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Auf den richtigen Wegen zum Ziel

Fahrradkarten, Routing und Navigation

OpenCycleMap-Ausschnitt von Hamburg
OpenCycleMap-Ausschnitt von Hamburg © www.opencyclemap.org
Fahrradkarten stellen anschaulich die Radinfrastruktur einer Kommune oder Region dar. Die immer besser optimierten Radroutenplaner helfen bei der individuellen Streckenfindung.

Einführung

Fahrradkarten und Navigationsgeräte ermöglichen es, sich in einer unbekannten Region besser zurechtzufinden oder in einer schon bekannten Region die Wege zu optimieren. Dabei muss unterschieden werden zwischen Freizeitradelnden, die die schönsten Strecken bevorzugen, und Alltagsradelnden, die möglichst schnell und sicher ans Ziel kommen möchten.

Die Vorfahren der heutigen Straßenkarten wurden zunächst für Radfahrende entwickelt und entstanden bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Da Radfahrende sich im Gegensatz zu Bahnreisenden eigenständig orientieren mussten, wurden die Maßstäbe im Vergleich zu den schon existierenden Eisenbahnkarten größer (in den Anfängen 1:200.000 bis 1:300.000), und die Karten enthielten die für Radfahrende wichtigen Informationen wie Steigungen, Entfernungen und Straßenzustand. Diese Karten dienten Anfang des 20. Jahrhunderts auch dem noch geringen motorisierten Individualverkehr als Orientierung. Mit der zunehmenden Motorisierung wurden die Straßenkarten dem Autoverkehr angepasst, die Spezialsignaturen für Radfahrende verschwanden nach dem Zweiten Weltkrieg fast vollständig [Lierz 1990].

Die klassische Papierkarte

Mit der Massenmotorisierung wurde es für Radfahrende immer schwieriger, sicher und entspannt von A nach B zu kommen. Da die existierenden Straßenkarten sich nur noch an den Bedürfnissen des motorisierten Individualverkehrs orientierten und vornehmlich Hauptverkehrsstraßen abbildeten, entwickelten ab den 1970er-Jahren Radfahrerinitiativen und spezialisierte Verlage Karten für Radfahrende [Difu 2012]. Heute ist der deutschsprachige Raum nahezu abgedeckt mit Fahrradkarten, auch im restlichen Europa gibt es zu fast allen wichtigen Radregionen Karten. Für viele Städte gibt es eigene Fahrradstadtpläne.

Auch im digitalen Zeitalter sind Papierkarten für Radfahrende nach wie vor interessant, da sie einen guten Überblick über die Region bieten und sich somit gut zum Planen einer Route oder Tour eigenen. Auch bei technischen Schwierigkeiten des Navigationsgerätes ist es von Vorteil, eine Papierkarte als Notfalloption dabei zu haben.

Als Kartengrundlage dient bei Fahrradkarten meist eine generalisierte Basiskarte (im Innenstadtbereich im Maßstab 1:15.000 bis 1:25.000, ansonsten im Maßstab 1:50.000 bis 1:100.000), auf der die für Radfahrende wichtigen Informationen eingetragen sind:

  • Offizielle Fahrradrouten und Routenempfehlungen der Herausgebenden, unterteilt in Haupt- und Nebenrouten,
  • Qualität der Wege (Oberflächenbelag, Beschilderung, Verkehrsaufkommen, Steigungen, autofreie Wege, Art der Radwegeführung usw.),
  • Einbahnstraßen,
  • ÖV-Verknüpfungspunkte (Bahn, Bus, Fähre),
  • Radinfrastruktur (Fahrradwerkstätten, Radverleihe, Rastplätze, Pedelec-Ladestationen usw.),
  • Entfernungsangaben,
  • touristische Informationen (Sehenswürdigkeiten, Hotels, Campingplätze, Einkehrmöglichkeiten, Tourist-Informationen) und sonstige POIs (Points of Interest – interessante Ziele der Umgebung).

Spezielle Varianten gibt es für Rennradfahrende oder Mountain-Biker, Radtourenbücher bieten neben dem Kartenmaterial zusätzliche touristische Informationen in Textform. Einige Radtourenbücher enthalten neben der Karte einen Routentext, um unklare Wegführungen vor Ort genauer zu beschreiben.

Eine Fahrradkarte gibt einen Überblick über das Engagement einer Kommune oder Region im Bereich Radinfrastruktur und hilft, die örtliche Radfahrersituation zu analysieren und Lücken im Fahrradnetz ausfindig zu machen. Zudem ist sie ein gutes und einfaches Mittel, das Radfahren zu fördern [Rupprecht Consult 2010]. Je nach Auflage und Größe muss mit Druckkosten zwischen 20 und 80 Cent pro Stück gerechnet werden, dazu kommen einmalige Kosten für die Erstellung der Karte [BMVIT 2013].

Nahmobilitäts-Schablone

Über eine Nahmobilitäts-Schablone, wie sie die Stadt Mönchengladbach entwickelt hat, können Radfahrende und zu Fuß Gehende nach Auflage auf den Stadtplan schnell erkennen, welche Ziele im Nahbereich innerhalb von etwa 5, 10 und 15 Minuten erreichbar sind. Die Schablone richtet sich in erster Linie an Zugezogene und wurde 2015 in Begrüßungstüten zusammen mit einem Stadtplan verteilt. Wichtig ist, dass die Schablone auf den Maßstab des Stadtplans abgestimmt ist.

Digitale Karten

Bei digitalen Karten wird zwischen Rasterkarten, bei denen der dargestellte Inhalt in allen Zoom-Stufen gleich bleibt, und Vektorkarten unterschieden. Letztere zeigen je nach Zoom-Faktor unterschiedliche Details, die dargestellten Objekte können zusätzliche Informationen besitzen (wie z.B. Öffnungszeiten, Fahrpläne oder Steigungen) und Nutzende können eigenständige Darstellungen wählen. Vektorkarten eignen sich daher gut für Routenplaner.

OpenStreetMap

Das freie Projekt OpenStreetMap (OSM) wird mittlerweile von vielen Fahrradroutenplanern als Grundlage genutzt. Anfang 2016 hatten die knapp 2,5 Mio. Nutzenden weltweit über fünf Mrd. GPS-Punkte und etwa 330 Mio. Wege hochgeladen. Je nach Region ist die Kartengrundlage unterschiedlich detailliert, besonders in westlichen Städten ist sie sehr gut. Da es sich um ein freies Projekt handelt und alle teilnehmen können, kann eine objektive Bewertung der erhobenen Daten nicht gewährleistet werden.

EuroVelo-Routen und D-Routen bei Waymarked Trails
EuroVelo-Routen und D-Routen bei Waymarked Trails © cycling.waymarkedtrails.org/de

Auf Grundlage der OSM-Daten wurden für Radfahrende interessante Karten wie OpenCycleMap oder Waymarked Trails erstellt. Webseiten wie www.raumbezug.eu oder www.velomap.org bieten OSM-Karten aufbereitet und downloadbar für GPS-Geräte an.

Routing und Navigation

Unter Routing versteht man die Suche nach einer Route zwischen zwei Punkten A und B und eventuellen Zwischenzielen nach bestimmten Vorgaben. Navigation bezeichnet die Zielführung mittels Abbiegehinweisen [Tetzner 2008]. Mit der Möglichkeit der zivilen Nutzung der GPS-Technologie wurde die Kartographie revolutioniert, und es ergaben sich neue Möglichkeiten der Orientierung und Routenplanung.

Infobox: Das Global Positioning System (GPS)

Im Jahre 1973 begannen die USA mit dem Aufbau des Navstar-GPS-Systems, in dessen Folge ab 1978 Satelliten in den Orbit gebracht wurden. Seit 1995 funktioniert das System weltweit, die Genauigkeit wurde jedoch bis ins Jahre 2000 durch die Selective Availibility (SA) aus militärischen Gründen verfälscht und hatte Abweichungen von über 100 Metern zur Folge. Seit der Abschaltung der SA beträgt die Abweichung nur noch etwa 10-15 Meter, was das GPS-System für die zivile Nutzung attraktiv macht [Froitzheim 2015].

Um die weltweite Verfügbarkeit zu garantieren, müssen mindestens 24 Satelliten die Erde umkreisen. Dabei senden sie Signale aus (ihre Kennung und Position, die aktuelle Zeit sowie den allgemeinen Satellitenfahrplan), die von den Empfängergeräten auf der Erde zur Bestimmung der exakten Position verwendet werden. Ein GPS-Gerät benötigt den Kontakt von mindestens vier Satelliten, um mit Hilfe der Triangulation die genaue Position und Höhe sowie die aktuelle Zeit ermitteln zu können. Da die Signale der Satelliten recht schwach sind und auf der Erde nicht wie beim Mobilfunk durch Sendemasten verstärkt werden, benötigt ein GPS-Gerät freie Sicht zum Himmel, um genau zu funktionieren. Enge Häuserschluchten, Tunnel oder hohe Felswände können die Funktion einschränken [Froitzheim 2015].

Neben dem voll ausgebauten amerikanischen System GPS gibt es das eingeschränkt nutzbare GLONASS-System der Russischen Föderation und die im Aufbau befindlichen Systeme Galileo (Europäische Union) und Beidou (China).

Mit Hilfe von GPS-Empfangsgeräten ist es sehr einfach möglich, die eigene Position relativ exakt zu bestimmen. Spezielle Programme helfen dabei, die genaue und nach vorher definierten Kriterien beste Route zum Ziel zu finden. Dies ist nicht nur für Menschen, denen die klassische Kartennavigation zu kompliziert ist, eine große Hilfe. Auch im Kartenlesen geübte Radfahrende genießen den Vorteil, nicht mehr an jeder unübersichtlichen Kreuzung zur Orientierung und Abgleich mit der Karte anhalten zu müssen. In einer Untersuchung wurde festgestellt, dass Radfahrende, die in einer unbekannten Umgebung mit Hilfe von klassischen Papierkarten unterwegs waren, erhebliche Abweichungen von der geplanten Tour fuhren. Zudem wurde eine ausgeprägte Anzahl längerer Halte zu Navigationszwecken festgestellt, die die Reisezeit zum Teil erheblich verlängerte. Nach Aussagen der Probanden hat sich dadurch auch der Erholungswert der Tour reduziert [Tetzner 2008].

Navigationsgeräte

Die herkömmlichen Kfz-Navigationsgeräte reichen in der Regel für eine zuverlässige Radfahrernavigation nicht aus, da sie eine unzureichende Kartengrundlage haben und die für Radfahrende interessanten oder speziellen Wege nicht berücksichtigen. Mittlerweile haben viele Gerätehersteller die Zielgruppe Radfahrende entdeckt und bieten eine breite Palette von speziellen Navigationsgeräten an. Diese Geräte besitzen je nach Modell eine vorinstallierte Kartengrundlage mit einfach zu bedienender Navigationsfunktion oder eignen sich für die Installation von kommerziellen (z.B. Kompass, Garmin, Falk) oder freien Karten (z.B. OSM). Letztere Modelle sind insbesondere für die detaillierte Vorabplanung mit spezieller Planungssoftware (z.B. Garmin Base Camp, MagicMaps Tour Explorer oder QuoVadis) interessant. Viele Online-Routenplaner bieten Apps für Smartphones an, mit denen diese einfach und unkompliziert zu einem Navigationsgerät werden. Bei längeren Touren, widrigen Bedingungen, direkter Sonneneinstrahlung oder im Ausland (Roaming-Gebühren!) sind die Grenzen der Smartphone-Navigation allerdings schnell erreicht. In diesem Fall sind spezielle Fahrrad- oder Outdoor-Geräte empfehlenswerter.

Tourenportale und Routenplaner

Für die Vorabplanung einer Route eignen sich Online-Tourenportale wie GPSies, Koomot oder outdooractive. Hier können Nutzende eigene Routen erstellen oder die von anderen erstellten Touren als GPX-Datei herunterladen und auf das eigene Navigationsgerät spielen. Apps ermöglichen oft die direkte Nutzung der Tourenportale auf dem Smartphone. Das ADFC-Tourenportal bietet Radfernwege und regionale Touren zum Download an. Auch einige Kartenverlage (wie z.B. Esterbauer, Kompass, Bruckmann) bieten mittlerweile beim Kauf eines Tourenbuches kostenlose GPX-Tracks an.

Die meisten der oben genannten Portale besitzen auch einen individuellen Radroutenplaner. Dabei können in der Regel der Start-, der Zielpunkt und gegebenenfalls mehrere Zwischenstationen adressgenau eingegeben werden. Eine Alternative ist das direkte Setzen von Punkten per Mausklick in der Karte. Nutzende haben meist die Möglichkeit, die Routenauswahl durch bestimmte Kriterien wie „Alltag oder Freizeit“ (kürzeste oder schönste Tour?), „Tourenrad, Rennrad oder Mountainbike“ (Oberflächenform?) oder „Höhenmeter“ (Steigungen vermeiden?) zu verfeinern. Mit Hilfe von „Drag and Drop“ können bei einigen Portalen Punkte im Routenverlauf beliebig verschoben werden, um eine für sich selbst optimierte Strecke zu erhalten. Durch Eingabe der Fahrweise (von untrainiert bis sportlich) oder der angenommenen durchschnittlichen Stundenkilometer errechnet das Programm die voraussichtliche Fahrzeit. Neben der Darstellung der Route in der Karte und des Höhenprofils ist es in der Regel auch möglich, einen GPX-Track herunterzuladen. Die Entwicklung eines Routenplaners oder einer App ist relativ teuer und kann Kommunen je nach Umfang zwischen 10.000 € und 70.000 € kosten [BMVIT 2013]. Zudem müssen die Daten regelmäßig gepflegt werden. Eine Kooperation mit den Routenplanern der Länder oder Projekten wie Naviki (siehe unten) ist meist günstiger und zu empfehlen.

Routenplaner der Länder

Die Bauverwaltungen oder Tourismusinstitutionen von vielen Bundesländern betreiben eigene Radroutenplaner. Diese benutzen als Kartengrundlage meist Daten der Landesvermessungsämter, was eine flächendeckend hohe Qualität verspricht. Auch die Informationen zu Routenverläufen, touristischen Zielen und Verknüpfungspunkten zum ÖV kommen oft aus den öffentlichen Verwaltungen. Problematisch ist die manchmal fehlende Aktualität der Routenverläufe. Auch dynamische Daten wie Baustellen oder Umleitungen werden bisher kaum erfasst, würden aber für die Nutzenden einen großen Gewinn bedeuten. Ein weiteres Hindernis für eine nutzerfreundliche Bedienung ist die überregionale Verknüpfung der Routenplaner. Momentan kann eine Routenabfrage meist nur innerhalb der Landesgrenzen erfolgen, es gibt keinen Radroutenplaner für Gesamtdeutschland. Dies ist besonders in Grenzregionen und im Bereich des Radtourismus ein Hindernis für die Nutzung: Von den laut ADFC-Radreiseanalyse 2015 zehn beliebtesten Radfernwegen Deutschlands liegt nur der Ruhrtal-Radweg innerhalb eines Bundeslandes.

Im Projekt Radroutenplaner Deutschland haben sich die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen zusammengeschlossen, sie bieten eine Plattform für eine grenzüberschreitende und großräumige Planung von Radrouten. Dabei wird über ein Zentralsystem festgelegt, welche Radroutenplaner welche Teilrouten berechnen sollen. In einer Übersichtskarte wird die gesamte Strecke dargestellt, die detaillierte Route zwischen den Landesgrenzen findet sich dann auf den Seiten der einzelnen Routenplaner [Dölger 2013]. Das System ist allerdings noch nicht voll ausgereift, und damit es sich etabliert, müssten sich auch die übrigen Bundesländer beteiligen.

Einsatzmöglichkeiten von Radroutenplanern für Länder, Regionen und Kommunen

Im Folgenden sollen kurz die verschiedenen Möglichkeiten von Radroutenplanern anhand von guten Beispielen dargestellt werden. Alle hier vorgestellten Routenplaner sind auch als App erhältlich.

Intermodale Routenplanung: Radroutenplaner Baden-Württemberg

Der Radroutenplaner Baden-Württemberg bietet neben der reinen Radroutenplanung eine einfache Möglichkeit der intermodalen Routenplanung. Nutzende können wählen, ob die Berechnung als reine Radstrecke durchgeführt wird oder ob ein Teilstück auch mit dem ÖV gefahren werden kann. Der Routenplaner ist direkt mit der landesweiten Fahrplanauskunft EFA-BW verknüpft, bei der Berechnung werden nur Verkehrsmittel mit Radmitnahme berücksichtigt und Sperrzeiten beachtet [Lenz 2015]. Für die Radstrecken kann zwischen „bequemster Route“, „schnellster Route“ oder „Landesradfernwege bevorzugen“ gewählt werden. Neben dem Track erhalten die Nutzenden Informationen zu der Reisezeit, den zu nutzenden Verkehrsmitteln, der Routenlänge des Fahrradabschnitts und Fahranweisungen. Bei einer reinen Radroutenplanung werden zudem die Höhenmeter und ein Höhenprofil angezeigt.

Routenvorschlag des Radroutenplaners Baden-Württemberg
Routenvorschlag des Radroutenplaners Baden-Württemberg © www.radroutenplaner-bw.de

Die Kartengrundlage bildet das Amtliche Topographisch-Kartographische Informationssystem (ATKIS), die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) pflegt die zentrale Datenbank, und die lokalen Gebietskörperschaften können über ein webbasiertes Geographisches Informationssystem (Web-GIS) ihre Radwegeinformationen aktualisieren und verwalten. Kommunen, Landkreise, Tourismusverbände und Verkehrsverbünde haben die Möglichkeit, den Radroutenplaner auf ihren eigenen Internetseiten einzubinden [Lenz 2015].

Sicherheitsaspekte und Regenradar: Radlkarte Salzburg

Die Radlkarte Salzburg beinhaltet neben dem kompletten Bundesland Salzburg die bayerischen Gemeinden Freilassing, Ainring, Piding und Saaldorf-Surheim. Die Kartengrundlage bilden OSM und die amtlichen Geodaten von basemap.at. Bei der Planung werden immer zwei Routen dargestellt: Die „kürzeste Route“ zeigt den schnellsten Weg zwischen zwei Orten an, die „empfohlene Route“ berücksichtigt Sicherheitsaspekte. Dazu zählen die Breite und bauliche Ausführung der Radwege, die Kfz-Belastung, die maximal zulässige Geschwindigkeit, die Art der straßenbegleitenden Parkräume und das Vorhandensein von Lichtsignalanlagen an Kreuzungen [Loidl/Zagel 2013].

Für beide Routen gibt es ein Höhenprofil mit Steigungsinformationen. Zudem wird angezeigt, wie viele Kalorien auf der Strecke verbraucht werden und was finanziell im Vergleich zum Auto eingespart wird. Neben der Darstellung wichtiger Radinfrastruktur wie Abstellanlagen und Reparaturwerkstätten werden S-Bahn-Haltestellen und Bahnhöfe mit den Abfahrten der nächsten 24 Stunden angezeigt. Eine interessante Funktion ist die Integration eines Regenradars, der eine Niederschlagsprognose für die nächsten zwei Stunden gibt.

Regenradar der Radlkarte Salzburg
Regenradar der Radlkarte Salzburg © www.radlkarte.info

Meldeplattform Radverkehr: Radroutenplaner Hessen

Der Radroutenplaner Hessen bietet neben den normalen Routenplanerfunktionen die Möglichkeit, Schäden an Radverkehrsanlangen und die Verkehrssicherheit beeinflussende Mängel zu melden. Nach der Auswahl der betreffenden Gemeinde wird ein Kartenausschnitt des betroffenen Gebietes gezeigt. Nun kann über eine direkte Adresseingabe, die Eingabe von GPS-Koordinaten oder per direkter Markierung in der Karte ein Meldepunkt gesetzt werden. Zur besseren Orientierung kann auch zu einer Luftbildansicht gewechselt werden. Im nächsten Schritt erfolgt dann die Eingrenzung des Mangels (z.B. Oberfläche, Radwegweisung, Behinderung usw.) mit der Möglichkeit der detaillierteren Beschreibung. Zusätzlich können Fotos der Stelle hochgeladen werden.

Durch die Beteiligung der Radfahrenden können bestehende Mängel schnell und kostengünstig ermittelt werden. Die Angaben werden an die zuständigen Stellen in den jeweiligen Kommunen weitergeleitet. Diese können in einem internen Bereich die Meldepunkte nach Dringlichkeit kennzeichnen und den Bearbeitungsstatus angeben. Die Kommunen besitzen zudem die Möglichkeit, sich alle Meldungen auf ihrem Gebiet anzeigen zu lassen und diese nach bestimmten Kriterien zu filtern.

Speziell zugeschnittener Routenplaner: Naviki

Das Internetportal Naviki basiert auf der Kartengrundlage von OSM. Bei der Routenplanung kann zwischen verschiedenen Kriterien wie Alltag, Freizeit, Rennrad oder Mountainbike gewählt werden. Nutzende können sich anmelden und individuelle Statistiken erstellen lassen, wie z.B. CO2-Vermeidung, verbrannte Kalorien oder eingesparte Pkw-Kosten. Zudem können Strecken hochgeladen und geteilt und Wettbewerbe durchgeführt werden.

Für Kommunen, Tourismusverbände und Unternehmen bietet Naviki einen speziell zugeschnittenen Routenplaner an, der auf der eigenen Seite eingebunden werden kann und festgelegte Standorte (wie z.B. Radabstellanlagen, Bushaltestellen) oder Tourenvorschläge hervorhebt. Nutzende können über eine Funktion die Verwaltung auf Mängel vor Ort hinweisen. Die App sammelt zudem Daten und erstellt daraus Heatmaps. Darauf werden stark befahrene Strecken dick und dunkelrot dargestellt, selten genutzte Routen dünn und heller. Verkehrsplaner können dadurch Lücken im Radwegenetz erkennen und die Radinfrastruktur der Kommune und/oder Region verbessern [Reidl 2015]. Städte wie Köln, Berlin oder Münster nutzen das Portal mittlerweile als Routenplaner, aber auch die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna mbH, der Volkswagen-Konzern oder die Insel Usedom besitzen eigene Naviki-Seiten.

Erreichbare Ziele im Nahbereich: Bike Citizens

Der Routenplaner Bike Citizens bietet die schöne Zusatzfunktion „5 Minuten am Rad“. Dadurch können Nutzende sehen, welche Strecke sie innerhalb von 5, 10, 15 oder 30 Minuten mit dem Rad in ihrer Stadt zurücklegen können. Dadurch wird Radeinsteigern gezeigt, wie schnell sie mit dem Rad von A nach B kommen. Auch Alltagsradelnde können auf einen Blick erkennen, wie lange sie etwa zu ihrem Ziel unterwegs sein werden. Durch die Aufzeichnung von Stand- und Fahrzeiten versucht Bike Citizens, die Reisezeit von Radfahrenden zu optimieren [Reidl 2015].

15-Minuten-Radius von Bike Citizens
15-Minuten-Radius von Bike Citizens © www.bikecitizens.net
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Mit Lastenradfunktion: I Bike CPH

Der Radroutenplaner von Kopenhagen I BIKE CPH besitzt eine zusätzliche Lastenradfunktion: Nach Aktivierung des Lastenrad-Symbols optimiert das Programm die Routenführung für Lastenräder und vermeidet z.B. enge Passagen und Treppen. Zudem wird die Reisegeschwindigkeit angepasst.

Checkliste: Anforderungen an Fahrradkarten und Radroutenplaner

  • Papierkarte: Maßstab Stadtplan 1:15.000 bis 1:25.000, Maßstab Regionskarte 1:50.000 bis 1:100.000
  • Digitale Karte: je nach Zoom-Stufe unterschiedliche Detailtiefe
  • Alle wichtigen Informationen für Radfahrende bezüglich Radinfrastruktur, Verkehrsbelastung, Verknüpfungspunkte mit dem ÖV und Qualität der Wege darstellen
  • Darstellung von wichtigen Zielen (Points of Interest) der Stadt oder Region
  • Radrouten untergliedern in ein Haupt- und Nebenroutennetz
  • Bei der Erstellung von Fahrradkarten ist es von großem Vorteil, das Wissen von lokalen Radfahrenden und des ADFC zu nutzen
  • Bei der Entwicklung von Radroutenplanern die Expertise von bestehenden Portalen nutzen und über Kooperationsverträge versuchen, sie auf der eigenen Seite einzubinden
  • Eine gute Radverkehrswegweisung vor Ort hilft den Radfahrenden zusätzlich, sich schnell und sicher zu orientieren

Zusammenfassung und Ausblick

Radkarten zeigen übersichtlich den aktuellen Stand der Radverkehrsinfrastruktur in einer Kommune oder Region. Sie geben den Radelnden einen Überblick über die schnellsten, sichersten und schönsten Routen vor Ort. Auch im digitalen Zeitalter sind Papierkarten zur Planung und zur großräumigen Orientierung von hohem Wert.

Radroutenplaner ermöglichen eine individuelle Routenplanung nach persönlichen Kriterien, Apps oder Radnavigationsgeräte helfen den Radfahrenden, unterwegs die richtige Strecke zu finden. Wenn man sich verfahren hat, berechnen sie automatisch eine neue Route.

Kommunen und Regionen können mit Hilfe von Fahrradkarten und Radroutenplanern die Attraktivität des Radfahrens erhöhen und zusätzliche Potenziale aktivieren. Fahrradkarten veranschaulichen den Verantwortlichen vor Ort zudem die Lücken im Fahrradnetz, die von Radroutenplaner gewonnenen Daten zum Radverkehr und die von Nutzenden gemeldeten Mängel können dazu beitragen, das Fahrradnetz einer Kommune oder Region zu optimieren.

Literatur

[Difu 2012]
Abruf 08.01.2016
Deutsches Institut für Urbanistik
[Dölger, Reiner 2013]
Folienvortrag auf dem 3. Nationalen Radverkehrskongress am 13. und 14. Mai 2013 in Münster, Abruf 11.01.2016
Dölger, Reiner (2013)
[Froitzheim, Thomas 2015]
Froitzheim, Thomas (2015)
[Lenz, Sebastian 2015]
in: BWGZ 4/2015, S. 215 f.
Lenz, Sebastian (2015)
[Lierz, Wolfgang 1990]
in: Cartographica Helvetica, Heft 1/1990, Abruf 08.01.2016
Lierz, Wolfgang (1990)
[Loidl, Martin; Zagel, Bernhard 2013]
in: GIS.Business 4/2013, S. 36-39
Loidl, Martin; Zagel, Bernhard (2013)
[Reidl, Andrea 2015]
in: velobiz.de Magazin 5/2015, S. 64-67
Reidl, Andrea (2015)
[Rupprecht Consult 2010]
Abruf 08.01.2016
[Tetzner, Stefan 2008]
in: Straßenverkehrstechnik 9/2008, S. 528-536
Tetzner, Stefan (2008)
Meta Infos
Nummer
SPT 05
Stand der Information
15. April 2016
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen
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