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Welche Unfallarten fürchten ältere und mittelalte Radfahrende am meisten?

Wahrnehmungsstudie: Gefahr von Alleinunfällen wird unterschätzt

Notarztwagen bei einem Rettungseinsatz
Notarztwagen bei einem Rettungseinsatz © Alexander Hunger

Wahrnehmung von Fahrradunfällen mit und ohne Kfz: Welche Unfallarten fürchten ältere und mittelalte Radfahrende am meisten?

  • Die überwiegende Mehrheit der Radfahrenden, die in Krankenhäuser eingeliefert werden, sind Opfer eines Alleinunfalls.
  • Die Mehrheit der Radfahrenden glaubt, dass Fahrrad-Kfz-Unfälle die meisten Krankenhausaufenthalte verursachen.
  • Die Wahrnehmungsverzerrung unter Radfahrenden ist in Regionen mit einem geringeren Radverkehrs-Anteil größer.
  • Die Risikowahrnehmung wird durch eigene Unfallerfahrungen der Radfahrenden beeinflusst.

Mehrere Studien haben sich auf das wahrgenommene Risiko von Fahrradunfällen (unabhängig von der Art des Unfalls) konzentriert und sind zu dem Schluss gekommen, dass das Radfahren in der Nähe großer Mengen von Kraftfahrzeugen die Menschen vom Radfahren abhält. Das wahrgenommene Risiko von Fahrradunfällen (mit oder ohne Kfz-Beteiligung) ist noch nicht untersucht worden. Sowohl in Ländern mit geringer als auch in Ländern mit hoher Radverkehrsbeteiligung ist die Wahrscheinlichkeit, dass Radfahrende bei Alleinunfällen schwere Verletzungen erleiden, wesentlich höher als bei Unfällen mit Fahrrädern unter Beteiligung von Kraftfahrzeugen.

In der vorliegenden Fragebogenstudie soll verglichen werden, welche Fahrradunfallarten als Ursache für die meisten Krankenhausaufenthalte unter Radfahrern wahrgenommen werden. Die Studie umfasste Radfahrer über 55 Jahre in den Niederlanden und über 40 Jahre in den belgischen Regionen Flandern (eine Region mit hoher Radverkehrsbeteiligung), Brüssel und Wallonien (Regionen mit geringer Radverkehrsbeteiligung).

Die Mehrheit der befragten Radfahrenden (60 Prozent) nimmt an, dass Fahrrad-Kfz-Unfälle die meisten Krankenhauseinweisungen unter Radfahrenden verursachen. Dieser Prozentsatz ist in den Regionen Brüssel und Wallonien am höchsten und in den Niederlanden am niedrigsten. Radfahrende, die selbst in einen Fahrrad-Motorfahrzeug-Unfall verwickelt waren, betrachten diesen Unfalltyp eher als die häufigste Ursache für Krankenhausaufenthalte unter Radfahrern, während Radfahrende über 60 Jahre, die in einen Unfall ohne Motorfahrzeug verwickelt waren, diesen Unfalltyp eher als die häufigste Ursache für Krankenhausaufenthalte unter Radfahrern ansehen.

Die geringere Wahrnehmungsverzerrung in den Untersuchungsgebieten mit höherer Radverkehrsbeteiligung - insbesondere in den Niederlanden und in etwas geringerem Maße in Flandern - ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die Fahrradinfrastruktur stärker vom Hochgeschwindigkeits-Motorverkehr getrennt ist, so dass Radfahrer weniger den damit verbundenen Gefahren ausgesetzt sind.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Radfahrer die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen bei Unfällen mit nur einem Fahrrad unterschätzen. Neue Interventionen sollten deshalb das Bewusstsein für die Gefahr von Alleinunfällen schärfen und Lösungen zur Vermeidung solcher Unfälle bieten.

Meta Infos
Stand der Information
9. Mai 2020
Weitere Informationen
Quelle
P. Schepers, B. de Geus, J. van Cauwenberg, T. Ampe, C. Engbers: "The perception of bicycle crashes with and without motor vehicles: Which crash types do older and middle-aged cyclists fear most?" in Transportation Research Part F: Traffic Psychology and Behaviour, April 2020
Land
Belgien
Niederlande
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen
Schlagworte