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Was kostet die Radverkehrsförderung in Deutschland?

Studie "Finanzierung des Radverkehrs bis 2030" erschienen

Studie "Finanzierung des Radverkehrs bis 2030"
Studie "Finanzierung des Radverkehrs bis 2030" © Prognos/BMVI

Die Studie "Finanzierung des Radverkehrs bis 2030" umfasst eine erstmalige Abschätzung der aufgewendeten Finanzmittel für den Radverkehr in Deutschland. Neben einer Berechnung dieser Finanzmittel je Einwohner und einer Gliederung nach Raumgrößen, wurde außerdem eine Abschätzung der Finanzmittelflüsse und -verwendungen auf den einzelnen Verwaltungsebenen vorgenommen. Mithilfe einer umfangreichen kommunalen Stichprobe konnten zudem erstmalig kalkulatorische Einheitskostensätze für Maßnahmen zur Radverkehrsförderung berechnet werden.

Zusammenfassung der Studie "Finanzierung des Radverkehrs bis 2030"

In der aktuellen Debatte über Klima- und Umweltschutz gewinnt der Radverkehr in Deutschland als alternatives Verkehrsmittel immer mehr an Bedeutung. Über 80 Prozent der Deutschen nutzen das Fahrrad im Alltag, insbesondere für Distanzen von bis zu 15 Kilometern. Die Förderung des Radverkehrs kann daher besonders in Städten einen wichtigen Beitrag für nachhaltige Mobilität leisten. Durch die stark zunehmende Entwicklung und steigende Popularität von Pedelecs wird Fahrradfahren zudem auch in ländlicheren Gebieten und topographisch anspruchsvolleren Räumen attraktiv. Als innovativer, umweltfreundlicher und bewegungsfördernder Verkehrsträger stellt das Fahrrad somit eine attraktive und alltagstaugliche Fortbewegungsalternative dar.

Ziel dieser Untersuchung ist es, den finanziellen Umfang der Radverkehrsförderung für investive und nicht investive Maßnahmen sowie Betrieb und Unterhalt erstmalig abzuschätzen, bis 2030 hoch zu rechnen und anhand von zwei Szenarien mit jeweils ausgewählten urbanen und ländlichen Förderschwerpunkten weitere exemplarische Empfehlungen für die Radverkehrsförderung in Deutschland zu geben.

Aufgrund der verschiedenen Baulastträgerschaften und eines weitgehend fehlenden Berichtssystems ist die Datenlage zur Radverkehrsinfrastruktur unvollständig und zum finanziellen Umfang der Radverkehrsförderung über alle Verwaltungsebenen hinweg weitgehend nicht vorhanden.

Mit dem in dieser Untersuchung gewählten Basisjahr werden die vorgefundenen Daten zur Radverkehrsförderung aus den Jahren 2015 bis 2017 auf ein Durchschnittsjahr zusammengeführt. Grundlage sind Angaben aus verschiedenen Einzeljahren, die sich nicht auf ein bestimmtes Analysejahr hochrechnen ließen, weil die Daten je Einzeljahr hierfür nicht hinreichend vollständig und belastbar waren.

Insofern haben die summarischen Angaben zur Förderung des Radverkehrs im Basisjahr einen synthetischen Charakter. Sie haben jedoch auf den aggregierten Ebenen der Baulastträger ein hohes Maß an Plausibilität, weil sie mit den Kennziffern (Ausgaben pro Einwohner und Jahr; Haushaltspläne der Bundesländer) verprobt worden sind. Deshalb ist es zulässig, die Angaben zum Basisjahr in der Radverkehrsförderung als Referenz heranzuziehen.

Die Förderschwerpunkte in den Szenarien "Stadt Plus" und "Land Plus" sind exemplarisch gewählt und dienen der beispielhaften inhaltlichen Ausgestaltung der zusätzlichen Fördermittel.

Im Ergebnis der Untersuchung lässt sich festhalten:

  • Im Basisjahr wurden in Deutschland insgesamt 650 Mio. Euro für die Radverkehrsförderung ausgegeben; davon waren in den Haushalten des Bundes rund 126 Mio. Euro, der Länder 146 Mio. Euro, der Kreise 78 Mio. Euro und der Städte und Gemeinden 300 Mio. Euro eingestellt. Die Hauptlast der Radverkehrsförderung liegt bei den Städten und Gemeinden, die über Zuweisungen von Bund, Ländern und Kreisen insgesamt rund 384 Mio. Euro verausgabten.
  • Damit ergibt sich auf der Ebene der Städte und Gemeinden ein durchschnittlicher Wert von 5 Euro je Einwohner für die Radverkehrsförderung im Basisjahr. Addiert man dazu die Ausgaben des Bundes, der Länder inkl. Stadtstaaten und der Kreise, so beträgt der Wert rund 8 Euro je Einwohner für die Radverkehrsförderung in Deutschland im Basisjahr.
  • Unter der Annahme, dass das Förderverhalten unter Einschluss der heute bereits definierten Förderschwerpunkte (wie z. B. Radschnellverbindungen) bis 2030 fortgeschrieben wird und dass sich das künftige Ausgabevolumen an den Wachstumsraten der Ausgaben für den Radverkehr zwischen den Jahren 2008 und 2017 orientiert, müssen 2030 rund 900 Mio. Euro für die Radverkehrsförderung in Deutschland aufgewendet werden (Status-quo-Szenario).
  • Für zusätzliche Förderschwerpunkte wie Lastenräder, Pedelecs, Abstellanlagen und Servicestationen in Städten und Metropolregionen könnten im Jahr 2030 weitere Ausgaben in Höhe von ca. 65 Mio. Euro hinzukommen (Szenario "Stadt Plus"). Würden zusätzlich die Anschaffung von Pedelecs, der Ausbau nationaler D-Routen und die Einrichtung von Servicestationen speziell in weniger verdichteten Landesteilen Deutschlands gefördert, so müssten weitere 91 Mio. Euro im Jahr 2030 bereitgestellt werden (Szenario "Land Plus").
  • Im Ergebnis würden damit die zurückgelegten Personenkilometer von 40,8 Mrd. Pkm (Basisjahr) auf 47 Mrd. Pkm im Jahr 2030 (Status quo Szenario) steigen. Mit den zusätzlichen Mitteln für die jeweiligen Förderschwerpunkte könnte eine Steigerung auf 49 Mrd. Pkm (Szenario "Stadt Plus") und 50 Mrd. Pkm (Szenario "Land Plus") mit dem Fahrrad erreicht werden. Alle Szenarien zusammen könnten im Jahr 2030 rund 51 Mrd. Pkm erreichen.
  • Für die investiven Maßnahmen wurden aus den vorliegenden Daten Einheitskostensätze für
    vier Kategorien ermittelt: Radweginfrastruktur, Ingenieurbauwerke, Beschilderung sowie Abstellanlagen. Für die Ausweisung einer Fahrradstraße liegen die Kosten beispielsweise bei rund 60.000 Euro/km, für den Neubau eines baulich getrennten Radwegs bei rund 500.000 Euro/km innerorts und 250.000 Euro/km außerorts. Ingenieurbauwerke mit einer Länge von bis zu 25 Metern schlagen kalkulatorisch mit 2,8 Mio. Euro je Bauwerk zu Buche.
  • Die Ausgaben für nicht investive Maßnahmen liegen im Basisjahr für alle Kreise, Städte und Gemeinden bei ca. 0,35 Euro/Einwohner. Um den aktuellen Trend Rechnung zu tragen, sollte derzeit mit ca. 0,40 Euro/Einwohner auf kommunaler Ebene kalkuliert werden.

Die im Zuge der Erhebungen geführten Hintergrundgespräche und Interviews mit Vertretern auf kommunaler, Landes- und Bundesebene führen zu folgenden Handlungsempfehlungen:

  • Schaffung eines lückenlosen Radverkehrsnetzes
  • Verbesserung der Verkehrssicherheit
  • Schaffung von Rahmenbedingungen für den vermehrten Einsatz von Pedelecs und Lastenfahrrädern
  • Förderung von radverkehrsbezogenen Kompetenzen und Stellen in den kommunalen Verwaltungen
  • Schaffung einer bundesweiten und aufgabenträgerübergreifenden nationalen Koordinationsstelle für den Radverkehr
  • Verbesserung der Kommunikation über bestehende Fördermittel für den Radverkehr in den
  • öffentlichen Haushalten.
Quelle: Studie "Finanzierung des Radverkehrs bis 2030"
Forschungskennzahl 97.0377/2017
Projektnummer 28501
Herausgeber:
Prognos AG
Autoren: Hans-Paul Kienzler, Maike Breitzke, Stephan Kritzinger, Michael Kutschera, Alexander Labinsky, Simon Westphal, Theresa Gutberlet
Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur,
Berlin, Oktober 2019
Meta Infos
Stand der Information
12. November 2019
Weitere Informationen
Quelle
Prognos/BMVI
Land
Deutschland
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen
Schlagworte