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Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) positioniert sich zur Vernetzung der Mobilitätsangebote

Fahrradbügel an einer Straßenbahnhaltestelle
Fahrradbügel an einer Straßenbahnhaltestelle © Alexander Hunger

Öffentlicher Personenverkehr als Basis für vernetzte Mobilität

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat sich zur Vernetzung von öffentlichem Personenverkehr mit weiteren Mobilitätsangeboten positioniert. Das VDV-Präsidium hat dazu in seiner Sitzung am 3. Mai 2013 in München ein entsprechendes Papier verabschiedet und macht deutlich, dass nur eine sinnvolle Kombination von Verkehrsmitteln die veränderten Mobilitätsbedürfnisse der großstädtischen Bevölkerung bedient. Busse und Bahnen nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein und benötigen deshalb entsprechende gesetzliche und finanzielle Rahmenbedingungen.

"Das Mobilitätsbedürfnis der Deutschen wächst. In Ballungsräumen und Großstädten lässt die Bedeutung des eigenen PKW gleichzeitig immer weiter nach. Die Bevölkerung wünscht sich eine sinnvolle und gute Vernetzung verschiedener Verkehrsträger, und dabei spielt der Nahverkehr eine entscheidende Rolle", erklärt VDV-Präsident Jürgen Fenske. Allerdings können auch Busse und Bahnen, die darauf ausgelegt sind viele Fahrgäste gleichzeitig zu befördern, nicht alle individuellen Ansprüche ihrer Kunden bedienen. "Multimodale Mobilität heißt deshalb aus Sicht unserer Branche, eine optimale Kombination der Verkehrsmittel bei gleichzeitiger Verkehrsverlagerung hin zum öffentlichen Personenverkehr. Denn nur durch Verlagerung und gleichzeitige Vernetzung bekommt man die Klima-, Umwelt- und Lärmprobleme im Verkehrssektor gelöst", so Fenske.

Vom Verkehrsverbund zum Mobilitätsverbund

Der VDV sieht dabei auch in der eigenen Branche Entwicklungsmöglichkeiten. Die klassische Nutzung von Bus und Bahn alleine reicht vielen Fahrgästen nicht mehr aus, um ihre individuellen Mobilitätsbedürfnisse zu befriedigen. Deshalb, so der Verband in seinem Positionspapier, müssen weitere Verkehrsträger wie das Fahrrad oder auch Carsharing stärker in das Leistungsangebot der Verkehrsunternehmen und Verbünde integriert werden. "Idealerweise entwickeln wir uns damit in einer Stadt oder einer ganzen Region zu einem Mobilitätsverbund, in dem der Kunde alle Angebote aus einer Hand bekommt: Bus und Bahn, Carsharing, Taxifahrten, Fahrradverleihsysteme, etc. Erst das Zusammenführen verschiedener Leistungen ermöglicht ihm eine flexible Kombination und Nutzung", sagt Fenske.

Politik muss geeignete Rahmenbedingungen schaffen

Die erfolgreiche Entwicklung hin zum Mobilitätsverbund setzt entsprechende Rahmenbedingungen voraus. Der VDV sieht hier auch die Städte und Gemeinden, die Länder, den Bund und die EU in der Verantwortung. Im Positionspapier finden sich deshalb eine Reihe von konkreten Forderungen an die politischen Entscheider der unterschiedlichen Ebenen. "Wir als Branche werden dazu beitragen, die Verknüpfung von Mobilitätsangeboten und damit die nachhaltige Mobilität in den Städten und Regionen auszubauen. Dafür brauchen wir aber entsprechende Rahmenbedingungen, und zwar rechtlich wie auch finanziell. Und dafür muss die Politik sorgen. Solche Fehlentwicklungen wie die einseitige Förderung von Elektroautos oder kostenlose Parkplätze in den Innenstädten darf es dann nicht mehr geben", sagt Fenske abschließend.

Download des VDV-Positionspapiers: Der ÖPNV: Rückgrat und Motor eines zukunftsorientierten Mobilitätsverbundes (AG "Multimodale Mobilitätsangebote" des VDV-Ausschusses für Strategie)

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Auszüge aus dem Papier (mit Fahrradbezug):

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen möchte die Integration von ergänzenden Angeboten in den ÖPV einschließlich differenzierter Bedienungsweisen und Carsharing, Fahrrad, Taxen sowie weiteren Dienstleistungen in ganzheitlichen Mobilitätsplattformen in den kommenden Jahren angepasst an die lokalen Situationen vorantreiben. Dazu sind Rahmenbedingungen erforderlich, die dies ermöglichen und unterstützen. Diese sind:


  • rechtliche Rahmensetzungen,

  • Förderprogramme für Standards und Pilotprojekte sowie

  • zielgerichtete Planungsinstrumente,

die die VDV-Mitgliedsunternehmen für die Städte und Gemeinden, die Länder, den Bund und die EU als gemeinsame Ziele mit konkreten Maßnahmen vorschlagen wollen.

(...)

Städte, Kreise und Gemeinden - Förderprogramme für Standards und Pilotprojekte

Finanzierung bzw. Mitfinanzierung/Förderung von Radverkehr bzw. kombinierter Nutzung von ÖPV und Rad, nämlich:


  • Ausbauprogramme Bike+Ride

  • allgemeine Förderung des Radverkehrs

  • Auf-/Ausbau öff entlicher Fahrradverleihsysteme

  • Finanzielles Engagement oder Gewährung von Rechten"

(...)

Forderungen an die Länder - Förderprogramme für Standards und Pilotprojekte


  • Schaffung eines Fördertopfes für den Ausbau von Radverkehrssystemen und Fahrradverleihsystemen sowie für den Ausbau von Bike-and-Ride-Anlagen.

(...)

Zielgerichtete Planungsinstrumente


  • Setzung des Ziels eines möglichst flächendeckenden Bike-and-Ride-Ausbaus (Haltestelle zur Vernetzung und Attraktivitätssteigerung).

(...)

Forderungen an den Bund


  • Schaffung bzw. Erweiterung von Experimentierklauseln bei Fördertatbeständen und im Straßen(benutzungs)recht.


Förderprogramme für Standards und Pilotprojekte


  • BMVBS: Förderprojekt mit Modellcharakter für die Umgestaltung von Straßenräumen mit anspruchsvoller städtebaulicher Integration von Fahrradverleihstationen und Radabstellanlagen.

  • BMVBS: Einrichtung eines Budgets zur Förderung von Radverkehrssystemen, Fahrradverleihsystemen und innovativen Bike-and-Ride-Anlagen.

  • BMVBS/BMU: Beauftragung einer Studie zu den künftigen Potenzialen der Vernetzung multimodaler Angebote rund um den ÖPV in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft.

  • BMU/UBA: Begleitforschung zu Umwelteffekten multimodaler Mobilität und Überprüfung von Annahmen und Modellen (z. B. "tremod").

  • BMVBS: Förderung einer weiteren "IT-Off ensive" des ÖPNV, Einrichtung von verbundenen, auf einheitlichen technischen Standards basierenden, umfassenden multimodalen Informations-und Buchungsplattformen, Ausbau des eTickets Deutschland einschließlich Touch & Travel als multimodale Zugangsbasis. Die eTicket-Förderinitiative sollte wiederbelebt werden. Eine Förderung sollte die Schaffung von Schnittstellen zu Carsharing- und Fahrradverleihsystemen, Bike-and-Ride-Anlagen sowie sonstigen Mobilitätsdienstleistungen enthalten.

(...)

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Zur Original-VDV-Mitteilung

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Stand der Information
20. Mai 2013
Quelle

VDV - Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (www.vdv.de)

Land
Deutschland
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen
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