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Mehr Umwege oder Umstieg auf andere Verkehrsmittel

Verhaltensänderung von Radfahrenden durch Verkehrsrisiken, Lärm und Abgase

Fußgänger und Radfahrer in einer Fußgängerzone
© Jörg Thiemann-Linden

Studie: "Auswirkungen von wahrgenommenen Verkehrsrisiken, Lärm und Abgasen auf das Verhalten von Radfahrern: Eine wirtschaftliche Bewertung"

Aktive Fortbewegungsarten wie Gehen, Radfahren und andere Varianten, bei denen die aktiven Menschen verschiedenen negativen Auswirkungen des Kraftfahrzeugverkehrs ausgesetzt sind, einschließlich Verletzungsrisiken, Lärm und Luftschadstoffen, schadet diesen Menschen direkt und trägt dazu bei, sie von diesen Fortbewegungsarten abzuhalten, wodurch ein sich selbstverstärkender Kreislauf aus weniger aktiven Fahrten, mehr motorisierten Fahrten und den daraus resultierenden schädlicheren Auswirkungen entsteht. Diese Auswirkungen sind weithin bekannt, werden aber selten quantifiziert.

Die im Januar 2019 veröffentlichte Untersuchung bewertet diese Auswirkungen und ihre Folgen, indem sie die zusätzlichen Entfernungen, die Radfahrer zurücklegen, um Straßen mit schwerem Kraftfahrzeugverkehr zu vermeiden, anhand einer Stichprobe, bei der deutsche und österreichische Mitglieder von Fahrradverbänden (n = 491) befragt wurden. Mithilfe der Befragung konnten die zusätzlichen Kosten monetarisiert werden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Befragten durchschnittlich 6,4 Prozent längere Strecken zurücklegen, um Verkehrsbelastungen, einschließlich Verletzungsrisiken, Luft- und Lärmbelästigung, zu vermeiden.

Mit herkömmlichen Monetarisierungsmethoden verursachen diese Umwege private Kosten von geschätzt mindestens 0,24 Euro pro Radkilometer, zuzüglich erhöhter externer Kosten, wenn die Reisenden von nicht-motorisierten zu motorisierten Fortbewegungsarten wechseln.

Die konventionelle Verkehrsplanung neigt dazu, diese Auswirkungen zu übersehen, was zu Überinvestitionen in den Ausbau von Auto-Fahrbahnen und zu Unterinvestitionen in andere Arten von Verkehrsverbesserungen führt, einschließlich Gehwegen, Radwegen, Verkehrsberuhigung und Geschwindigkeitsreduzierungen. Diese Erkenntnisse sollten für die Verkehrsplanung und -ökonomie jedoch von Bedeutung sein.

Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigten auch, dass die Wahrnehmungen dieser Auswirkungen unterschiedlich sind und sich im Laufe der Zeit ändern können. So wurden beispielsweise die Verkehrsbelastungen in deutschen Städten, die zwar bei weitem nicht ideal für Radfahrer sind, als besser wahrgenommen als in anderen Ländern. Radfahrer äußerten auch ein Bewusstsein für Abgase, möglicherweise als Folge der öffentlichen Diskussionen über Diesel-Emissionen und Gerichtsbeschlüsse zur Einschränkung alter Diesel-Pkw-Modelle in Städten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die geführten Interviews die zentrale Bedeutung der Abgase für das Verhalten von Radfahrern bestätigten. Diese Erkenntnisse wurden zur Gestaltung des quantitativen Teils der Studie genutzt.

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Stand der Information
24. März 2019
Weitere Informationen
Quelle
mdpi.com - Sustainability 2019, 11(2), 408; doi:10.3390/su11020408 
 
Land
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