Sie sind hier

Niederlande

Tote-Winkel-Spiegel allein unzureichend - zusätzliche Maßnahmen müssen Sichtfeld bei Lkw verbessern

Radfahrer fährt rechts an abbiegendem Lkw vorbei
Radfahrer fährt rechts an abbiegendem Lkw vorbei © Deutscher Verkehrssicherheitsrat e. V., Bonn

Unter der Überschrift: "Tote-Winkel-Spiegel allein unzureichend: zusätzliche Maßnahmen müssen Sichtfeld bei Lkw verbessern", berichtet die Ausgabe des Newsletters "SWOVSCHRIFT 107 - juli 2006" der niederländischen Forschungsgesellschaft für Verkehrssicherheit (SWOV) über eine Studie, die sich mit der Problematik des Toten Winkels bei abbiegenden Lastkraftwagen befasst.

Der Anteil der Unfälle, in die rechtsabbiegende Lkw und Radfahrer verwickelt werden, gibt laut SWOV weiterhin Anlass zur Sorge. So startete am 19. Juni 2006 in den Niederlanden ein Demonstrationsprojekt, bei dem im großen Maßstab zusätzliche Frontspiegel und Kameras für Lkw getestet werden. Diese Spiegel und Kameras müssen das Sichtfeld der Lkw-Fahrer so weit vergrößern, dass die sogenannten "Tote-Winkel-Unfälle" zurück gedrängt werden können.

Seit 2003 sind in den Niederlanden Tote-Winkel-Spiegel bzw. Tote-Winkel-Kameras für Lkw Pflicht. Nach einer anfänglichen Halbierung der tödlich verunglückten Radfahrer in den Jahren 2002/2003 ist dieser Anteil in den letzten zwei Jahren wieder gestiegen und hat das alte Niveau (vor Einführung der sichtverbessernden Systeme) wieder erreicht.

Tabelle: Jährlich in den Niederlanden getötete Radfahrer bei Unfällen mit rechstsabbiegenden Lkw:


Jahr



Anzahl
der getöteten Radfahrer bei Unfällen mit
rechstsabbiegenden Lkw



1997



20



1998



16



1999



15



2000



16



2001



19



2002



6



2003



7



2004



16



2005



15


Eine neue Studie "Das Problem mit rechtsabbiegenden Lkw - Eine Analyse, basierend auf den Unfällen des Jahres 2003 und die neuen europäischen Bestimmungen ab 2007" (erschienen als SWOV-Rapport "R-2006-2"), schlägt deshalb zusätzliche Maßnahmen vor:

SWOV-Studie: Risiko vor allem rechts vorn

Die momentan eingesetzten Tote-Winkel-Spiegel und Tote-Winkel-Kameras sind auf das Gebiet rechts hinter dem Lkw ausgerichtet. Die Studie hat jedoch ergeben, dass sich der Punkt der meisten Zusammenstöße zwischen Lkw und Radfahrer an der rechten Vorderkante des Lkw-Führerhauses befindet. Radfahrer, die sich rund um diesen Punkt aufhalten, können mit den heutigen Hilfsmitteln vom Lkw-Fahrer nur unvollständig gesehen werden.

Am 1. Januar 2007 treten neue europäische Regeln in Kraft. Diese Regeln schreiben vor, dass alle neuen Lkw mit einem extra Frontspiegel oder einer extra Kamera ausgestattet sein müssen. Diese müssen dann dafür sorgen, dass auch das Gebiet vor dem Lkw, das bisher nicht so gut sichtbar war, abgedeckt wird.

Niederländisches Demonstrationsprojekt

Das niederländische Verkehrsministerium möchte nun die Frontspiegel sowie die Kameras ein Jahr lang in einem Demonstrationsprojekt testen. Hierfür wurden 150 Lkw mit jeweils einem Frontspiegel bzw. einem Kamerasytem ausgerüstet. Die Untersuchung soll deutlich machen, wie die Systeme jeweils in der Praxis funktionieren und vor allem wie die Lkw-Fahrer damit umgehen. Unter genau festgelegten Bedingungen sollen belastbare Informationen und Testergebnisse geliefert werden, die Aufschluss darüber geben, wie die ab 2007 vorgeschriebenen Systeme am besten platziert und angebracht werden müssen. Anschließend kann auch leichter entschieden werden, ob es sinnvoll ist den bestehenden Wagenpark mit diesen Systemen nachzurüsten.

Allgemeines Muster der Unfallursachen

Die SWOV-Studie liefert nicht allein Erkenntnisse über den Hauptunfallschwerpunkt. Beim Hergang der meisten untersuchten Unfälle kann von einem verallgemeinerbaren Muster ausgegangen werden. So können sich rechtsfahrende Radler, bewusst oder unbewusst von der Anwesenheit des Lkw, nicht sicher sein, ob sie immer Vorfahrt bekommen. So sind bei den meisten Unfällen mit rechtsabbiegenden Lkw Fahrzeuge betroffen, die vor dem Abbiegevorgang angehalten haben, z.B. vor einer Ampel. In einem stehenden Lkw hat dessen Fahrer jedoch ein vermindertes Sichtfeld auf Radfahrer, die sich eventuell vor dem Fahrzeug befinden.

Andere Maßnahmen

Neben den sichtverbessernden Veränderungen am Fahrzeug schlägt die SWOV in ihrer Studie noch andere Maßnahmen vor, die das Unfallrisiko beseitigen oder mindern helfen, unter anderem durch:

  • Installation eines separaten Grünsignals, welches verhindert, dass Lkw und Radfahrer Knotenpunkte gleichzeitig benutzen (Vorgrün für Radler)
  • Installation von Verkehrspiegeln an Knotenpunkten
  • elekronische Radfahrer-Erkennungssysteme (Dedektoren)
  • Informationen für ungeschützte Verkehrsteilnehmer
  • größere Front- und Seitenfenster für Lkw
  • Verbot von Schwerlastverkehr in Stadtzentren

Die komplette Studie mit kann auf der SWOV-Website herunter geladen werden: swov.nl/rapport/r-2006-02.pdf

Literaturhinweis:

Rapportnummer: R-2006-2
Titel: Problematiek rechts afslaande vrachtauto's
Untertitel: Een analyse gebaseerd op de ongevallen van 2003 en de nieuwe Europese richtlijnen met ingang van 2007
Autor: Ing. C.C. Schoon
Projektleiter: Drs. H.L. Stipdonk
Projektnummer SWOV: 42.223

Quelle: www.swov.nl

Meta Infos
Stand der Information
7. August 2006
Quelle

"SWOVSCHRIT 107 - juli 2006" der niederländischen Forschungsgesellschaft für Verkehrssicherheit (SWOV)

Land
Niederlande
Europa / EU
Handlungsfelder NRVP
Verkehrssicherheit
Radverkehrsplanung und -konzeption
Kommunikation
Fahrradthemen
Verkehrssicherheit
Forschung
Veröffentlichungen