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Unfallbilanz Deutschland 2017

Zahl der getöteten Radfahrer sinkt um 2,8 Prozent

Notarztwagen bei einem Rettungseinsatz
Notarztwagen bei einem Rettungseinsatz © Alexander Hunger

2017 starben im Durchschnitt fast 9 Menschen pro Tag im Straßenverkehr - Jede/r achte Verkehrstote war eine Radfahrerin oder ein Radfahrer

Im Jahr 2017 starben 3.180 Menschen bei Verkehrsunfällen in Deutschland. Dies waren 26 Verkehrstote oder 0,8 Prozent weniger als im Jahr davor und der niedrigste Stand seit mehr als 60 Jahren. Die Zahl der Verletzten ging gegenüber dem Vorjahr um 1,6 Prozent auf 390.312 zurück. "Dennoch gibt es keinen Grund zur Entwarnung – bei täglich etwa 7.200 polizeilich erfassten Verkehrsunfällen, knapp 1.100 Verletzten und fast 9 Todesopfern im Straßenverkehr", sagte Dr. Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes (Destatis), bei der Pressekonferenz am 12. Juli 2018 zur "Unfallentwicklung auf deutschen Straßen 2017".

Verkehrssicherheit für den Radverkehr verbessern - wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe

Viele Kommunen setzen verstärkt auf den Radverkehr, um die Innenstädte von Stau, Lärm und Schadstoffen zu entlasten. Die Verkehrssicherheit von Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern zu verbessern, ist daher eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe. Im Jahr 2017 starben 382 Radlerinnen und Radler auf Deutschlands Straßen, mehr als 79.000 wurden verletzt. Damit war jede beziehungsweise jeder achte Verkehrstote und jede beziehungsweise jeder fünfte Verletzte im Straßenverkehr eine Radfahrerin oder ein Radfahrer. Zwischen 2010 und 2017 ist die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland insgesamt um 13 Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Menschen, die getötet wurden, als sie mit dem Rad unterwegs waren, ist im Vergleich zu 2010 dagegen nahezu konstant geblieben.

Radfahrende Seniorinnen und Senioren besonders gefährdet

Radlerinnen und Radler der Generation 75+ sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. 2017 starben 155 Menschen dieser Altersgruppe bei einem Fahrradunfall. Ihr Anteil an allen im Straßenverkehr getöteten Fahrradfahrerinnen und -fahrern lag damit bei über 40 Prozent. Pkw sind mit Abstand die häufigsten Unfallgegner von Fahrradfahrerinnen und -fahrern. 2017 nahm die Polizei 46.200 Unfälle mit Personenschaden zwischen einem Fahrrad und einem Pkw auf. Dabei kamen 137 Radlerinnen und Radler ums Leben. Unfälle von Fahrrädern mit Güterkraftfahrzeugen sind im Vergleich dazu zwar nicht besonders häufig, haben aber oft schwere Unfallfolgen. 2017 kam es zu rund 3.100 dieser Unfälle. Dabei starben 76 Fahrradfahrerinnen und -fahrer. Bei etwa jedem dritten Verkehrsunfall mit Personenschaden, an dem ein Fahrrad und ein Güterkraftfahrzeug beteiligt waren, handelte es sich um einen Abbiege-Unfall. Dabei wurden 37 Fahrradfahrerinnen und -fahrer getötet

Mit steigendem Pedelec-Besitz steigen auch die Unfälle mit diesen Fahrrädern

Seit 2014 hat sich die Zahl der Unfälle mit Pedelecs mehr als verdoppelt. Im Jahr 2014 hatte es 2.245 Pedelec-Unfälle mit Personenschaden gegeben. Dabei wurden 39 Menschen auf diesem Verkehrsmittel getötet. Im Jahr 2017 gab es bereits 5.206 Unfälle, bei denen 68 Menschen auf Pedelecs ihr Leben verloren.

Das Unfallgeschehen der vergangenen zehn Jahre unter anderem zu Fahrrädern stellt der Verkehrsunfallkalender des Statistischen Bundesamtes visuell dar. Die Kalendergrafiken bieten Unfalldaten auf Tagesbasis und bieten beispielsweise einen Überblick über besonders unfallreiche Tage.
Kein Rückgang der Zahl der im Straßenverkehr getöteten Radlerinnen und Radler im Vergleich zum Jahr 2010
(Statement von Mirjam Bick; Bereich "Verkehrszweigübergreifende Aufgaben, Personenverkehr, Verkehrsunfälle"):

Im Jahr 2017 starben 382 Fahrradfahrerinnen und -fahrer auf Deutschlands Straßen, mehr als 79.000 wurden verletzt. Damit war jede/-r achte Verkehrstote und jede/-r fünfte Verletzte im Straßenverkehr eine Fahrradfahrerin oder ein Fahrradfahrer.

Zwischen 2010 und 2017 ist die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland insgesamt um 13 Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Menschen, die getötet wurden, als sie mit dem Rad unterwegs waren, ist im Vergleich zu 2010 dagegen nahezu konstant geblieben.

Es gab deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Altersgruppen. Bei Kindern und jungen Erwachsenen oder bei den 65- bis 74-Jährigen zum Beispiel ging die Zahl der getöteten Fahrradfahrerinnen und -fahrer seit 2010 zurück. Bei Jugendlichen blieb die Zahl zumindest konstant. Dagegen starben deutlich mehr Menschen der Generation 75+, als sie einen Unfall mit dem Fahrrad hatten: 2010 waren 92 mindestens 75-Jährige ums Leben gekommen. Ihr Anteil an allen im Straßenverkehr getöteten Fahrradfahrerinnen und -fahrern hatte 24 Prozent betragen. 2017 waren es in absoluten Zahlen bereits 155 Personen dieser Altersgruppe, die bei einem Unfall mit dem Fahrrad starben. Ihr Anteil an allen im Straßenverkehr getöteten Fahrradfahrerinnen und -fahrern lag damit bei rund 40 Prozent.

Dass die älteren Radlerinnen und Radler besonders gefährdet sind, zeigt sich auch daran, dass von 2010 bis 2017 die Zahl der verletzten Radlerinnen und Radler ab 75 Jahre sogar um 81 Prozent gestiegen ist (von 3.659 auf 6.611 Personen).

Bei 46.200 Radunfällen mit Personenschaden waren Pkw beteiligt, bei 3.100 Radunfällen Güterkraftfahrzeuge

Pkw sind mit Abstand die häufigsten Unfallgegner von Fahrradfahrerinnen und -fahrern. 2017 gab es 46 200 Unfälle zwischen einem Fahrrad und einem Pkw, bei denen Menschen zu Schaden kamen. Dabei starben 137 Radlerinnen und Radler, rund 46.000 wurden verletzt.

Unfälle mit Güterkraftfahrzeugen (wie Lkw oder Sattelzugmaschinen) sowie Fahrradfahrerinnen und -fahrern sind zwar nicht besonders häufig, haben aber oft relativ schwere Unfallfolgen. 2017 nahm die Polizei rund 3.100 dieser Unfälle mit Personenschaden auf. Dabei kamen 76 Fahrradfahrerinnen und -fahrer ums Leben, 2.981 wurden verletzt. Im Fokus öffentlicher Diskussionen steht gerade die Einführung von Abbiegeassistenten für schwere Lastwagen, die Unfälle zwischen Güterkraftfahrzeugen und Fahrrädern verhindern sollen. Bei etwa jedem dritten Verkehrsunfall mit Personenschaden, an dem ein Fahrrad und ein Güterkraftfahrzeug beteiligt waren, handelte es sich um einen Abbiege-Unfall. Bei dieser Art von Unfällen starben 37 Fahrradfahrerinnen und -fahrer, 961 erlitten Verletzungen.

99 Radfahrerinnen und -fahrer starben 2017 bei Alleinunfällen. Das heißt, es war kein Unfallgegner beteiligt.

Auf Landstraßen sind die Unfallfolgen für Radlerinnen und Radler besonders schwer

91 Prozent aller Fahrradunfälle mit Personenschaden ereigneten sich innerorts. Das spiegelte sich auch bei den Verletzten wider. 91 Prozent aller im Straßenverkehr verletzten Fahrradfahrerinnen und -fahrer kamen innerhalb geschlossener Ortschaft zu Schaden. Gerade für Radlerinnen und Radler sind die Unfallfolgen auf Landstraßen jedoch häufig besonders schwer. Nur 9 Prozent aller Fahrradunfälle ereigneten sich auf Landstraßen. Aber 17 Prozent der schwerverletzten und 34 Prozent der getöteten Radfahrerinnen und Radfahrer verunglückten auf Landstraßen.

Rund zwei Drittel aller verunglückten Fahrradfahrerinnen und -fahrer kamen im Sommerhalbjahr zu Schaden

Im Jahr 2017 ereigneten sich 65 Prozent aller Fahrradunfälle, bei denen ein Mensch verletzt oder getötet wurde, im Sommerhalbjahr. Der Anteil im Winterhalbjahr lag bei nur 35 Prozent aller Fahrradunfälle. Auch rund 65 Prozent der verletzten und getöteten Fahrradfahrerinnen und -fahrer verunglückten in den Monaten von April bis September. Zum Vergleich: Bei Pkw-Fahrerinnen und -Fahrern waren es 53 Prozent der Unfälle und 50 Prozent der Verunglückten.

Der Juni war der Monat, in dem die meisten Fahrradunfälle mit Personenschaden registriert wurden. Die wenigsten Fahrradunfälle ereigneten sich im Januar. Dies spiegelt sich auch bei den Getöteten wider: Im Juni 2017 starben 50 Menschen, als sie mit dem Fahrrad unterwegs waren. Das war knapp jede/-r achte aller getöteten Fahrradfahrerinnen und -fahrer des Jahres 2017. Zum Vergleich: Im Dezember 2017 waren es 14 getötete Personen auf dem Rad, im Januar 15 getötete Personen.

Die meisten Unfälle passierten 2017 darüber hinaus bei Tag (82,2 Prozent), nur 4,7 Prozent in der Dämmerung und 13,1 Prozent bei Dunkelheit.

Radlerinnen und Radler, die in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt waren, trugen an weniger als der Hälfte der Unfälle die Schuld

Nicht einmal die Hälfte aller Radlerinnen und Radler (43 Prozent), die 2017 in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt waren, hatte diesen auch verschuldet. Jedoch gab es deutliche Unterschiede je nach Unfallgegner: Wenn ein Lkw beteiligt war, trug die Person auf dem Fahrrad zu rund 20 Prozent die Hauptschuld. Wenn ein Pkw beteiligt war, lag der Anteil bei 25 Prozent. Bei Unfällen mit Fußgängerinnen und Fußgängern waren dagegen rund 60 Prozent der Fahrradfahrerinnen und -fahrer hauptverantwortlich.

Pedelecs werden immer beliebter. Anfang 2017 gab es bereits rund 3,1 Millionen Elektrofahrräder in privaten Haushalten. 2014 waren es erst 1,6 Millionen gewesen.

Anzahl der Pedelec-Unfälle mit Personenschaden hat sich zwischen 2014 und 2017 mehr als verdoppelt

Mit dem Bestand an Pedelecs stieg auch die Zahl der Pedelec-Unfälle. Unfalldaten für Pedelecs liegen erstmals für das Jahr 2014 vor. In diesem Jahr hatte es 2.245 Pedelec-Unfälle mit Personenschaden gegeben. Dabei waren auf diesem Verkehrsmittel 39 Menschen getötet und 2.184 Menschen verletzt worden. Im Jahr 2017 gab es bereits 5 206 Unfälle mit 68 Getöteten und 5.047 Verletzten auf Pedelecs. Damit hat sich die Zahl dieser Unfälle mit motorisierten Fahrrädern seit 2014 mehr als verdoppelt.

Zwei Drittel der getöteten Pedelec-Fahrerinnen und -Fahrer waren 75 Jahre und älter

Auf dem Pedelec sind die Unfallfolgen in der Regel schwerer als auf einem klassischen Fahrrad. Bezogen auf 1.000 Unfälle mit Personenschaden ist das Risiko eines tödlichen Pedelec-Unfalls mehr als dreimal so hoch wie auf einem nicht-motorisierten Fahrrad.

Grund dafür ist insbesondere, dass Pedelecs häufig von Älteren gefahren werden. Bei einem älteren Menschen ist die Wahrscheinlichkeit höher, sich bei einem Sturz schwer oder tödlich zu verletzen.

Von 2014 bis 2017 starben 205 Menschen, die mit einem Pedelec unterwegs waren. 64 Prozent gehörten der Generation 75+ an. Zum Vergleich: Bei nicht-motorisierten Fahrrädern waren es 34 Prozent.

Bei Pedelec-Fahrerinnen und -Fahrern kommen weitere risikoerhöhende Faktoren hinzu: Zum einen ermutigt die Tretunterstützung auch körperlich eingeschränkte Menschen zum Fahrradfahren und ermöglicht längere Radtouren. Zum anderen scheinen laut der Unfallforschung der Versicherer (UDV) manche Seniorinnen und Senioren mit den höheren Geschwindigkeiten und dem höheren Gewicht der Pedelecs in einigen Situationen überfordert zu sein. Daher kommt es bei Unfällen mit Pedelecs relativ gesehen häufiger zu Alleinunfällen als bei Unfällen mit nicht-motorisierten Fahrrädern: 2017 waren knapp 30 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden, an denen Pedelec-Fahrerinnen und -Fahrer beteiligt waren, Alleinunfälle. Zum Vergleich: Bei Unfällen mit nicht-motorisierten Fahrrädern betrug der Anteil rund 19 Prozent.

Hauptunfallursache bei Pedelecs sowie bei klassischen Fahrrädern war die falsche Straßenbenutzung

Hauptursache von Unfällen mit Personenschaden, die Pedelec-Fahrerinnen und -Fahrer verursacht hatten, war die falsche Fahrbahnbenutzung (100 je 1.000 Beteiligte im Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2017). Darunter fällt zum Beispiel das Befahren einer Einbahnstraße in falscher Richtung. Als weitere Hauptunfallursachen folgten die nicht angepasste Geschwindigkeit (69) sowie die Missachtung von Vorfahrt oder Vorrang anderer Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer (56).

Radlerinnen und Radlern auf klassischen Fahrrädern, die einen Unfall mit Personenschaden verursacht hatten, wurde noch häufiger falsche Fahrbahnbenutzung vorgeworfen (136 je 1.000 Beteiligte) als Pedelec-Fahrerinnen und -Fahrern. Dies gilt auch für Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren. Personen auf Pedelecs fielen dagegen häufiger durch nicht angepasste Geschwindigkeit auf.