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Entwicklungsagentur für Fahrradstationen

100 Fahrradstationen in Nordrhein-Westfalen

Sicheres Parken in der Radstation Köln
Sicheres Parken in der Radstation Köln © Barbara Schmidt

1. Ausgangssituation

In den 90er Jahren hat sich der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Nordrhein-Westfalen (NRW) für ein Programm "100 Fahrradstationen" eingesetzt, so dass dieses in die Koalitionsvereinbarungen 1995 mit aufgenommen wurde. Daraufhin beauftragte das Land NRW den ADFC mit der Einrichtung einer "Entwicklungsagentur für Fahrradstationen". Die Idee zum flächendeckenden Aufbau von Radstationen wurde unterstützt durch den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Man war auf der Suche nach neuen Projekten und Ideen in der Beschäftigungspolitik und daher konnten im Rahmen eines Projektes der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Park/Ruhrgebiet entlang der Köln-Mindener-Eisenbahnstrecke die ersten Fahrradstationen entwickelt und erprobt werden.
So wurde die erste Radstation 1997 innerhalb des IBA-Projektes und nach Auflegen des Programms "100 Fahrradstationen in NRW" in Mülheim an der Ruhr am Bahnhof Styrum eröffnet.

1.1 Darstellung der Projektidee und –ziele

Die Landesregierung verfolgte mit dem Programm "100 Fahrradstationen in NRW" im wesentlichen verkehrliche, städtebauliche und arbeitsmarktpolitische Ziele. Mit der Umsetzung des Programms, dem Bau von Fahrradstationen, sollte der Umweltverbund gestärkt, der Radverkehr gefördert, Bahnhöfe reaktiviert und wieder belebt werden.

Fahrradstationen sind sichere und witterungsgeschützte Fahrradabstellanlagen an Bahnhöfen mit umfangreichen fahrrad- und bahnhofsspezifischen Zusatzdienstleistungen. Sie sind weit mehr als Parkhäuser für Fahrräder, wie es die Beispiele in NRW zeigen. Fahrradstationen schaffen Arbeitsplätze und Ausbildungsmöglichkeiten und bieten arbeitslosen Menschen durch Qualifizierung eine neue Perspektive.

Gründe für den Bau einer Radstation sind:

  • sichere Form der Fahrradaufaufbewahrung
  • Stärkung des Umweltverbundes
  • Kundenbindung
  • Erschließung neuer Kundenpotenziale
  • Veränderung im Mobilitätsverhalten
  • Beschäftigungseffekte
  • Imagegewinn für die Stadt

Mit dem Bau von Fahrradstationen wird der Radverkehr gefördert.

1.2 Bedarfe und Probleme vor Ort

Vor Ort zeigte es sich, dass an Bahnhöfen und Haltestellen des ÖPNV sichere Abstellplätze fehlten. Darüber hinaus waren die Bahnhöfe zum Teil verwaist und verwahrlost.

1.3 Wie hat man den Problembedarf analysiert?

Die "Entwicklungsagentur für Fahrradstationen" hat Bahnhöfe in NRW bereist und die Abstellsituation der Fahrräder und potenziell nutzbare Flächen für eine Fahrradstation vor Ort analysiert. Bis zur Entstehung war ein langwieriger Abstimmungs- und Planungsprozess mit allen Beteiligten wie Stadt- und Verkehrsplanern, potenziellen Betreibern und dem Bahnhofsmanagement notwendig. Zum Teil lagen zwischen dem ersten Planungsgespräch und der Eröffnung bis zu acht Jahre.

2. Projektdurchführung

Der ADFC NRW wurde vom Land mit der Umsetzung des Programms beauftragt und richtete dafür die "Entwicklungsagentur für Fahrradstationen" ein. Zu ihren Aufgaben gehörte:

  • die Beratung und Betreuung der Kommunen
  • Unterstützung und Beratung der Betreiber in Hinblick auf Betreiberkonzepte und Dienstleistungsangebote
  • die Erstellung eines einheitlichen Marketingkonzeptes
  • die Entwicklung von neuen Dienstleistungsangeboten zur Verbesserung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der Fahrradstationen
  • die Koordinierung der Zusammenarbeit der unterschiedlichen Beteiligten

2.1 Personelle und finanzielle Organisation des Projekts

In den Anfangsjahren waren das Ministerium für Stadtentwicklung, Kultur und Sport sowie das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales federführend. Die MitarbeiterInnen der Entwicklungsagentur waren in den ersten Jahren (1996 bis ca. 1998) über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme beim ADFC NRW beschäftigt. Seit 2001 hat der ADFC NRW e.V. mit dem Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW Werkverträge jeweils über 2 Jahre abgeschlossen (2001-2002; 2. Werkvertrag 1.1.2003 bis 31.12.04).

3. Derzeitige Situation

NRW hebt sich in Dichte, Qualität und Entwicklung von Fahrradstationen deutlich von anderen Bundesländern ab. Auch die Förderbedingungen für Fahrradstationen sind im Vergleich zu den anderen Bundesländern beispielhaft. Im Nationalen Radverkehrsplan ist das Programm als positives Beispiel zur Förderung des Radverkehrs genannt. Von den Fahrradstationen gehen Initiativen für das Radfahren und den Fahrradtourismus aus. Sie sind ein wesentlicher Baustein einer fahrradfreundlichen Verkehrspolitik.

Bevor das Programm "100 Fahrradstationen in NRW" aufgelegt wurde, gab es in NRW acht Fahrradstationen. Heute sind es 52 (Stand 18.08.06), das heißt seit 1995 sind 43 Fahrradstationen entstanden. Damit wurde eine Entwicklung in Gang gesetzt, die selbst Optimisten Mitte der neunziger Jahre nicht für möglich gehalten hätten. Auch bundesweit kann sich Nordrhein-Westfalens Bilanz sehen lassen: Von den 69 Fahrradstationen sind 52 in NRW.

NRW geht nicht nur bei der Fördersumme von Fahrradstationen mit gutem Beispiel voran: Bis zu 1.500 Euro pro Stellplatz der zuwendungsfähigen Ausgaben werden anerkannt, während es in den anderen Bundesländern, in denen Fahrradstationen gebaut werden, zwischen 800 und 1.250 Euro sind. Außerhalb Nordrhein-Westfalens wird bei Fahrradstationen nur der Bereich Fahrradaufbewahrung gefördert. In NRW werden darüber hinaus z.B. auch die Räume für Verleih und Werkstatt, die Werkstattausstattung sowie Maßnahmen für Öffentlichkeitsarbeit bezuschusst.

Außerhalb Nordrhein-Westfalens gibt es Fahrradstationen nach dem Vorbild aus NRW in Aschaffenburg, Braunschweig, Bremen und Osnabrück. Die Entwicklungsagentur für Fahrradstationen hat unter anderem die Stadt Bremen intensiv bei der Umsetzung der Radstation beraten.

4. Ausblick

Das Programm "100 Fahrradstationen in NRW" ist ein Erfolg geworden, den es weiter auszubauen gilt. In den Städten Düsseldorf, Bergisch-Gladbach, Recklinghausen und Coesfeld wurden bereits Anträge für Fahrradstationen gestellt. Die Radstationen in Mönchengladbach Rheydt, Marl Sinsen und Moers stehen kurz vor der Eröffnung. An anderen Standorten wie Duisburg, Essen-Altenessen ist in den nächsten Jahren mit der Eröffnung einer Radstation zu rechnen.

Zukünftig wird es darum gehen, die Kontinuität des Betriebs bestehender Fahrradstationen vor allem durch die Erschließung neuer Geschäftsfelder zu sichern.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Dieses Projekt lässt sich bei entsprechendem politischen Willen auf alle Bundesländer übertragen. Die NRW-Entwicklungsagentur steht gerne mit ihren Erfahrungen zur Verfügung.

Finanzierung

Erläuterungen: 
Die Entwicklungsagentur wurde ausschließlich aus Landesmitteln finanziert. Der Bau von Fahrradstationen wird durch Mittel des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) und zusätzlichen Landesmitteln finanziert.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • ADFC Nordrhein-Westfalen
  • Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Januar 1996
Projektende: 
Dezember 2004
Info zur Laufzeit: 
Im Auftrag des Landesministeriums für Bauen und Verkehr NRW entwickelt der ADFC NRW neue Radstationsformen und –produkte, Fahrradvermietsysteme sowie Filialstationen. Projektende: 31.12.2006

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Tm Städele, Heike Kießlich
ADFC NRW
Hohenzollernstr. 27-29
40211 Düsseldorf
Telefon: +49(0)211/68708-15/14
Telefax: +49(0)211/6870820
E-mail: radstation@adfc-nrw.de

Meta-Info
Stand der Information
18. August 2006
Autor
Heike Kießlich, Tim Städele (ADFC NRW)
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Nordrhein-Westfalen