Sie sind hier

Attraktive Radwegverbindung

Fahrradbrücken und Tunnels zwischen Wolfurt und Bregenz

Der für den Fuß- und Radverkehr adaptierte ehemalige Wälderbahntunnel
Der für den Fuß- und Radverkehr adaptierte ehemalige Wälderbahntunnel © Christian Steger-Vonmetz

Die Radwegverbindung von Wolfurt nach Bregenz ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Man begegnet auf dieser Strecke besonderen Highlights, die hier, von Wolfurt in Richtung Bregenz "fahrend", kurz vorgestellt werden.

Fahrradbrücke Wolfurt

Neueste Errungenschaft ist die Fahrradbrücke in Wolfurt über die Landesstraße L3, die gleichzeitig auch die Autobahnabfahrt und die Dammstraße überspannt. Die Fahrradbrücke wurde im April 2009 eröffnet.

Zuvor war die Situation sehr unbefriedigend. Rund 700 RadlerInnen täglich überquerten an dieser Stelle die stark befahrene L3. Die Radfahrerüberfahrt befand sich am Rande der Autobahnunterführung, wo die Autos zügig unterwegs sind. Gleich daneben mündete die Autobahnabfahrt in die L3 - eine zusätzliche Gefahrenquelle. Zusätzlich machten enge Radien und geringe Breiten diesen Abschnitt für den Radverkehr sehr unattraktiv. Darüber hinaus ist die Landesstraße im angesprochenen Bereich etwas tiefer gelegt, da sie die Autobahn unterquert (siehe Foto Böschung). Der Radweg führte also an der Böschung zur Landesstraße hinunter. Dort war dann die Radüberfahrt und auf der anderen Seite mussten die Radfahrer wieder auf das Ausgangsniveau hinauf. Die Höhe konnte also nicht dafür genutzt werden, Schwung zu holen - es musste ja an der Straße abgebremst werden. Das "Rauf" und "Runter" schränkte somit den Komfort der Radverbindung ein.

Die neue Fahrradbrücke überbrückt nun alle Problemstellen. Mit einer Länge von 190 Metern (bzw. mit Rampe 450 Metern) und einer Breite von 3,5 Metern sowie einer gestreckten Linienführung ist sie sehr komfortabel zu befahren und wird auch von den Fußgängern gerne benutzt. Die Errichtungskosten der Fahrradbrücke Wolfurt betrugen 1,15 Mio. Euro.

Fahrradbrücke unter der Autobahn

In der Fortsetzung wurde 1993 als direkte Verbindung der Gemeinden Wolfurt und Bregenz eine Fahrradbrücke am Tragwerk einer in diesem Bereich verlaufenden Autobahnbrücke angehängt. Die Statik der Autobahnbrücke wurde so dimensioniert, dass keine Verstärkung notwendig war. So gelang es, die Fahrradbrücke mit Gesamtkosten von umgerechnet rund 250.000 Euro vergleichsweise kostengünstig zu realisieren.

Nicht ganz ideal konnte die Einbindung in die uferbegleitenden Radwege realisiert werden. Wie das Foto von der Wolfurter Seite zeigt, ist hier die Sicht auf den querenden Weg nicht besonders gut. Hinzu kommt, dass der Radweg hier ein Gefälle hat und die RadlerInnen eher schnell unterwegs sind. Durch Abrücken von den Brückenpfeilern konnte die Situation ein wenig entschärft und die Sichtverhältnisse verbessert werden (siehe Abbildung). Auf der Bregenzer Seite sind die Sichtverhältnisse gut, jedoch müssen die Radler, aufgrund der engen Radien bei der Auffahrt auf die Brücke, ihre Geschwindigkeit deutlich reduzieren (siehe Abbildung).

Eine Zählung im Oktober 2008 zeigte, dass die Radbrücke zu diesem Zeitpunkt von täglich rund 480 RadfahrerInnen befahren wurde. Bei der zweiten Zählung im Mai 2009 nutzten bereits rund 1.100 RadfahrerInnen täglich die Brücke. Neben dem besseren Wetter im Frühling war sicherlich auch die verbesserte Zulaufstrecke (Radbrücke Wolfurt) für diese Steigerung verantwortlich. Die Radbrücke stellt nicht nur eine direkte gemeindeübergreifende Verbindung dar, sondern ermöglicht darüber hinaus mehr Komfort und Sicherheit für den Radverkehr.

Radweg auf der Wälderbahntrasse

Die Fortsetzung der Radverbindung nach Bregenz führt über die ehemalige Trasse der Bregenzerwaldbahn, deren Betrieb im Jahr 1983 eingestellt wurde. Insbesondere auf dem Abschnitt zwischen Landstraße und Sandgrubenweg führt die Strecke exakt auf der Trasse der ehemaligen Schmalspurbahn, ohne Störung durch den Kfz-Verkehr, in flüssiger Linienführung und schöner Umgebung. Wie früher die Eisenbahn genießt heute der Geh- und Radweg bei der Kreuzung mit der Sonnenstraße Vorrang gegenüber dem querenden Straßenverkehr. Diese Vorrangregelung war nicht selbstverständlich, sondern wurde 1994 – nach der Eröffnung des Wälderbahntunnels - wieder eingeführt.

Wälderbahntunnel

Nachdem die Bregenzerwaldbahn 1985 die eisenbahnrechtliche Bewilligung für die dauerhafte Einstellung des Bahnbetriebes bekommen hat, wurde der Tunnel, der die beiden Bregenzer Stadtteile Feldmoos und Vorkloster verbindet, stillgelegt und zugemauert.

Der schnellste Weg von den Stadtteilen Weidach/Feldmoos ins Zentrum bzw. Vorkloster führte zuvor über den etwa 50m höher gelegenen Ölrain sowie stark befahrene Straßen. Die Wieder-Öffnung des Tunnels für den Fuß- und Radverkehr stellte somit eine in mehrfacher Hinsicht attraktive Verbesserung dar.

Dabei war diese Maßnahme keineswegs unumstritten. Viele prognostizierten dem Fahrradtunnel das gleiche Schicksal wie den vielerorts anzutreffenden unwirtlichen Unterführungen und damit eine geringe Akzeptanz. Von Angsträumen ist im vorliegenden Falle jedoch nichts zu spüren. Der Tunnel ist hell beleuchtet und mit einfachen Mitteln freundlich gestaltet. Trotz der beachtlichen Länge von über 200 Meter sieht man durch den ganzen Tunnel durch und am anderen Ende wieder ins Freie. Das Lichtraumprofil vermittelt überdies eine gewisse Großzügigkeit und Qualität. Die Nutzung liegt weit über den Erwartungen. Interessant ist, dass auch viele FußgängerInnen durch den Tunnel spazieren.

Die Adaptierungsarbeiten kosteten insgesamt rund 300.000 € und wurde durch eine großzügige Unterstützung der Vorarlberger Kraftwerke co-finanziert.

Offene Herausforderungen

Die Fortsetzung der Strecke bis zum Bahnhof Bregenz kann leider nicht mehr zu den Highlights gezählt werden. Aufgrund zahlreicher Kompromisse zu ungunsten des Radverkehrs ist die Verbindung bis zum Bahnhof zwar noch in Planung, jedoch bislang nicht durchgängig realisiert worden und wenig attraktiv.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Bestehende Potenziale (Autobahnbrücke, ehemaliger Eisenbahntunnel) wurden für den Radverkehr in optimaler Weise genutzt. Es konnte eine sehr attraktive Verbindung der Gemeinden Wolfurt und Bregenz erreichtet werden, die auch eine wichtige innerörtliche Erschließungsfunktion übernimmt.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Landesmittel
Kommunale Mittel
Erläuterungen: 
Unterschiedliche Finanzierungsquoten bei den einzelnen Projekten. Siehe dazu auch die Ausführungen im Text.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
Bisher wurden unregelmäßig Zählungen durchgeführt. Bei der Fahrradbrücke in Wolfurt soll eine Dauerzählstelle mit Fahrradbarometer eingerichtet werden.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
Gemeinden Bregenz und Wolfurt mit Unterstützung Land Vorarlberg
Projektbeteiligte: 
Peter Moosbrugger, Radwegebeauftragter des Landes Voralberg

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 1992
Projektende: 
Dezember 2009
Info zur Laufzeit: 
Wälderbahntunnel: Eröffnung 1994
Fahrradbrücke Autobahn: Eröffnung 1993
Fahrradbrücke Wolfurt: Eröffnung 2009

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Radwegebeauftragter
Herr Peter Moosbrugger
Land Vorarlberg
Abt. VIIb - Straßenbau
Widnau 12
6800 Feldkirch
Telefon: +43 (0) 5574/511-27225
E-mail: peter.moosbrugger@vorarlberg.at
WWW: www.vorarlberg.at/fahrrad

Meta-Info
Stand der Information
1. Juni 2009
Autor
DI Christian Steger-Vonmetz, Bregenz
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Oesterreich