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Vernetzungsstelle B+R

Beratung von Kommunen beim Bau von Bike-and-Ride-Anlagen im Land Brandenburg

Deckblatt Nationaler Radverkehrsplan 3.0
Deckblatt Nationaler Radverkehrsplan 3.0 © BMVI

1. Ausgangssituation

Die Koalitionspartner der Brandenburger Landesregierung haben sich im Koalitionsvertrag auf das Ziel verständigt, den Anteil des Umweltverbunds (Fuß-, Rad- und öffentlicher Verkehr) bis 2030 auf 60 Prozent zu erhöhen. Dem Radverkehr wird dabei eine entscheidende Rolle zugesprochen. Folgerichtig hat der Landtag am 19.06.2020 den Beschluss (Drucksache 7/1169 – Neudruck) gefasst, verschiedene Maßnahmen auf den Weg zu bringen, um den Radverkehr weiter zu stärken. Eine dieser Maßnahmen ist der weitere Ausbau von Radabstellanlagen (Bike-and-Ride-Anlagen bzw. B+R-Anlagen) an Bahnhöfen, um die Verknüpfung der Radinfrastruktur mit dem Bahnverkehr weiter zu optimieren.

Der Landtagsbeschluss verweist dabei auch auf die Ergebnisse der Studie Bike+Ride / Park+Ride im Land Brandenburg, die im Auftrag des Landes Brandenburg und des Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB) von der Agentur BahnStadt in den Jahren 2019/20 erarbeitet und im August 2020 veröffentlicht wurde. Ziel der Studie war es, den voraussichtlichen Bedarf an B+R- und P+R-Anlagen im Jahr 2030 zu prognostizieren, die bestehende Methodik der Ermittlung des Stellplatzbedarfs als Grundlage für die Erlangung von Landesfördermitteln zu überprüfen, aktuelle Trends des Parkens am Bahnhof aufzuzeigen und Handlungsempfehlungen für das zukünftige Vorgehen des Landes in diesem Aufgabenfeld zu geben.

Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass insbesondere der zukünftige Bedarf an B+R-Anlagen hoch ist. Demnach ist es notwendig bis zum Jahr 2030 rund 21.500 Radabstellplätze neu zu schaffen, während der zukünftige Bedarf bei P+R-Stellplätzen bei nur rund 8.800 liegt. Die berechneten Kosten für den Bau dieser zusätzlichen B+R-Anlagen werden im Gutachten auf rund 57 Mio. Euro beziffert - eine Summe, die die Kommunen als Projektträger wahrscheinlich auch nicht mit Landesfördermitteln aus der Richtlinie ÖPNV-Invest  aufbringen können. Die Autoren des Gutachtens geben daher die Empfehlung, weitere finanzielle Quellen zu erschließen, um den Ausbau insbesondere von B+R-Anlagen zu fördern.

In diesem Zuge wurde vorgeschlagen, Gespräche mit dem Land Berlin aufzunehmen, um die Möglichkeit einer Mitfinanzierung von B+R- und P+R-Anlagen durch das Land Berlin zu eruieren. Ziel solle der Abschluss einer Verwaltungsvereinbarung mit dem Land Berlin zur Mitfinanzierung von B+R/P+R-Ausbauprojekten an pendlerstarken Bahnhöfen im Land Brandenburg sein. Erste Gespräche wurden diesbezüglich bereits geführt. Eine Umsetzung wird aktuell für das Jahr 2022 angestrebt.

Eine weitere Möglichkeit den Ausbau von B+R-Anlagen im Land Brandenburg zu fördern ist die bessere Ausnutzung von Förderprogrammen des Bundes zum Bau von B+R-Anlagen. Verwiesen wird in der Studie vor allem auf die Fördermöglichkeiten über die Kommunalrichtlinie des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) bzw. die B+R-Offensive von DB Station&Service sowie das Programm Stadt und Land des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Da diese Programme jedoch zeitlich befristet sind (Ende 2022 bzw. 2023 laufen sie aus), ist Eile geboten, weshalb in der angesprochenen Studie empfohlen wird, proaktiv auf die Kommunen zuzugehen, um für die Ausnutzung dieser Programme der Investitionsförderung zu werben.

Eine der Voraussetzungen dafür, dass innerhalb des Zeitfensters der Bundesförder¬programme Projektanträge gestellt werden, ist, dass geeignete Bauflächen für die Kommunen an den Bahnstationen bereitstehen. Dies ist jedoch nicht überall der Fall, was eine im Rahmen der Studie Bike+Ride / Park+Ride im Land Brandenburg durchgeführten Umfrage unter Kommunen, mit einer oder mehrerer Bahnstationen innerhalb ihrer Grenzen, deutlich wird. Demnach verfügen 35% der Kommunen, die an der Befragung teilgenommen haben, nicht über geeignete kommunale Flächen im Bahnhofsumfeld. In diesen Fällen prüfen die Kommunen meist, ob Flächen von der Deutschen Bahn AG genutzt werden können. Insbesondere wenn es um den Kauf der Grundstücke geht und diese eine gewisse Flächengröße aufweisen, gestalten sich die Gespräche mit der Deutschen Bahn AG jedoch nicht immer einfach. So verwundert es auch nicht, dass 35% der Kommunen in der Kommunalbefragung angegeben haben, sich Unterstützung in den Gesprächen mit der Deutschen Bahn AG zum Flächenerwerb zu wünschen. Die Studie empfiehlt daher den Aufbau eines strategischen Bahnflächenmanagements zwischen dem Land und der Deutschen Bahn.

2. Geplante Projektdurchführung

Vor dem Hintergrund der vorgenannten Handlungsfelder und der zeitlichen Dringlichkeit hat der VBB in Absprache mit dem Land Brandenburg das Konzept einer Beratungsstelle entworfen, die die genannten Handlungsfelder bearbeitet. Das Konzept läuft unter der Überschrift Vernetzungsstelle zur Beratung von Kommunen beim Bau von Bike-and-Ride-Anlagen im Land Brandenburg (Kurztitel: Vernetzungsstelle B+R). Die Ziele dieser Stelle sind:

  • Gezieltes Ansprechen und Beratung der Kommunen mit großem Bedarf an B+R-Anlagen, vor allem: Beratung zu geeigneten Standorten, Zugangssystemen für Sammelschließanlagen und infrage kommenden Förderprogrammen des Bundes sowie Klärung möglicher Flächenbedarfe.
  • Fachliche Beratung der weiteren Gespräche zwischen dem Land Berlin und dem Land Brandenburg bzgl. einer Mitfinanzierung von B+R-Anlagen im Land Brandenburg. Bei erfolgreichem Abschluss einer Verwaltungsvereinbarung: Koordinierung des weiteren Austausches, u.a. Bereitstellung von Daten zu Fahrgästen, die in Brandenburg wohnen und mit dem Schienenpersonennahverkehr (SPNV) nach Berlin pendeln.
  • Aufbau eines Arbeitskreises zum strategischen Bahnflächenmanagement mit Teilnehmern des Landes Brandenburg und der relevanten Geschäftsbereiche der Deutschen Bahn.
  • Aufbau eines kompetenten Netzwerks zum Fachaustausch bzgl. B+R-Anlagen, u.a. Ausweitung der Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen im Land Brandenburg (AGFK) sowie regelmäßiger Austausch mit der Fahrradbeauftragten des Landes Brandenburg, mit den Mitarbeitern der B+R-Offensive von DB Station&Service und mit dem Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene.
  • Ausweitung der bestehenden Informationsangebote und Arbeitsmaterialien auf der Internetseite des VBB.
  • Prüfung der Etablierung der VBBfahrCard als Zugangsmedium für gesicherte Radabstellanlagen (Fahrradboxen, Sammelschließanlagen).

Die Vernetzungsstelle B+R soll mit der Umsetzung dieser Ziele entsprechend der Ziele des Nationalen Radverkehrsplans einen Beitrag zur Stärkung des Radverkehrs als Teil des intermodalen Umweltverbundes leisten. Für Nutzer des Rades als Zubringer zum SPNV sollen quantitativ und qualitativ bessere Angebot an der Schnittstelle Bahnhof entstehen.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Teilaspekte der Vernetzungsstelle B+R im Land Brandenburg sind bereits in anderen Bundesländern erprobt worden. So hat das Land Schleswig-Holstein ein modulartiges System für Radabstellanlagen entwickelt, bei dem die Kommunen die Anlagen über einen Rahmenvertrag des Nahverkehrs-verbundes Schleswig-Holstein abrufen können. Um Flächenaktivierungen bemüht sich hingegen das Land Sachsen-Anhalt und die Bahnflächenentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen, mit der ein Unternehmenskonstrukt geschaffen wurde, in dem die Interessen des Bundeslandes und der Deutschen Bahn ausgesteuert werden. Das MultiTicket des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg ermöglicht die Nutzung der Fahrradboxen des Systems DeinRadschloss.

Der Innovationscharakter der Vernetzungsstelle B+R im Land Brandenburg liegt darin, diese Teilaspekte zusammenzuführen, um den Kommunen mit Hilfe eines zentralen Ansprechpartners den Bau solcher Anlagen so einfach wie möglich zu machen. Gleichzeitig sollen die Nutzer des ÖPNVs durch das bestmögliche Angebot weiter motiviert werden, das Rad auf dem Weg zum Bahnhof zu nutzen. Durch die enge Verzahnung mit der Kompetenzstelle Bahnhof und Projekten zur Sanierung von Bahnhofsgebäuden würde außerdem erstmalig ein Angebot entstehen, das nahezu alle Aspekte kommunaler Infrastruktur an der Schnittstelle Stadt-Bahnhof abdeckt. Vergleichbare Beratungsstellen sind dem VBB auf nationaler Ebene nicht bekannt.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Landesmittel
Gesamtvolumen: 
375 000 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020 gefördert.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Im Jahr 2022 ist geplant, die Ergebnisse der Studie B+R/P+R im Land Brandenburg erneut zu evaluieren. Dem Themenfeld B+R wird dabei erneut ein besonderes Gewicht zufallen.

Der VBB wird außerdem im Herbst 2023 (s.o.) einen Evaluationsbericht zur Vernetzungsstelle B+R erarbeiten, in dem die Anzahl der Kontakte mit Kommunen bzgl. B+R, die im Zeitraum umgesetzten Projekte sowie weit fortgeschrittene Projekte aufgeführt werden. Ebenfalls wird der Erfolg des Prozesses zum strategischen Bahnflächenmanagements bilanziert, in dem die konkreten Ergebnisse der Abstimmungsrunden dargestellt werden.

Bei einer positiven Fortführung der Gespräche mit dem Land Berlin bzgl. einer Mitfinanzierung von B+R-Anlangen an Bahnhöfen mit großem Anteil von Pendlern nach Berlin, kann auch hier Bilanz gezogen. Konkret kann hier die Zahl jener Projekte benannt werden, die von einer Mitfinanzierung des Landes Berlin profitieren konnten.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg

Projektbeteiligte: 

Nicht aktiv beteiligt, aber wichtige Akteure im aufzubauenden Netzwerk sind

  • Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg
  • Landesamt für Bauen und Verkehr des Landes Brandenburg
  • Allianz pro Schiene
  • DB Immobilien
  • Bike-and-Ride-Offensive von DB Station&Service
  • Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlichen Kommunen im Land Brandenburg
  • Fachhochschule Wildau

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
März 2021
Projektende: 
Februar 2024

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Auf der Internetseite www.vbb.de/vbb-themen/mobilitaet-mit-zukunft/kompetenzstelle-bahnhof/bike-and-ride-anlagen/ werden Informationen für die Kommunen zusammengestellt. Hier steht auch die Studie B+R/P+R im Land Brandenburg zu Download bereit. Nach dem geplanten Relaunch der VBB-Internetseite im Sommer 2021 soll das Informationsangebot noch einmal ausgeweitet werden.

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Niels Kramer
Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg
Mitarbeiter Bahnhofsumfeldentwicklung, B+R/P+R
Stralauer Platz 29, 10243 Berlin
030 / 25414 275
E-Mail: bike-and-ride@vbb.de

Meta-Info
Stand der Information
7. Mai 2021
Autor
Niels Kramer, Abteilung Planung, Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Brandenburg