Sie sind hier

Verkehrliche Auswirkungen der Corona-Krise

Verkehr in Kiel nimmt insgesamt ab - Fahrrad ist Verkehrsmitttel der Stunde

Kieler Innenförde, Blickrichtung Nordosten; links Westufer mit Stadtkern, rechts Ostufer mit HDW (Werft); Luftaufnahme 2003
Kieler Innenförde, Blickrichtung Nordosten; links Westufer mit Stadtkern, rechts Ostufer mit HDW (Werft); Luftaufnahme 2003 © Klaas Ole Kürtz (Drbashir117) / Wikimedia

Weniger Verkehr in Kiel in Zeiten der Corona-Krise

Die Landeshauptstadt Kiel beobachtet die Auswirkungen der aktuellen Kontaktbeschränkungen auf das Verkehrsaufkommen im Stadtgebiet. Für die Auswertung wurden Zähldaten von sechs Messstellen ausgewertet. Alle erfassen das Verkehrsaufkommen an wichtigen Verkehrsachsen. Hierzu zählen der Theodor-Heuss-Ring unterhalb des Waldwiesenkreisels, der Ostring, der Schützenwall und die B404 auf Höhe des Knotenpunktes Hofteichstraße sowie die Veloroute 10 in Höhe Hasseldieksdammer Weg und in Höhe Kitz/Universität.

Das Ergebnis: Das Verkehrsaufkommen ist im untersuchten Zeitraum an allen Messstellen weniger geworden, an einigen sogar erheblich. Mit der ersten Allgemeinverfügung und den damit verbundenen Schulschließungen (14. März 2020) konnte ein erster Rückgang des Verkehrsaufkommens beobachtet werden. 

Theodor-Heuss-Ring: Am 18. März konnte bei der Auswertung auf Höhe des Waldwiesenkreisels eine Abnahme des Verkehrsaufkommens um 17 Prozent festgestellt werden. Dieser Wert wurde auch bei der Bewertung der Messwerte der Luftmessstation am Theodor-Heuss-Ring berücksichtigt. In der darauffolgenden Woche nahm der Verkehr weiter ab, so dass im Vergleich zu dem Zeitraum vom 2. bis 8. März das Verkehrsaufkommen um 37 Prozent geringerer war (Rückgang von 565.233 auf 355.711 Fahrzeuge pro Woche). Der Prozentsatz entspricht in etwa auch dem auf anderen Fernstraßen. (B404 minus 40 Prozent und Ostring minus 38 Prozent). 

Schützenwall: Hier fällt der Rückgang noch größer aus. So ist das Verkehrsaufkommen gegenüber dem Vergleichszeitraum (2. bis 8. März) um 51 Prozent zurückgegangen (von 151.536 auf 73.851 Fahrzeuge pro Woche). Ein möglicher Grund: Die Geschäfte in der Innenstadt sind geschlossen und es finden keine Veranstaltungen mehr in der Sparkassen-Arena statt. 

Das gesamte Stadtgebiet: Anhand der Zahlen lassen sich auch Rückschlüsse für das gesamte Stadtgebiet ziehen. So ist davon auszugehen, dass sich der Verkehr (Kraftfahrzeuge) insgesamt um etwa 40 Prozent reduziert hat. Das sagt jedoch wenig über den Öffentlichen Nahverkehr, den Rad- oder Fußverkehr aus. Denn während die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ebenfalls deutlich zurückgegangen ist, trifft dies für den Rad- und Fußverkehr nur auf bestimmte Aktivitäten zu. So fahren ebenfalls weniger Personen mit dem Fahrrad zur Arbeit. Dafür sind mehr Menschen zu Fuß oder mit dem Rad in ihrer Freizeit unterwegs, auch bedingt durch das gute Wetter. Das ist jedoch nicht problematisch, da sich der Verkehr mehr verteilt. Für den Radverkehr lässt sich dieses geänderte Verhalten deutlich auf der Veloroute 10 feststellen, wo die täglichen Wege zur Arbeit oder Universität abgenommen haben, aber der Freizeitverkehr das nahezu kompensiert.

Mobilitätswende: Die aktuellen Verkehrszahlen bieten der Landeshauptstadt wichtige Erkenntnisse für die angestrebte Mobilitätswende. Der Rückgang beim fließendem Kfz-Verkehr entspricht in etwa den Zielwerten aus dem Masterplan 100 Prozent Klimaschutz und dem Masterplan Mobilität. Derzeit geht das allerdings mit einem Rückgang der täglichen Mobilität der Kielerinnen und Kieler einher, was im Jahr 2035 oder 2050 nicht die Realität sein wird. Aktuell ist erkennbar, wie viel Platz benötigt werden würde, ohne dass Staus zu befürchten sind. Der so entstandene Verkehrsraum kann zum Beispiel für attraktive Radverkehrsanlagen, eigene ÖPNV-Trassen und zur Steigerung der Aufenthaltsqualität genutzt werden. 

Sperrung der Straße Kiellinie verlängert bis zum 10. Mai 2020: Die Stadt verlängert die temporäre Sperrung eines Abschnitts der Kiellinie. Zwischen der Einmündung Lindenallee und dem Marinestützpunkt bleibt die Fahrbahn für Kraftfahrzeuge bis einschließlich Sonntag, 10. Mai 2020, gesperrt. Für Radfahrerinnen und Radfahrer bleibt es bei der Sperrung im ersten Abschnitt der Straße Kiellinie zwischen dem Bernhard-Harms-Weg ("Gosch") und der Einmündung Lindenallee. Damit die Abstandsregelungen eingehalten werden können, ist dort das Radeln auf dem Radweg neben dem Gehweg vorübergehend verboten. Radfahrerinnen und Radfahrer benutzen stattdessen die Fahrbahn.