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Schriftenreihe "Mobilität mit Zukunft"

VCÖ-Publikation "Arbeitswege in Österreich auf Klimakurs bringen"

VCÖ-Factsheet "Arbeitswege in Österreich auf Klimakurs bringen"
VCÖ-Factsheet "Arbeitswege in Österreich auf Klimakurs bringen" © vcoe.at

VCÖ-Publikation "Arbeitswege in Österreich auf Klimakurs bringen"

Arbeitswege sind werktags in Österreich der häufigste Wegzweck und werden großteils mit dem Pkw erledigt. Arbeitswege sind ein wichtiger Hebel, um insgesamt die Klimaverträglichkeit des Verkehrs zu verbessern. Da es sich beim alltäglichen Weg zum Arbeitsplatz um eingeübte Routinen handelt, sind starke Anreize und Informationen notwendig, um Veränderungen des Mobilitätsverhaltens zu erreichen. Das zeigt die im Februar 2020 veröffentlichte VCÖ-Publikation "Arbeitswege auf Klimakurs bringen", die als Vollversion die Thematik auf 32 Seiten beschreibt sowie als Faktenblatt auf 4 Seiten.

Betriebliches Mobilitätsmanagement

Viele Beispiele zeigen, dass mit Mobilitätsmanagement der Autoverkehr zum Arbeitsplatz erfolgreich reduziert werden kann, zum Nutzen der Beschäftigten, der Betriebe sowie der Städte und Gemeinden. Ähnlich wie die Vorlage eines Energieausweises in Österreich seit dem Jahr 2012 verpflichtend ist, sollte auch Mobilitätsmanagement für Betriebe ab 50 Beschäftigten vorgeschrieben werden. Bei Neuansiedlung oder Erweiterung von Betriebsgeländen sollte eine adäquate Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz Voraussetzung sein.

Aufbrechen von Mobilitätsroutinen

Arbeitswege sind geprägt von eingeübten Routinen. Wer mit dem Pkw zur Arbeit fährt, nutzt zudem den Pkw gewohnheitsmäßig auch für andere Wege öfter. Lebensumbrüche wie der Wechsel des Wohnorts oder Berufs, sind gute Gelegenheiten, um Mobilitätsroutinen zu verändern. Vor allem bei jüngeren Menschen ist das Potenzial groß. So gaben mehr als die Hälfte der unter 29-Jährigen, die in den vorangegangenen fünf Jahren Pkw-Fahrten auf die Bahn verlagert haben, bei einer repräsentativen Umfrage an, dass der Wechsel des Wohnorts oder Arbeitsplatzes auf die Verkehrsmittelwahl großen oder sehr großen Einfluss hatte.

37 Prozent der Wege zur Arbeit kürzer als fünf Kilometer

Insgesamt ist der Anteil der Autofahrten beim Arbeitsweg besonders hoch. Während insgesamt 47 Prozent der Alltagswege in Österreich hinter dem Autolenkrad sitzend zurückgelegt werden, sind es beim Arbeitsweg 60 Prozent. Auch die Zahl der Fahrgemeinschaften ist sehr gering. Nur fünf Prozent der Beschäftigten fahren auf dem Arbeitsweg im Auto mit. Nur der Anteil des Öffentlichen Verkehrs ist mit 20 Prozent auf den Arbeitswegen etwas höher als im Schnitt.

Und obwohl 37 Prozent der Wege zur Arbeit kürzer als fünf Kilometer und damit in Radfahrdistanz sind, werden nur sieben Prozent tatsächlich mit dem Fahrrad gefahren. Der Trend zum Elektro-Fahrrad vergrößert das Potenzial der aktiven Mobilität am Arbeitsweg. In Österreich gibt es bereits mehr als 600.000 E-Fahrräder, und damit rund 20 Mal so viele wie E-Pkw. Gehen und Radfahren sind zudem eine gute Ergänzung zum Öffentlichen Verkehr. Deshalb ist es wichtig, dass Haltestellen und Bahnhöfe optimal zu Fuß und mit dem Fahrrad erreichbar sind und über ausreichend wettergeschützte und sichere Abstellplätze für Fahrräder verfügen.

Auch bei den Pendlerinnen und Pendlern, also jenen Erwerbstätigen, die außerhalb ihrer Wohngemeinde arbeiten, ist das Potenzial für den Radverkehr groß. 20 Prozent von ihnen wohnen weniger als zehn Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt. Insgesamt arbeiten in Österreich 53 Prozent der 4,2 Millionen Erwerbstätigen außerhalb ihrer Wohngemeinde. Fast die Hälfte hat einen Arbeitsweg von weniger als 20 Kilometer.

Jobrad und Jobticket statt Firmenwagen

Eine effektive Maßnahme zur Förderung aktiver Mobilität am Arbeitsweg ist die Bereitstellung von Jobrädern. Konkret sieht das österreichische "Jobrad-Modell" vor, dass Unternehmen für interessierte Beschäftigte Fahrräder anschaffen oder leasen und entweder kostenlos oder gegen ein vom Netto-Gehalt abgezogenes Nutzungsentgelt für dienstliche und private Fahrten zur Verfügung stellen. Am Ende der Laufzeit können die buchhalterisch abgeschriebenen Fahrräder für einen symbolischen Euro von den Beschäftigten übernommen werden.

Die Autorinnen und Autoren schlagen unter anderem folgende Maßnahmen vor:

  • Arbeitswege sind werktags mit Abstand der häufigste Wegzweck in Österreich, werden großteils mit dem Pkw zurückgelegt und sind daher ein wichtiger Hebel für mehr Klimaverträglichkeit im Verkehr.
  • Arbeitswege treten zeitlich und räumlich gehäuft auf und bieten daher gute Voraussetzungen für kollektive Verkehrsorganisation.
  • Erfolgreiches betriebliches Mobilitätsmanagement bringt einen messbaren Mehrwert für Beschäftigte, Unternehmen und Kommunen.
  • Potenzial der Bahn für Arbeitswege besser ausschöpfen. Gute Anbindung und ein attraktives Angebot sind Voraussetzungen dafür.
  • Mobilitätsroutinen bestimmen unsere Alltagswege, können jedoch durch starke Anreize nachhaltig verändert werden.
  • Durch "Gewohnheitsverallgemeinerung" wirken Routinen am Arbeitsweg auch auf die Verkehrsmittelwahl bei anderen Wegen.
  • Die Mobilität von Eltern beeinflusst die Verkehrsmittelwahl von Kindern und Jugendlichen nachhaltig.
  • Lebensumbrüche, wie Wechsel des Wohnorts oder Jobs, bieten einen guten Ansatzpunkt, um Mobilitätsroutinen gezielt zu verändern.
  • Unternehmen tragen eine soziale Verantwortung, die Mobilität ihrer Beschäftigten umweltverträglich mitzugestalten.
  • Vielfältige Mobilitätsmaßnahmen sind seit Jahren in der Praxis erprobt und bringen Vorteile für Unternehmen, Beschäftigte und Kommune.
  • Die öffentliche Verwaltung muss beim Thema Mobilitätsmanagement mit gutem Beispiel vorangehen.
  • Mobilitätsbeauftragte können helfen, nachhaltige Mobilität in der Unternehmenskultur zu verankern und Widerstände auszuräumen.
  • Viele Arbeitswege, sowohl in Städten als auch in Regionen, sind kurz und in Geh- oder Fahrraddistanz. E-Fahrräder vergrößern das Potenzial.
  • Aktive Mobilität am Arbeitsweg bietet eine große Chance, Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit zu erhöhen.
  • Die Zeit im Öffentlichen Verkehr am Arbeitsweg kann, anders als im Pkw, produktiv genutzt werden – entweder für private Zwecke oder zum Arbeiten.
  • Sowohl bewegungsaktiv zurückgelegte, als auch für berufliche Zwecke im Öffentlichen Verkehr genutzte Zeit schafft Mehrwert für Unternehmen. Diese Mobilitätszeit teilweise als Arbeitszeit anzurechnen, wäre ein großer Anreiz für mehr klimaverträgliche Arbeitswege.
  • Die derzeitige Pendelpauschale ist aus Klima-Perspektive kontraproduktiv und bevorzugt vor allem Wohlhabende. Eine sozial-ökologische Reform ist notwendig.
  • Für größere Betriebe sollte betriebliches Mobilitätsmanagement zum vorgeschriebenen Standard werden – ähnlich wie ein Energieausweis.
  • Mobilitätsverträge zwischen Kommunen und Betrieben können klare Vorgaben zur Förderung klimaverträglicher Mobilität schaffen.
  • Home-Office, Telework und Coworking Spaces haben Potenzial den Verkehrsaufwand für Arbeitswege zu reduzieren. Dabei sind mögliche Rebound-Effekte zu berücksichtigen.
  • Durch die Flexibilisierung der Arbeitszeiten ergeben sich Chancen und Herausforderungen für den Öffentlichen Verkehr. Ein gutes Angebot auch außerhalb der klassischen Pendelzeiten wird wichtiger.

Inhalt der Publikation "Mobilität mit Zukunft 1/2020 Arbeitswege auf Klimakurs bringen":

  • Mobilität zur Arbeit hat derzeit eine schlechte Klimabilanz
  • Mobilitätsroutinen zu ändern gelingt mit starken Anreizen
  • Mobilitätsmanagement in Unternehmen zum Standard machen
  • Arbeitswege als Zeitressource und Gesundheitsfaktor nutzen
  • Regulative Maßnahmen für klimaverträgliche Arbeitswege
  • Mobilität im Kontext einer flexibilisierten Arbeitswelt
  • Literatur, Quellen, Anmerkungen