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Vermeidung von schweren Abbiegeunfällen

Verbesserte Sicherheitsnormen für Lkw in Europa kommen erst 2022

Lkw schneidet beim Abbiegen ein fahrradfahrendes Kind
Lkw schneidet beim Abbiegen ein fahrradfahrendes Kind © Deutscher Verkehrssicherheitsrat e. V., Bonn

Am 10. März 2015 wurden offizielle Gespräche zwischen EU-Parlament und Europarat aufgenommen, mit dem Ziel, die Entwicklung aerodynamischerer und sichererer Lkw-Fahrerkabinen zu ermöglichen. Dafür soll die Richtlinie 96/53 aktualisiert werden, die die maximal erlaubte Größe und das Gewicht der Lkw beschreibt, die im grenzüberschreitenden Verkehr unterwegs sein dürfen. Das neue Regularium soll es den Herstellern ermöglichen, die Fahrerkabinen (die bisher eine rechteckige Brikettfom haben müssen) so zu gestalten, dass sich dadurch z. B. die Sichtverhältnisse (Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger) verbessern und die Aerodynamik erhöht werden kann.

Der Fortschritt in dieser seit Jahren geführten Diskussion wird laut europäischem Radfahrerverband ECF dadurch getrübt, dass bestimmte Lkw-Herstellerfirmen in ihren jeweiligen Mitgliedsstaaten ihre Interessen durchsetzten, um eine Veränderung der Richtlinien so lange wie möglich herauszuzögern, mit dem Ergebnis, das bessere Lkw-Modelle erst ab 2022 [1] auf Europas Straßen zu sehen sein werden.

Die aktuellen quaderförmigen Kabinen dürfen nicht länger als 2,35 m sein, was zu einer extrem hohen Fahrerposition führt. Neue Designs würden laut ECF die Größenbeschränkungen der Kabinen lockern und positive Auswirkungen auf die direkte Sicht aus der Kabine heraus haben, rundere Formen der Fahrerkabine würden es außerdem ermöglichen, dass es zu weniger schwerwiegenden Kollisionen mit tödlichem Ausgang für schwächere Verkehrsteilnehmer (Fußgänger und Radfahrer) käme. Eine Konkretisierung der vorzuschlagenden Sicherheitsanforderungen für Lkw soll noch 2015 oder 2016 veröffentlicht werden [2], im Rahmen einer Anpassung der allgemeinen Sicherheitsbestimmungen der EU-Kommission.

Ceri Woolsgrove, beim ECF für die Verkehrssicherheit zuständig, sagte: "Obwohl Lkw nur rund 3 Prozent der EU-Fahrzeugflotte ausmachen, sind sie an rund 25 Prozent der Todesfälle von Radfahrern beteiligt, infolge von Zusammenstößen mit allen Formen von Lastkraftwagen, viele als Ergebnis von Abbiegevorgängen. Schockierend ist es, dass es keine europäische Verordnung darüber gibt, die eine direkte Sicht vorschreibt, sondern nur indirekt (über Spiegel). Wir, der ECF, haben immer wieder auf die Notwendigkeit aufmerksam gemacht, dass die direkte Sicht aus Lkw verbessert werden muss, und wir hoffen, dass diese Unfälle der Antrieb sind, sicherheitstechnisch geeignete Lkw auf die europäischen Straßen und insbesondere in städtische Gebiete [3] zu bringen."

[1] Die neuen Regeln sollen von den Mitgliedstaaten bis zum Jahr 2019 verabschiedet werden, aber es wird eine Drei-Jahres-Moratorium für deren Einführung geben.
[2] Die Sicherheitsvorschriften werden im Rahmen der Überarbeitung der Vorschriften zur "General Safety Regulation" 2015/2016 geändert.
[3] www.ecf.com/advocary/road-safety/mega-trucks

Zur Original-ECF-Mitteilung mit weiteren Informationen.

Meta Infos
Stand der Information
10. März 2015
Quelle
Europäischer Radfahrerverband / European Cyclists Federation ECF (www.ecf.com)
Land
Europa / EU
Handlungsfelder NRVP
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Schlagworte
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