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Radverkehr als Perspektive für den innerstädtischen Einzelhandel

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© TU Berlin

Der Handel muss in Zukunft mit attraktiven Angeboten Radfahrer als Kunden überzeugen. Dabei gilt es, eine Vielzahl von Händlern in einem partizipativen Prozess mitzunehmen, ihren Standort fahrradfreundlich aufzuwerten sowie neue Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Das Projekt trägt auf mehreren Ebenen zur Umsetzung des NRVP bei. Schon im NRVP-Leitbild „Radverkehr als System“ steht, dass neben Infrastruktur und Kommunikation auch Service und Dienstleistungen eine wichtige Rolle bei der Radverkehrsförderung spielen. Dies kann das Angebot klassischer Reparatur-Dienstleistungen sowie Ansätze, die den Gepäcktransport erleichtern bzw. ermöglichen, umfassen. Das vorgeschlagene Vorhaben zielt genau auf solche Aspekte ab und möchte erreichen, dass die Einzelhändler derartige Service-Angebote als Geschäftsvorteil erkennen. Die Einbindung des Themas Radverkehr in die Geschäftspolitik von Einzelhändlern stellt einen wichtigen Baustein dar, um die Klimabilanz des Einkaufsverkehrs positiver zu gestalten und somit den CO2-Einsparungszielen der Bundesregierung zu entsprechen.

Als Untersuchungsgebiet wird die Schönhauser Allee in Berlin-Prenzlauer Berg (zwischen Eberswalder/Danziger Str. und Schivelbeiner/Wichertstr) gewählt. Sie ist eine der übergeordneten Straßen in Berlin, für die in den nächsten Jahren bereits konkrete Umbauabsichten formuliert wurden. Die Straße ist mit vielen anderen Straßen in Berlin und anderen deutschen Großstädten vergleichbar: Viel Fahrzeug- und Radverkehr, viele Fußgänger als Einkaufende und Besuchende, aber wenig Platz, um die verschiedenen Verkehre reibungslos abzuwickeln. Es existiert eine vielfältige Einzelhandels- und Gastronomiestruktur mit kleineren Geschäften und großen Einzelhandelsketten sowie einem Shopping-Center. Einkäufe des täglichen Bedarfs, d.h. Einkäufe, die von Radfahrerenden besonders häufig kombiniert werden (Lebensministerium Österreich 2010), sind dort genauso möglich wie mittel- und langfristige Einkäufe. Festzustellen ist schon länger, dass das recht hohe Radverkehrsaufkommen in der Schönhauser Allee an vielen Stellen zu Konflikten mit den anderen Verkehrsmodi führt.

Aufgrund des hohen Radverkehrsaufkommens, die damit z.T. einhergehenden Konflikte und die bereits bestehenden Diskussionen um eine Umgestaltung des Straßenraums ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass vom Einzelhandel bereits jetzt ein gewisser Handlungsdruck wahrgenommen wird. Auch ist anzunehmen, dass hier das wirtschaftliche Potenzial einer Rad fahrenden Kundschaft eher erkannt wird als an einem peripheren Standort mit bislang niedrigerem Radverkehrsaufkommen.

Das Vorhaben soll dazu führen, dass Einzelhändler zusammen mit den Beteiligten aus Bezirk und Senat und mit Unterstützung der übrigen Kooperationspartnerinnen und -partner im Projekt eine politische Radverkehrsstrategie für den Einzelhandel in der Schönhauser Allee entwickeln (mit geeigneten Maßnahmen für den Gesamtstandort wie auch für spezifische Einzelhandelstypen).

Als Good-Practice-Beispiel soll das Projekt Vorbildcharakter für einen radverkehrsfreundlichen Einzelhandel und die Förderung des Radverkehrs durch den Einzelhandel bekommen. Über die Service- und Produktebene hinaus soll aber vor allem auch der Prozess der Motivation und aktiven Einbindung des Einzelhandels Erkenntnisse dazu liefern, wie ähnliche Impulse an anderen Standorten initiiert werden können.

Das Projekt wird in Kooperation der Fachgebiete Integrierte Verkehrsplanung und Stadt- und Regionalökonomie der TU Berlin mit dem Senat von Berlin, dem Bezirk Pankow, dem ADFC, dem VCD, dem Einkaufszentrum "Schönhauser-Allee-Arcaden" sowie den im Laufe des Projekts zu akquirierenden Einzelhandels. Geplant sind diverse Beteiligungsmaßnahmen, u.a. eine Fokusgruppe, eine Zukunftswerkstatt, Foto-Voice etc. Langfristig wird angestrebt, dass die umgesetzten Lösungen von einer dann etablierten Interessengemeinschaft des Einzelhandels weitergeführt und weiterentwickelt werden.

Update 03.05.2018: Die Händler*innen-Initiative der Berliner Schönhauser Allee stellt ab sofort ein Lastenfahrrad zur Nutzung bereit. Das Rad „Bella“ kann von der Bevölkerung tageweise und kostenlos unter flotte-berlin.de/cb-items/bella/ reserviert werden. Somit können größere Einkäufe in der Schönhauser Allee emissionsfrei und praktisch durch die Kundschaft transportiert werden (s.a.  Pressemitteilung der TU Berlin).

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Zentraler Aspekt des Projekts 2Rad-1Kauf-0Emission ist die Ertüchtigung von Einzelhandelsunternehmen, gemeinsam Initiativen zur gezielten Verbesserung der Einkaufsmöglichkeiten für fahrradfahrende Kundinnen und Kunden ins Leben zu rufen. Bezüglich der Übertragbarkeit geht es dabei in erster Linie um den Prozess der Produktentwicklung und nur nachrangig um die konkreten Produkte/Maßnahmen.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Gesamtvolumen: 
324 584 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020 gefördert.

Die Umsetzung von konkreten Maßnahmen sollen maßgeblich (und nach Ende des Projektes weiterhin) durch den Einzelhandel vor Ort finanziert werden.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Geplant ist eine Wirkungs- und Prozessevaluation

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Technische Universität Berlin, Fachgebiete "Integrierte Verkehrsplanung" und "Stadt- und Regionalökonomie"

Projektbeteiligte: 
  • Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin
  • Bezirksamt Pankow von Berlin
  • Einzelhandel
  • Interessenverbände

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Mai 2016
Projektende: 
August 2018

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Prof. Dr. Oliver Schwedes
Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung
Salzufer 17 / 19,  10587 Berlin
Telefon: +49 30 314 - 78767
Telefax: +49 30 314 - 27875
oliver.schwedes@tu-berlin.de
https://www.ivp.tu-berlin.de/

Meta-Info
Stand der Information
30. Mai 2016
Autor
Eckart Schenk (Wissenschaftlicher Mitarbeiter der TU Berlin), Stephan Daubitz (Mitarbeiter am Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung der TU Berlin)
NRVP-Handlungsfelder
Mobilitäts- und Verkehrserziehung
Fahrradthemen
Ausgewählte Zielgruppen
Mobilitätsverhalten
Schlagworte
Einkauf
Einzelhandel
Land
Berlin