verkehrskorridore und bedeutende Verbindungen in die Innenstadt; sowohl für die Radfahrer als auch für den Automobilverkehr. Die Höchstgeschwindigkeit für den Automobilverkehr beträgt in dänischen Städten 50 km/h. Die Grüne Welle in den genannten Straßen ist aber so berechnet, dass sie bei einer Geschwindigkeit von 20 km/h nutzbar ist, der Durchschnittsgeschwindigkeit der Radfahrer in Kopenhagen.

Ziel des Projekts war es, die Reisegeschwindigkeit des Radverkehrs zu erhöhen. Der Beschluss und die Umsetzung erfolgten durch die städtische Verkehrsbehörde. Zu Beginn wurde im Jahr 2004 eine Testphase in einem Abschnitt mit 13 Ampelkreuzungen auf der Norrebrogade durchgeführt. Das Testjahr verlief äußerst erfolgreich, und die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit der Radfahrer stieg deutlich an: Vor Einführung der Grünen Welle mussten die Radfahrer beim Durchfahren des Straßenabschnitts im Schnitt sechs Mal anhalten, nun können sie im Normalfall ohne Stopp passieren. Im Jahr 2006 wurde die Grüne Welle dauerhaft auf einer leicht verkürzten Strecke installiert. Das Ergebnis war, dass in der Norrebrogade die Reisegeschwindigkeit der Radfahrer um 10% anstieg, in der Farimasgade sogar um 30%, wodurch der Erfolg des Projekts Grüne Welle nachgewiesen werden konnte.

Die Grüne Welle wurde durch die Verkehrsbehörde implementiert, ohne dass andere Behörden, Anwohner oder weitere Akteure in den Prozess miteinbezogen wurden. Von Seiten der Autofahrer gab es keine größeren Einwände, da die Grüne Welle ihre Verkehrssituation nicht grundlegend verändert hat.

Die für die Ampelanlagen in Kopenhagen verantwortlichen Ingenieure vertraten im Vorfeld die Position, dass die Grüne Welle nicht funktionieren würde, da der Radverkehr nicht homogen genug verlaufen würde. Die Realität hat jedoch gezeigt, dass das Gegenteil der Fall ist. Auch die Akteure aus dem Bereich des öffentlichen Nahverkehrs waren skeptisch, da sie Zeitverluste im Busverkehr befürchteten. In Reaktion darauf wurden bei den Ampelschaltungen für den Busverkehr kleine Justierungen vorgenommen und in das System integriert.

Maßnahmen dieser Art sind einfach umzusetzen und sehr effektiv. Es sind keinerlei bauliche Eingriffe notwendig, nur die Programmierung der Ampelanlagen muss verändert werden. Dies ist vergleichsweise preiswert (etwa 20.000-40.000 Euro) und lässt sich ohne größeren Aufwand umsetzen.

Die Grüne Welle für den Radverkehr hat sich als sehr erfolgreich erwiesen, trotzdem existieren noch keine Pläne, das Prinzip auf weitere Straßen Kopenhagens zu übertragen. Es würde auch wenig Sinn machen, in zu vielen Straßen grüne Welle einzuführen, da sich diese Straßen dann gegenseitig kreuzen würden. Trotzdem steht die Öffentlichkeit den Grünen Wellen für den Radverkehr generell positiv gegenüber.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Die an den Bedürfnissen des Fahrradfahrer ausgerichteten Ampelanlagen zeigen, dass das Rad in Kopenhagen als ein vollwertiges Verkehrsmittel akzeptiert wird.

Die Grüne Welle ist einfach umzusetzen, da lediglich die bestehende Technik umgestellt werden muss und keine baulichen Konstruktionen notwendig sind.

Finanzierung

Finanzierung: 
Kommunale Mittel
Erläuterungen: 
Investitionskosten: Einige tausend dänische Kronen

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
Von der Verkehrsbehörde durchgeführt

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
Verkehrsbehörde

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Januar 2004
Projektende: 
Dezember 2006
Info zur Laufzeit: 
Das Projekt begann mit einer Testphase im Jahr 2004 und wurde 2006 umgesetzt.

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Herr Niels Jensen
Stadt Kopenhagen
Island Brygge 37
1505 Kopenhagen
Telefon: +4533663569
E-mail: niejen@tmf.kk.dk

Meta-Info
Stand der Information
20. Juni 2010
Autor
Niels Jensen, Stadt Kopenhagen
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Dänemark