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Besser Pendeln mit dem Rad

Bau einer modernen Fahrradabstellanlage und Radwegeverbindung in Neustadt a. Rübenberge

Neue Fahrradabstellanlage
Neue Fahrradabstellanlage © Region Hannover

1. Einleitung        

Der Ausbau der Bike+Ride-Anlage (B+R) und der Radwegeverbindung ist Bestandteil des Gesamtprojektes "Neubau des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) in Neustadt a. Rübenberge". Bauherrin, Projektleiterin und Hauptgeldgeberin ist die Region Hannover. Ziel der Planung war es, die betrieblichen Ansprüche des Busverkehrs, städtebauliche Aspekte, Wegeverbindungen sowie ausreichend Flächen für B+R- und Park+Ride-Nutzerinnen und Nutzer (P+R) zu berücksichtigen und insbesondere durch Förderung von B+R auch Verlagerungen von P+R zu B+R zu erreichen. Durch eine anspruchsvolle Gestaltung sollte der gesamte Bereich aufgewertet, neue ÖPNV-Kundinnen und -Kunden gewonnen und städtebauliche Projekte im Umfeld angestoßen werden. Der Zustand von ZOB und Bahnhofsumfeld entsprachen weder der Bedeutung des Standortes als wichtiger Verknüpfungspunkt noch der Bedeutung von Bahnhof und ZOB als Stadteingang. Für den Bereich B+R bestanden bereits einige ältere Anlagen, die von den Kapazitäten und der Ausstattung nicht ausreichend waren. Wild abgestellte Fahrräder, Vandalismus und Diebstahl waren die Folgen. Eine Radwegeverbindung in diesem Bereich fehlte.

Mit dem Ausbau des ZOB hat die Aufwertung des gesamten Bahnhofsbereiches im Jahr 2014 begonnen. Am Anfang stand eine Machbarkeitsstudie, der später weitere Planungsphasen unter Beteiligung von Verkehrsplanern, Architekten, konstruktiven Ingenieuren und Stadt- und Landschaftsarchitekten folgten. 2017 wurde der Ausbau des westlichen Vorplatzes inklusive des Baus einer hochwertigen, optisch ansprechenden Fahrradgarage mit 160 abschließbaren und weiteren 64 überdachten Stellplätzen abgeschlossen. Durch die auch für das Auge ansprechende Gestaltung soll eine besondere Wertschätzung des Nutzerkreises deutlich gemacht werden. Eine barrierefreie Fuß- und Radwegverbindung zwischen den beiden Bahnhofs- und Stadtseiten komplettiert das Projekt und sorgt für eine gute Erschließung. Durch die verbesserte Wegeverbindung für Radfahrende und die Schaffung hochwertiger Fahrradabstellanlagen soll eine Steigerung des Radverkehrsanteils erreicht werden. Nahverkehrskunden die bereits jetzt mit dem Fahrrad zum Bahnhof/ZOB pendeln, erhalten die Möglichkeit, ihre Fahrräder gesichert und trocken abzustellen. Neue Anreize bilden 16 Schließfächer, in denen Regenkleidung o.ä. deponiert werden kann. Weitere 16 Schließfächer mit Stromanschluss für die Ladung von E-Bike-Akkus sind vorhanden. Die Beleuchtung der Anlage wird im Innenbereich über Bewegungsmelder gesteuert. Die Außentüren sind leicht mit einem elektronischen Chip zu öffnen. Neben den praktischen Aspekten rückt die Fahrradgarage das Thema Bike & Ride auch optisch in den Vordergrund.

2. Projektdurchführung

Die Region Hannover hat als Aufgabenträgerin für den ÖPNV das Projekt als Bauherrin durchgeführt. Sie war ebenso Antragstellerin für den Finanzierungsantrag beim Land und hat außerdem die Gegenfinanzierung übernommen.

Es wurden anhand von mehreren Erhebungen (zuzüglich Entwicklungspotenzial) Kapazitäten für die neue Abstellanlage festgelegt und durch ein Architekturbüro in einem Entwurf umgesetzt. Bei der Rampe wurde neben den rein konstruktiven Ansprüchen auch auf die Gestaltung und das Gefühl sozialer Sicherheit wert gelegt. Somit hat man sich hier nicht auf die verkehrlich notwendigen Mindestmaße beschränkt, sondern die Rampe zum Platz mit großzügigen Treppen und seitlich mit Gabionen und Beeten geöffnet.

Der Planung des ZOB lag das Betriebsprogramm des Busunternehmens zu Grunde. Die Entwürfe wurden eng mit der Stadt Neustadt und dem Busunternehmen (Regiobus Hannover GmbH) abgestimmt. Beteiligt waren auch die Polizei, der ADFC sowie die zuständigen Behindertenverbände. Die gemeinsam erarbeiteten Unterlagen dienten dann den politischen Gremien zur Entscheidungsfindung.

Die Fahrradgarage wurde mit Mitteln des Entflechtungsgesetztes (ehemals GVFG - Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz) seitens der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen finanziert, die Rampe über Fördermittel aus dem Bereich Straßen GVFG und der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Die Region als Aufgabenträgerin für den ÖPNV war Bauherrin und Antragstellerin für alle Projektbestandteile.

Als noch fehlender Baustein des Gesamtprojekts beabsichtigt die Stadt Neustadt (mit finanzieller Unterstützung vom Land und der Region Hannover) noch ein Parkdeck in Bahnhofsnähe zu bauen. Bei Bedarf sind auch zusätzliche Erweiterungen im B+R Bereich vorgesehen.

Folgende bauliche Maßnahmen wurden bislang umgesetzt:

1. Bauabschnitt: Bau einer P+R-Anlage auf der Westseite (2014)
2. Bauabschnitt: Bau eines provisorischen ZOB (2014)
3. Bauabschnitt: Bau des ZOB mit 18 Haltepositionen inkl. Servicegebäude, Vorplatz und dynamischer Fahrgastinformation (2015-2016)
4. Bauabschnitt: Bau der Rad- und Fußwegeverbindung (2015-2016)
5. Bauabschnitt: Ausbau des Vorplatzes West mit der Fahrradgarage mit 224 Stellplätzen

Folgende bauliche Maßnahmen werden noch umgesetzt:

1. Planung und Bau eines P+R-Parkdecks in Bahnhofsnähe (durch die Stadt)
2. Bebauung des ehemaligen provisorischen ZOB (durch einen Investor)

3. Projekterfolge und Ausblick

Das gesamte Areal wurde umgestaltet und konnte städtebaulich und funktional wesentlich aufgewertet werden. Die Gestaltung aller Bereiche sorgt für eine angenehme Aufenthaltsqualität. Der Busbetrieb profitiert von den neuen Haltestellen und eigenen Fahrspuren. Die neue Radwegeverbindung wird gut und gerne genutzt. Die neue Fahrradgarage wird sehr gut angenommen. Für das Gelände des provisorischen ZOB gibt es konkrete Pläne zur Nachnutzung. Die Maßnahme der Region Hannover ist baulich komplett abgeschlossen.

Durch die neue Fuß- und Radwegeverbindung wurden beide Bahnhofsseiten miteinander verbunden. Sowohl eine Querung der Gleise als auch der barrierefrei Zugang zum Mittelbahnsteig ist nun von beiden Seiten barrierefrei möglich. Durch die neue Fahrradgarage können die Räder sicher und komfortabel am Bahnhof abgestellt werden und sind vor Vandalismus und Diebstahl weitestgehend geschützt. Die vorhandenen 180 Zugangschips zur neuen Fahrradgarage mit 160 Stellplätzen waren bereits nach kurzer Zeit vergeben. Nach Erfahrungswerten ist eine Mehrausgabe von Zugangsberechtigungen von bis zu 150 Prozent möglich, da nicht jeder Pendler täglich die Anlage nutzt. Weitere Chips wurden bereits angefordert.

Aber auch die vorher vorhandenen Fahrradabstellanlagen sind weiterhin gut ausgelastet, so dass insgesamt von einer Steigerung des Radverkehrsanteils unter den Pendlern ausgegangen wird. Es bestehen Überlegungen, die Buchung von Fahrradgaragen in der Region Hannover zu zentralisieren und online-Buchungen möglich zu machen. Ob und wann vorhandene Anlagen umgerüstet werden ist noch offen.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Die einzelnen Projektbausteine wurden "übergreifend" gedacht, geplant und gebaut. Die Region Hannover hat – über die öffentliche Förderung hinaus - einen hohen Anteil an Eigenmitteln für eine gute und qualitativ hochwertige Gestaltung aller Bereiche investiert. Bisher geht das Konzept auf und der im Bahnhofsbereich oft vorkommende Vandalismus hält sich in Grenzen.

Es konnten verschiedene Finanzierungsquellen für den Ausbau des ÖPNV und für die Verbesserung des Radverkehrs genutzt werden. 

Die Investition wirkt sich positiv auf das Bahnhofsumfeld und die Stadt Neustadt aus. Investitionen in den ÖPNV und in den Radverkehr verdeutlichen den zunehmenden Stellenwert des ÖPNV und klimafreundlicher Mobilität.

Finanzierung

Finanzierung: 
Landesmittel
Kommunale Mittel
Gesamtvolumen: 
8 500 000 €
Erläuterungen: 

Landesmittel:

Ca. 4 Mio. € Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG)
Ca. 1 Mio. € Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStbV)

Kommunale Mittel:

3,5 Mio €

Die zur Verfügung gestellten Mittel wurden wie folgt eingesetzt:

1,0 Mio. € Planungskosten
0,5 Mio. € Grunderwerbskosten
7,0 Mio. € Baukosten
Die Laufende Unterhaltung / Verkehrssicherung erfolgt durch die Stadt Neustadt, genaue Angaben dazu liegen der Region Hannover nicht vor.

Förderprogramme:

Entflechtungsgesetz (ehemals GVFG)
Landes GVFG für den Straßenbau

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Für den Bereich Bike+Ride:

Die Stadt Neustadt betreut die Nutzung der Fahrradgarage. Hierzu gehört die Vergabe der Zugangschips für die Fahrradabstellanlage sowie die Vermietung der Schließfächer. Nach Fertigstellung wurden der Stadt 180 Zugangschips übergeben. Zugangsberechtigt sind alle B+R-Nutzende, die ein GVH-Jahresabonnement (GVH - Großraum-Verkehr Hannover GmbH) vorweisen können. Dies wird jährlich überprüft. Die ersten 180 Chips waren schnell vergeben. Aus Erfahrungen ist eine Überlegung bis zu 150 Prozent möglich, daher wurden weitere Chips nachbestellt und vergeben.

Sehr beliebt ist auch der überdachte, aber nicht abschließbare Bereich. 

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Region Hannover, Fachbereich Verkehr; Team 86.05 Planung und Bau Infrastruktur ÖPNV

Projektbeteiligte: 

Stadt Neustadt a. Rübenberge

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Januar 2014
Projektende: 
Dezember 2016
Info zur Laufzeit: 

Der Ausbau der B+R-Anlage und der Rad- und Fußwegrampe sind nur zwei Bausteine des Gesamtprojekts. Baulich wurde das Projekt in 2014 mit dem Ausbau der westlichen P+R-Anlage begonnen, dann folgten der Ausbau eines provisorischen ZOB, des neuen ZOB und im Anschluss der Rampe West. Als letzter Baustein wurde die B+R-Anlage und der Vorplatz-West bis Ende 2016 realisiert. Der erste GVFG-Antrag wurde im Mai 2012 gestellt. Die ersten Planungsverträge wurden bereits Ende 2007 geschlossen. 

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Karin Pfitzner
Region Hannover
Team Planung und Bau ÖPNV Infrastruktur
Hildesheimer Str. 18
30169 Hannover
Telefon: +49(0)511/616 23296
Telefax: +49(0)511/616 23456
E-Mail: Karin.pfitzner@region-hannover.de

Kommunale Ansprechpartner: 

Stadt Neustadt a. Rübenberge
Nienburger Str. 31
31535 Neustadt a. Rübenberge

Meta-Info
Stand der Information
31. August 2019
Autor
Karin Pfitzner, Region Hannover, Fachbereich Verkehr, Team Planung und Bau ÖPNV Infrastruktur
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Niedersachsen