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Fahrrad-Fehler-Fuchs

Auf spielerische Weise technische Defekte entdecken

Schüler bei der Fehlersuche
Schüler bei der Fehlersuche © Stadt Karlsruhe

Ausgangssituation

Ein gut funktionierendes, verkehrssicheres Rad ist keine Selbstverständlichkeit. Selbst fabrikneue Räder entsprechen nicht immer den Anforderungen des Straßenverkehrs oder denen der Straßenverkehrsordnung – so z.B. Mountainbikes oder Rennmaschinen, die herstellerseitig ohne Lichtanlage und Reflektoren ausgeliefert werden. Die korrekte Funktion und Verkehrssicherheit vieler Räder wird, teils aus Unkenntnis, teils auch aus Bequemlichkeit, oft vernachlässigt. Bereits kleine Mängel am Rad trüben die Freude am Radfahren und verleiten zur Wahl bequemerer Verkehrsmittel. Dabei ist es nicht schwer, technische Fehler zu erkennen und Abhilfe zu schaffen.

Projektziele und Vorbereitung

Die Aktion "Fehler-Fuchs", ausgerichtet auf die Zielgruppe der zehn- bis zwanzigjährigen, soll dazu beitragen, das Radfahren nicht nur attraktiver, sondern vor allem auch sicherer zu machen. Die Unfallzahlen gebieten dringenden Anlass zum Handeln. Der Wettbewerb ist zudem darauf ausgerichtet, jungen Menschen das Radfahren als nachhaltige und im Stadtzentrum schnellste Mobilitätsform in das Bewusstsein zu bringen und den Radverkehrsanteil zu erhöhen - gerade in einer Stadt wie Karlsruhe, die aufgrund ihrer Topographie und vieler kurzer Wegebeziehungen für das Radfahren prädestiniert ist. Denn das Rad ist nahezu ganzjährig einsetzbar und die gesundheitlichen Vorteile sind unbestritten. Mit der Aktion „Fehler-Fuchs“ werden entsprechende Ziele des Nationalen Radverkehrsplanes wesentlich unterstützt.

Das Projekt wurde vom Dezernat Umwelt- und Arbeitsschutz der Stadt Karlsruhe in Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie speziell hierzu beauftragen Radspezialisten umgesetzt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden im Hinblick auf die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen besonders geschult. Im Zeitraum 2007-2009 kamen hierzu sachkundige Pädagogen zum Einsatz. Der "Fahrrad-Fehler-Fuchs" kam im Jahr 2007 zunächst an Karlsruher Gymnasien, 2008 an Realschulen und 2009 an Hauptschulen zum Einsatz.

Durchführung der Fehlersuche

Die Grundidee der Aktion "Fehler-Fuchs" ist es, junge Menschen zehn typische Mängel an speziell präparierten, verkehrsunsicheren Rädern in einer vorgegebenen Zeit von drei bis fünf Minuten auffinden zu lassen. Die Fehler sollen von jedem normalen Radfahrer und Nichttechniker gefunden werden können und dürfen daher nicht zu kompliziert oder allzu verborgen sein. Sie werden - ähnlich wie bei einer Hauptuntersuchung an einem Kraftfahrzeug beim TÜV - auf einem standardisierten Mängelbogen dokumentiert. Der spielerische Umgang bei der spannenden Suche nach den versteckten Fehlern soll Motivation zum Mitmachen sein und anregen, das Erlernte danach auch am eigenen Rad umzusetzen.

Je zehn Mängel werden von einem Fachmann in drei identische Räder eingebaut Nachfolgend wird exemplarisch Mangel Nr. 1 erläutert. Die weiteren Neun werden weiter unten aufgelistet

Beispiel für einen Mangel: Zu lose eingestelltes Lenkkopflager

Ein zu lose eingestelltes Lenkkopflager ist beim Fahren deutlich zu spüren. Die Lenkung wirkt leicht labil bis völlig instabil und es kann bei höheren Geschwindigkeiten zum Sturz kommen. Für den Wettbewerb wird das Steuerkopflager am Versuchsrad übertrieben weit gelockert, so, wie es im Radalltag normalerweise nicht der Fall sein wird. Die Fehlererkennung ist nun vergleichsweise einfach: Durch eine horizontale Hin- und Her-Bewegung der Vordergabel (anfassen an Gabelenden) in Fahrtrichtung und zum Rahmen hin lässt sich zu viel Spiel im Lenkkopf (Steuerkopf) haptisch und optisch feststellen. Bei diesem Mangel gilt es, den Probanden zu verdeutlichen, dass Laien hier die fällige Korrektur nicht selbst vornehmen sollten, sondern dass der Gang zum Fachmann erforderlich ist. Dieser kann mit geeignetem Werkzeug das Lager auf das werkseitig vorgeschriebene Drehmoment einstellen.

Weitere versteckte Mängel

  • loses oder abgerissenes Lichtkabel am Rücklicht oder defekte Rücklichtbirne
  • loser Sattel
  • fehlende Klingel
  • völlig verschlissene Bremsbacken
  • verschlissene Antriebskette (Kette mit weit über 5.000 km Fahrleistung verwenden)
  • loses linkes Pedal (einziges Linksgewinde am Fahrrad)
  • zu geringer Reifendruck (nahezu null Bar)
  • Unwucht (im Volksmund Achter) in der Felge
  • verstelltes Konuslager im Hinterrad

Das Fazit des Durchgangs ziehen

Es ist sehr wichtig, die Auswirkung der vom Teilnehmer aufgefundenen und gelisteten Mängel kurz anzusprechen. Die im Durchgang vom Teilnehmer nicht aufgefundenen Fehler sollten hingegen nach dem Versuch ausführlich besprochen und deren Auswirkungen detaillierter diskutiert werden. Ziel ist es, dass die Teilnehmer danach in der Lage sind, häufig anzutreffende Mängel zu erkennen und deren Auswirkungen und Gefahren im Straßenverkehr einzuschätzen. Es wird zudem darauf hingewiesen, dass neue Fahrräder oft spezielles Werkzeug wie z.B. präzise Drehmomentschlüssel benötigen, über welches nur der Radhandel, kaum aber ein Haushalt verfügt. Wichtig ist auch der Hinweis, dass ignorierte und aufgeschobene Reparaturen teure Folgen haben können.

Ausblick

Nach Ende der Schulaktion 2009 wird der Fehler-Fuchs punktuell an Radaktionstagen wie dem "Draistag" (Karlsruher Fahrradtag), an der Radmesse und auf Einladung Dritter veranstaltet und durch die Stadt Karlsruhe weiterfinanziert. Zu den Auswirkungen des Projekts Fahrrad-Fehler-Fuchs alleine lässt sich keine Aussage treffen, da keine diesbezügliche Untersuchung angestellt wurde. Die Verbesserung des Radverkehrsanteils in Karlsruhe auf 25% im Jahr 2012 ist das Gesamtergebnis aller am "Netzwerk Radverkehr" Beteiligten.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Gerade nach der Verkehrsschulung durch die Polizei in den vierten Klassen bietet sich der Fehler-Fuchs für die Klassenstufe Fünf an weiterbildenden Schulen an. Er beleuchtet die technische Seite des Rades, knüpft an Erlerntes an und vermittelt neues Wissen, um den Spaß am Radfahren zu erhöhen.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Kommunale Mittel

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Stadt Karlsruhe, Umwelt - und Arbeitsschutz

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
April 2007
Projektende: 
März 2010
Info zur Laufzeit: 

Seit Ende des Schulprojektes (2007 an Gymnasien, 2008 Realschulen und 2009 Hauptschulen) wird der Fehler-Fuchs noch punktuell an Radaktionstagen, Gesundheitstagen, Radmessen u.ä, eingesetzt.

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Herr Rainer Kastner
Stadt Karlsruhe
Umwelt - und Arbeitsschutz
Markgrafenstr. 14
76124 Karlsruhe
Telefon: 0721/133-3113
E-mail: Rainer.Kastner@ua.karlsruhe.de
 

Meta-Info
Stand der Information
15. April 2013
Autor
Rainer Kastner, Stadt Karlsruhe, Umwelt- und Arbeitsschutz
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Baden-Württemberg