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Studie: Umweltbewusstsein in Deutschland 2018

"Zu einer Verkehrswende ist es noch ein weiter Weg"

Umweltbewusstsein in Deutschland 2018 – Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage
Umweltbewusstsein in Deutschland 2018 – Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage © BMU und UBA

Hintergrund der repräsentativen Bevölkerungsumfrage zum Umweltbewusstsein der Deutschen

Die vorliegende Umweltbewusstseinsstudie ist die zwölfte Erhebung seit 1996, mit der in zweijährigem Rhythmus die Entwicklung von Umweltbewusstsein und Umweltverhalten in Deutschland erforscht wird. Die Studien werden im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und des Umweltbundesamts (UBA) durchgeführt. Sie tragen dazu bei, eine sozialwissenschaftlich fundierte Grundlage für die Umweltpolitik und Umweltkommunikation bereitzustellen.

Für das "Kapitel 5. Mobilität" wurden die Einstellungen der Menschen (unter anderem) zum Radverkehr erfragt:

Demnach nutzen 13 Prozent der Menschen das Fahrrad täglich, 21 Prozent mehrmals pro Woche und 7 Prozent einmal pro Woche. 30 Prozent der Befragten nutzen das Fahrrad nie.

Wer täglich aufs Rad steigt, wohnt im Schnitt zehn Kilometer von der Arbeit entfernt; wer nie Rad fährt, arbeitet durchschnittlich 19 Kilometer vom Wohnort entfernt. Ob Auto oder öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden, liegt auch an der Entfernung zur nächsten Großstadt: Je weiter diese entfernt ist, desto seltener steigen die Befragten in Bus oder Bahn. Für die Häufgkeit der Fahrradnutzung spielt die Entfernung zur nächsten Großstadt dagegen kaum eine Rolle. Zu den Entfernungen anderer Einrichtungen zeigen sich nur schwache Zusammenhänge. Wie weit Supermarkt oder Discounter, Hausärztin oder Hausarzt, Apotheke oder Grundschule (nach eigenen Angaben) entfernt sind, unterscheidet sich kaum zwischen denjenigen, die regelmäßig mit dem eigenen Auto fahren, und denen, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Wer häufg Rad fährt oder zu Fuß geht, hat in der Regel (den eigenen Angaben zufolge) nur etwas geringere Entfernungen zurückzulegen als die, die das nie oder nur selten tun.

Menschen, die das Fahrrad nutzen, gaben zu 77 Prozent an, dass es Spaß mache zu Radeln. 64 Prozent finden, dass sie damit etwas für den Umwelt- und Klimaschutz tun würden. 63 Prozent gaben an, dass das Fahrrad kostengünstiger als andere Verkehrsmittel sei. Zuverlässig und zeitsparend fanden 38 Prozent der Radfahrenden ihr Verkehrsmittel. 35 Prozent fanden, dass man beim Radeln gut entspannen könne und 29 Prozent stimmten zu, dass man damit gut viele Wege miteinander kombinieren könne.

Wie die Befragten ihre jeweiligen Erfahrungen mit den verschiedenen Verkehrsmitteln, die sie mindestens einmal pro Woche nutzen, konnten nach Schulnoten Bewertungen abgeben: Große Mehrheiten von über 80 Prozent vergeben fürs eigene Auto und das Fahrrad die Noten sehr gut oder gut.

Dass die Infrastruktur für den Radverkehr verbessert werden muss, findet große Zustimmung. Dabei steht mehr Sicherheit auf den Fahrradwegen im Vordergrund: 47 Prozent fnden dies voll und ganz und weitere 38 Prozent eher. Und 44 Prozent stimmen voll und ganz und 36 Prozent eher zu, dass mehr Radwege und Fahrradstreifen benötigt werden.

Die Befragten gaben auch an, von wem sie einen wichtigen Beitrag für einen umweltfreundlicheren Verkehr in Deutschland erwarten. Etwa zwei Drittel meinen, dass die Regierungen von Bund und Ländern sowie die Autoindustrie viel dafür tun können. Die Hälfte sieht auch jede und jeden Einzelnen, also sich selbst oder die Mitbürgerinnen und Mitbürger, in der Pflicht. Jeweils ein Drittel sieht eine wichtige Rolle bei öffentlichen Verkehrsbetrieben sowie Städten und Gemeinden.

Den Mitmenschen (und womöglich sich selbst) stellten die Befragten ein eher schlechtes Zeugnis aus: Vier Fünftel sind der Ansicht, sie täten nicht genug, um Umwelt und Klima zu schützen.

In der Wahl der Transportmittel zeigen sich zum Teil deutliche milieuspezifsche Unterschiede: Alle drei jungen Milieus nutzen öffentliche Verkehrsmittel deutlich überdurchschnittlich, ein eigenes Auto unterdurchschnittlich. Bei den jungen Idealistischen und jungen Distanzierten gilt dies auch, wenn die Befragten über 17 Jahre alt sind und einen Führerschein besitzen. Bei den jungen Pragmatischen steigt die Autonutzung tendenziell an, wenn es sich um Personen mit Führerschein handelt: 94 Prozent, und damit tendenziell mehr als im Durchschnitt der Altersgruppe zwischen 17 und 29 Jahren, haben in diesem Milieu einen Führerschein; von diesen nutzen 72 Prozent regelmäßig ein eigenes Auto. Am häufgsten fahren die etablierten Milieus sowie der bürgerliche Mainstream mit dem Auto. In den kritisch-kreativen und prekären Milieus werden alle Verkehrsmittel in etwa entsprechend des Durchschnitts genutzt. In den traditionellen Milieus fahren die Menschen deutlich weniger mit öffentlichen Verkehrsmitteln, aber regelmäßig mit dem Auto. Gleichzeitig fahren sie jedoch häufger mit dem Fahrrad – was sich vor allem in ihrer deutlich überdurchschnittlichen Nutzung von Elektro-Fahrrädern zeigt. Die Milieuperspektive zeigt, dass soziale und strukturelle Gegebenheiten wie Einkommen, familiäre und berufliche Situation oder Wohnort zwar einen wichtigen Einfluss auf die Verkehrsmittelwahl haben, dass außerdem aber auch alltagskulturelle Faktoren und Wertorientierungen dabei eine Rolle spielen.

Zu einer Verkehrswende ist es noch ein weiter Weg

Die Autorinnen und Autoren der Studie ziehen unter anderem folgende Schlussfolgerungen zum Verkehrsverhalten: Eine Mehrheit spricht sich dafür aus, dass ökologische Ziele bei der zukünftigen Gestaltung des Verkehrs in Deutschland Vorrang haben sollen. Öffentlichen Verkehr und Radverkehr verstärkt zu fördern, finden viele gut. Im alltäglichen Verhalten dominiert aber bislang der motorisierte Individualverkehr. Gerade in der "Rushhour des Lebens", in der es Erwerbstätigkeit, Familienfürsorge und Freizeitinteressen zu vereinbaren gilt, erscheint vielen ein eigenes Auto als unverzichtbar. Neben den Anforderungen an Flexibilität sind es vielerorts – gerade im ländlichen Raum – auch infrastrukturelle Gegebenheiten, die weiterhin zu einer Dominanz des Autos führen.

Viele finden es wichtig, dass öffentlicher und Fahrradverkehr ausgebaut, Lärm, Abgase und Feinstaub durch den Straßenverkehr verringert sowie weniger Naturflächen für den Verkehr in Anspruch genommen werden. So meinen 53 Prozent, dass Umwelt- und Klimaschutz bei der Verkehrspolitik eine übergeordnete Bedeutung haben soll und weitere 41 Prozent sagen, dass dieser neben den eigentlichen Aufgaben angemessen berücksichtigt werden soll. Die größte Handlungsmacht für eine derartige Verkehrswende sehen die Menschen dabei vor allem bei den Regierungen von Bund und Ländern und bei der Autoindustrie.

Alle Erkenntnisse, Grafiken und Diagramme sind in der Broschüre: Umweltbewusstsein in Deutschland 2018 zu finden.