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Neubau des Hauptbahnhofs Aschaffenburg

AB-Fahren – Ein Bahnhof für Fahrradfahrer

Radabstellanlage am Bahnhof Aschaffenburg
Radabstellanlage am Bahnhof Aschaffenburg © Stadt Aschaffenburg

Einleitung

Das alte Bahnhofsgebäude entsprach schon lange nicht mehr den heutigen Ansprüchen an komfortables Reisen. Die Bahngleise waren nicht barrierefrei erschlossen und der Bahnhofsvorplatz stellte mit Taxis, Hol-und-Bring-Verkehr, Fahrrädern und Bussen eine ungeordnete Situation dar, die gestalterisch große Mängel aufwies. Abstellmöglichkeiten für Fahrräder gab es im öffentlichen Raum nur vereinzelt. Viele Räder wurden ungeordnet auf dem Bahnhofsvorplatz abgestellt. Eine Radstation war in einem alten Betriebsschuppen zwar bereits vorhanden, jedoch noch nicht richtig in den Bahnhof integriert. Mit einem neuen Bahnhofskomplex sollte wieder eine geordnete Struktur entstehen, die allen Verkehrsfunktionen gerecht wird und städtebaulich attraktive Aufenthaltsbereiche schafft. Zudem sollte die Radstation besser integriert werden.

Durchführung

Zum Projekt zählten neben einem komplett barrierefreien Neubau des Bahnhofsgebäudes auch die Errichtung des Regionalen Omnibusbahnhofs (ROB), drei Parkhäuser mit P&R-Plätzen, Fahrradabstellanlagen und die städtebauliche Umgestaltung des gesamten Bahnhofsumfelds mit dem Durchstich der Bahnunterführung zum nördlich des Bahnhofs gelegenen Stadtteil. Das Vorhaben wurde in enger Zusammenarbeit mit privaten Investoren, der DB Station & Service AG sowie der DB Netz AG und der Stadt geplant, finanziert und umgesetzt.

Während der gesamten Projektrealisierung war es allen Beteiligten besonders wichtig, Fahrräder in das Mobilitätskonzept zu integrieren. Ziel war es, ausreichend Platz im Bahnhofsbereich zu schaffen, um dem Umsteigen von Bus und Bahn auf das Fahrrad neue Attraktivität zu verleihen. Ein großer Erfolg war die Integration der Radstation in den Gebäudekomplex. Hier können 125 Fahrräder bewacht abgestellt werden. Zudem bietet der private Betreiber Fahrradservice und Reparatur an. Weitere 175 kostenfreie Stellplätze wurden im rückwärtigen Bereich des Bahnhofsgebäudes direkt an den Gleisen errichtet, die auch zur Hälfte überdacht sind. Die Nähe zu den Gleisen bietet den Fahrradfahrern besonderen Komfort, da sie nun von der überdachten Abstellanlage in das Bahnhofsgebäude oder zu den Zügen gelangen. Außerdem hat diese Anordnung den großen Vorteil, den Bahnhofsvorplatz von Abstellanlagen frei halten zu können. Zusätzlich wurden im Bahnhofsumfeld Abstellanlagen platziert, um auch hier größtmögliche Flexibilität zu bieten, z.B. am Regionalen Omnibusbahnhof (ROB).

Mit Abschluss der Baumaßnahme des Bahnhofsgebäudes begann 2010 die Erweiterung des Bahnhofsareals nach Norden mit einem weiteren Zugang zu den Gleisen, Einkaufsmöglichkeiten, Dienstleistungen und Parkplätzen. Der dort entstandene Gebäudekomplex mit Parkhaus und P&R wurde ebenso wie das Bahnhofsgebäude von einem privaten Investor finanziert. Auch hier wurden weitere Fahrradabstellmöglichkeiten vom Investor hergestellt. Im Jahr 2015 wurde das Angebot der Fahrradabstellanlagen am Bahnhof von der Stadt erweitert. Durch die Verlängerung der Unterführung zum nördlichen Bahnhofsbereich erhielten Passanten (mit und ohne Fahrrad) eine direkte Verbindung vom angrenzenden Stadtteil zum Bahnhof und zur Innenstadt. Ausreichend Abstellmöglichkeiten mit qualitätsvollen Haltevorrichtungen, die auch ein Anschließen der Fahrräder ermöglichen, bringen Ordnung in das städtebauliche Gesamtbild, werten das Bahnhofsumfeld auf und bieten Radfahrern ein sicheres Abstellen der Räder.

Fazit

Mit dem neuen Hauptbahnhof entstand eine regionale Verkehrsdrehscheibe, die nicht nur für Bus, Bahn und Kfz, sondern auch Fahrradfahrern großen Komfort zum Abstellen und Umsteigen bietet. Dadurch gelang ein multimodaler Bahnhof, den die Allianz-pro-Schiene 2012 zum Bahnhof des Jahres kürte.

Die Allianz pro Schiene ist ein gemeinnütziger Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, den Umweltschutz durch Erhöhung des Schienenverkehrs zu Fördern. Einmal im Jahr vergibt die Allianz den Preis zum besten Bahnhof des Jahres an den Bahnhof, welcher aus Kundensicht dem Reisenden am meisten Komfort bietet. Zu den Kriterien gehören neben einem übersichtlichen Kundeninformationssystem und einer guten Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr auch umfangreiche Serviceleistungen sowie ein einladendes Ambiente.

Neben der Errichtung von mehr als 500 Fahrradabstellplätzen wurde in Aschaffenburg mit der Unterführung eine Stadtteilverbindung realisiert, die Fußgängern und Radfahrern nun eine direkte Verbindung ins Zentrum der Stadt bietet. Der Bahnhofsvorplatz bildet heute ein attraktives Eingangsportal in die Stadt. Kurze und städtebaulich ansprechende Wegeverbindungen stellen sowohl für Radfahrer als auch für Fußgänger eine gute Verknüpfung zwischen dem Bahnhof und den Geschäfts- und Einkaufszonen der Stadt her.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

An vielen Bahnhöfen stellt das Abstellen von Fahrrädern ein Problem dar. Häufig ist zu wenig Platz, selten ist ein Abstellen in einem geschützten und überdachten Bereich möglich, sodass ein sicheres Ankommen und Umsteigen für Fahrradfahrer erschwert ist. Mit dem Gesamtkonzept des neuen Bahnhofsgebäudes in Aschaffenburg konnten diese Defizite beseitigt werden. Neben dem Hauptbahnhof als Verkehrsknotenpunkt konnte damit auch in zentraler Lage und in nächster Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten neue Abstellmöglichkeiten geschaffen werden. Wichtig dabei war die Integration des Radverkehrs und das gesamtheitliche Planungskonzept bezogen auf alle Verkehrsarten.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmitte
Landesmittel
Kommunale Mittel
Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Erläuterungen: 

u.a. GvFG, Städtebauförderung Soziale Stadt

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • Bau- und Immobilienverwaltung Fäth
  • Adam Hörnig Baugesellschaft mBH & Co. KG
Projektbeteiligte: 
  • DB Station& Service AG
  • DB Netz AG
  • Stadt Aschaffenburg,
  • privaten Investoren

Laufzeit

Projektende: 
Dezember 2012

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Städtebauförderung in Bayern – Bahnflächenkonversion (Themenheft 23, S. 28-29)

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Anja Elsässer
Stadtplanungsamt – Stadt Aschaffenburg
Sachgebietsleitung für Stadtentwicklung
Stadt Aschaffenburg
Dalbergstraße 15
63739 Aschaffenburg
Telefon: 06021/330-1792 oder 06021/330-1256
Telefax: 06021/330-629
E-Mail: anja.elsaesser@aschaffenburg.de oder radverkehr@aschaffenburg.de
Internet: www.aschaffenburg.de/radverkehr/

Meta-Info
Stand der Information
6. Februar 2017
Autor
Anja Elsässer, Stadtplanungsamt Aschaffenburg
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Infrastruktur
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