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Niederlande

SWOV-Studie zur Nutzung mobiler Geräte während der Fahrt mit dem Fahrrad

Ein Radfahrer telefoniert beim Fahrradfahren
Ein Radfahrer telefoniert beim Fahrradfahren © Doris Reichel

Nutzung portabler Medien-Abspielgeräte und Kommunikationsgeräte während des Radfahrens - Resultate einer großen Internet-Umfrage

Zunehmend besitzen Niederländische Fahrradnutzer portable Mediaplayer und/oder Handys/Smartphones, die sie auch oft unterwegs nutzen. Dies warf die Frage auf, wie oft sie das tun und welchen Einfluss die Nutzung dieser Geräte während des Radfahrens auf die Verkehrssicherheit hat. Deshalb startete im Sommer 2009 die niederländische Verkehrswissenschaftliche Forschungsgesellschaft SWOV in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut GfK eine Internetumfrage. Der nun vorliegende Report diskutiert die Ergebnisse der Studie und arbeitet Intensität sowie Art und Weise der Nutzung und die daraus resultierenden möglichen Konsequenzen für die Verkehrssicherheit heraus.

Die Internetstudie erfasste Daten von 2533 niederländischen Radfahrern zu folgenden Themen:

  • Nutzung dieser Geräte während des Radfahrens,
  • Betroffenheit von Radfahrern bei Unfällen,
  • Einfluss dieser Geräte bei Unfällen,
  • mögliche kompensatorische Verhaltensweisen bei Nutzung dieser Geräte während des Radfahrens.

Der genutzte Begriff "Gerät" schließt alle tragbaren Geräte ein, mit denen man telefonieren, Musik hören, Informationen finden, oder Nachrichten verfassen und versenden kann. Die interviewten Radfahrer, die schon mal in einen Fahrradunfall involviert waren, wurden befragt, in welcher Situation sie mit ihrem Rad zu Fall kamen. Diese Unfälle hatten in der Regel keine oder nur sehr leichte Verletzungen zur Folge. Es ist deshalb schwer, diese selbst-berichteten Unfälle mit offiziellen Unfallstatistiken zu vergleichen, die in der Regel schwerere Unfälle erfassen.

Die wichtigsten Auswertungsergebnisse der Internet-Umfrage

Nutzung der Geräte
Drei von 10 Radfahrern (31 Prozent) nutzen während der Fahrt niemals solche Geräte. Höchstens einer von sechs Radfahrern (17 Prozent) nutzte ein Gerät während mindestens einer bis zu allen Fahrten. Musik hören ist die meist verbreitete Beschäftigung während des Radfahrens: So hören 15 Prozent der Radfahrer bei fast jeder Fahrt Musik; 3,3 Prozent nutzen bei fast jeder Fahrt ein Handy, um Gespräche zu tätigen bzw. entgegen zu nehmen; 3 Prozent schreiben oder lesen während fast jeder Fahrt SMS; und 1,7 Prozent der Radfahrer sucht Informationen bei fast jeder Fahrt.
Die Nutzung dieser mobilen Geräte hängt sehr vom Alter der Nutzer ab. Drei Viertel der 12-17jährigen nutzen die Geräte zum Musik hören, während das nur ein Achtel der über 50jährigen tut. Die Jüngeren (12-17jährige und 18-34jährige) Radfahrer hören nicht nur wesentlich öfter Musik, oder telefonieren während der Fahrt, als Ältere, sie tun dies auch in komplizierten Verkehrs-Situationen. Ältere Radfahrer (über 50jährige) berichteten zwei- bis dreimal häufiger, als junge Radfahrer (12-17jährige und 18-34jährige), dass sie diese Geräte vor allem nicht in unübersichtlichen Situationen nutzen würden. Die Studie ergab, dass es keine Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Radfahrern bei der Nutzung mobiler Geräte gibt.

Verwicklung in Fahrradunfälle
Einer von zwanzig (5,3 Prozent) niederländischen Radfahrern berichtete, dass er während des vergangenen Jahres in mindestens einen Fahrradunfall verwickelt wurde. Das Risiko in einen Fahrradunfall verwickelt zu werden liegt bei den 12-17jährigen ungefähr 1.7 mal höher als bei 18-34jährigen und sogar mehr als zweimal so hoch wie bei 23-49jährigen und älteren Radfahrern. Das Risiko in einen Fahrradunfall verwickelt zu werden, ist für junge Radfahrer in Großstädten fast 2.5 mal höher als in anderen Gegenden.

Beitrag der mobilen Geräte zu Fahrradunfällen
Die Internet-Studie hat herausgefunden, dass das Risiko in einen Fahrradunfall verwickelt zu werden, bei steigendem Einsatz mobiler Geräte, größer wird. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass die Unfallrate bei Nutzern dieser Geräte um den Faktor 1.3 höher liegt, als bei Radfahrern, die nie Medien-Geräte während der Fahrt nutzen. Ebenso wie die Faktoren Alter, auf dem Fahrrad verbrachte Zeit, Rad fahren in gefährlichen Situationen, hat die Nutzung mobiler Geräte während des Radfahrens scheinbar einen signifikanten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, in einen Fahrradunfall verwickelt zu werden. In relativen Zahlen erhöht die Nutzung mobiler Geräte zwar das Risiko, während des Radfahrens zu Fall zu kommen, in absoluten Zahlen führt die Nutzung mobiler Geräte jedoch nicht zu den Gefahren wie gedacht. Ungefähr 10 Prozent aller Fahrradunfälle und rund 9 Prozent der Unfälle mit Verletzungen haben mit der Nutzung mobiler Geräte zu tun. Demzufolge sind dies die maximalen Prozentzahlen von Fahrradunfällen, bei denen die Nutzung dieser Geräte eine Rolle gespielt haben könnte. Andere mögliche Einfluss-Faktoren für das Zustandekommen von Fahrradunfällen werden drei mal häufiger genannt, als die Nutzung mobiler Geräte während der Fahrt. Folglich hat die Nutzung dieser Geräte zwar einen Einfluss auf das Unfallgeschehen, aber nur in geringem Maß.

Kompensationsverhalten
Knapp über sechs von zehn Radfahrern nutzen tragbare Geräte während der Fahrt und berichteten über die Anpassung ihres Verhaltens (bis zu einem gewissen Umfang). Radfahrer in der Altersgruppe 12-34 gaben hauptsächlich an, als Ausgleich zur Nutzung von mobilen Geräten während der Fahrt, aufmerksamer auf den Verkehr zu achten. Ältere Radfahrer nannten oft das Tragen eines Helms als persönliche Kompensationsmaßnahme.

Vorschläge
Es gibt Hinweise darauf, dass beim Zusammentreffen mehrerer Faktoren wie Alter und Fahrradnutzung, die Nutzung von tragbaren Geräten während der Fahrt ein eigenständiger, das Risiko erhöhender Faktor ist. Es ist daher ratsam, öffentliche Informations- und Bildungsmaßnahmen zur Erhöhung des Bewusstseins zu ergreifen, die auf die Gefahren, die durch die Nutzung mobiler Geräte während der Fahrradfahrt entstehen können, hinzuweisen. Die Empfehlung - mobile Geräte während der Fahrt gar nicht zu nutzen - ist wahrscheinlich nicht besonders effektiv, denn relativ viele junge Radfahrer sind nicht von den potenziellen Gefahren des Nutzens mobiler Geräte während der Fahrt zu überzeugen, oder sie sind der Meinung, brenzliche Situationen dennoch gut beherrschen zu können. Öffentliche Informationsmittel sollten deshalb Anregungen bieten wie die Geräte während der Fahrt vernünftiger eingesetzt werden können.

Quelle: www.swov.nl/rapport/R-2010-05.pdf "Gebruik van draagbare media-apparatuur en mobiele telefoons tijdens het fietsen - Resultaten van een grootschalige internetenquête", R-2010-5, Dr. Ch. Goldenbeld, dr. M. Houtenbos & E. Ehlers, Leidschendam, 2010, Stichting Wetenschappelijk Onderzoek Verkeersveiligheid SWOV

Meta Infos
Stand der Information
24. April 2010
Quelle

"Gebruik van draagbare media-apparatuur en mobiele telefoons tijdens het fietsen - Resultaten van een grootschalige internetenquête" (www.swov.nl)

Land
Niederlande
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen